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Seite: Fragen + Glauben
25.05.2012
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Schwester Sara

Schwester Sara leitet den Klosterladen, in dem die Karmelitinnen geistliche Literatur, Kreuze und selbstgestaltete Kerzen verkaufen.

Die Karmelitinnen in Dorsten-Lembeck

Schwester Elisabeth: "Es ist ein Suchen bis zuletzt"

Dorsten-Lembeck. Die Autobahn ins Ruhrgebiet ist nur wenige hundert Meter entfernt, aber im Karmel St. Michael in Dorsten-Lembeck scheint der Trubel des Alltags ganz weit weg. Die Gebetszeiten geben bei den 16 Karmelitinnen, die hier hinter dicken Sandsteinmauern leben, den Rhythmus vor. Sie haben sich für ein Leben entschieden, das ganz Gott gehört. "Ich möchte Gott alles schenken, das war mein Gedanke als ich mich für die Karmelitinnen entschied", sagt Schwester Elisabeth, die dem Karmel als Priorin vorsteht. "Gott soll mein Leben erfüllen."

Fünf bis sieben Mal am Tag treffen sich die Frauen zum Gebet in der Kapelle, über deren Portal eine Skulptur des Erzengels Michael thront, oder ziehen sich zur persönlichen Besinnung und Meditation zurück. "Wir sollen tagsüber möglichst Stille halten und wenig sprechen." Nur abends sitzen sie eine Stunde zusammen, hören die Nachrichten und tauschen sich aus. Gäste suchen im kleinen Klosterladen, in dem die Schwestern geistliche Literatur, Kreuze, eigene Kunst und selbstgestaltete Kerzen verkaufen, Kontakt oder kommen zu den Gebetszeiten in die Kapelle.

Das Michaelisstift, in dem heute der Karmel zu Hause ist, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Unter anderem war es Krankenhaus und Altenheim.

Ein Ort geistlichen Lebens

Das Michaelisstift, zwei Kilometer westlich von Lembeck gelegen, ist seit mehr als 280 Jahren ein Ort geistlichen Lebens. Erbaut als Witwensitz und soziale Stiftung, diente das Ensemble rund um die von Johann Conrad Schlaun entworfene Kapelle lange als Krankenhaus und Altenheim. "Deshalb haben viele Menschen hier aus der Gegend eine ganz besondere Beziehung zu unserem Haus, denn sie sind hier geboren", berichtet Schwester Elisabeth. Clemensschwestern aus Münster kümmerten sich um die Kranken und später um die Bewohner des Altenheims. Als dieses 1995 schloss, endete auch eine 150 Jahre dauernde Ära der Clemensschwestern in Lembeck.

Der Karmel, der drei Jahre später in die renovierten Gebäude einzog, war damals noch in Bonn-Pützchen beheimatet. "Das Haus dort war aber für unsere Gemeinschaft zu groß geworden, und wir waren auf der Suche nach Alternativen", erinnert sich Schwester Elisabeth. Eine Annonce der Familie von Merveldt, der das Ensemble bis heute gehört, und ein Besuch des Bonner Karmels in Lembeck brachten die Partner zusammen. Und die Lembecker waren froh, wieder Schwestern im Ort zu haben.

Einfach und zurückgezogen

Viele hätten sich wieder einen caritativ tätigen Orden gewünscht, berichtet Schwester Elisabeth. Inzwischen hätten sie sich aber mit den zurückgezogen wirkenden Karmelitinnen arrangiert. "Wir versuchen möglichst einfach zu leben." Das gilt für die wenigen sozialen Kontakte wie für den bescheidenen Lebensstil. Es kommt immer mal wieder vor, dass Menschen aus der Umgebung Lebensmittelspenden vorbeibringen oder die Schwestern einladen, auf einem der nahen Gemüsefelder etwas für den Bedarf des Karmels zu ernten. Ansonsten leben die Frauen vom Verkauf ihres Hauses in Bonn, den Erlösen des Ladens und Aufträgen anderer Klöster.

Schwester Elisabeth in der Kapelle des Karmels, die dem heiligen Michael geweiht ist. Hier liegt auch ein Fürbittbuch.

Die einfache Lebensweise im Karmel St. Michael kommt an. In den vergangenen Jahren ist die Gemeinschaft auf 16 Schwestern angewachsen, darunter ist auch eine Novizin, eine 44-jährige Krankenschwester aus Bochum. Schwester Elisabeth selbst war 22, als sie sich für ein Leben in der klösterlichen Gemeinschaft entschied. Die heute 63-Jährige war damals fasziniert von der heiligen Karmelitin Therese von Lisieux und von einem Leben, das die Einsamkeit des Gebets und der Stille sowie die Gemeinschaft mit anderen Schwestern vereint. Sie hat höchsten Respekt vor den Frauen, die heute den Weg in den Karmel wagen. "Die Umwelt ist nicht mehr so religiös geprägt. Wer sich für ein Leben im Kloster entscheidet, muss heute größere Widerstände überwinden."

Die Gemeinschaft, in der aktuell Karmelitinnen im Alter von 32 bis 86 Jahren leben, ist auch für Besucher offen. Das Gästezimmer ist fast immer belegt. Wer hier einzieht, kann an den Gebetszeiten teilnehmen, muss es aber nicht. "Die meisten Menschen kommen, um einige stille Tage zu verbringen", so Schwester Elisabeth. Auch die Schwestern selbst haben zehn Tage im Jahr Gelegenheit, sich zu Einzelexerzitien zurückzuziehen und die Zwiesprache mit Gott zu suchen. "Es ist ein Suchen bis zuletzt", sagt Schwester Elisabeth.

Kontakt:

Karmelitinnen
Karmelkloster St. Michael
Rhader Straße 132
46286 Dorsten-Lembeck
Tel.: 02369 / 988620

Text: Andrea Hertleif | Fotos: Andrea Hertleif
04.01.2010

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