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27.07.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Auf dem Pfarrhaus von St. Joseph in Greenwich Village, Manhattan: Christian Matuschek.

Christian Matuschek

Ein Westfale sieht New York

New York. Gebürtiger Bielefelder, Theologe in Münster, Fotograf in Brooklyn: Christian Matuscheks Bilder sind in Manhattan und Köln zu sehen - und in einem neuen, ungewöhnlichen Adventsbuch.

Wer sich allen Ernstes mit dem Fahrrad durch die Straßen von New York City kämpft, ist zumindest reichlich eigen. Christian Matuschek tut das, nicht zuletzt um Zeit und Geld zu sparen und sich nicht in den namenlosen Strom der U-Bahnfahrer einreihen zu müssen. Und doch sind seine Drahteselritte nichts Besonderes in dieser Stadt, in der viele, um sich krampfhaft einen Rest Eigenart zu bewahren, zu deutlich abstruseren Dingen fähig sind. Fahrradfahren ist eine relativ unverdächtige Möglichkeit.

"New York ist eine Chance", sagt Christian Matuschek. Das zu machen, was er macht, und das zu sein, was er ist und sein könnte - das ist die Chance, das ist New York. Und wenn er sagt und sich dabei ein gewisses Grinsen nicht verkneift: "Ich bin gar nichts. Ich mache nichts", dann ist das zwar arg untertrieben, aber so müsste er wohl antworten, wenn man ihn - wie man das in Deutschland in Erwartung einer bündigen Aussage gern tut - fragte, was er denn sei, was er denn so mache, beruflich. Christian Matuschek ist Christian Matuschek -und das ist reichlich.

"In New York ist derjenige reich, der Zeit hat. Ich bin arm", sagt er. Mag sein, dass er deshalb von Zeit zu Zeit einen dieser zigmilliarden, in Schallgeschwindigkeit durch jene bekanntermaßen niemals schlafende Stadt sausenden Augenblicke einfängt und mit dem Druck auf den Auslöser seiner Kamera gerinnen lässt für alle Zeit.

Challenge of Advent

Ein Obdachloser in Manhattan – "Die Stadt
kommt zu mir", sagt Christian
Matuschek.

Christian Matuschek ist Fotograf. Er ist das unter anderem, aber seine Fotografien offenbaren stärker und eindrücklicher das, was nicht unbedingt offenkundig ist bei diesem jungen Westfalen in New York: Präsenz, Nähe, Bezogenheit, Bleiben - freilich bei aller Distanz zu dem, was er da vor die Linse bekommt:
ein Obdachloser, auf der Straße liegend zum Beispiel, mit seiner Habe in Plastiktüten um sich herum, über ihm Filmplakate mit Titeln wie "Playing God", "A life less ordinary", "Eye of god". Fast zu perfekt, fast ein Klischee: Ein Menschenopfer vor dem Hochaltar der Luxusglitzerwelt. Aber Christian Matuschek will keine Sozialkritik auf dem Broadway veranstalten. Er zeigt Details der Welt und die Welt in jedem Detail. Vorbeihuschende Augenblicke und darin angehaltenen Atem. Das Normale im Fokus, schärfen seine Bilder das Gewöhnliche derart, dass das Gewohnte angeraut wird an den Seiten und das Leben sich daran zu reiben beginnt.

Genau genommen zeigt er all das nicht einmal. Zeigen wäre zu didaktisch in seinen Augen, zu pädagogisch, absichtlich. Und doch liebt er es, von einer "Sehschule" zu sprechen: "Die Wahrnehmung schulen, die Sinne schärfen, auf Dinge aufmerksam werden, die man eigentlich kennt. Das kann man entweder direkt wieder vergessen - oder es ändert dein Leben."

Christian Matuschek geht nicht auf Bilderjagd. "Die Stadt kommt zu mir", sagt er. "Es gibt keinen Grund, warum ich dieses oder jenes Foto gemacht habe. Erklärungen sind nicht wichtig." Das klingt bequem. Vielleicht ist es das auch. Vielleicht ist man solche Grund- und Zwecklosigkeit auch einfach nicht gewohnt.

Der Blick auf das Alltägliche entfernt den Fotografen und Theologen Christian Matuschek wie von selbst vom Alltäglichen. Distanz in Beziehung und Beziehung in Distanz, kein "Ersaufen in Gefühlen" und keine kalte Arroganz - so in etwa sieht seine Lebenshaltung aus. Und wenn er fotografiert, zelebriert er genau diesen Stand. Den einzigen, der zu ertragen ist für ihn.

Natürlich - es gibt andere Stationen: Christian Matuschek, der gebürtige Bielefelder mit oberschlesischen Wurzeln; der sowohl in einer Autowerkstatt als auch in einer Bank gejobbt hat und der eigentlich immer Priester werden wollte - "es hat mich eine Ewigkeit gekostet, das nicht zu ignorieren"; der dann tatsächlich in Paderborn Theologie studierte, zwei Semester auch in Münster mit Wohnsitz im Pfarrhaus von Gelmer; den eine "Übersprungshandlung nach einer Griechisch-Prüfungstortur" nach New York führte - eigentlich nur "für einen Herbst im Centralpark"; den der Pfarrer und die Gemeinde von St. Joseph in Greenwich Village, Manhattan, so faszinierten, dass er sich entschloss, seine Pläne zu ändern, nach New York zurückzukehren und "St. Joseph’“s" zum Thema seiner Diplomarbeit zu machen - als "ermutigendes Beispiel aus der Neuen Welt". Seit 2001 lebt er ganz in New York.

