
Kirchen und Kapellen laden ein, sich Zeit für Gott zu nehmen.
Geistlicher Impuls
Miteinander reden
Ich war am Wochenende in Berlin. Vor allem wollte ich den neuen Hauptbahnhof endlich einmal live sehen. Der ICE kam an, ich stieg aus und war augenblicklich fasziniert. Allerdings weniger von der beeindruckenden Architektur als vielmehr von einer schlichten Plakatwand. Vor mir war eine riesige schwarze Fläche und in weißer Schrift stand darauf nur ein Satz: "Wir müssen miteinander reden." Unterschrift: Gott.
Wenn jemand zu mir sagt, "Wir müssen miteinander reden", dann geht es meistens um etwas Ernstes und es geht dabei irgendwie auch um mich und den anderen.
Das schwarze Plakat mit der weißen Aufschrift hat mich sofort angesprochen. Aber erst mit ein bisschen Nachdenken bin ich drauf gekommen, warum das so ist. Mit Gott reden, das nennen wir Beten. Und meistens wenden wir uns dabei an Gott mit einem ganz bestimmten Anliegen. Auf dem Plakat war es genau umgekehrt. Hier sagt Gott zu mir: "Wir müssen miteinander reden."
Wenn ich das ernst nehme, dann heißt das: Gott tut den ersten Schritt. Er fängt an mit dem Beten. Er will mit mir reden. Und er hat mir etwas zu sagen. Und es bedeutet auch: Ihm ist etwas an mir gelegen, denn sonst wollte er ja gar nichts mit mir zu tun haben.
Wenn eine gute Freundin oder ein Freund das zu mir sagen würde, dann hätte ich keine Wahl mehr. Ich würde nie das Gespräch verweigern, sonst käme ich mir wie ein Schuft vor. So ging es mir auch mit dem Plakat in Berlin: Es hat keiner gehört, aber ich habe innerlich geantwortet: "Heute abend, Gott, da habe ich Zeit. Dann reden wir."
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Text: Stephanie Lichters | Foto: Archiv
08.07.2009
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