Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Fragen + Glauben
14.11.2018
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Pater Marcel Albrecht.

Ruhe und Stille prägen die Fastenzeit der Benediktiner, sagt Pater Marcel Albrecht.

Benediktiner in der Abtei Gerleve

Die Pfade des Gewöhnlichen verlassen

Billerbeck-Gerleve. Nein, besondere spezielle Angebote im Kloster zur Fastenzeit gibt es nicht. "Das Leben der Mönche soll ja immer wie eine Fastenzeit sein", klärt Pater Marcel Albert auf. Der 55-Jährige lebt mit weiteren 43 Benediktinern in der Abtei Gerleve zwischen Coesfeld und Billerbeck. Die Mönche beten im März für die Nutzer des Internetmagazins kirchensite.de. Und doch ist auch im Kloster in den 40 Tagen nach Aschermittwoch einiges anders. "Wir essen mehr Käse und haben mehr fleischfreie Mahlzeiten. Zudem haben wir weniger Rekreation, also Zeiten, in denen wir uns austauschen", erklärt der Benediktiner. Das Schweigen bestimmt stärker das Zusammenleben in dieser Zeit auf Ostern hin.

Ein Buch von A bis Z

Auch kommen die Mönche einer besonderen Regel Benedikts nach. Benedikt schreibt, dass jeder Mönch in der Fastenzeit ein Buch lesen sollte. "Damit meint er natürlich die Bibel. Bücher hatten zu seiner Zeit allerdings eine andere Bedeutung. Heute ist es aber immer noch so, dass sich jeder von uns ein Buch aussucht, das er von A bis Z liest", erklärt Pater Marcel. Das könnten Bücher aus der Bibel ebenso sein wie Literatur alter Theologen – zum Beispiel Franz von Sales – oder Kirchenlehrerinnen wie Therese von Lisieux. Aber auch zeitgenössische Literatur sei möglich. Dabei ginge es darum, nicht die Lust an der Lektüre zu verlieren und "ein wenig auf seine eigene Lesekultur zu achten". Pater Marcel selbst schwankt zwischen der Autorin Therese von Lisieux und den Jesus-Büchern des ehemaligen Papstes Benedikt XVI.

Die unterschiedlichen Facetten, die Fastenzeit zu gestalten, ermöglichen es, aus dem Trott des Gewöhnlichen und Täglichen auszusteigen. "Die Fastenzeit bietet uns Christen die Gelegenheit zu schauen, wie wir unser Leben bewusster gestalten können und es dadurch ein anderes Format erhält", sagt Pater Marcel. Es sei wichtig, von Zeit zu Zeit "aufzuräumen, zu formatieren".

Bewusster gestalten

In seinen Ausführungen vermeidet er das Wort "Alltag". "Kein Tag ist wie der andere. Jeder Tag hat mindestens eine Überraschung für uns", erklärt Pater Marcel. Sicherlich, die Tagesabläufe im Kloster unterscheiden sich von denen vieler Menschen, die im bürgerlichen Leben stehen. "Aber auch bei uns gibt es die Gefahr, dass unser Leben zur Gewohnheit wird und wir uns für die großen und kleinen Überraschungen verschließen", ist der Benediktiner überzeugt. Gewohnheiten bildeten zwar einen Rahmen, aber man dürfe sich von ihnen nicht fesseln lassen.

Inmitten der Baumberge zwischen Coesfeld und Billerbeck liegt die Abtei Gerleve.

Minimalübung: Fasten bei Tisch

Das große Thema der österlichen Bußzeit sei die Freiheit, das Fasten bei Tisch dabei eine gute Minimalübung. "Es ist wichtig, wenn ich mir beispielsweise bewusst mache, wieviel ich zu essen brauche und wem ich es verdanke", nennt Pater Marcel Beispiele. Es lohne sich aber auch, über den Tellerrand hinaus zu gucken, zu schauen, wo man sonst in seinem Leben unfrei sei. Ein Thema, das dabei immer mehr an Bedeutung gewinne, sei der Umgang mit Medien, mit allem, was mit der elektronischen Kommunikation zusammenhänge. "Das hat sich verselbständigt. Wir haben in Gerleve den großen Vorteil, dass wir im Kloster einen schlechten Empfang haben", sagt Pater Marcel und lacht.

Freiheit sei dem Menschen gegeben, wenn er anderen gegenüberstehen könne, "so frei, wie Gott mir gegenübersteht. Das hilft dem anderen auch, frei zu werden", betont der Mönch, der seit fast 25 Jahren in Gerleve lebt.

Sich vorurteilsfrei begegnen

Zum Christentum gehöre die Möglichkeit, einen realistischen Blick in den Spiegel zu werfen. "Es gibt vieles, für das ich Gott dankbar bin. Aber es gibt auch Baustellen in meinem Leben, an denen ich arbeiten kann –  ohne zu verzweifeln", erklärt Pater Marcel. Es ginge nicht nur darum, ein bisschen, sondern deutlich besser zu werden. Dazu gehöre das Wissen, dass immer etwas überbleibt. "Es geht im Christum darum, kräftig zum Frieden in der Welt beizutragen."

Im Zusammenleben und in der Begegnung mit gläubigen Christen sei es wichtig, sich zu versöhnen, nicht nachtragend zu sein sowie einander vorurteilsfrei anzuschauen, "so wie Gott die Menschen sieht".

Beichtbereitschaft

Ein Angebot, das in der Klosterkirche nicht nur in der Fastenzeit gut angenommen wird, ist die Möglichkeit, die Beichte abzulegen. Zum einen ist die Kirche von fünf Uhr bis 21 Uhr geöffnet. Beichtgelegenheiten gibt es von 7.45 bis 12 Uhr sowie von 14.30 bis 17.15 Uhr. "Wer heute das Sakrament der Versöhnung empfangen möchte, hat es nicht mehr leicht. Die Beichtzeiten sind in der Pfarrei nicht so umfangreich wie bei uns. Für die anonyme Beichte muss man vielleicht weit fahren, da es immer weniger Klöster gibt", erklärt der Benediktiner. An diesem Punkt stehe die Abtei Gerleve gut da. Einer der Patres habe immer Bereitschaft, wenn sich jemand in der Kirche oder an der Pforte melde, der das Sakrament der Versöhnung empfangen möchte.

In der Liturgie der Mönche verändert sich in der Fastenzeit nicht allzu viel. Es gibt – wie auch in Gottesdiensten der Pfarreien – kein Halleluja und kein Gloria. Die Zelebranten tragen ein violettes Gewand. "Und wir verzichten auf das Orgelspiel. Insgesamt ist unsere Fastenzeit durch eine größere Ruhe, Stille und Nachdenklichkeit geprägt", betont Pater Marcel.

Kontakt:

Benediktinerabtei Gerleve
48727 Billerbeck
Telefon: 02541 8000
Fax: 02541 800233
Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.abtei-gerleve.de

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedListe der Gemeinschaften, die bisher die Klosterfürbitte übernommen haben
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Orden

Text: Michaela Kiepe | Fotos: Michaela Kiepe
04.03.2014

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand