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24.05.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Der Barmherzige Samariter macht sich selbst zum Nächsten für den Hilfsbedürftigen.

Gottes- und Nächstenliebe

Das Vermächtnis fürdie Kirche und die Welt

Was haben Gottes- und Nächstenliebe miteinander zu tun? Wie passen sie zusammen? Jesus hat sie ganz eng zusammengerückt. Er wird gefragt, welches das größte, das wichtigste Gebot in Gottes Gesetz sei, sozusagen der Schlüssel zum Ganzen. Was will Gott vor allem anderen von den Menschen? Welchen Weg weist er ihnen? Wie können Menschen in ihrem Leben eine Mitte finden? Wie können sie glücklich werden, und zwar nicht nur für sich allein, sondern mit anderen Menschen zusammen?

Die Frage nach dem größten Gebot ist die Frage, worin Gott den Sinn unseres Lebens sieht. Jesus antwortet auf diese Frage aller Fragen mit dem Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe:

"'Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen und in deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.' Dies ist das erste und größte Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: 'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.' An diesen beiden Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten."

Vertraut und brisant

Das Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe klingt vertraut; irgendwie scheint es selbstverständlich. Und doch gibt kaum ein anderes Jesuswort, das so aktuell und so brisant ist wie dieses. Denn wir erleben gegenwärtig, wie Menschen, die sagen, dass sie von heißer Gottesliebe getrieben würden, zu Fanatikern werden, die das Leben anderer verachten und auch ihr eigenes Leben wegwerfen. Ist also die Liebe zu Gott, zum einzig Wahren, ein Risikofaktor unserer Gesellschaft? Muss man um des lieben Friedens willen auf die Unbedingtheit der Gottesliebe, auf den Anspruch der Wahrheit verzichten? Das denken viele, die sich mit Schaudern von den Exzessen sogenannter "heiliger Krieger" abwenden. Und wer wollte auch nur mit einer Silbe Gewalt im Namen Gottes verteidigen?

Aber wenn die Abkehr von religiösem Fanatismus mit der Abkehr von Gott, von Gottesglaube und Gottesliebe, gleichgesetzt wird, bleibt viel auf der Strecke. Menschen suchen nach Gott – soll es gut sein, dass sie zeit ihres Lebens in die Irre gehen? Wo bleiben die Gebete der Menschen, ihre flehentlichen Bitten, ihre Jubelgesänge, ihre Klageschreie? Gibt es niemanden mehr, der den Opfern der Gewalt, auch denen religiöser Kriege, helfen kann?

Es wäre großartig, würde es eine Liebe zu Gott geben, die so heiß, so stark, so leidenschaftlich ist, dass sie ausstrahlt auf andere und ihr Leben bereichert.

Es wäre großartig, würde es eine Nächstenliebe geben, die nicht auf sich allein gestellt ist, sondern Gott im Rücken hat und auf ihn auch dann noch vertrauen kann, wenn die eigenen Kräfte versagen.

Immer öfter

Menschen, bei denen Gottesliebe und Nächstenliebe zusammenpassen, sind ein Glücksfall. Sie sind ein Gottesgeschenk. Kennen Sie solche Menschen? Sind Sie vielleicht selbst ein Mensch, bei dem Gottes- und Nächstenliebe einander beflügeln und bestärken? Gewiss nicht immer und nicht in jeder Hinsicht, aber vielleicht ab und an, vielleicht nur selten, vielleicht aber immer öfter? Dann haben Sie Glück. Jesus setzt auf Menschen, die nach dem Wichtigsten in ihrem Leben fragen und eine Antwort hören wollen, mit der sie leben können. Und die auch andere leben lässt.

Gottes- und Nächstenliebe gehören zusammen, sagt Jesus. Auf der einen Seite ist das klar: Gottesliebe ohne Nächstenliebe ist pure Heuchelei. Aber auf der anderen Seite? Gibt es nicht viele Menschen, die anderen Gutes tun, ohne dass sie religiös sind? Ohne dass sie an Gott glauben? Ohne dass sie die Kirche gehen?

Jesus beginnt aber mit der Liebe zu Gott. "Dies ist das erste und größte Gebot." Gottesliebe führt zur Nächstenliebe – jedenfalls dann, wenn Gott so ist, wie Jesus ihn verkündet hat: wie ein Vater, der nach seinem verlorenen Sohn Ausschau hält und auch noch seinen Ältesten, der verstockt vor dem Haus stehen bleibt, einladen will, das Fest des Wiedersehens, eine kleine Auferstehung von den Toten, mitzufeiern (Lk 15,11-32). Jesus zitiert im ersten Teil seiner Antwort auf die Frage nach dem wichtigsten Gesetz das Schema Israel, das Hauptgebot Israels aus dem Alten Testament: "Höre Israel, der Herr, dein Gott ist einer, und du sollst ihn lieben aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft" (Dtn 6,4-5).

