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30.07.2010
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Geistlicher Impuls:

Menschenrechte gründen in Gott

Zu den bekanntesten Worten der Bibel gehören die sogenannten 10 Gebote.

Die zehn Gebote oder der Dekalog, wie man mit einem griechischen Fremdwort sagt, sind an verschiedenen Stellen des Alten Testamentes überliefert (Ex 20, 1–17; Dt 5, 6–21). Die Texte haben eine längere Geschichte hinter sich. Sie haben deshalb an den verschiedenen Stellen eine jeweils leicht veränderte Form. So machen sie ihre Grundaussagen treffender in die jeweilige Situation hinein.

Sinai

Die Überlieferung der Bibel verbindet die 10 Gebote mit dem Erlebnis des Volkes Israel am Berg Sinai auf der Wüstenwanderung von Ägypten zum gelobten Land.

Noch einmal vereinfacht ist die Form der 10 Gebote, wie viele von uns sie im Religionsunterricht gehört und auch auswendig gelernt haben. Auch diese vereinfachten Formen haben einen unterschiedlichen Wortlaut. Hören wir die 10 Gebote zunächst einmal in der Form, wie viele von uns, wie auch ich, sie im Religionsunterricht gelernt haben.

Wie lauten die 10 Gebote, hieß die Frage im damaligen Katechismus. Die Antwort:

"Ich bin der Herr, dein Gott.
Du sollst keine fremden Götter neben mir haben!
Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren!
Gedenke, dass du den Sabbat heiligst!
Du sollst Vater und Mutter ehren!
Du sollst nicht töten!
Du sollst nicht ehebrechen!
Du sollst nicht stehlen!
Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten!
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau!
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut."
(Kath. Katechismus der Bistümer Deutschlands, 1953, S. 192)

Die Überlieferung der Bibel verbindet die 10 Gebote mit dem Erlebnis des Volkes Israel am Berg Sinai auf der Wüstenwanderung von Ägypten zum gelobten Land. Die Verbindung mit der Gotteserfahrung am Berg Sinai stellt ihren Anspruch unüberhörbar heraus.

Zum Verständnis der 10 Gebote ist der Vorspruch bedeutsam. Er ist gleichsam die Überschrift, unter der sie stehen. "Dann sprach Gott alle diese Worte: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten herausgeführt hat; aus dem Sklavenhaus" (Ex 20, 1–2).

Den 10 Geboten liegt die Auffassung zugrunde, dass Gott mit dem Leben des Menschen in allen seinen Bezügen zu tun hat. Religion ist nicht etwas, das sich in der kultischen Verehrung einer Gottheit erschöpft. Zur Religion gehören ganz wesentlich Sittlichkeit und Ethik. Sittliche Normen sind nicht bloße Umgangsformen, die sich im Laufe einer langen Entwicklung als gut und praktisch für das menschliche Leben und Zusammenleben ergeben und durchgesetzt haben. Die jüdisch-christliche Auffassung, wie sie in allen 10 Geboten zum Ausdruck kommt, gründet das sittliche Verhalten des Menschen im Anspruch Gottes und im Wesen des Menschen.

Damit geben die 10 Gebote Antwort auf Fragen, die in der Diskussion um Menschenrechte und Grundfreiheiten immer wieder gestellt werden: Worin sind die Menschenrechte letztlich verwurzelt und begründet? Setzt der Mensch diese Menschenrechte selbst in eigener Vollmacht fest? Können sie durch Mehrheitsbeschlüsse oder Machtanwendung geändert werden? Können Menschen sie für bestimmte Gruppen, Rassen und Völker einschränken oder außer Kraft setzen? Darf der Mensch sich einfach über Menschenrechte hinwegsetzen?

Eine säkularisierte Gesellschaft, die nur den Menschen sieht, hat es schwer, Menschenrechte zu begründen, die für Menschen unverfügbar sind.

Das jüdisch-christliche Denken gründet die Menschenrechte in Gott. Das wird bildlich dadurch deutlich, dass Gott selbst die 10 Gebote auf zwei Tafeln geschrieben hat. Es ist ein Bild dafür, dass Gott seine Hand im Spiel hat.

Autor: Bischof Dr. Reinhard Lettmann, August 2003

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