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Seite: Fragen + Glauben
25.03.2017
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Thomas.

Der Bildstock des Ungläubigen Thomas in Nottuln-Darup.

Bibelarbeit zum Johannesevangelium 20, 24-29

Thomas und der Auferstandene

1. Hinführung

Der Apostel Thomas ist wohl für viele Christen eine der Figuren im Johannesevangelium, der man sich sehr nah fühlt: Welcher Gläubige hat sich eines Tages nicht in Thomas wieder erkannt? Wer hätte nicht den auferstandenen Jesus sehen und berühren wollen? Thomas versinnbildlicht am besten unsere säkularisierte und wissenschaftliche Gesellschaft, die Beweise braucht, um zu glauben. Dennoch kann man in der nachapostolischen Zeit nur glauben, ohne dass man die österlichen Ereignisse gesehen hat: Wir sind in gewisser Weise in der gleichen Situation wie Thomas, der abwesend war, als Jesus den Zwölf erstmals erschien. Jedoch überrascht uns Jesus am Ende der berühmten Thomasperikope (Joh 20,24-29), wenn er behauptet: "Selig, die nicht sehen und doch glauben" (Joh 20,29).

2. Der Text: Joh 20,24-29

24 Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: "Wir haben den Herrn gesehen." Er entgegnete ihnen: "Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht."
26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: "Friede sei mit euch!"
27 Dann sagte er zu Thomas: "Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!"
28 Thomas antwortete ihm: "Mein Herr und mein Gott!"
29 Jesus sagte zu ihm: "Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben."

3. Im Hintergrund

In dieser Episode wendet sich Jesus an seinen Apostel, aber zugleich wendet sich der Autor des Evangeliums an seine Gemeinde und durch sie an alle Christen: Thomas war, wie jeder nachapostolische Gläubige, abwesend während Jesus den Jüngern ein erstes Mal erschienen war (Joh 20,24f.), und auch er erfährt wie alle späteren Gläubigen die Botschaft der Auferstehung durch die Zeugenaussage der (anderen) Apostel.

1. Die Zweifel bzw. der Unglaube des Thomas (24-25)
Der Autor des Johannesevangeliums hat die Zweifel des Thomas beharrlich beschrieben. Im Unterschied zu den anderen hat er die Nähe Jesu nicht unmittelbar erfahren. Thomas schafft es deswegen nicht zu glauben, was die anderen Apostel sagen: Ihr Zeugnis – der Kern des Glaubens – wird von ihm eindeutig abgelehnt. Dies zeigt, dass Thomas aufgrund des Todes Jesu seine Beziehung zu ihm als definitiv gebrochen betrachtet. Nichts kann seine Ungläubigkeit erschüttern (V. 25) außer ein deutlicher Beweis: Nur das Sehen und das Berühren können seine Meinung ändern. Thomas will eigentlich im Auferstandenen den ihm bekannten irdischen Jesus wiederfinden; er sucht eigentlich den Gekreuzigten und will sich irgendwie in die Vergangenheit zurücksetzen, um damit seine Beziehung zu Jesus wiederzufinden. Kurz und gut: Entweder will Thomas den Tod nicht annehmen oder er sieht ihn als Schlusspunkt.

2. Die Beziehung wieder herstellen
Acht Tage später sind alle Jünger wieder zusammen. Der Rahmen des Treffens verweist auf die kultische Versammlung der ersten Christen, die am ersten Tag der Woche stattfindet. Für die johanneische Gemeinde (und darüber hinaus für uns) wie für Thomas ist diese Versammlung ein besonderer Ort des Treffens mit dem Auferstandenen.

Jesus kommt und steht vor Thomas: Er hat die Initiative, weil Thomas ihn braucht, und schlägt ihm vor, seinen Anspruch vom Berühren zu stellen. Ob es dann wirklich zur Berührung der Wundmale kommt, lässt Johannes offen (in V. 27 sagt Jesus zu Thomas nicht "weil du mich berührt hast", sondern "weil du mich gesehen hast, glaubst du"). Jesus ist zwar bereit, sich anfassen zu lassen, aber die Pointe der Erzählung, die Thomas verwandelt, besteht nicht darin, sondern findet sich in der Ermahnung Jesu: "Sei nicht ungläubig, sondern gläubig!" (Joh 20,27). Dadurch werden Thomas die Augen geöffnet; er wird auf ein anderes Sehen vorbereitet, nämlich das Sehen des Glaubens: Thomas begreift, dass Jesus nicht mehr der historischen Welt angehört und dennoch lebt. Er versteht, dass seine Auferweckung auf keinen Fall die Wiederbelebung eines Leichnams bedeutet: "Sie ist nicht Rückkehr ins Irdische, sie ist Aufbruch ins Himmlische, ins ganz und gar von Gott Bestimmte, nicht mehr an Raum und Zeit "(Söding), wie V.26 es zeigt. Dieses Verständnis im Glauben führt Thomas zur wahren Erkenntnis der Identität Jesu, die er durch sein abschließendes Glaubensbekenntnis bekundet: "Mein Herr und mein Gott!" (Joh 20,28). Zweimal benutzt der Apostel das Pronomen "mein": Die Beziehung mit Jesus wird jetzt von Thomas am tiefsten aufgenommen.

