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24.05.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Gesät wird in Vergänglichkeit,auferweckt in Unvergänglichkeit.

Bibelarbeit im November 2007

Tod, wo ist Dein Sieg?

1 Kor 15, 35-58

Hinführung

Nachdenkliche Töne sind es, die der Liedermacher Reinhard Mey aus einem Gespräch mit seinem Gegenüber heraus erklingen lässt:

"Du hast mir schon Fragen gestellt
über Gott und über die Welt
und meist’ konnt’ ich Dir Antwort geben.
Doch jetzt wirfst Du mich aus dem Lot
mit Deiner Frage nach dem Tod,
und: was ist, wenn wir nicht mehr leben?"

Das Lied fährt fort:

"Da muss ich passen
- tut mir leid -,
keiner weiß da genau Bescheid
seitdem es Menschen gibt auf Erden.
- Ich stelle mir das Sterben vor
so wie ein großes helles Tor,
durch das wir einmal gehen werden!"

Und dann wird in ausdrucksstarken Bildern das entfaltet, was Christen den "Himmel" oder das "Paradies" oder einfach nur die "ewige Gemeinschaft mit Gott" nennen. Die Frage nach dem Tod, und was ist, wenn wir nicht mehr leben, ist eine Menschheitsfrage und darum auch eine – wenn nicht die - zentrale Frage des christlichen Glaubens. Sie wird im postmodernen, oft säkularen Meinungs- und Weltanschauungspluralismus unterschiedlich beantwortet. Das Spektrum der Vorstellungen ist weit. Es reicht von der Negation der Vorstellung eines Lebens nach dem Tod (so schreibt etwa der französische Philosoph und Existenzialist Jean Paul Sartre an seine Lebensgefährtin: "Sie liegen dann in Ihrer kleinen Kiste. Sie werden nicht herauskommen (…). Selbst wenn man mich neben Ihnen beerdigt, wird kein Weg von Ihrer Asche zu meiner Asche führen") über die westlich-verzerrte Variante der von ihren Ursprüngen her ostasiatischen Reinkarnationstheorie, die sich vielleicht am deutlichsten in der schlichten Parole "Ich wünsch’ Dir noch ein Leben!" Ausdruck verleiht (so die schwäbische Popgruppe PUR in ihrem Album "Seiltänzertraum"), bis hin zu dem (nicht zuletzt durch die paulinische Evangeliumsverkündigung tief geprägten) Glauben an ein österliches Leben nach dem Tod.

Die Position der Hoffnung, die Christen einnehmen, ist nicht unerheblich, und zwar aus zweierlei Gründen. Zum einen gilt bis in die Gegenwart hinein das – auch im Sinne eines kritischen Korrektivs unseres eigenen Glaubens zu deutende - Wort des Apostels, dass der christliche Glaube de facto "nutzlos" wäre und wir Glaubende "erbärmlicher daran sind als alle anderen Menschen", wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus setzen könnten, weil er eben nicht auferweckt worden wäre (vgl. 1 Kor 15, 17.19). Zum anderen ist der österliche Glaube als solcher gerade nicht nutzlos, sondern – im Gegenteil – fruchtbringend, nicht nur für die an Christus Glaubenden, sondern für alle Menschen und sogar die ganze Welt, weil er vom Wert des Lebens und seiner Strahlkraft kündet. Paulus weiß um beides. Darum lässt er nicht nach, den Menschen damals wie heute das Evangelium vom Leben, vom gekreuzigten und auferweckten Kyrios Jesus Christus zu verkünden.

Paulus an die Christen in Korinth

Der Erste Brief des Apostels Paulus an die Christen in Korinth behandelt in großer theologischer Intensität und Dichte eine Vielzahl wichtiger Themen. Er zeugt dabei von nicht wenigen, bis dato in der Gemeinde ungeklärt gebliebenen oder sogar kontrovers diskutierten Glaubensinhalten (vgl. 1 Kor 7, 1-40; 8,1 – 11,34; 12,1-14,40). Im Eingehen auf die Frage nach der Auferweckung Jesu Christi bringt Paulus die Mitte des christlichen Glaubens zur Sprache. Er weiß um die Brisanz der Beantwortung dieser Frage (1 Kor 15,17). Mit dem Glauben an die Auferstehung steht und fällt alles. Ohne sie bliebe jede christliche Hoffnung unbegründet. Auch das Schicksal der Verstorbenen entscheidet sich hier: Erst die Wirklichkeit der Auferweckung des Gekreuzigten eröffnet ihnen eine eschatologische und soteriologische Perspektive (vgl. 1 Kor 15,15ff). So skizziert der Apostel das Schicksal der Christen in enger Verknüpfung mit dem Geschick Christi. Gleich nachdem Paulus den österlichen Glauben noch einmal vor den Korinthern bezeugte (1 Kor 15, 1-11), thematisiert er darum die Hoffnung auf eine Auferstehung der Toten als Frucht des österlichen Geheimnisses (1 Kor 15, 12-34). Dient 1 Kor 15, 1-34 also der Proklamation des Glaubens an eine Auferstehung der Toten durch die Auferweckung Jesu Christi, wendet sich der dann folgende – im Rahmen dieser Bibelarbeit zu besprechende - Gedankengang der Frage nach dem Wie solcher Auferstehung zu (1 Kor 15, 35-58). Paulus greift dabei zunächst auf zwei Analogien aus der Natur zurück (1 Kor 15, 36-41), wendet sie in 1 Kor 15, 42-44 auf die Auferstehungsleiblichkeit an und sichert dann seine Argumentation durch einen Schriftbeweis ab (1 Kor 15, 45-49). So gelingt es ihm, eine Theologie der Auferstehung (1 Kor 15, 50-58) zu formulieren, die in hymnischer Sprache die Hoffnungsperspektive des Evangeliums bezeugt.

