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22.07.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Arnulf Rainer:Hiob auf dem Aschehaufen

Bibelarbeit im Mai 2007

"So nehmt denn zur Kenntnis, dass Gott mich gekrümmt"

Ijob 19

19 1 Da hub Hiob an und sprach: 2 "Bis wann wollt ihr meine Seele quälen und mich mit Worten zermalmen? 3 Zum zehnten Mal beschimpft ihr mich jetzt schon und schämt euch nicht, mich zu misshandeln. 4 Habe ich wirklich geirrt, bleibt der Irrtum auf mir sitzen. 5 Könnt ihr denn wirklich gegen mich groß tun und gegen mich meine Schande zur Verhandlung bringen? 6 So nehmt denn zur Kenntnis, dass Gott mich gekrümmt und sein Fangnetz mich umschlossen hat. 7 Schau: Ich schreie ‚Gewalttat’ und bekomme keine Antwort, ich schreie um Hilfe und bekomme kein Recht. 8 Meinen Weg hat er vermauert, ich komme nicht hinüber, auf meine Pfade legt er Finsternis. 9 Meine Ehre hat er mir geschunden, die Krone meines Hauptes abgezogen. 10 Er reißt mich nieder von allen Seiten, dass ich dahingehe, er reißt mich aus wie einen Baum, 11 er lässt gegen mich sein Wutschnauben entbrennen, er lässt mich für sich gelten wie seine Gegner. 12 Mitsammen kommen seine Rotten, schütten gegen mich ihren Weg auf und lagern sich rings um mein Zelt. 13 Meine Brüder hat er von mir entfernt, und meine Vertrauten sind mir fremd geworden. 14 Es bleiben aus, die mir nah sind, und meine Bekannten vergessen mich. 15 Die Schutzbefohlenen meines Hauses und meine Mägde halten mich für einen Fremden, ein Ausländer bin ich geworden in ihren Augen. 16 Meinen Knecht rufe ich, und er antwortet nicht, mit meinem Mund muss ich ihn anflehen. 17 Mein Atem ist widerlich geworden meiner Frau, und den Söhnen des Leibes meiner Mutter ekelt es vor mir. 18 Sogar Buben weisen mich zurück; ich erhebe mich und sie reden über mich. 19 Es verabscheuen mich die Männer meines Vertrautenkreises; die ich geliebt habe, sind vor mir ganz umgewandelt. 20An meiner Haut und meinem Fleisch kleben meine Knochen, und ich bin entronnen mit der Haut meiner Zähne. 21 Erbarmt euch meiner, erbarmt euch meiner, ihr meine Freunde, denn die Hand Gottes ist es, die mich getroffen hat! 22 Warum verfolgt ihr mich so wie Gott und werdet von meinem Fleisch nicht satt?! 23 Wer gäbe es doch – und meine Worte werden aufgeschrieben. Wer gäbe es in der Schrift – und sie würden eingeprägt, 24 mit eisernem Griffel und Blei, auf Dauer in Felsen würden sie eingehauen!? 25 Ich weiß, dass mein Löser lebt und sich zuletzt (oder: als letzter) auf dem Staub (oder: Erde/Erdboden) erhebt. 26 Nachdem meine Haut so geschunden ist und von meinem (bloßen) Fleisch, werde ich Gott sehen, 27 ich bin es, der ich ihn für mich sehen werde, mit meinen Augen werde ich sehen – und nicht als Fremder; verzehrt (danach) sind die Nieren in meinem Leibe. 28 Wenn ihr sprecht: ‚Wie verfolgen wir ihn?’ (und meint,) die Wurzel der Sache sei in mir zu finden, 29 so schreckt für euch selbst vor dem Schwert zurück, denn Wüten (zieht nach sich) Strafen des Schwertes, auf dass ihr wisst, dass es einen Richter gibt."

(Übersetzung: J. Ebach)

Ijob
Das Buch Ijob erzählt die Geschichte eines gerechten und reichen Mannes, der nacheinander seinen Reichtum, seine Kinder und zuletzt seine Gesundheit verliert. Am Ende steht er isoliert unter seinen Freunden und Verwandten. Im Mittelpunkt eines Wechselgespräches mit den vier Freunden, die gekommen sind, ihn zu trösten, und dessen Wiedergabe den größeren Teil des Buches ausmacht, steht die Frage nach dem Warum und Wozu des Ergehens Ijobs. Von der diesem Ergehen zugrunde liegenden Wette zwischen Gott und dem ‚Satan’, hier nicht als widergöttliches Wesen, sondern als Mitglied des göttlichen Hofstaates vorgestellt, ob nämlich Ijob trotz Verlust und Leid an seiner Gottesbeziehung nicht irre werden wird, wissen die Leser. Ijob und seine Freunde wissen davon nichts. Vor dem Hintergrund der Annahme der der Weltordnung zugrunde liegenden Gerechtigkeit Gottes schließen die Freunde aus dem Ergehen Ijobs auf seine diesem Ergehen zu Grunde liegende Schuld. Ijob verweigert sich dieser Erklärung. Nicht die göttlich legitimierte Ordnung der Welt erklärt das Ergehen Ijobs, es ist das schuld- wie grundlose Leiden Ijobs, das die Ordnung der Welt in Frage stellt. (In Ijob 19 ist Ijob allenfalls zu dem Eingeständnis bereit, ‚Irrtümer’ begangen zu haben. Der hebräische Terminus bezeichnet unwillentlich und unwissentlich begangene Vergehen.) Der ‚Fall Ijob’ erfährt zum Ende des Buches hin eine Lösung. Ijob erhält Besitz und Gesundheit zurück, und er hat wieder Nachkommen. Zum Abschluss des Buches stellt Gott sich den Fragen Ijobs und reagiert auf seine Forderung nach einer persönlichen Antwort. Er gibt aber auch eine Antwort auf die Frage nach dem Ort offensichtlich unverdienten und sinnlosen Leidens in einer im Ganzen trotz allem guten Ordnung der Welt. In dieser Hinsicht berühren die Antworten Gottes ein grundsätzlicheres Problem, das über die Geschichte dieses einen Ijob hinausgeht.

Der Mensch
Das Bild des Menschen nach dem Ijobbuch steht in der Spannung zwischen dem nicht zentralen Ort, der dem Menschen – ganz anders als in Gen 2 – inmitten der Schöpfung zukommt und dessen persönlichem Erleben von Welt, ohne dass das eine gegen das andere ausgespielt wird. Die Schöpfung hat ihren Sinn und Zweck nicht im Menschen. Die Welt des Menschen wird durch die je individuelle Beziehungen zu seinen Nächsten und seine Beziehung zu Gott bestimmt. Erst der persönlichen Gottesbeziehung und der Ansprache des Menschen durch Gott kann es – auch das eine Botschaft des Ijobbuches – vielleicht gelingen, das eine mit dem anderen zu versöhnen. Ijob 19, eine der an die Freunde gerichteten Reden Ijobs, geht jedweder solchen Lösung voraus. Am Ende dieser Rede Ijobs scheint sie jedoch als Möglichkeit auf.

Beziehungen ...
Ijob 19 beschreibt die Beziehung Ijobs zu seinen Mitmenschen wie die zu Gott. Das Sich Verhalten der Freunde, ihre Suche nach Erklärung, beschreibt Ijob, wo er sich innerhalb von Ijob 19 unmittelbar an die Freunde richtet, als äußerst gewalttätig. Verlust und Leiden erlebt Ijob als Gewalttat Gottes an sich selbst. Die als gewalttätig erlebte Beziehung Gottes zu Ijob wird detailliert und bilderreich zum Ausdruck gebracht (V. 7–12). Der Text greift auf Jagd- und Kriegsmetaphorik zurück. Das Bild der anrückenden Kriegshorden steht zum ‚Zelt’ als dem Wohnort Ijobs in einem die Eindrücklichkeit des Bildes auf die Spitze treibenden Kontrast. Das ‚Fangseil‚ (so bereits V. 5), von dem Ijob sich umschlossen findet, gehört in die Bilderwelt der Jagd, ist aber auch Attribut des und Hinweis auf die Macht des Großkönigs, die sich ihrerseits im Bild der Jagd sinnfällig dokumentiert. In beiden Fällen wird Ijob zum willkürlichen Opfer eines übermächtigen Gegners. Die soziale Desintegration Ijobs (V. 13–20) ist total. Der Bericht über das Verhalten der Menschen aus dem sozialen Umfeld Ijobs beginnt bei den Ijob ferner Stehenden, schreitet über die Beschreibung seines Verhältnisses zu den Angehörigen des engsten Kreises seiner Familie fort und mündet schließlich wieder in der Beschreibung des Verhältnisses Ijobs zu einer größeren Öffentlichkeit.

Die Rede des Ijob beschreibt nicht nur, sie realisiert die in ihr geschilderten Beziehungen. Dreimal (V. 1–6; 21f; 27f) spricht Ijob die Freunde unmittelbar an. Im Wechsel von Anklage, Aufruf zum Erbarmen und der Drohung, ihre auf eine Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse beruhende ‚Misshandlung’ Ijobs werde letzten Endes auf sie selbst zurückfallen, offenbart sich das Scheitern dieser Kommunikation.

Die Schilderungen der Gewalttaten Gottes bedienen sich in ihrem Bildinventar der Sprache der Psalmen. Was dort Verhalten der Frevler und Verhalten Gottes gegen die Frevler ist, richtet sich hier als Verhalten Gottes gegen Ijob. Dem Vorwurf der Gewalttätigkeit Gottes gibt Ijob 19 die Form einer Anrede Gottes nicht. In der Art ihrer Schilderung dokumentiert sich der Abbruch jeglicher Kommunikation zwischen Ijob und Gott. Der Rückgriff auf die Sprache der Psalmen in Ijobs Klage hält das Bewusstsein für diese fehlende positivere Bezüglichkeit wach und eine Leerstelle offen.

... und deren Bezüglichkeit
Die Beziehungen Ijobs zu Gott und Menschen sind aufeinander abbildbar und bedingen sich. Sie bedingen sich allerdings nicht wechselseitig. Wie Gott nach allgemeinbiblischem Sprachgebrauch Gewalttäter ‚niedertritt’ (Ps 72,4; 89,11; Ijob 34,25), wie auch das ‚Niedertreten’ selbst Gewalttat beschreibt (Ps 94,5), zertreten die Worte der Freunde Ijob. Im weiteren Verlauf der Rede Ijobs wird diese Wahrnehmung Ijobs deutlicher zum Ausdruck gebracht. "Warum verfolgt ihr mich, wie Gott (es tut)" (V. 22).

Das Verhalten der Menschen aus der näheren Umgebung Ijobs (V. 13–20), spiegelt das unmittelbar zuvor (V. 7–12) geschilderte Verhalten Gottes. Es ergibt sich aber auch aus ihm. Die Ijob am nächsten stehenden Menschen lassen es ihm gegenüber an Respekt fehlen, weil sie, ähnlich den Freunden im Dialog, aus seinem Geschick vor dem Hintergrund der Annahme unbedingter göttlicher Gerechtigkeit auf seine Schuld schließen. In der Annahme der Zurückweisung Ijobs durch Gott sehen sie die Zurückweisung Ijobs durch sie selbst gerechtfertigt. Ein Zweites kommt – an Ijob 19 deutlich ablesbar – hinzu: Für Ijob wird die Gewalttat Gottes in der von ihm als gewalttätig erfahrenen Respektlosigkeit und Missachtung durch seine Umwelt spürbar.

Nicht nur im Verhältnis Gottes zu Ijob und der Missachtung des Grundsatzes, nachdem es dem, der den Maßstäben der guten Ordnung Gottes entsprechend lebt, auch gut ergeht, auch in Ijobs Verhältnis zu seinen Mitmenschen sieht Ijob die Ordnung der Welt auf den Kopf gestellt: Er wird zum Bittsteller seines Knechtes. Seine Frau hält seine körperliche Nähe nicht aus.

