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30.07.2016
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Konzil

Der Präsident des Päpstlichen Komitees für die Eucharistischen Weltkongresse, Erzbischof Piero Marini (vorn Mitte), eröffnete den Studientag, bei dem sich auch Bischof Felix Genn (re.) äußerte.

Studientag zum Zweiten Vaticanum in Münster

Marini: Konzil gab der Erneuerung der Kirche große Kraft

Münster. Der Präsident des Päpstlichen Komitees für die Eucharistischen Weltkongresse, Erzbischof Piero Marini, bescheinigt dem Zweiten Vatikanischen Konzil, es habe "große Kraft für die Erneuerung der Kirche" gegeben. "50 Jahre danach ist es mehr denn je nötig, dass die Kirche von der Bewahrung zur Mission und von der Interpretation zur Umsetzung des Konzils übergeht", forderte Marini am Dienstag (13.11.2012) in Münster. Der frühere päpstliche Zeremoniar eröffnete den ganztägigen Studientag der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster und der Hauptabteilung Seelsorge-Personal des Bischöflichen Generalvikariats zum Zweiten Vatikanischen Konzil.

Marini rief vor Studenten, Seelsorgern und pastoralen Mitarbeitern dazu auf, sich nicht auf die historische Erinnerung an das Konzil zu beschränken, sondern nach seiner Bedeutung und seinen Auswirkungen zu fragen. "Man muss seinen besonderen Charakter begreifen", mahnte Marini. "Es war das erste Konzil der Universalkirche in der gesamten Kirchengeschichte, und seine Probleme betrafen die ganze Welt."

"Großer Moment kirchlicher Gemeinschaft"

Zu Recht hätten Papst Johannes XXIII. und die Bischöfe das Ereignis als solches als großen Moment kirchlicher Gemeinschaft, ja als große offenbarende Liturgie des Mysteriums der Kirche betrachtet. Neben den Bischöfen hätten aber auch Theologie-Professoren eine große Rolle gespielt. "Man kann sagen, dass die ganze Kirche am Konzil teilgenommen hat, und das Interesse der Kirche am Konzil hat bis heute nicht nachgelassen", hob Marini hervor.

Als einziges Konzil überhaupt habe das Zweite Vaticanum der Liturgie ein eigenes Dokument gewidmet, in dem es gelungen sei, die Grundprinzipien der Liturgie und die wesentlichen Elemente der liturgischen Feier festzulegen. Die Liturgiereform, die an Tragweite und Tiefgang alle Reformen der Vergangenheit übertreffe, habe der starren liturgischen Praxis und dem höfischen Zeremoniell der vorkonziliaren Zeit ein Ende gesetzt. Marini: "Es ging darum, die Liturgie zu reformieren, um die Kirche zu reformieren."

Genn: "Konzil war Geschenk des Geistes"

So sei es gelungen, die Zentralisierung zu überwinden, die Ortskirche in der Liturgie wiederzuentdecken, aber auch die volle tätige Teilnahme des Volkes Gottes an der Liturgie zu gewährleisten. "Das Zweite Vaticanum war ein wesentlich pastorales Konzil", fügte der Liturgie-Experte hinzu. Es habe die Rückkehr zum Primat des Wortes Gottes, die Wiederentdeckung der Kollegialität der Bischöfe und die Öffnung für die Geschichte und die moderne Welt gebracht.

Bischof Felix Genn sagte, der Studientag solle helfen, sich intensiv neu mit den Texten des Konzils zu beschäftigen. Genn bezeichnete das Zweite Vaticanum als "Geschenk des Heiligen Geistes". Er unterstrich die Ansicht Benedikts XVI., der dazu aufgerufen hatte, zu den Buchstaben des Konzils zurückzukehren, um seinen authentischen Geist wiederzufinden. "Der Schatz des Konzils kann stärker in den Schatz des Glaubens einführen", sagte Genn.

Konzil zwischen Bruch und Kontinuität

Bei einer Diskussion am Abend wandte der Linzer katholische Kirchenhistoriker Günther Wassilowsky sich sowohl gegen Thesen, das Zweite Vatikanische Konzil sei ein Bruch, wie auch gegen Ansichten, es sei "reine Kontinuität" gewesen. "Es gab damals verschiedene Schichten des Wandlungsprozesses: evolutionären Wandel, Anknüpfungen an den Status quo, aber auch an frühere Quellen sowie einen direkten Bruch", sagte Wassilowsky.

Für das Kirchenrecht stelle das Konzil einen Bruch dar, weil es mit der Buchstabengerechtigkeit und dem Positivismus Schluss gemacht habe, ergänzte die Regensburger Kirchenrechtlerin Sabine Demel: "Seitdem ist die theologische Verortung des Kirchenrechts ganz wichtig.

Fehlende Mitverantwortung von Laien

Aus Sicht eines Neutestamentlers hob der Münchner Professor Gerd Häfner die Bedeutung des Konzilsdokuments "Dei verbum" hervor. Es habe einen neuen Zugang zur Auslegung der Bibel eröffnet. "Das war ein Bruch und ein Durchbruch in der Praxis der Exegese", fügte Häfner hinzu. "Seither müssen wir die biblischen Bücher als geschichtliche Texte verstehen."

Die Diskussionsteilnehmer kritisierten, die Kirche sei auch 50 Jahre nach dem Konzil von einer wirklichen Mitverantwortung der Laien und einer stärkeren Berücksichtigung von Frauen in Führungspositionen weit entfernt. "Kirchliche Entscheidungen beeinträchtigen die Theologen so, dass sie bestimmte Fragen gar nicht mehr stellen", bemängelte Sabine Demel. Der Zentralismus Roms sei stärker statt schwächer geworden.

Würde ein neues Konzil helfen?

Häfner kritisierte, die neuen Zugänge zur Bibel, die die historisch-kritische Methode eröffnet habe, lägen brach. Es werde weiter zu sehr "mit herausgebrochenen Textblöcken" gearbeitet. Pablo Sudar von der Argentinischen Päpstlichen Universität Buenos Aires lobte dagegen, das Konzil habe in Lateinamerika einen verstärkten Einsatz der Kirche für Demokratie und Menschenrechte sowie für die Armen ausgelöst. Eine wichtige Aufgabe aber bestehe noch darin, die Beziehungen der Kirche Europas mit der Kirche Lateinamerikas auf eine neue Grundlage zu stellen.

Was ist von der Zukunft zu erwarten? Sollte es möglicherweise ein Drittes Vatikanisches Konzil oder eine neue deutsche Synode geben? Wassilowsky und Demel äußerten eher Bedenken, ob ein neues Konzil in der derzeitigen Situation die Kirche wirklich voranbrächte. Dagegen befürwortete Demel die Idee, eine neue Synode nach dem Vorbild des Würzburger Treffens einzuberufen.

Skepsis herrschte auf dem Podium auch hinsichtlich der traditionalistischen Piusbrüder. "Eine Versöhnung mit den Piusbrüdern und eine Hochschätzung des Konzils sind nicht miteinander vereinbar", sagte Wassilowsky. "Hinsichtlich der Piusbrüder gibt es eine massive Fehleinschätzung des gegenwärtigen Papstes."

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDokumentiert: Grußwort des Bischofs beim Studientag zum Zweiten Vatikanischen Konzil (13.11.2012)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Zweites Vatikanisches Konzil

Text: Gerd Felder | Foto: pd
14.11.2012

    1. Dossier: Zweites Vatikanisches Konzil
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