Der Text

1 Kor 15, 35-58

35: Wenn nun einer fragt: Wie werden die Toten auferweckt? Und was für einen Leib werden sie haben?
36: Wie töricht! Das, was Du aussäst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt.
37: Und was Du säst, hat noch nicht das Aussehen dessen, was entstehen soll, sondern ist ein nacktes Samenkorn, ein Weizenkorn etwa oder ein anderes.
38: Gott gibt ihm die Gestalt, die er bestimmt hat, jedem Samenkorn eine je eigene.
39: Auch die Lebewesen aus Fleisch sehen nicht alle gleich aus: die Menschen anders als die Herdentiere, die Vögel anders als die Fische.
40: Es gibt auch Himmelskörper und irdische Körper. Der Glanz der Himmelskörper ist anders als der der irdischen Körper.
41: Der Lichtschein der Sonne ist nicht wie der des Mondes, auch nicht wie der der Sterne, denn ein Stern unterscheidet sich vom anderen in seinem Glanz.

42: So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Gesät wird in Vergänglichkeit, auferweckt in Unvergänglichkeit.
43: Gesät wird in Erbärmlichkeit, auferweckt in Herrlichkeit, gesät wird in Schwäche, auferweckt in Kraft,
44: gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt wird ein geistlicher Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, dann auch einen geisterfüllten.
45: So steht auch geschrieben: Der erste Mensch Adam wurde zu einem lebendigen Wesen, der letzte Adam zu einem lebendigmachenden Geist.
46: Aber zuerst ist nicht das Geistliche, sondern das Irdische, dann erst das Geistliche.
47: Der erste Mensch aus Erde ist irdisch, der zweite Mensch ist vom Himmel.
48: So wie der eine Irdische beschaffen war, so sind es auch alle anderen Irdischen. Und wie der eine Himmlische, so auch alle Himmlischen.
49: Wie wir das Bild des Irdischen an uns haben, werden wir auch das Bild des Himmlischen an uns tragen.
50: Damit, Brüder, will ich sagen, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, so wie die Vergänglichkeit nicht die Unvergänglichkeit erbt.
51: Schaut, ich enthülle Euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, aber wir werden alle verwandelt –
52: mit einem Mal, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Sie wird nämlich erschallen, und die Toten werden auferstehen, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden.
53: Denn dieses Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit.
54: Wenn aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anzieht und dieses Sterbliche Unsterblichkeit, dann erfüllt sich das Wort der Schrift: Verschlungen ist der Tod vom Sieg.
55: Tod, wo ist Dein Sieg? Tod, wo ist Dein Stachel?
56: Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, und die Kraft der Sünde ist das Gesetz.
57: Dank sei nun aber Gott, der uns den Sieg durch unseren Herrn Jesus Christus geschenkt hat.
58: Darum, geliebte Brüder, seid standhaft und unerschütterlich, tut Euch stets hervor im Werk des Herrn, und denkt daran, dass Eure Mühe in Ihm nicht vergeblich ist.

Die Ausführlichkeit, mit der Paulus sich in 1 Kor 15, 35-58 dem Thema der leiblichen Totenauferstehung widmet, lässt vermuten, dass er sich in Korinth vor die Notwendigkeit einer gewissen Klar- und Richtigstellung gestellt sah. Mit Entschiedenheit weist der Apostel den von einigen Korinthern erhobenen Einwand gegen die Vorstellung einer leiblichen Auferstehung der Toten zurück (vgl. 1 Kor 15,12). Dieser Einwand fügt sich ein in den Kontext eines auch sonst in Korinth zu beobachtenden übersteigerten Spiritualismus (vgl. 1 Kor 2, 6-16; 8, 1-6; 15, 44-46), dessen Preis u.a. die Abwertung der Leiblichkeit des Menschen ist (vgl. 1 Kor 6,12ff). Die Vorstellung einer Auferstehung der Toten lehnte man (im Anschluss an die platonisierende Weisheitstheologie Philos) zwar nicht als solche ab, wohl aber in ihrer spezifisch christlichen Gestalt als Auferstehung von Toten. Sowohl die Auferstehung Christi als auch die erhoffte eigene Auferstehung verstand man in Korinth als Übergang und Aufstieg in eine leiblose Geistexistenz. Die Verkündigung der Auferstehung von Toten stieß hingegen auf Skepsis, weil sie eine leibliche Existenzweise impliziert. Leibexistenz aber bedeutete nach korinthischer Vorstellung zwangsläufig eine Rückkehr in dieses Leben. So steht der Apostel vor der diffizilen Aufgabe, das schöpfungsimmanente Denken der korinthischen Bestreiter einer Totenauferstehung aufzubrechen auf die eschatologische Kategorie einer neuen Schöpfung hin.