Der an seine Freunde gerichtete Appell Ijobs, sich seiner zu erbarmen, erinnert an die in anderen Kontexten gattungsgemäß an Gott sich richtende Sprache des Gebets. Sie wird durch den unmittelbar folgenden an die Freunde gerichteten Vorwurf Ijobs, der allerdings noch einmal ein dem Verhalten Gottes entsprechendes Verhalten der Freunde beschreibt, jedoch sofort konterkariert.

Körper
Tod und Leben sind im Denken der hebräischen Bibel nicht durch eine scharfe Linie voneinander getrennt. In der Berührung mit Krankheit und sozialer Isolation gerät der Mensch mitten im Leben in den Bereich des Todes. Die Isolation und Todesverfallenheit Ijobs zeigt sich über die Störung der Beziehungen zu Gott und seinen Mitmenschen hinaus in der metaphorischen und tatsächlichen Verletzung seiner körperlichen Integrität. Körperlichkeit kommt in Ijob 19 ausschließlich vor dem Hintergrund dieser Verletzlichkeit des Menschen zum Ausdruck. Geschunden (wörtlich ‚abgezogen’) wird die Haut eines Verbrechers oder Kriegsgefangenen. Der Verlust seiner Ehre oder Gewichtigkeit (wörtlich ‚Schwere’) geht Ijob in vergleichbarer Weise geradezu körperlich nahe. Wenn Knochen an Haut und Fleisch kleben, nicht umgekehrt, wird die Stabilität des – kranken – Körpers fraglich. Haut und Fleisch (V. 26) beschreiben den Menschen nach seiner äußeren Gestalt, aber auch in seiner Vergänglichkeit. Die Behauptung, Ijob sei "entronnen mit der Haut (seiner) Zähne" bringt in aller Absurdität der Rede die Reduktion Ijobs auf sein bloßes Dasein zum Ausdruck. Auf sein bloßes Dasein reduziert, in all seiner Verletztheit (geschundene Haut) und Hinfälligkeit (Fleisch), aber immer noch nicht endgültig im Bereich des Todes, immer noch am Leben, rechnet Ijob schließlich damit, Gott zu sehen.

An Todesverfallenheit erinnert auch der Staub, von dem der Löser sich erhebt. Staub verweist in mehreren biblischen Zusammenhängen auf Sterblichkeit (vgl. Ps 104, 29f, aber auch innerhalb des Ijobbuches: 10,9; 34,14f). Dass die Rede vom ‚Aufstehen aus dem Staub’ sich auf einen Zeitpunkt nach den Tode Ijobs bezöge, ist aufgrund der Gesamtanlage des Buches, dass mit einem Leben nach dem Tod nicht rechnet, wenig wahrscheinlich.

Das Buch
Im Gegensatz zu seiner körperlichen Verletztheit und Verletzbarkeit steht Ijobs Wunsch nach einer dauerhaften Dokumentation seiner Klage und seines Leids. Seiner Ausgestaltung liegen mindestens zwei Bilder zu Grunde: Das Niederschreiben in einem Buch oder einer Schrift und die Erstellung einer Inschrift in Stein (oder auf einem Felsen), bei der die ausgehauenen Buchstaben mit Blei ausgegossen sind. Es ist denkbar, wenngleich keinesfalls zwingend, dass für die Schrift, die Ijobs Klage dauerhaft dokumentiert, das Ijobbuch selbst steht. Die Inschrift im Fels bleibt ein Bedeutungsüberschuss, den das Ijobbuch selbst nicht einlöst, und der – deutlicher noch – die Dauerhaftigkeit der Dokumentation zum Ausdruck bringt. In Fels geschlagene und mit Blei ausgefüllte Inschriften dienten in Ländern des Alten Orients propagandistischen Zwecken.

