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22.07.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv

Bibelarbeit im September 2004

Dann wird nicht mehr lehreneiner seinen Nächsten (Jer 31,31–34)

1. Der Text:

 

Sieh, Tage kommen,
ist des Ewigen Spruch,
da schließe ich
mit dem Haus Jisraël und dem Haus Jehuda
einen neuen Bund:
Nicht wie der Bund,
den ich mit ihren Vätern geschlossen
am Tag, da ich sie an der Hand fasste,
um sie aus dem Land Mizraim zu führen,
wo sie dann meinen Bund übertraten,
wiewohl ich ihr Herr geworden,
ist des Ewigen Spruch.
Sondern dies ist der Bund,
den ich mit dem Haus Jisraël schließen will
nach jenen Tagen,
ist des Ewigen Spruch:
Ich lege meine Weisung in sie
und schreibe sie auf ihr Herz!
Dann werde ich ihnen Gott,
und sie mir Volk sein.
Dann lehrt nicht mehr
einer den andern
und einer den Bruder,
sprechend: ‚Erkennt den Ewigen!‛
Denn sie alle werden mich kennen,
von ihrem Kleinsten bis zum Größten,
ist des Ewigen Spruch,
Denn ich verzeihe ihre Sünde,
und ihrer Schuld will ich nicht mehr gedenken.

(Übersetzung:
Naftali Herz Tur-Sinai)

Wohlan, Tage kommen,
ist SEIN Erlauten,
da schließe ich
mit Haus Jisrael und mit Haus Jehuda
einen neuen Bund.
Nicht wie der Bund,
den ich mit ihren Vätern geschlossen haben
am Tag, als an der Hand ich sie fasste,
sie aus dem Land Ägypten zu führen:
dass sie selber diesen meinen Bund trennen konnten, –
und war ichs doch, der sich ihrer bemeistert hatte,
SEIN Erlauten,
denn dies ist der Bund,
den ich mit dem Haus Jisrael schließe
nach diesen Tagen,
ist SEIN Erlauten:
ich gebe meine Weisung in ihr Innres,
auf ihr Herz will ich sie schreiben,
so werde ich ihnen zum Gott,
und sie, sie werden mir zum Volk.
Und nicht brauchen sie mehr zu belehren
jedermann seinen Genossen,
jedermann seinen Bruder,
sprechend: Erkennet IHN!
Denn sie alle werden mich kennen,
von ihren Kleinen bis zu ihren Großen,
ist SEIN Erlauten,
Denn ihren Fehl will ich Ihnen verzeihen,
ihrer Sünden nicht mehr gedenken.

(Übersetzung: Martin Buber)

2. Zu den Übersetzungen:
Von 1925 bis 1929 übersetzten Martin Buber und Franz Rosenzweig die Bücher der hebräischen Bibel ins Deutsche. Nach dem Tod Rosenzweigs 1929 führte Buber das Projekt alleine zu Ende. Naftali Tur-Sinai führte seine Übersetzung nahezu zeitgleich in den Jahren 1919 – 1933 durch. Beide jüdischen Übersetzungen bemühen sich um große Nähe zum biblischen Text.

"Jahwe/JHWH", der Gottesname, in den gängigen Übersetzungen mit "Herr" wiedergegeben, wird von Tur-Sinai durch "der Ewige", von Buber/Rosenzweig durch das im Druckbild hervorgehobene Personalpronomen (ER) ersetzt. Im Folgenden wird die Übersetzung von Buber/Rosenzweig verwendet.

3. Der geschichtliche Hintergrund von Jer 30.31:
Jer 30.31 stellt eine in sich geschlossene Einheit dar, entstanden ist der Text aber über eine länge-re Zeit, die ältesten Schichten im ausgehenden 6. Jahrhundert v. Chr., mehr als ein Jahrhundert später die jüngsten. Es handelt sich um ein Jahrhundert großer politischer, gesellschaftlicher und religiöser Umwälzungen. Über den größeren Teil seiner Geschichte und über den gesamten Zeit-raum, der über archäologische Funde und außerbiblische Quellen zu belegen ist – seit etwa dem 9. Jh., in einer Zeit, die, der biblischen Darstellung der Ereignisse nach, auf David und Salomo erst folgen, bis zum Ende ihrer politischen Selbständigkeit – lebt das Volk Israel in zwei politisch unabhängigen Staaten. 722 wird das Nordreich (Israel) von den Assyrern erobert, die Ober-schicht verschleppt. Auf diese Ereignisse blicken die ältesten Teile der beiden Jeremia-Kapitel weit zurück. Dem Verfasser sind sie jedoch bedeutsam auch genug für das mit dem Südreich (Ju-da) verbliebenen Rest-Israel, um in seiner Vision einer Heilszeit die Umkehrung dieser in erster Linie das Nordreich betreffenden unheilvollen Verhältnisse mit einzubeziehen. Um 600 gerät Ju-da in den Machtbereich der Neubabylonier. Während die Konflikte zunehmen und die Katastro-phe (597) absehbar wird, entsteht eine weitere Bearbeitungsschicht, dann eine, nachdem 587 auch der Südstaat seine Selbständigkeit endgültig verloren hat und die Oberschicht in die Verbannung geführt worden ist. Die jüngsten Text-Schichten stammen erst aus der Zeit nach der Rückkehr aus dem Exil (um 520), durch einen weiteren Wechsel auf der internationalen Bühne der Macht ermöglicht: Kyrus, der König der Perser, wird nicht nur von den Israeliten in Juda als Befreier empfunden.

Nicht immer sind historische Hintergrundinformationen nötig, um einen Text zu verstehen. Es kommt jedoch vor, dass sie hilfreich sind. Unvermitteltes, wie in Jer 31,31, wo einmal vom Haus Israel und einmal vom Haus Juda die Rede ist, verdankt sich der Vielzahl der Bearbeitungsschich-ten. Juda wird in den Text eingetragen, als es das Schicksal des Nordreiches teilt und damit auch für die Israel zugesprochenen Verheißungen selbst unmittelbarer ansprechbar wird. So, wie er vorliegt, entstand der Textabschnitt Jer 31,31–34 nach 587.

Bibelarbeit

4. Zum Text (Jer 31,31–34):
Jer 30.31 ist ein mehrheitlich poetischer und ein sprachlich dichter Text, der sich von seiner Textumgebung  in  Prosa deutlich abhebt. Jer 31,31–34, selbst wiederum in Prosa, ist eine zentrale Stelle gegen Ende des Textzusammenhangs von Jer 30.31. Stichworte spielen Themen an, die auch an anderer Stelle eine Rolle spielen. Von Jer 31,31–34 aus lassen sich Linien ausziehen in die Kapitel 30 und 31, darüber hinaus auch in andere Passagen des ersten Teils unserer Bibel. Was auf diese Weise entsteht, ist ein "Netz aus Texten", verknüpft über Themen und Stichworte:

"So werde ich ihnen zum Gott,
und sie, sie werden mir zum Volk"
(die Bundesformel)

An diesem Tag gebietet dir ER dein Gott, diese Gesetze und diese Rechtsgeheiße zu tun: wahre, tue sie mit all deinem Herzen, mit all deiner Seele! IHM hast du dich heuttags anversprochen: dir zum Gott zu sein, – (...) und ER hat sich dir heuttags anversprochen: ihm zu einem Sonderguts-Volk zu sein. (Dtn 26,17–19*)

Die so genannte "Bundesformel" (31,33) ist für Jer 31,31–34 – vermittelt über die zentrale Stellung von Jer 31,31–34 in Jer 30.31 auch für Jer 30.31 – zentral. Sie zitiert Dtn 26,17–19. Von ihr aus ist sowohl der engere (Jer 31,31–34) als auch der weitere (Jer 30.31) Textzusammenhang zu lesen. Beschreibt die Rede vom Bund doch das Verhältnis von Gott und Mensch. Und ist das Verhältnis von Gott und Mensch, am konkreten Beispiel des Verhältnisses Gott – Israel doch übergeordnetes Thema des gesamten Textkomplexes; "So werde ich ihnen zum Gott, und sie, sie werden mir zum Volk" steht an zentraler Stelle im Text gleichwohl als "Überschrift" über allem übrigen. Beide Übersetzungen (die Bubers und die Tur Sinais) sind prinzipiell möglich. Buber drückt jedoch eine Dynamik aus (gestützt durch das hebräischen Präfix "l", häufig den Dativ anzeigend), die dem Aspekt einer Beziehung gerechter zu werden scheint.