Zum Stichwort "Leiblichkeit"

"Leib" (Soma) hat schon in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments (3. Jhdt. v.Chr.), im Unterschied zum profangriechischen Sprachgebrauch eine mehr als physisch-körperliche Bedeutung. Das Wort bezeichnet den Menschen sowohl als Ganzheit als auch im Gegenüber zu Gott, Mitmenschen und Mächten. Im Neuen Testament meint "Leib" nicht einen vom Geist oder der Seele abgetrennten Teil des Menschen ("Körper"), sondern den ganzen Menschen in seiner unteilbaren Einheit als Person. Leib ist also nicht nur die äußere Körperlichkeit, sondern die Person als Ganze. Insbesondere bei Paulus bezeichnet der Terminus "Leib" den Menschen in der Ganzheit dessen, was ihn ausmacht, was er gelebt hat, was zu ihm gehört und was ihn bestimmt. "Leib" meint also den Menschen als Person, als Selbst und Ich, in der Gesamtheit seiner Bezüge.

1 Kor 15, 35-58:

V35: Gleich zu Beginn seiner Ausführungen über die Auferstehung der Toten stößt Paulus zum Kern des von ihm in Korinth ausgemachten Problems vor. Dabei bedient er sich im Stil der griechischen Diatribe eines fingierten Gesprächspartners. Ihn lässt er zwei Fragen stellen, die die Vorbehalte einiger Korinther gegenüber der Vorstellung einer Auferweckung von Toten auf den Punkt bringen: "Wie werden die Toten auferweckt? Und was für einen Leib werden sie haben?" Beide Fragen sind miteinander verknüpft, die zweite präzisiert die erste.

V36: Den skeptischen Fragen der Korinther begegnet Paulus zunächst mit dem Hinweis auf ihren "törichten" Gehalt. Ein "Tor" ist, wer Gottes Weisheit und Macht nicht begreift. Der apostolischen Kritik unterliegen hier also nicht gewisse intellektuelle Defizite seiner Adressaten, sondern die allgemein menschliche Blindheit gegenüber der Wirkmächtigkeit Gottes.

Mit den Versen 36-38 formuliert der Apostel eine erste Antwort auf die Eingangsfrage mittels des aus der Alltagswelt entnommenen Gleichnisses vom Samenkorn. Paulus hebt das Sterben des Kornes als das dem Lebendigwerden voranstehende Ereignis ausdrücklich hervor: Der Übergang vom Korn zur Pflanze vollzieht sich nicht ohne diesen Bruch. Der Tod ist vielmehr die Voraussetzung für das neue Leben.

V37: Das Bild führt zur Opposition von "nacktem Samenkorn" und "zukünftigem Leib". Die neue Gestalt des Samens bezeichnet Paulus als "Leib" und lässt damit die gemeinte Sache durchscheinen. Es gibt für Paulus – bei aller Zusammengehörigkeit und gleichbleibender Identität von "Korn" und "Pflanze", irdischem und himmlischem Leib - keine automatische Kontinuität: Der Leib der Auferstehung darf nicht einfach als Verlängerung des irdischen Leibes gedacht werden, als ob es sich um die "bloße Wiederbelebung toter Leiber" handle (W. Schrage). 1 Kor 15,45 wird zwar noch betonen, dass Identität und Zusammengehörigkeit beider durch die Zugehörigkeit zu Christus und durch das Wirken des Geistes bewahrt werden. An dieser Stelle jedoch kommt es dem Apostel gerade im Blick auf die Position der Korinther darauf an, klarzustellen: Das in die Erde gelegte und zerfallene Korn erhält ein völlig neues Soma. Dazwischen aber liegt der Tod. Die Hervorhebung dieser Zäsur dient der Abwehr einer enthusiastischen Vorwegnahme der vollendeten Existenz. Der zukünftige "Leib" hat seinen Ursprung im Schöpfungswillen Gottes.

V38: Die Möglichkeit neuen Lebens entfaltet das Samenkorn nicht aus sich heraus, sie ergibt sich auch nicht aus einem von Gott unabhängigen Naturgesetz, sondern ist das Ergebnis von Gottes schöpferischem Handeln, das sich je neu realisiert. Mit der Feststellung, dass jede Pflanzenart die ihr eigene Beschaffenheit erhält, schafft Paulus einen Übergang zum Folgenden, wo die Gesamtheit der Schöpfung in ihrer Differenziertheit in den Blick genommen wird. Gott, der jedem Samenkorn eine einzige, unverwechselbare Gestalt verleiht, kann auch – so ist hier zu schließen – jedem einen neuen Leib erschaffen. 

VV 39-41: Gottes Schöpfermacht drückt sich auch in der Mannigfaltigkeit und Unähnlichkeit der irdischen und kosmischen Organismen aus. Paulus demonstriert dies zunächst anhand der Unähnlichkeit des "Fleisches". Der Ausdruck "Fleisch" steht hier parallel zum Terminus "Leib" (V38) und bezeichnet - im Unterschied zur Vegetation - die besondere, fleischliche Art der leiblichen Seinsweise von Menschen und Tieren, die Gottes Schöpfungswillen entspringt. V40 betont den Unterschied zwischen himmlischen und irdischen Körpern. Die Gestirne werden personifiziert. Der Apostel unterstreicht auch hier, parallel zur Mannigfaltigkeit des Fleisches (V39), die Unterschiede hinsichtlich der Pracht (vgl. Gen 1,16f). Wie in der irdischen Welt (V39) existiert auch in der himmlischen (V41) eine Vielzahl von Geschöpfen Gottes in unterschiedlicher Gestalt. Diese Feststellungen bereiten dem Apostel das Fundament für seine spätere Conclusio, dass nämlich auch die erwartete himmlische Auferstehungsexistenz der Christen eine leibliche sein wird (vgl. V48f).