3. "Mein Herr und mein Gott"
Das Glaubensbekenntnis des Thomas, das die Göttlichkeit Jesu behauptet, steht am Ende des Johannesevangeliums und entspricht der letzten Etappe des ganzen Projekts des Evangelisten:  Seit dem Prolog (Joh 1,1-18) hat er Jesus als den göttlichen Logos dargestellt, der Mensch geworden ist und Kunde von Gott gebracht hat. Dann hat Johannes einige Episoden seines Lebens und einige der von Jesu erfüllten Zeichen erzählt, damit seine Leser glauben, "dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes" (Joh 20,31). Der johanneische Text lädt also seinen Leser nicht nur zu glauben ein, dass der Gekreuzigte lebendig ist, sondern auch wie Thomas zu entdecken, wer Jesus seit dem Anfang seines irdischen Lebens war und "wer er wahrhaftig für mich ist" (Léon-Dufour).

4. "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben"
Johannes schreibt sein Evangelium am Ende des ersten Jahrhunderts. Die Erscheinungen Jesu sind seit Langem vorbei: Diese Grundetappe gehört nunmehr der Vergangenheit an. Die johanneische Gemeinde lebt deshalb "nur" aus dem Zeugnis der Auferstehung, das von Generation zu Generation übermittelt wird. Dennoch behauptet der johanneische Jesus erstaunlicherweise: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben" (Joh 20,29). Ohne klare Beweise, ohne eindeutige Erscheinung ist es für jeden Gläubigen möglich, die Gegenwart Jesu wahrzunehmen. Der Zugang zum Glauben ist zwar nicht jener der Augenzeugen. Dennoch werden die heutigen Gläubigen "Selig" genannt, weil ihr Glaube nicht so sehr auf sichtbaren Zeichen der Gegenwart Christi beruht, sondern auf dem Wort, das durch die Kraft des Heiligen Geistes übermittelt wird. In seinen Abschiedsreden hatte übrigens der johanneische Jesus schon die Modalitäten seiner Gegenwart in der nachösterlichen Zeit unter dem Einfluss des Paraklets angekündigt:

"Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. (…) Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen (Joh 14,21.23)."

Wer glaubt und das Wort lebt, ist also von Gottes Gnade erfüllt. Die Gemeinschaft mit Christus hängt von nun an nicht mehr von einem historischen Moment ab, sondern kann für jeden Gläubigen eine dauerhafte Erfahrung werden.

4. Bibel-Teilen in 7 Schritten

Einladen: Wir werden uns bewusst, dass der Herr in unserer Mitte ist (vgl. Mt 18,20). Dies soll in einem freien Gebet zum Ausdruck gebracht werden.

Lesen: Wer möchte Joh 20, 24-29 vorlesen?

Verweilen: Wir suchen nun Verse oder Gedanken aus dem Text heraus und sprechen sie laut und betrachtend aus. Dazwischen wird jeweils eine Zeit der Stille gehalten. Danach wird der Text noch einmal im Zusammenhang gelesen.

Schweigen: Wir werden still und lassen in der Stille Gott zu uns sprechen.

Austauschen: Wir tauschen uns darüber aus, was uns angesprochen und berührt hat. Was klingt nach? Was kann mein eigenes Denken, meinen Glauben bestimmen?

  • Wer ist Jesus wahrhaftig für mich?
  • Wo kann ich in meinem Alltag die Gegenwart des Auferstandenen wahrnehmen?
  • Wie lasse ich mich von seinen Worten prägen?

Beten: Alle sind eingeladen, eine Bitte oder einen Dank an Gott zu richten.

Lobpreisen: Wir singen ein gemeinsames Lied (zum Beispiel GL 505 "Du hast uns, Herr, gerufen").

Literatur

Léon-Dufour X., Lecture de l‘Évangile selon Jean IV, Paris 1996.
Schumacher F., Söding Th., Leben gegen den Tod. Das Ostergeheimnis im Johannesevangelium, Freiburg im Breisgau 1994.
Schnackenburg R., Das Johannesevangelium III  (HThK IV), Freiburg - Basel - Wien 2000.
Zumstein J., L’Évangile selon saint Jean (13-21), Genève 2007.

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Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Philippe van den Heede, Ruhr-Universität Bochum, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite – online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterkirchensite.de) | Foto: Michaela Kiepe, Mai 2013

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