"Sieh Tage kommen ..."
Der Text entwirft das Bild "dieser/jener Tage/Tagen, die kommen" als ein Bild solcher Tage, an denen die Angesprochenen in gleichberechtigtem Miteinander mit ihren Mitmenschen – "Und nicht brauchen sie mehr zu belehren jedermann seinen Genossen, jedermann seinen Bruder, sprechend: Erkennt IHN!" – und in unverstelltem Gegenüber zu ihrem Gott – "Denn sie alle werden mich kennen ..." – leben. So wie das Bild des Verhältnisses von Gott und Mensch, Mensch und Mensch beschrieben wird, trägt es endzeitliche Züge. Allem in den Beschreibungskategorien und Erfahrungsmustern der Gegenwart Vorstellbaren widerspricht dieser Bund. Alles jemals Erfahrene übersteigt er. Wie der Urzustand der Schöpfung vor aller Zeit liegt, liegen auch jene Tage jenseits der Geschichte. Sie sind Maßstab dessen, wie es sein soll. Sie sind Vision. Als Erhofftes – und derart Geglaubtes – sind sie  ernst zu nehmen. Gott verbürgt, dass sie nicht jenseits aller Realität sind. Wie geht das zusammen?

Gott sah alles, was er gemacht hatte, und da, es war sehr gut. (Gen 1,24)

Ein neuer Exodus
"Jene Tage", "die kommen" werfen ihren Schatten auf Erlebtes und Erlebbares schon voraus. "Jene Tage" sind bis zu einem gewissen Grad auch schon jener Tag, an dem Israel aus dem Exil  zurückgekehrt ist. Das Jeremia-Buch kennt auch an anderer Stelle die Vorstellung vom Exil als  einem wiederholten, einem "neuen Exodus". In der als Befreiungstat Gottes erfahrenen Rückkehr aus dem Exil wird in diesen Tagen etwas von dem spürbar, was die Rede vom "neuen Bund" für jene Tage, die kommen, erst verheißt. Texte, die erzählen, dass solch endzeitliche Erfahrung diesseits der Endzeit bereits in Ansätzen und in aller Anfanghaftigkeit erfahrbar werden kann – dass sie auch erfahren werden wird – sprechen in der Regel mit einer solchen Erfahrung bereits im Rücken. Narrativ versetzen sie sich zurück ins Exil. Von Rückkehr erzählen sie im Modus der Verheißung. Die ersten Leser wissen, dass der Autor etwas schon Geschehenes verheißt. Gottes "neuer Bund" mag im hier und jetzt auch in Zukunft immer wieder von neuem erfahrbar werden – weil er und wie er ja bereits schon das ein oder andere mal erfahrbar geworden ist. Bezogen auf den Exodus ist die Rede der Verheißung literarische Fiktion, bezogen auf die Möglichkeit weiterer befreiender Erfahrungen ist sie es nicht.

Bibelarbeit

"Ich gebe meine Weisung in ihr Innres,
auf ihr Herz will ich Sie schreiben.

"Es seien diese Reden, die ich heuttags dir gebiete, auf deinem Herzen, ... rede davon, wann du sitzest in deinem Haus und wann du gehst auf den Weg, wann du dich legst und wann du dich erhebst, knote sie zu einem Zeichen an deine Hand, sie seien zu Gebind zwischen deinen Augen, schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und in deine Tore." (Dtn 6,4ff*)

"O Glück des Mannes, der ... Lust hat an SEINER Weisung, über seiner Weisung murmelt Tages und nachts! Der wird sein wie ein Baum, der an Wassergräben verpflanzt." (Ps 1,1–3*)

Die Weisung (Tora) JHWHs entspreche den Bedürfnissen derer, die von ihr angesprochenen sind. Lebensfördernd und lebensermöglichend ist die Weisung JHWHs. Nach Ps 1 ist die Beschäftigung mit ihr der Weg zu einem guten Leben. (Nach der Vorstellung von Dtn 4,6ff erfüllt diese Weisung das Leben in allen Lebensvollzügen des Alltags ganz.)