V42.43: Aus seinen bisherigen Ausführungen zieht Paulus nun im Blick auf die eschatologische Neuschöpfung die Folgerung für die Auferstehungsleiblichkeit. Auch hier ist das Vergehen der alten Gestalt die Voraussetzung und das totale Anderssein der neuen Gestalt entscheidend. Zunächst werden in Anknüpfung an das Bild vom "Säen" des Kornes (V36f) der alte und der neue Leib kontrastiert. Der Schwachheit (V43) der vergänglichen (V42), irdischen Existenzweise wird so die Herrlichkeit und die Kraft (V43) des Auferstehungsleibes gegenübergestellt.

Der Ausdruck "Vergänglichkeit" nimmt nicht nur die Verwesung des alten Leibes im Grab in den Blick, sondern kennzeichnet die gesamte Schöpfung in ihrer Endlichkeit mitsamt der ihr anhaftenden Leiblichkeit. Mit "säen" ist vor diesem Hintergrund also nicht das Begraben eines Leichnams gemeint, sondern die Erschaffung des Menschen, die sein gegenwärtiges irdisches Leben (VV 36-38) bestimmt. Von dieser irdischen Seinsweise kann im Vergleich zur eschatologischen Neuschöpfung aber nur in negativ abgegrenzter Begrifflichkeit gesprochen werden. Deshalb ist der alte Leib "vergänglich", "erbärmlich" und "schwach".

V44: Hier wird die eigentliche Antwort auf die Frage aus V35 gegeben. Alles Gewicht liegt auf dem Gegenüber von "irdischem" und "geistlichem" Leib. Das "Irdische" dient der Bezeichnung alles Diesseitigen und steht in radikalem Gegensatz zu jener Welt, die durch den "Geist" geprägt ist. Insofern der Rede vom "irdischen Leib" – griechisch: Soma psychikon – kein substanzhaftes Verständnis im Sinne eines aus Psyche oder Seelenstoff bestehenden Leibes zugrunde liegt, ist auch der "geistliche Leib" keiner, der aus Geist bzw. Geiststoff gebildet wäre. Der neue geistliche Auferstehungsleib ist vielmehr als vom göttlichen Geist beseelter Leib eine Schöpfung Christi, der lebendigmachender Geist ist (vgl. 1 Kor 15,21f). Der Geist Gottes wirkt schon in dieser Welt am Menschen als Anzahlung auf die kommende Erlösung hin (vgl. 2 Kor 5,5; Röm 8, 23) und ist das Unterpfand für eine Kontinuität zwischen der gegenwärtigen und der zukünftigen Existenz des Menschen (vgl. 1 Kor 6,14.19; Röm 8,11). Der Ausdruck "geistlich" bzw. "pneumatisch" ist also keine Material- oder Substanzbezeichnung, sondern eine Qualitätsaussage: Der neue Leib ist zwar radikal anders, aber kein anderer, weil er ein durch den Geist Gottes neugewirkter und durch ihn restlos bestimmter Leib ist. Als geistlicher Leib ist der auferweckte Mensch in der Ganzheit seines Seins und seiner Bezüge von der lebenschaffenden Gegenwart Gottes geprägt, daher nicht mehr das der Sünde und dem Tod verfallene, somit zwiespältige Ich, sondern heil geworden und zu vollkommener Liebe befreit (H. Kessler, S. 336). Den Gedanken pneumatischer Leiblichkeit hebt Paulus ausdrücklich hervor, indem er dreimal hintereinander das Wort "Leib" gebraucht, um dann im Blick auf die zuvor beschriebene Schöpfermacht Gottes zu konstatieren: Weil es einen irdischen, vergänglichen Leib gibt, gibt es nach Gottes Schöpfungsplan auch einen himmlischen, pneumatischen Leib. So wird deutlich, dass Paulus sich den Menschen in seiner geistlichen Existenz nach der Auferstehung von den Toten nur als neugeschaffenen Leib und nicht als abstrakte Person vorstellt. Doch erst die Auferweckung bringt einen vom göttlichen Geist geschaffenen und von ihm durch und durch bestimmten Leib hervor. Wird bei aller Unterschiedenheit und Diskontinuität von "altem" und "neuem Leib" zwar auch eine Korrespondenz beider ausgesagt, gründet das Kontinuum von personaler Identität und Leiblichkeit nicht etwa auf einer sich unverändert durchhaltenden ontologischen Struktur, sondern allein auf Gottes eschatologischer Schöpfermacht und Schöpfertreue. 

Weil Paulus Apostel ist, gehört es zu seinen Aufgaben, das Evangelium Jesu Christi unverfälscht zu verkünden und möglichen Verzerrungen des christlichen Glaubens entgegenzutreten. Das wird deutlich, wenn er hier einer rabbinisch-zeitgenössischen - dem vom Apostel gleichfalls kritisierten korinthischen Enthusiasmus übrigens konträr entgegenstehenden – betont plastischen Auferstehungsvorstellung (nach Gen. Rabba 28 zu 6,7 schafft Gott den Auferstehungsleib aus dem untersten Wirbel des Rückgrats, weil dieser unzerstörbar ist; nach Pirke R. Elieser 34 lässt die vermoderte Masse des Körpers, die sich mit dem Staub der Erde vermischt hat, wie Hefe, die sich mit dem Teig vermischt, den ganzen Körper schön werden und sich erheben ohne Makel) den Riegel vorschiebt.