Von Herzen

Im alttestamentlichen Hauptgebot werden die "Organe" der Gottesliebe genannt: das Herz und die Seele, die Lebenskraft. Jesus fügt ausdrücklich noch den Verstand hinzu. Wer den Namen Gottes nicht nur auf den Lippen führt, sondern im Herzen trägt, hat eben deshalb auch die anderen Menschen im Blick. Eine herzlose Gottesliebe ist keine; eine herzliche Gottesliebe aber kann nicht mit Verweis auf Gott das Leben anderer Menschen, die auch ein Herz in ihrer Brust tragen, zerstören wollen.

Ebenso wenig wie eine herzlose gibt es eine seelenlose, eine kraftlose Gottesliebe, eine Gottesliebe ohne Sinn und Verstand. Deshalb führt die Gottesliebe im Sinne Jesu nie und nimmer zum Menschenhass. Im Gegenteil: Mit Herz und Seele, mit Verstand, mit aller Kraft Gott zu lieben – das schließt nicht von den anderen Menschen ab, sondern mit ihnen zusammen. Das bündelt alle Energie nicht nur auf die Frömmigkeit und den Gottesdienst – auf die auch; es lässt aber auch immer fragen, worin der Wille Gottes besteht, und eine Antwort suchen, die zur Gottesliebe passt.

Jesus will keine Gottesliebe ohne Nächstenliebe. Aber vor das Gebot der Nächstenliebe stellt er das Gebot der Gottesliebe. Warum?

Es geht ihm um das Menschenbild. Jesus treibt die Frage um, wie man einen Menschen sieht. Die beste Antwort, so sagt Jesus, gibt es dann, wenn man einen Menschen mit den Augen Gottes sieht. Denn Gott ist der Schöpfer; nach seinem Ebenbild ist der Mensch erschaffen; Gott ist auch der Erlöser – er will und wird die Menschen retten. Dafür ist Jesus gekommen. Mit seiner Sendung, mit dem Doppelgebot der Liebe, erfüllt Jesus den ureigenen Willen Gottes.

Deshalb zitiert er auch beim "zweiten Gebot", das dem ersten "gleich" ist, weil es zur Nächstenliebe ruft, die Bibel Israels: "'Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.'" (Lev 19,17-18).

Der Nächste, den es zu lieben gilt, ist nach dem alttestamentlichen Gesetz das Mitglied des Gottesvolkes. Jesus leugnet das nicht. Denn Gott beruft ja diejenigen in sein Volk, die seinem Namen die Ehre erweisen und der Gerechtigkeit dienen sollen. Die Mitglieder des Gottesvolkes bilden die Vorhut der Friedensmission, die Gott im Sinn hat.

Aber Jesus weitet den Begriff des Nächsten aus. Er sieht nicht nur diejenigen als Nächste, die schon ausdrücklich zum Volk Gottes gehören, sondern all diejenigen, von denen Gott will, dass sie seine Nähe spüren und ihren Glauben, ihre Liebe, ihre Hoffnung neu entdecken. Der barmherzige Samariter ist ein vorzügliches Beispiel. Er gehört nicht zum Gottesvolk der Juden, aber er hilft dem, der unter die Räuber gefallen ist, und macht sich damit selbst zu dessen Nächsten (Lk 10,25-37). Wer das sieht, wie der Gesetzeslehrer, der Jesus gefragt hatte, ist schon auf dem richtigen Weg.

Von Gott geliebt

Die Nächstenliebe, die von der Gottesliebe inspiriert wird, braucht sich nicht unbedingt in noch größerem Einsatz, noch größerer Hingabe, noch größerer Selbstlosigkeit als bei denjenigen zu zeigen, die anderen helfen, ohne an Gott zu denken. Entscheidend ist der Blick auf den Menschen: Nur wer Gott liebt, kann sehen, dass der Nächste ein Mensch mit einer Seele ist, erschaffen von Gott, geliebt von Gott, berufen zum ewigen Leben in seiner Gegenwart. Tiefer kann die Würde, kann das Lebensrecht eines anderen Menschen nicht begründet werden. Es ist ein Geschenk, an Gott glauben zu können und aus der Gottesliebe heraus den Nächsten zu lieben.

Der Nächste kann allerdings auch unsympathisch sein, abweisend, aggressiv. Das liefert keinen Grund, sagt Jesus, ihn links liegen zu lassen. Entscheidend ist, dass er nahe ist: eine Nachbarin, ein Familienmitglied, der Berufskollege, ein Verkehrsteilnehmer. Fernstenliebe ist leicht – Nächstenliebe ist schwer. Sie ist der Ernstfall des Lebens. Deshalb bleibt Jesus beim Wort des alttestamentlichen Gesetzes: Wenn du Gott liebst, dann sollst du auch deinen Nächsten lieben – wie dich selbst. Denn wie du selbst glauben darfst, von Gott geliebt zu sein, trotz aller Schwäche so sollst du auch glauben, dass dein Mitmensch von Gott geliebt ist, trotz aller Schwächen.

Text: Thomas Söding/Foto: Michael Bönte, 08.11.2008

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