In Jer 31, 31–34 steht "Herz" dabei weniger für das Zentrum menschlicher Emotion als für das Zentrum menschlichen Willens. Es ist das "Wollen" Israels selbst, in das JHWH seine Weisung einschreibt. Nach Jer 17,1 ist es die Sünde Israels, die "auf die Tafel ihres Herzens" "mit eisernem Griffel", "mit diamantner Spitze" "eingegraben" ist. Die Vision von Jer 30,31–34 ist: In aller Freiheit wird Israel einschwingen auf die Weisung JHWHs. Das Volk wird in größtmöglicher Gottesnähe leben, weil es in größtmöglicher Gottesnähe leben wollen wird.

"er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln" (Dtn 5,22)

"Ich machte einen Schrein aus Akazienholz, ich hieb zwei Tafeln von Steinen wie die ersten. ... Ich wandte mich und stieg hinunter vom Berg, ich legte die Tafeln in den Schrein, den ich gemacht hatte, sie blieben dort, wie ER mir gebot" (Dtn 10,2.4)

Nach biblischem Bericht (Ex 20.31.34; Dtn 5; 10,2.4) schreibt JHWH den Dekalog auf Tafeln aus Stein. Diese Tafeln aus Stein finden Ihren Aufbewahrungsort in einer Lade. Mit ihr sind sie inmitten des Volkes mit dem Volk unterwegs. Der Dekalog ist nach biblischer Darstellung der Teil göttlicher Weisung, den Gott dem Volk ohne Vermittlung des Mose unmittelbar zuspricht. Der Dekalog zeichnet sich aus durch die Unmittelbarkeit seiner Verkündigung. Die Lade selbst erlebt innerhalb der Bibel eine Bedeutungsverschiebung vom mutmaßlichen Ort der Gegenwart Gottes (1 Sam 5,2–5; Num 10,35) zum Aufbewahrungsort der Tafeln des Dekalog (Dtn 10,1–5). In seiner Weisung ist Gott – vermittelt durch den Aufbewahrungsort der Tafeln – zeichenhaft präsent inmitten seines Volkes.

Wie schon in der Rede vom "neuen" Bund,  wird auch in der Rede vom "Geben der Weisung in ihr Innres" und " Schreiben der Weisung auf ihr Herz" an den Sinaibund gedacht. Er wird aber nicht überboten, sondern verinnerlicht. Als Verinnerlichter wird er, anders als der am Sinai geschlossene Bund niemals gebrochen. Nicht auf Stein, sondern auf das Herz eines jeden Einzelnen schreibt JHWH seine Weisung. Inmitten seines Volkes ist die lebensermöglichende Weisung JHWHs präsent, weil sie gewissermaßen zu einem unauslöschlichen, unverbrüchlichen Teil eines jeden Einzelnen geworden ist.

"Und nicht brauchen sie mehr zu belehren jedermann seinen Genossen, jedermann seinen Bruder, sprechend: Erkennet IHN! Denn sie alle werden mich kennen, von ihren Kleinen bis zu ihren Großen ..."

"Es seien diese Reden, die ich heuttags dir gebiete, auf deinem Herzen, einschärfe sie deinen Söhnen." (Dtn 6,6f)

Im zentralen ersttestamentlichen Texte des "Höre Israel" wird der Hörer dazu aufgefordert, die Weisung Gottes selbst zu verinnerlichen und sie an seine Kinder weiterzugeben. Jer 31,31–41 will diese Selbstverständlichkeit jüdischen Glaubensvollzuges durchaus nicht in Frage stellen. Die Weisung JHWHs wird vielmehr in einem solchen Maße verinnerlicht gedacht, dass ein Über-sie-Reden schlechterdings überflüssig wird.

"Denn sie alle werden mich erkennen ..."