V45 stützt die Aussage von V44 mit einem Schriftwort. Paulus zitiert Gen 2,7 - allerdings mit den entscheidenden Ergänzungen "erster" und "Adam". So konstruiert er den Gegensatz zu Christus als dem letzten Adam. Dieser letzte Adam, i.e. der von den Toten auferweckte, dadurch zum lebendigmachenden Geist gewordene und in der Kraft des Geistes gegenwärtige Christus, vermittelt den Menschen das eschatologische Leben (vgl. 2 Kor 5,17; Röm 8,10f).

V46: Das einleitende "Aber" bringt eine Korrektur zum Ausdruck, die allerdings nicht auf den voranstehenden Vers zu beziehen ist, weil dieser ja gerade in V46 Bestätigung erfährt. Es geht wohl eher  um die Abwehr einiger – schwer rekonstruierbarer - enthusiastischer Ideen der Christen in Korinth. Paulus dämpft die Überbewertung des Pneumatischen in der Gemeinde und stellt heraus: Die volle Durchsetzung des eschatologischen Gottesgeistes steht noch aus! Das vergänglich Irdische als das dem Geistlichen Vorangehende ist noch nicht überwunden, es muss noch durch den Tod hindurch (V36). Für Paulus ist also weder ein präexistenter Urmensch noch ein durch diesen vermittelter göttlicher Pneumafunke o.ä. das Urdatum, das den Menschen als einen geistlichen bzw. geisterfüllten qualifiziert. Auch der Christ trägt keinen göttlichen Kern in sich, so dass das von vornherein in ihm schlummernde und durch die Taufe erweckte Pneumatische nur noch von der irdisch-psychischen Hülle losgelöst zu werden brauchte. Den Gottesgeist und die Erfüllung durch ihn vermittelt sich dem Glaubenden allein in der Auferweckung des Gekreuzigten. Sein einstmaliger pneumatischer Leib ist nicht schon unter dem alten irdischen verborgen präsent, sondern wird erst bei der Auferstehung der Toten gnadenhaft gewährt (vgl. W. Schrage, S. 307).

V47: Paulus verdeutlicht, weshalb der erste Mensch vergänglich ist: Er wurde aus Erde geschaffen (vgl. Gen 2,7) und wird auch dahin zurückkehren (Gen 3,19). Ihm gegenüber steht der "Zweite Mensch", das ist Christus. In dieser Gegenüberstellung äußert sich erneut das paulinische Verständnis der Auferweckung als eines eschatologischen Schöpfungsaktes Gottes. Dass der zweite Adam "vom  Himmel" ist, verankert seine Auferweckungswirklichkeit nirgends sonst als im Willen Gottes (vgl. 6,14; Röm 1,4; 8,11).

V48 legt die Bedeutung der beiden Prototypen für die zu ihnen Gehörenden dar. Der irdische Mensch bestimmt die vergängliche Art der irdischen Menschen (vgl. Weish 7,1); Christus, der neue Mensch, der himmlisch-pneumatischer Natur ist, wird die Menschen durch den Heiligen Geist prägen.

V49: Paulus verbindet die Vorstellung eines getragenen Gewandes mit der des Bildes. Beide beziehen sich auf den menschlichen Leib (vgl. V53; 2 Kor 5, 2-4). Die Gewandvorstellung erklärt sich hier am ehesten von ihrem alttestamentlichen Gebrauch her, wo sie auf etwas angewendet wird, was die Existenz bzw. das Handeln des Bekleideten bezeichnet (vgl. Ri 6, 34; Jes 51,9; 61,10; Ps 35,26; 93,1; 2 Chron 6, 41; Hiob 29,14; Sir 27,8). Im Bild verkörpert sich das Wesen. Der Ausdruck das Bild "tragen" deutet den menschlichen Leib somit nicht nur als eine äußerliche "fleischliche Hülle". Tragen die Glaubenden bislang das Bild des alten Adam, sind sie also von seiner Vergänglichkeit bestimmt, so werden sie einst vom Wesen des neuen Adam Christus geprägt sein und einen ihm gleichgestalteten Leib erhalten (vgl. Phil 3,21; Röm 8,29).

V50: Paulus zitiert zunächst ein überliefertes Wort: "Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben". Es will zum Ausdruck bringen, dass es ein "Erben" der eschatologischen Herrschaft Gottes bzw. Teilhabe an der Auferweckung der Toten nur als unverfügbares göttliches Geschenk in radikaler Diskontinuität zum irdisch-diesseitigen Leben geben kann. Die neu eingeführte Wendung "Fleisch und Blut" nimmt im Sprachgebrauch des Neuen Testaments den sterblichen Menschen in seiner Kreatürlichkeit und qualitativen Differenz zu seinem Schöpfer in den Blick (vgl. Gal 1,16). Der Ausdruck "Herrschaft Gottes" hingegen zählt für Paulus zu einem Zentralbegriff im Kontext christlicher Auferstehungshoffnung. Zusammen mit dem Verbum "erben" wird so der zukünftige Aspekt eschatologischer Vollendung Thema. Der Apostel fasst hier die Grundgedanken der Verse 36ff zusammen, benutzt dies aber zugleich als Überleitung für das Folgende, wo er das "Erben der Königsherrschaft Gottes" auf die Endvollendung bezieht.

