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30.07.2010
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Aus dem kirchensite.de-Archiv

Die Bischöfe im Heiligen Land:

Fromm, nachdenklich, bewegt, erschüttert

Von KNA-Redakteur Christoph Strack
Jerusalem. Rush-Hour im Jerusalemer Orthodoxen-Viertel Mea Schearim. Der Kleinbus mit drei Bischöfen, die - im vollen Ornat - den israelischen Oberrabbiner besuchen wollen, hält an einer Ampel.

Plötzlich nähert sich ein strenggläubiger Jude mit Schläfchenlöckchen und Bart dem Auto. Sein Hand fährt durch das halbgeöffnete Fenster, schüttelt die Hand des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller. Der Jude sagt nur ein Wort und tritt weg: "Schalom". Stumme Fassungslosigkeit im Auto.

Sechs Tage lang waren 27 deutsche Bischöfe bis Sonntag (04.03.2007) im Heiligen Land unterwegs, eine in dieser Art einzigartige Reise. Die Mea-Schearim-Szene von Mittwoch brachte die Reise auf den Punkt: Schalom, Frieden. Die letzten Tage in Jerusalem verdichteten diese Stimmung schmerzhaft: Vom bewegenden Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem kamen die Bischöfe zu ihrem Quartier am Damaskustor, vor dem viele Dutzend Soldaten und Polizisten die angespannte Lage beim Freitagsgebet der Muslime beobachteten. Später ging es nach Ramallah, durch Sperranlagen, die den erschüttert wirkenden Kölner Kardinal Joachim Meisner zum Vergleich mit der Berliner Mauer greifen ließen.

"Kinder leiden am schlimmsten"

Die Sperrmauer. Nicht mehr viele Pilger und Touristen fahren nach Bethlehem, erst recht wenige nach Ramallah. Die Bischöfe besuchten diese Orte und erfuhren, wie sehr israelische Sperren und Siedlungen aus palästinensischen "Gebieten" Flickenteppiche machen. "Kinder leiden am schlimmsten", berichtet Hiyam Marzouqa, Chefärztin des Caritas-Babyhospitals Bethlehem. "Sagen Sie zu Hause, dass hier Palästinenser leben, die sich nach Frieden sehnen."

Die Bischöfe gingen auf die Krankenzimmer des Hospitals. Da liegen kleine Patienten wie der 91 Tage alte Wad. Ein fast deformierter Kopf, ein friedliches Gesicht, trotz der Sonde in der Nase. Neben dem Bett saß, in Tränen aufgelöst, die Mutter. Die Beduinenfrau hat bereits vier tote Kinder. "Wad heißt Versprechen", sagte Physiotherapeutin Nasser leise. Auch Bischöfe müssen da schlucken.

Existenzrecht Israels und lebensfähiges Palästina

Kardinal Karl Lehmann gab mit seinen Reden die politische Linie vor. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz betonte das Existenzrecht Israels in sicheren Grenzen und forderte zugleich einen eigenen, auch lebensfähigen Staat Palästina. Beim Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas formulierte der Kardinal in der eigentümlichen Atmosphäre des Regierungssitzes Mukata einen Wunsch von Herzen: "Gottes Segen". Wiederholt mahnte er internationale Bemühungen für den Nahost-Friedensprozess an. Und warnte vor überhohen Erwartungen an die deutsche EU-Ratspräsidentschaft: "Das ist doch in drei Monaten wieder vorbei."

Ein großes Wort prägte Lehmann bei seinem Eintrag in das Besucherbuch von Jad Vaschem, nach den vielleicht wichtigsten Stunden dieser Reise. "Niemand kann frei sein, der frei sein will vom Gedenken an die Schoah." Der Satz gilt für so vieles im Land. Geschichte, Konflikte, auch Schmerzen müssen erinnert sein, wenn sie denn überwunden oder lebbar sein sollen.

Erziehung

Wiederkehrendes Thema bei den Besuchen der Bischöfe war die Erziehung. In der Schule der Salesianerinnen in Nazareth oder der Katholischen Universität Bethlehem erfuhren sie, wie sehr die katholische Kirche im Land auf gute Ausbildung setzt und auch so den Vorurteilen entgegenwirken will. Neugierig lauschten Bischöfe in der Uni, in der sich von 2.600 Studierenden 1.700 zum Islam bekennen, der angehenden Informatikerin Laila Yunass. "Wir suchen das Gespräch auch über unsere Traditionen und Religion", berichtete die junge Muslima mit dem Kopftuch. Perspektiven.

"Klassenfahrt", hatte die "Süddeutsche Zeitung" im Vorfeld über die Reise geschrieben. So falsch war das nicht. Die Bischöfe waren wohl selber überrascht, wie gut sie sich verstanden. Gottesdienste und Gespräche schufen eine lockere, aber auch dichte Atmosphäre.

Gut getan

"Das Heilige Land hat uns Bischöfen sehr gut getan", bilanzierte Meisner. Rottenburg-Stuttgarts Bischofs Gebhard Fürst schwärmte von der gemeinsamen geistlichen Erfahrung. Die Oberhirten, die sonst im Ständigen Rat oder der Vollversammlung Sachfragen oder Kontroversen abarbeiten, wirkten in ungewohnter Weise gelöst. Man scherzte mit- und übereinander, teilte die Bedrückung über die Situation im Land. Jeder von ihnen wird am kommenden Karfreitag noch inständiger als in früheren Jahren beten: um Frieden im Lande Jesu.

Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, 05.03.2007

Lesen Sie zu diesem Thema in "kirchensite.de":
- Deutsche Bischöfe in Jad Vaschem (02.03.2007)
- Deutsche Bischöfe in Tabgha (27.02.2007)
- Israel-Reise der deutschen Bischöfe (26.02.2007)

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