Und nehme euch mir zum Volk, ich werde euch zum Gott, erkennen sollt ICH euer Gott bin, der euch führt, unter den Lasten Ägyptens hervor. (Ex 6,7)

Die Ägypter sollen erkennen, dass ICH es bin, da ich mich erscheinigte an Pharao, an seinem Fahrzeug und an seinen Reisigen. (Ex 14,18)

Gehört habe ich das Gemurr der Söhne Jisraels – rede zu ihnen, sprich: Zwischen den Abendstunden werdet ihr Fleisch essen, und am Morgen werdet ihr Brots satt werden, erkennen sollt ihr, dass ICH euer Gott bin. (Ex 16,12)

Erkennen sollen sie, dass ICH ihr Gott bin, der ich sie führte aus dem Land Ägypten, um einzuwohnen, ich, in ihrer Hütte, ICH ihr Gott. (Ex 29,46)

Sie sollen erkennen, dass dies deine Hand ist, selber DU es getan hast. (Ps 109,27)

Jetzt aber, DU, unser Gott, befreie uns aus seiner Hand, dass alle Königreiche des Erdlands erkennen: ja, einzig da bist DU! (Jes 37,20)

Vom "erkennen, dass ich JHWH, euer Gott bin", ist im Exodusgeschhehen an zentralen Stellen vielfach die Rede. An den Rettungstaten JHWHs soll das Volk erkennen, dass er, JHWH, Gott ist. Auch in den Geschichtsbüchern, in den Büchern der Propheten und in den Gebeten der Psalmen wird das "Erkennen", dass JHWH ist, der er ist, mit der Erfahrung seines rettenden Eingreifens für sein Volk verbunden. Das lebensermöglichende rettende Eingreifen zugunsten derer, denen Gott seine Zusage zuspricht, geht der Erfüllung dieser Zusage, die nach Jer auch das "Erkennen" Gottes selbst beinhaltet, noch voraus.

Wenn der  Einzelne in letzter Unmittelbarkeit zu seinem Gott lebt, wird wechselseitige Unterweisung über die Weisungen Gottes nicht länger notwendig sein. Jene Art der Gottesbeziehung berührt letztlich die Art der Beziehung der Menschen untereinander.

"Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken ..."
Die einseitige Zusage des Bundes Gottes, der das "Erkennen" Gottes, die Verinnerlichung seiner Weisung, das freiwillige Sich-nach-ihr-Richten ebenso beinhalten wie ein konkurrenzloses und bar jeglicher wechselseitiger Belehrung sich vollziehendes zwischenmenschliches Miteinander, gipfelt in der Zusage der Sündenvergebung. Wenn "Sünde" die Störung lebensstiftender und lebensermöglichender Beziehung von Gott und Mensch und von Mensch und Mensch meint, kommt die abschließende Rede von der Sündenvergebung nicht weiter überraschend.

"Neuer" Bund und "alter Bund"?
Der "neue Bund" in Jer 30.31 kennt keinen "alten" Bund, gegen den es ihn auszuspielen gälte. Von neuem und unwiderruflich sagt er vielmehr das zu, was immer schon Glaubenshintergrund einer jeden Bundes-Rede war. Die Rede jedwedem Bund, zeichnet ein Bild lebensstiftender und lebensermöglichender Gottesbeziehung. Die Details dieses Bildes unterliegen der Veränderung, – der literarischen Gestaltungsmöglichkeit, der theologischen Perspektive, dem Zeitkolorit. Die hinter den vielen Spielarten des einen Bildes vom Bund stehende Wirklichkeit ist jedoch in ihren Grundzügen immer die gleiche: Durch die wechselvolle Geschichte des Menschen mit seinem Gott hindurch ist die Zusage Gottes unverbrüchlich. War der Bund, den JHWH am Sinai mit seinem Volk schloss, auch gebrochen, zerbrochen war er nicht. Eben deshalb setzt Gott ihn wieder neu. In Jer 30.31 ist es eine Zusage, die aber selbst noch als einseitige allererst die Ermöglichung eines wechselseitigen Verhältnisses darstellt.