V51: Geradezu hymnisch führt Paulus einen neuen Gedanken ein: "Seht, ich enthülle Euch ein Geheimnis!" Dieses Geheimnis umfasst das Schicksal der bei der Parusie noch Lebenden und bezieht nun auch sie mit ein in die Verheißung eschatologischer Verwandlung. Mit dem Hinweis auf eine umfassende Verwandlung wird nachdrücklich herausgestellt, dass das vollendete Sein des Glaubenden auf Gottes zukünftigem Eingreifen beruht, durch das jeder Christ den geistlichen Leib erhält. Im jetzigen Zustand indes ist niemand vollendet. Mit der Wortwahl "verwandelt werden" mit dem darin sinngemäß steckenden "anders machen" wird zudem unterstrichen, dass die vollendete eschatologische Seinsweise eine völlig neue Qualität hat.
 
V52: Das Motiv der "letzten Posaune" beschreibt traditionsgeschichtlich das eschatologische Signal zur Auferstehung der Toten und somit zugleich zur endzeitlichen Sammlung des Gottesvolkes (vgl. Joel 2,1; Zeph 1,16; 4 Esra 6,23). Paulus kann das Bild auf die von ihm verkündete Vorstellung der leiblichen Totenauferstehung leichthin übertragen. Die endzeitlichen Ereignisse werden hier jedoch geradezu auf einen einzigen Augenblick zusammengedrängt. Die Formulierung "mit einem Mal, in einem Augenblick" betont den Topos von Kürze und Schlagartigkeit. Das erzähltechnische Gewicht liegt aber auf der Schilderung der Totenauferweckung. Im Unterschied zur Vorstellungswelt der Apokalyptik (vgl. syr.Bar. 50,1ff; Hen 51,1ff; 62,15ff) begegnet hier gerade nicht die Idee einer Rückkehr der Toten in ihre alte Leiblichkeit oder einer nachträglichen Verwandlung gemeinsam mit den noch Lebenden. Beschrieben wird vielmehr Gottes neues und wunderbares Schöpfungswerk im Augenblick des Todes selbst.

V53: Aus dem eschatologischen Schöpfungswillen Gottes heraus begründet Paulus schließlich auch die neue Leiblichkeit sowohl der auferweckten Toten als auch der die Parusie noch Erlebenden. Der Vers will grundsätzlich die Notwendigkeit der neuen Leiblichkeit aussagen. Diese ist von einer unvergänglichen Daseinsweise geprägt, die der Apostel im Rückgriff auf hellenistisch-jüdische Terminologie (Weis 4,4; 15,3; 4.Makk 14,5; 17,12) (vielleicht aber auch in Anknüpfung an das Vokabular der Korinther) skizziert. Das Verbum "anziehen" drückt Gottes Schöpfungshandeln aus (vgl. Hiob 10,11; Ri 6,34) und lässt an die frühjüdische Vorstellung eines Gewandes der eschatologischen Herrlichkeit denken (vgl. Hen. 62, 15f: "Die Gerechten und Auserwählten werden sich von der Erde erheben…und werden mit dem Kleid der Herrlichkeit angetan sein. Und dies soll euer Kleid sein, ein Kleid des Lebens bei dem Herrn der Geister: Eure Kleider werden nicht veralten, und eure Herrlichkeit wird nicht vergehen vor dem Herrn der Geister"). Das Verb transportiert aber auch einen Hinweis auf die Identität des jetzt lebenden Menschen mit seiner postmortalen himmlischen Existenz. Diese Identität wird allein von Gott, dessen eschatologisches Schöpfungshandeln durch die Wirkmacht seines Geistes bereits im Hier und Jetzt beginnt, ermöglicht und garantiert. Denn alles, was den Menschen gegenwärtig – als Teil der vergehenden Welt (1 Kor 7,31b) – kennzeichnet, wird vernichtet werden (vgl. 2 Kor 4,16-5,5).

V54.55: Mit jenem Geschehen, das Paulus jetzt noch einmal beschreibt, um mittels des zeitlichen Hinweises "wenn…dann" die noch ausstehende Zukünftigkeit des Ereignisses zu betonen, geht die Erfüllung eines Schriftwortes einher. Der Apostel zitiert eine Kombination von Jes 25,8 und Hos 13,14. So wird eine schnelle und umfassende Vernichtung des Todes verheißen. Hos 13,14 beinhaltet eine Drohung und ist "eines der schärfsten Worte im Hoseabuch" (Chr. Wolff). Paulus bringt den Vers jedoch als Ausdruck des Triumphes Gottes über den Tod: Durch Gottes endgültigen Sieg (vgl. V26) wird der bisherige Sieg des Todes (vgl. V21; Röm 5, 17.21) aufgehoben und sein Stachel beseitigt.

V56: Der Vers lässt vermutlich die paulinische Interpretation des voranstehenden Schriftwortes erkennen. Es geht Paulus darum, den Ursprung der Macht des Todes und zugleich damit den Sieg über den Tod als umfassenden Sieg über die Macht der Sünde zu deuten. Das Motiv des Stachels kann den Stachel bestimmter Tiere (Skorpione o.ä.), den mit einer Metallspitze versehenen hölzernen Treiberstachel eines Hirten oder aber die Stachelpeitsche meinen (vgl. LXX: 4 Makk 14,19, Spr. 26,3; Sir 38,25; Ps. Sal. 16,4; Hos 13,14). Besitz und Handhabung eines Stachels waren zur Zeit des Apostels zudem kennzeichnend für die Gewaltherrschaft eines Tyrannen (Belege finden sich  bei L. Schmid, ThWNT III, 664). Gerade diese Konnotation könnte die Formulierung hier am ehesten beeinflusst haben: Das, was dem Tod Gewalt verleiht, ist die Unheilsmacht der Sünde.

