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05.12.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Zeremonienmeister Marini hat jetzt angedeutet, dass es wieder Messen geben könnte, bei denen der Priester mit dem Rücken zum Volk (also Gott zugewandt) das Messopfer feiert.

Gottesdienste nach altem Ritus

Papst wünscht "Bereicherung" der modernen Liturgie

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)
Berlin. Ein Jahr, nachdem der Papst die "alte Messe" wieder weltweit ohne Vorbedingungen zugelassen hat, hält sich der Jubel in Deutschland in Grenzen. Zwischen Kritik und Unverständnis schwanken die Reaktionen auf den Schritt, mit dem Benedikt XVI. nach Auskunft seines Zeremonienmeisters Guido Marini vor allem zwei Ziele verfolgt: erstens die Aussöhnung mit den Traditionalisten, von denen sich Zehntausende nach der Liturgiereform von 1970 von Rom abgesetzt hatten. Und zweitens eine "Bereicherung" der neuen durch die alte Form der Messfeier.

Beides wird nördlich der Alpen mit Skepsis beobachtet. Der vom Pontifex erwünschte Brückenschlag zu den Hardlinern, deren Bischöfe 1988 exkommuniziert wurden, gilt hier angesichts der Verstocktheit der Gegenseite als aussichtslos. Eine Brücke könne nur dann verbinden, wenn sie auch von der anderen Seite angenommen und benützt wird, merkte etwa der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) an.

"Von innen heraus bejahen"

Derweil freut sich in Stuttgart der Philosoph Robert Spaemann, dass die kleine Schar der Kirchgänger nach altem Ritus zugenommen habe und wünscht sich im KNA-Gespräch, es möchten doch endlich auch die Bischöfe "von innen heraus bejahen, dass es eben auch die alte Messe gibt." Spaemann ist ein beharrlicher Wortführer jener, die mehr alte Messen wollen, ohne deshalb mit Rom und der neuen Messe zu brechen. Ihm wird ein guter Draht zum gleichaltrigen Papst nachgesagt.

Unterschiede zwischen Rom und Deutschland gibt es beim kirchenrechtlichen Umgang mit jenen Katholiken, die sich an der Tradition orientieren: Während der Papst unlängst in seinem Bistum Rom eine Personalpfarrei für diese Gruppe errichtet hat, schließen die deutschen Bischöfe in ihren Richtlinien solche Sonder-Lösungen ausdrücklich aus.

"Retro-Look" Benedikts

Ähnlich zurückhaltend wie die Wiederbelebung der alten Messe wird hierzulande auch die vom Papst gewünschte "Bereicherung" der modernen Messe durch Elemente der alten Liturgie aufgenommen. Eher belustigt reagieren deutsche Medien, wenn Benedikt XVI. Hüte, Messgewänder oder Stolen aus dem 19. Jahrhundert trägt. Dass er mit diesem "Retro-Look" Zeichen setzt, um wieder an die Tradition anzuknüpfen und die Bruchlinie der 1960er Jahre im Nachhinein zu heilen, wird in Deutschland wenig wahr genommen. Zeremonienmeister Marini hat genau dies in einem Interview des "Osservatore Romano" erklärt.

Marini machte dabei weitere Ankündigungen, die in deutschen Kirchenkreisen Stirnrunzeln hervorrufen. So stellte er fest, dass die "Handkommunion" eine Ausnahme ist, die der Papst für einige Länder auf Antrag gewährt hat. Der Regelfall bleibe die kniend empfangene Mundkommunion, die viele Katholiken nur noch aus ihrer Kindheit kennen. Der Zeremonienmeister ging noch weiter und deutete an, dass es wieder Messen geben könnte, bei denen der Priester mit dem Rücken zum Volk (also Gott zugewandt) das Messopfer feiert.

"Anbahnende Klimaveränderung"

Der Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards kommentiert derartige Neu-Orientierungen mit Unbehagen. Er erkennt darin eine "sich anbahnende Klimaveränderung". Was lange Zeit als Errungenschaft der Liturgiereform gegolten habe, darunter auch die Messfeier mit dem Gesicht des Priesters zum Volk, die muttersprachliche Messe und die Handkommunion, werde nun kritisiert.

Wie viele Theologen beschreibt auch Gerhards das Ringen um die Liturgie in Begriffen von Fortschritt und Rückschritt. Eben diese Denkweise wollen aber die Verfechter des römischen Neo-Traditionalismus hinter sich lassen: "Vorkonziliar" und "nachkonziliar" gehörten einem überwundenen Sprachgebrauch an, heißt es bei Marini. Der Weg der Kirche müsse als Kontinuität verstanden werden. Genau das hatte Papst Benedikt XVI. bereits in seiner ersten Grundsatzrede vor den versammelten Vatikanmitarbeitern am 22. Dezember 2006 gefordert. Was er damit konkret gemeint haben könnte, wird jetzt deutlich.

Text und Foto: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, 07.07.2008

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