Auch das ist so wenig eindeutig, wie New York eindeutig ist. "Ich könnte auch ganz anderes tun, an anderen Orten, aber ich bin hier", sagt er und findet das gut. "Das kann man naiv nennen - oder gläubig." Es ist, wie es ist, und was wird, was kommt, wohin es geht, "das wird man sehen", sagt er. "Woher soll ich das wissen?"

Im Pfarrhaus von Greenwich Village hat er nach wie vor ein Zimmer und macht dort die Hälfte der Woche das, was man einen "Pastoral associate" nennt, flapsig gesagt ein Mädchen für alles: spirituelle Angebote für junge Erwachsene, das Pfarrbüro betreuen, die Kirchentreppen fegen, wenn Not am Mann ist. Oder er gestaltet einen Adventskalender auf der Internetseite der Pfarrei: mit seinen Fotografien aus New York, die er neben Gedanken verschiedener Gemeindemitglieder zu Versen aus den Tageslesungen der Liturgie stellt; eine Arbeit, die rechtzeitig zum Advent 2003 im Dialogverlag Münster als (zweisprachiges) Buch herausgekommen ist. "Challenge of Adent - Adventliche Zumutungen" lautet der Titel..

In Brooklyn macht er eine am Ende schwarz auf weiß beurkundete Ausbildung zum Krankenseelsorger im "Veteran“s Association Hospital", betreut vor allem psychisch kranke und drogenabhängige Vietnamkämpfer.

So richtig drin ist er nirgendwo, aber einen Ort gibt es, der der Seelenlandschaft des Christian Matuschek besonders nahe kommt: Ein kleines, separat stehendes Häuschen mit braunroten Ziegeln und grünen Fenstern in Red Hook im Stadtteil Brooklyn. Da wohnt er, wenn er nicht in St. Joseph“s ist. Rundherum rostet es vor sich hin - ein verlassenes, raues Industrieviertel, das wegen seiner großen, leer stehenden Lagerhäuser direkt am Wasser zurzeit von Künstlern und Lebenskünstlern entdeckt wird. Red Hook gilt als das "In-Viertel", vom New Yorker Stadtmagazin "Time Out" als "ultrahip" gerühmt. Man hat den genialsten Blick auf Freiheitsstatue und Downtown Manhattan und überhaupt: Red Hook ist anders. Was zu sehr nach New York aussieht, ist längst nicht mehr New York. Das steigert die Chancen für das kultivierte Lagerleben jenseits des East Rivers, jenseits von Wall Street, Ground Zero und Southend.

Einmal im Monat findet in der besagten Wohnung in Red Hook ein "Artist Salon" statt. Ein gutes Dutzend Künstler aller Couleur sind in das kleine Wohnzimmertheater gekommen. Jeder Stuhl eine Bühne. Zwei laute Schauspielerinnen geben ein selbst geschriebenes Zwei-Frauen-Stück zum besten, ein Italo-Niederländer, Ende 30, liest aus seinen Memoiren und singt danach mit belegter Stimme zur Gitarre, ein Maler aus Deutschland zeigt die Provence in Öl, was einen Tänzer von der Westküste zu spontaner Körperperformance inspiriert. Es gibt Bohnensuppe und Bier, Tappas und Ginger Ale aus der Dose. Es ist still, es ist heiter, man schweigt und lacht sich kaputt. Christian Matuschek präsentiert die Fotografien seines ersten Buches, es wandert von Stuhl zu Stuhl, man sieht respektvoll gespitzte Lippen und staunend stummes Nicken. Abends, nachdem alle wieder fort sind, macht Judy von nebenan Brathuhn für den Fotokünstler.

Gleich um die Ecke des rostroten Ziegelhauses ist Christian Matuschek seit Anfang November in einer der leeren Lagerhallen bei "The Solo Works Show" vertreten, die Arbeiten von rund 200 Künstlern zeigt. In der "Photo District Gallery" auf der 20. Straße in Manhattan sind zurzeit weitere seiner Werke ausgestellt. Diesseits des großen Teichs ist Christian Matuschek gleich mit 60 Fotografien im "Trauerhaus" in der Kölner Innenstadt zu sehen, und am Vorabend des 1. Advent wird in der Oberhausener Jugendkirche "Tabgha" eine Ausstellung mit dem Bilderzyklus seines Buches eröffnet, die während der gesamten Adventszeit zu sehen ist.

Christian Matuschek, Wanderer zwischen Welten, nie ganz da und nie ganz weg; einer, der es sich herausnimmt, auf Fragen mit Fragen zu antworten, wenn überhaupt; der sich nicht festlegen lässt und sagt, dass er das weder will noch kann; für den "die ganze Welt eine Galerie mit ständig wechselndem Programm" ist und der sagt, dass es "Zeit braucht, um zu sehen" - dieser Christian Matuschek spricht ganz selbstverständlich von seiner Berufung. Er weiß ihren Namen nicht, aber sie muss irgendwo sein in dieser Galerie da draußen.

Text: Markus Nolte, New York /
Foto: Nolte (1), Christian Matuschek "Challenge of Advent" (2),
 in "Kirche+Leben", November 2003

Lesen Sie außerdem in "kirchensite":
- Adventliche Zumutungen Nummer eins: Verquere Zeichen
- Adventliche Zumutung Nummer zwei: Leben nach Vorschrift?
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