Der Löser
Hat Ijob eben noch seiner Hoffnung auf dauerhafte Dokumentation seines Geschickes Ausdruck verliehen, formuliert er nun – recht unvermittelt – seine Gewissheit bezüglich des Eintretens eines Lösers zu seinen Gunsten. Eigentlich beschreibt der ‚Löser’ einen nahen Verwandten der im Falle wirtschaftlicher Not zum Rückkauf des Landes eines oder auch zum Freikauf eines in Schuldsklaverei geratenen Familienmitglieds verpflichtet ist. Die ‚Lösung’ rückt eine ins Ungleichgewicht geratene soziale Lage wieder zurecht. (Vgl. Lev 25,25)

Ist es tatsächlich ein Verwandter, der für Ijob eintritt und dessen Eintreten schließlich zur Rechtfertigung Ijobs führt, ist der ‚Löser’ die personifizierte Klage Ijobs, etwa so, wie sie sich nach V. 23ff endgültig dokumentiert, ist er ein Mitglied des himmlischen Hofstaates, ähnlich dem ‚Satan’, ist das Problem, dass es letzt ursächlich Gott ist, der sich gewalttätig gegen Ijob zeigt, nicht gelöst.

Dass mit dem ‚Löser’ Gott selbst gemeint sein könnte, erscheint auf Grund der scharfen Anklagen Gottes im Munde Ijobs wenige Verse zuvor problematisch. Dass Ijob es mit dem Auftreten des Lösers verbindet, dass er Gott sehen wird, und dass er das Sehen Gottes so beschreibt, dass er ihn nicht als Fremder sieht, verweist auf die Identität von Löser und Gott. Der ursprünglichen Bedeutung des Begriffes nach ist der Löser ja der, der nahe verwandt und eben kein Fremder ist. Tatsächlich ist es Gott, der im Textzusammenhang des Ijobbuches ‚zuletzt’ aufsteht und das Wort zu Gunsten Ijobs ergreift. Im Zusammenhang mit dem Auszug Israels aus Ägypten (vgl. Ex 6,6; 15,13) und an einigen weiteren Stellen (vgl. Jes 52,3; Ps 77,16; Ps 106,10) wird Gott der ‚Löser’ (nicht eigentlich ‚Erlöser’) Israels genannt. Dass Ijob Gott hier gewissermaßen bei seiner Funktion und nicht beim Namen nennt, ist jedoch von Bedeutung. Letzte Sicherheit über die Identität des Lösers gibt der Text nicht.

Stimmen im Ijobbuch
Das Ijobbuch hat insgesamt die Form eines Dialogs. Aber auch innerhalb der einzelnen Stimmen kommt es zu Dialogen und Mehrstimmigkeit. Ijobs Rede ist nicht einheitlich und nicht eindeutig. Neben Verzweiflung steht – verhalten zwar, aber doch – Hoffnung. Die Brüche selbst innerhalb der Rede Ijobs werden in wechselnden Anredeformen, im Wechsel der Beschreibung von Wunsch und Wirklichkeit und im Umschlagen der Stimmungen deutlich.

Leerstellen
Leerstellen begegnen im Text an vielen Orten. Spricht aus der Rede in V. 1 Vorwurf, Verzweiflung oder Resignation? Handelt es sich bei der an die Freunde gerichtete Bitte Ijobs um Erbarmen (V. 21) um Ironie? Am größten ist die Dichte der Leerstellen im Text dort, wo ein Hoffnungsmoment durchzuscheinen scheint (V. 25–27). Wie stark dieses Hoffnungsmoment ist und worin genau es besteht, ist immer auch abhängig von der notwendigen Verstehensleistung der Leser. Indem der Leser /dies Leserin sich in die Rolle Ijobs versetzt und im Sich Einfühlen in seine Person Leerstellen füllt, gestalten sie den Text aus.

