
- Jutta Bitsch aus Münster.
Gespräch mit der Kirchenmusikerin Jutta Bitsch
Erfahrungen mit dem neuen Gesangbuch
Bistum. Sechs Monate testete die Gemeinde Heilig Kreuz in Münster die neuen Lieder für das Gebet- und Gesangbuch. "Kirche+Leben" sprach mit der Kirchenmusikerin der Gemeinde und Bezirkskantorin Jutta Bitsch über ihre Erfahrungen mit der Erprobung und die gewonnenen Erkenntnisse.
"Kirche+Leben": Welche Resonanz fand die Erprobung von neuen Liedern in Ihrer Gemeinde?
Jutta Bitsch: Die Resonanz war gut. Die Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich engagiert beteiligt: sowohl im Mitsingen der Probegesänge als auch in der Bewertung durch die Einreißzettel. Gerade die Unterstützung durch Kantorinnen, Schola und Chor – jeweils projektweise an verschiedenen Wochenenden – hat die Gemeinde motiviert, die neuen Gesänge zu lernen. Daneben erklärten sich viele Gemeindemitglieder verschiedener Altersgruppen bereit, Fragebögen auszufüllen, die auf bestimmte Bereiche der Probepublikation eingingen, zum Beispiel die Gestaltung der erläuternden Texte oder der Familiengebete.
"Kirche+Leben": Welche Vorschläge geben Sie den Kommissionen, die für die Erstellung des Gotteslobs zuständig sind?
Bitsch: Die Fragestellungen sowohl auf den Einreißzetteln der Gottesdienstbesucher als auch in den unterschiedlichen Fragebögen waren größtenteils sehr gezielt, zum Beispiel wie gut beziehungsweise wie wenig gut man die Melodie und den Text eines Lieds findet. Insofern entscheidet in diesen Fällen die Tendenz der Rückmeldungen aller Erprobungsgemeinden. Nur in den Fragebögen für Kirchenmusiker oder Seelsorger konnte man an manchen Stellen etwas ausführlicher Rückmeldungen geben. Aus unserer Gemeinde kam oft die Rückmeldung, dass das Druckbild der Probepublikation zum Teil sehr schlecht zu lesen sei. So etwas wird meines Erachtens auf jeden Fall von der zuständigen Kommission berücksichtigt werden. Oft wurde die Sprache der Gebete für Familien kritisiert.
Der große Anteil der Tagzeitenliturgien wurde von einigen kritisch eingeschätzt, auch in Darstellung und Unterteilung. Dazu zählten die vielen verschiedenen Magnificat-Vertonungen.
"Kirche+Leben": Was erhoffen Sie sich vom neuen Gotteslob?
Bitsch: Dass es, wenn es herausgegeben wird, nicht wieder überholungsbedürftig ist! Leider liegt ja der Zeitpunkt noch nicht fest, da die neue Einheitsübersetzung und das neue Messbuch noch ausstehen. Inhaltlich wünsche ich mir hier und da etwas mehr Mut, neben altem, wichtigem Lied- und Textmaterial wirklich Neues einzubringen.Meiner Erfahrung nach sind da auf musikalischem Gebiet gerade die schlichten, leicht zu lernenden, aber intensiven und meditativen Gesänge aus Taizé oder aus der Praxis der Ordensgemeinschaften und Geistlichen Gemeinschaften zu nennen. Sie zeugen von einer spirituellen Tiefe und sind auch generationenübergreifend sehr gut einsetzbar. Und natürlich sollten gute Lieder für kleine Kinder nicht fehlen.
Text und Foto: Johnnes Bernard in "Kirche+Leben", 28.05.2008
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