Bibelarbeit

Die Adressaten des "neuen Bundes"
Die Zusage eines unverbrüchlichen Bundes betrifft auf der Textebene zunächst Israel. In Ansätzen wird die Zusage erfüllt gedacht in der Rückkehr aus dem Exil. Sie reicht – ihrer endzeitlichen Natur nach – über diesen Anlass aber weit hinaus. In der Person Jesu von Nazareth sieht das Christentum sich mit hineingenommen in einen Bund zwischen Mensch und Gott. Müßig scheint es darüber zu reden, ob es sich oder ob es sich nicht um denselben Bund handelt. Vielfältig behandelt die biblische Rede von vielen Bünden nur immer wieder neu die eine Wirklichkeit eines von Gott zugesagten und von Gottes ständig erneuerter Zzusage garantierten guten Miteinanders von Gott und Mensch.

5. Bibelarbeit:

  • Ein Lied - z.B. GL 621

  • Einstieg

Möglichkeit A:

  • Zwei Plakate, überschrieben mit (Gott – Ich) (Du – Ich). Was zeichnet eine gelungene Beziehung zu einem anderen Menschen aus? Was ist "Gottesbeziehung"?
    Danach weiter wie in Möglichkeit 1 oder 2
  • Kam es zu Veränderungen in der Wahrnehmung des Textes?

Möglichkeit B:

  • Die Gruppe wird in Paare aufgeteilt
  • Lautes Lesen des Textes
  • Wer ist der Sprecher des Textes? In welcher Stimmung befindet sich der Sprecher des Textes?
  • Wie ändert sich jeweils die Wahrnehmung der Beziehung von Gott und Mensch
    Danach weiter wie in Möglichkeit 1 oder 2
  • Kam es zu Veränderungen in der Wahrnehmung des Textes

2. Phase

Möglichkeit 1:

  • Jer 31,31–34 wird in die Mitte gelegt. Rundherum liegen Ausschnitte weiterer ersttestamentlicher Texte mit inhaltlichen oder thematischen Bezügen zu Jer 31,31–34.
  • Jer 31,31–34 wird einmal laut gelesen.
  • Stille (eventuell Musik). Die Teilnehmer werden aufgefordert, umherzugehen und sich die herumliegenden Textausschnitte anzusehen. Die Teilnehmer werden eingeladen, die ausliegenden Textausschnitte um den Jer-Text herum auf einem Plakat zu platzieren. (Schriftliche Kommentare nach Art eines Schreibspieles sind denkbar.)
  • Phase des Austauschs: Warum habe ich welchen Ausschnitt wo platziert?
  • Gewinnt der Text durch die Konfrontation mit anderen biblischen Texten neue Konturen? Welche?

Möglichkeit 2:

  • (Falls die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, den unmittelbaren Kontext Jer 30 und 31 im Vorfeld zu lesen) Der Text wird noch einmal ausgeteilt.
  • In welche Situation spricht der Text (in seiner Endphase)
  • Welche Themen durchziehen den Ganzen Text?
  • Wie werden sie dort miteinander in Beziehung gesetzt?

(Je nach zeitlichem Rahmen kann auch unmittelbar mit der 2. Phase eingestiegen werden)

  • Ein Lied - z.B. GL 883

Zusätzliche Texte für die Bibelarbeit (über die oben angegebenen Zitate hinaus): Dtn 26,17–19; Ps 51,12; Jer 17,1; 24,5–7; 32,36–41; 50,5; Ez 11,17–20; 16,59–63; 36,24–28; Hos 2,20.

6. Literatur:
- Franz-Josef Backhaus, Das Buch Jeremia, in: Erich Zenger (Hg.), Stuttgarter Altes Testament. Einheitsübersetzung mit Kommentar und Lexikon, Stuttgart 2004, 1486–1485.
- William Lee Holladay, Jeremiah. A commentary on the book of the prophet Jeremiah. Bd. 2, Philadelphia 1989.
- Norbert Lohfink, Der niemals gekündigte Bund. Exegetische Gedanken zum christlich-jüdischen Dialog, Freiburg 1989.

Johanna Erzberger (September 2004)
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster
in Kooperation mit
kirchensite – online mit dem Bistum Münster
(www.kirchensite.de)

Bibelarbeit im September zum Download...

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