Bibelarbeit

Stille (A)

  • Lesen des Textes

(B.1)

  • Verstehensschwierigkeiten; Welche Verstehensschwierigkeiten lassen sich vom Text her lösen, welche bleiben bestehen?
  • In welchen Stimmungen spricht Ijob? Probeweise Füllen der Leerstellen: Was verändert sich an der Gesamtaussage des Textes?
  • Paarweise Ausprobieren oder Ausprobieren in Kleingruppen

(B.2)

  • Material: ‚Arnulf Rainer, Ijob auf dem Aschenhaufen’ oder ‚Arnulf Rainer, Ijob und die drei Freunde’ (http://www.sammlung-frieder-burda.de/index1.html)
  • Wie stellt sich die Beziehung der dargestellten Personen auf dem Bild dar?
  • Wie und mit welchen Mitteln gestaltet sie sich im Text?

(B.3)

  • Händels ‚Messias’ identifiziert den ‚Löser’, einer langen christlichen Auslegungstradition, die in einer nicht ganz korrekten Übersetzung des Hebräischen in der Vulgata fußt, folgend, mit Christus und liest Ijobs diesbezügliche Rede als Vorausverweis auf Auferstehung. Ijob 19 wird nicht als Beleg für Auferstehungshoffnung und als Verweis auf den Christus lesbar sein. Umgekehrt wirft aber Ijob 19 sein Licht auf das rettende Handeln Gottes, wie es sich in der Auferstehung Jesu Christi nach christlichem Verständnis realisiert.
  • Text: "I know that my redeemer liveth and that he shall stand at the later day upon the earth. And though after my skin worms destroy this body yet in my flesh I shall see God. When I shall see for myself and my eyes shall behold and not another though my reins be consumed within me. For I know Christ is risen from the death."
  • Den Text zu Händels ‘Messias’ unter Hinzunahme von 1 Kor 15,12 mit dem Text von Ijob 19 ins Gespräch bringen

(C)

  • Impulsfragen für ein Gruppengespräch:
    - In welchen Beziehungen steht Ijob zu Gott, zu den Freunden, zu den darüber hinaus im Text erwähnten Gruppen von Menschen?
    - Wie beschreibt er diese Beziehungen?
    - Welches Gottes-, welches Menschenbild entwirft der Text vor diesem Hintergrund?

Lied: H. Oosterhuis, Ich steh vor Dir mit leeren Händen (GL 621)

Alternative Übersetzung:
Ich steh vor dir in Leere, arm und bang,
Fremd ist dein Name, spurlos deine Wege.
Du bist mein Gott, Menschengedanken lang –
Tod ist mein Los, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott, der meine Zukunft hält?
Ich glaube, Herr, was stehst du mir dagegen?

Mein Alltag wird von Zweifeln übermannt,
mein Unvermögen hält mich eingefangen.
Steht dein mein Name noch in deiner Hand,
Hält dein Erbarmen leise mich umfangen?
Darf ich lebendig sein in deinem Land,
darf ich dich einmal sehn mit neuen Augen?

Sprich du das Wort, das mich mit Trost umgibt,
Das mich befreit und nimmt in deinen Frieden.
Öffne die Welt, die ohne Ende ist,
verschwende menschenfreundlich deine Liebe.
Sei heute du mein Brot, so wahr du lebst –
Du bist doch selbst die Seele meines Betens.

Literatur:

  • D.J.A. Clines, Job (WBC 17), Dallas, Textas 1989.
  • J. Ebach, Streiten mit Gott. Ijob, Neukirchen-Vluyn 1996.
  • F. Gradl, Das Buch Ijob (NSK), Stuttgart 2001
  • C. A. Newsom, The Book oj Job. A Contest of Moral Imaginations, Oxford 2003.
  • H. Strauss, Hiob 19 – 42 (BK 16.2), Neukirchen-Vluyn 2000.

Johanna Erzberger, Kassel, Mai 2007
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (www.bibelwerk.de)

in Kooperation mit
kirchensite - online mit dem Bistum Münster (kirchensite.de)

Bild: Arnulf Rainer: Hiob auf dem Aschehaufen
Museum Frieder Burda, Baden-Baden, © Arnulf Rainer
(www.sammlung-frieder-burda.de)

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