V57: Am Ende der Ausführungen des Apostels steht der Dank gegenüber Gott (vgl. Röm 7,25). Der radikale Sieg des Lebens über den Tod, von dem das alttestamentliche Schriftwort spricht, wird den Glaubenden von Gott her geschenkt und sie erfahren die Auswirkungen dieses Sieges an sich selbst. Der Sieg gilt "durch unseren Herrn Jesus Christus". Im unüberbietbaren Ereignis der Auferweckung des Gekreuzigten hat Gott in Christus diesen Sieg errungen, und als der Erhöhte beginnt der Kyrios, den Sieg des Lebens im lebendigmachenden Geist an den Glaubenden zu realisieren (Gal 5,18; 2 Kor 5,4f), um ihn dereinst zu vollenden (V25f; 1 Thess 4,14; 5,9). Nicht Sünde und Tod haben das letzte Wort, sondern der Kyrios Jesus Christus. Das Präsenspartizip (wörtlich: "Dank sei Gott, dem uns den Sieg Gebenden") bringt dabei nicht nur die Gewissheit dieser Teilhabe in der eschatologischen Zukunft zum Ausdruck, sondern verdeutlicht zugleich ihre Gegenwart. Tod und Sünde sind entmachtet, und das hat bereits jetzt Konsequenzen für das Leben und die Hoffnung der Menschen. Die Verbindung mit der voranstehenden theologischen Deutung des Apostels unterstreicht außerdem den inneren Zusammenhang von eschatologischer Auferweckung und gnadenhaft gewährter, göttlicher Rechtfertigung: Die Auferstehung der Toten macht ihre Rechtfertigung offenbar und die Rechtfertigung ist Voraussetzung für ihre Auferstehung (vgl. Röm 4,17; Phil 3, 9-11).

V58: Der Gedankengang endet mit einer Paränese. Solch eine Hoffnung bleibt nicht bei sich selbst und bringt damit das Geprägtsein der Glaubenden durch den Kyrios Christus zum Ausdruck. Movens des Wirkens Christi ist die Kirche. An ihrem Aufbau und Fortbestand sollen die Glaubenden mitwirken.

Theologische Essenz

Ausgangspunkt der hier vorgestellten Überlegungen des Apostels war die Frage, wie die Auferstehung der Toten gedacht  und die Auferstehungsleiblichkeit beschrieben werden kann (vgl. 1 Kor 15,36). Paulus äußert sich in großer theologischer Behutsamkeit. Er vermeidet steile Spekulationen und wehrt aller bloßen Gedankenspielerei. Nur das stellt er vor, was ihm selbst durch die Erfahrung des auferweckten Kyrios Jesus Christus aufging und ihm um des Lebens der Menschen willen zu wissen nötig erscheint:

(1) Paulus geht von einer personalen Identität des gestorbenen und des auferweckten Menschen aus, jedoch ohne sie zu vergegenständlichen. Das heißt: Dasselbe, was gesät wird und sterben muss, wird von Gott her auferweckt – allerdings in einem anderen Leib (vgl. 1 Kor 15,44.49.51f). So wird durch die Vorstellung der Verwandlung (1 Kor 15,51f) eine in der Diskontinuität des Todes gewahrte Kontinuität (Identität) zum Ausdruck gebracht, ohne im Blick auf den Auferstehungsleib an ein ganz anderes, absolut neues Geschöpf zu denken.

(2) Mit Hilfe verschiedener Bilder stellt der Apostel zugleich die radikale Diskontinuität zwischen dem gestorbenen und dem auferweckten Leib und damit die völlige Andersartigkeit des Auferstehungsleibes heraus. Auf diese Weise wird die Zäsur des Todes ernst genommen. Auferstehung setzt den Tod jeder menschlichen und weltlichen Möglichkeit voraus.

(3) Personale Identität und Kontinuität wurzeln nicht in einem den Tod überdauernden Selbst (unsterbliche Seele o.ä.), das aus der Fessel vergänglicher Körperlichkeit befreit würde. Sie wurzeln auch nicht auf einem sich durchhaltenden körperlichen Substrat. Vom Menschen her gibt es keinen Aufbruch zu neuem Leben, sondern nur Abbruch. Personale Identität und Kontinuität gründen allein im auferweckenden Akt Gottes, in seiner Schöpfermacht und Treue.

(4) Wenn das Vergängliche das Unvergängliche, das Verwesliche das Unverwesliche nicht erben kann (1 Kor 15,50), dann ist der im Grab verbleibende und verwesende Leichnam kein Einwand gegen einen neuen Leib. Der Auferstehungsleib wird nicht einfach aus materiell-körperlichen Resten gebildet, er ist vielmehr ein radikal neuer Leib, individuell, in personaler Identität und Kontinuität zum alten, und doch entgrenzt zu Welt und Materie.

(5) Auf die Frage nach der näheren Bestimmung des Auferstehungsleibes antwortet Paulus mit verschiedenen, sich gegenseitig erläuternden Aussagen: "auferweckt wird ein geistlicher Leib" (V44), "wir werden das Bild des Himmlischen an uns tragen" (V49), "dieses Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen" (V53). Damit sind zugleich die Grenzen des Sag- und Vorstellbaren gezogen. Über diese Grenzen hinaus verweist der Apostel einzig auf eine unbegreiflich neue Wirklichkeit, die sich aus der eschatologischen Schöpferliebe Gottes heraus konstituiert.

