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31.05.2016
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Das Podium.

Sie diskutierten zum Thema Leitung und Beteiligung in der Kirche: (v.l.) Professor Michael Böhnke, Lucas Bögge, Benedikt Kern, Hanna Liffers, Professor Clemens Leonhard, Professor Thomas Ruster, Jan-Niklas Collet, Moderatorin Julia Lis und Julia Enxing.

Podiumsdiskussion zu Beteiligung und Leitung in der Kirche

Nach Schafen stinken?

Bistum. An der Ämterfrage scheiden sich in der Katholischen Kirche die Geister. Tatsächlich? Genügt es nicht einfach, neue Begriffe zu schaffen und sie abzugrenzen von der überkommenen theologischen Rhetorik, die zu viel diktiert und zu wenig inspiriert? Oder muss gar eine Kirche jenseits der bestehenden Amtsstrukturen gedacht werden? Diese und andere Fragen standen am Dienstagabend (01.07.2014) in der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster auf der Tagesordnung. Der Titel der Podiumsdiskussion war einem der vielzitierten Bilder aus den Schriften Papst Franziskus' entlehnt und lautete "Nach Schafen stinken? Beteiligung und Leitung in der Kirche".

Eine Initiative kirchlich engagierter Studierender aus Münster war die Initialzündung gewesen. Am Rand der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im März im münsterschen Priesterseminar hatten sie sich an zwei Tagen intensiv mit Fragen der Beteiligung und der Strukturen ihrer Kirche beschäftigt. Aus den Beratungen resultierte schließlich ein Zwischenruf, der an Pater Hans Langendörfer, den Sekretär der DBK übergeben werden konnte.

"Es reicht nicht, Papiere zu verfassen"

Bei dieser Art der kritischen Konfrontation sollte es jedoch nicht bleiben. Das verdeutlichten Lucas Bögge und Jan-Niklas Collet als Vertreter der engagierten Studierenden am Dienstag. "Es reicht nicht, Papiere zu verfassen und sie an Amtsträger zu übergeben. Zu einer reflektierten Auseinandersetzung gehört es auch, sich im Raum der wissenschaftlichen Theologie ganz konkret mit den angesprochenen Fragen zu beschäftigen", betonte der Theologiestudent Bögge, ehe sein Kommilitone Collet die Inhalte des im März verabschiedeten Papiers vorstellte. In seiner Zusammenfassung wurde er deutlich und konstatierte eine horizontale und zugleich eine vertikale Kirchenspaltung. Die gegenwärtige Ämterstruktur verringere die Möglichkeiten der Partizipation und erschwere es bestimmten Gruppierungen, den Weg in die Mitte der Kirche zu finden. Gerade die mangelnde Präsenz der Armen und Unterdrückten sei signifikant, so Collet. Wenn sich nichts ändere, begehe die Kirche Verrat an ihrer eigenen Sendung.

Für Julia Enxing vom Excellenzcluster Religion und Politik der Universität Münster ist eine sehr konkrete Einbeziehung der Gläubigen bei innerkirchlichen Prozessen das Gebot der Stunde, das sie im Arbeitspapier der Studierenden wiederfinde und das sich geradezu aufdrängt. "Die Demokratisierung der Kirche würde zu ihrer Stabilisierung beitragen", erklärte die promovierte Theologin. Mahnende Beispiele gescheiterter Bestrebungen hin zu größerer Mitbeteiligung des Volkes gebe es außerhalb der Kirche genügend. Der Blick über den Tellerrand sei bitter notwendig geworden, gerade in Zeiten des Umbruchs, wie Enxing sie in Anbetracht des neuen Papstes und zahlreicher vakanter Diözesen in Deutschland konstatierte.

Bischofsamt auf Zeit?

Dass man sich in Zeiten des Umbruchs bewege, bemerkte auch der systematische Theologe Thomas Ruster aus Dortmund. In der Moderne seien einstmals sichere Konstruktionen fragwürdig geworden und auch die Amtsfrage als Ganze habe sich neuen Anfragen zu stellen. Im Modell des dreifachen Amtes Christi habe aber schon das Zweite Vatikanische Konzil einen Weg gewiesen, der in den Gemeinden heute viel zu wenig Wirkmacht entfalte, bemängelte Ruster. Was eine Demokratisierung betrifft, warnte er vor zu großem Optimismus. Vielmehr müsse jenseits der geltenden und oft als zu verbindlich betrachteten Strukturen geschaut werden, welche Formen der Beauftragung für Christen in den Gemeinden möglich seien. Hirten müssten nicht Propheten sein, Propheten wiederum keine Hirten. Ruster verwies auf Papst Franziskus, der sich augenscheinlich weniger um Strukturen schere. Die Heilige Schrift lade jeden dazu ein, kritisch die eigenen Gaben in den Diskurs einzubringen und konkrete Dienste zu übernehmen.

Vor einer falschen und vorschnellen Berufung auf die göttliche Autorität warnte Michael Böhnke von der Universität Wuppertal. Die Weiheliturgie sei da schon weiter als der Glaube mancher Christen: Nicht die Vollmacht, sondern der Geist Gottes werde durch das Gebet der Gemeinde auf die Geweihten übertragen. So sei die Gemeinde auch dem Bischöflichen Amt stets vorgeordnet. Konkret könne darüber nachgedacht werden, auch das Bischofsamt für eine Zeit von acht Jahren zu übertragen. Der junge Professor Ratzinger habe dies einst als Dogmatiker eingefordert und als Papst schließlich sehr konkret in die Tat umgesetzt, bemerkte Böhnke mit einem Schmunzeln.

Würde durch Aufgaben, nicht durch Amt

Der Liturgiewissenschaftler Clemens Leonhard plädierte für eine weniger theologisch enge Sicht der Ämter bei gleichzeitiger Orientierung an Sachfragen. Erste Ansätze ließe Papst Franziskus dabei in seinen ersten Dokumenten erkennen. "Durch die Betonung des Wertes der Evangelisierung erinnert der Papst daran, dass die Menschen ihre Würde nicht durch ein Amt, sondern eine Aufgabe erhalten", so Leonhard. Stets die Heilige Schrift zu bemühen, um die eigenen Ansichten stark zu machen, sei dabei nicht immer ein integrer Weg.

Viele weitere Fragen hätte Moderatorin Julia Lis noch aufnehmen können. Eines nämlich war nicht zu übersehen: Mit ihrem Zwischenruf hatte die Gruppe der Studierenden einen Punkt berührt, der je nach Standpunkt Wunden schlägt, überwunden werden soll oder zumindest Verwunderungen bereithält.

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