Vorschlag für einen Bibelkreis

Ankommen

Gemeinsam singen oder beten: "Ich steh’ vor Dir mit leeren Händen, Herr" (GL 621, 1+2)

Lesen

Jemand liest den Text vor

Klären

Inhaltliche Fragen werden besprochen.
Was spricht an?
Wo setze ich ein Fragezeichen?

Nach-Denken

Der Theologe Karl Rahner (1904-1984) sagt in seinem letzten großen Vortrag, kurz vor seinem Tod:

"Ich will nur noch von einer Erfahrung etwas zu sagen versuchen, (…) von der Erfahrung der Erwartung des Kommenden. Wenn wir als Christen das Ewige Leben bekennen, das uns zuteil werden soll, ist diese Erwartung des Kommenden zunächst ja keine besonders seltsame Sache. Gewöhnlich spricht man ja mit einem gewissen salbungsvollen Pathos über die Hoffnung des Ewigen Lebens und fern sei mir, so etwas zu tadeln, wenn es ehrlich gemeint ist. Aber mich selbst überkommt es seltsam, wenn ich so reden höre. Mir will scheinen, dass die Vorstellungsschemen, mit denen man sich das Ewige Leben zu verdeutlichen sucht, meist wenig zur radikalen Zäsur passen, die doch mit dem Tod gegeben ist. Man denkt sich das Ewige Leben, das man schon seltsam als ‚jenseitig’ und ‚nach’ dem Tod weitergehend bezeichnet, zu sehr ausstaffiert mit Wirklichkeiten, die uns hier vertraut sind, (…) als Freude und Friede, als Gastmahl und Jubel und all das und ähnliches als nie aufhörend und weitergehend. Ich fürchte, die radikale Unbegreiflichkeit dessen, was mit Ewigem Leben wirklich gemeint ist, wird verharmlost, und was wir unmittelbare Gottesschau in diesem ewigen Leben nennen, wird herabgestuft zu einer erfreulichen Beschäftigung neben anderen, die dieses Leben erfüllen; die unsagbare Ungeheuerlichkeit, dass die absolute Gottheit selber nackt und bloß in unsere enge Kreatürlichkeit hineinstürzt, wird nicht echt wahrgenommen. Ich gestehe, dass es mir eine quälende, nicht bewältigte Aufgabe des Theologen von heute zu sein scheint, ein besseres Vorstellungsmodell für dieses Ewige Leben zu entdecken, das diese genannten Verharmlosungen von vornherein ausschließt. Aber wie? Aber wie?  - Wenn die Engel des Todes all den nichtigen Müll, den wir unsere Geschichte nennen, aus den Räumen unseres Geistes hinausgeschafft haben (obwohl natürlich die wahre Essenz der getanen Freiheit bleiben wird), wenn alle Sterne unserer Ideale, mit denen wir selber aus eigener Anmaßung den Himmel unserer Existenz drapiert haben, verglüht und erloschen sind, wenn der Tod eine ungeheuerlich schweigende Leere errichtet hat, und wir diese glaubend und hoffend als unser wahres Wesen schweigend angenommen haben, wenn dann unser bisheriges, noch so langes Leben nur als eine einzige kurze Explosion unserer Freiheit erscheint, die uns wie in Zeitlupe gedehnt vorkam, eine Explosion, in der sich Frage in Antwort, Möglichkeit in Wirklichkeit, Zeit in Ewigkeit, angebotene in getane Freiheit umsetzte, und wenn sich dann in einem ungeheuren Schrecken eines unsagbaren Jubels zeigt, dass diese ungeheure schweigende Leere, die wir als Tod empfinden, in Wahrheit erfüllt ist von dem Urgeheimnis, das wir Gott nennen, von seinem reinen Licht und seiner alles nehmenden und alles schenkenden Liebe, und wenn uns dann auch noch aus diesem weiselosen Geheimnis doch das Antlitz Jesu, des Gebenedeiten, erscheint und anblickt, und diese Konkretheit die göttliche Überbietung all unserer wahren Annahme der Unbegreiflichkeit des weiselosen Gottes ist, dann, dann - so ungefähr möchte ich nicht eigentlich beschreiben, was kommt, aber doch stammelnd andeuten, wie einer vorläufig das Kommende erwarten kann, indem er den Untergang des Todes selbst schon als Aufgang dessen erfährt, was kommt."
aus: "Erfahrungen eines katholischen Theologen" (Freiburger Akademieveranstaltung 1984), in: K. Lehmann (Hrsg.), Vor dem Geheimnis Gottes den Menschen verstehen, München 1984, S. 118f.

Gebet

Gemeinsam wird das Vaterunser gebetet

Ausklang

Gemeinsam singen oder beten: "Sprich Du das Wort, das tröstet und befreit" (GL 621, 3)

Literatur

  • Chr. Wolff, Der erste Brief des Paulus an die Korinther (Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament 7), Leipzig 2000
  • W. Schrage, Der erste Brief an die Korinther (EKK 7), 4. Teilband, Neukirchen-Vluyn 2001
  • H. Kessler, Sucht den Lebenden nicht bei den Toten. Die Auferstehung Jesu Christi, Düsseldorf 1987

Kaplan Dr. Robert Vorholt, Dülmen, November 2007
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (www.bibelwerk.de)
in Kooperation mit
kirchensite - online mit dem Bistum Münster
(www.kirchensite.de)
Foto: Michael Bönte

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