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Seite: Fragen + Glauben
20.10.2017
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Hausinschrift in Ahaus-Alstätte.

Hausinschrift in Ahaus-Alstätte.

Bibelarbeit zu Apg 12, 1-17

Als er am Außentor klopfte: Rhode und der hohe Besuch

1. Der Text: Apg 12, 1-17

1 Um jene Zeit ließ der König Herodes einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln. 2 Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten. 3 Als er sah, dass es den Juden gefiel, ließ er auch Petrus festnehmen. Das geschah in den Tagen der Ungesäuerten Brote. 4 Er nahm ihn also fest und warf ihn ins Gefängnis. Die Bewachung übertrug er vier Abteilungen von je vier Soldaten. Er beabsichtigte, ihn nach dem Paschafest dem Volk vorführen zu lassen. 5 Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott. 6 In der Nacht, ehe Herodes ihn vorführen lassen wollte, schlief Petrus, mit zwei Ketten gefesselt, zwischen zwei Soldaten; vor der Tür aber bewachten Posten den Kerker. 7 Plötzlich trat ein Engel des Herrn ein, und ein helles Licht strahlte in den Raum. Er stieß Petrus in die Seite, weckte ihn und sagte: Schnell, steh auf! Da fielen die Ketten von seinen Händen. 8 Der Engel aber sagte zu ihm: Gürte dich, und zieh deine Sandalen an! Er tat es. Und der Engel sagte zu ihm: Wirf deinen Mantel um, und folge mir! 9 Dann ging er hinaus, und Petrus folgte ihm, ohne zu wissen, dass es Wirklichkeit war, was durch den Engel geschah; es kam ihm vor, als habe er eine Vision. 10 Sie gingen an der ersten und an der zweiten Wache vorbei und kamen an das eiserne Tor, das in die Stadt führt; es öffnete sich ihnen von selbst. Sie traten hinaus und gingen eine Gasse weit; und auf einmal verließ ihn der Engel. 11 Da kam Petrus zu sich und sagte: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat und all dem, was das Volk der Juden erhofft hat. 12 Als er sich darüber klar geworden war, ging er zum Haus der Maria, der Mutter des Johannes mit dem Beinamen Markus, wo nicht wenige versammelt waren und beteten. 13 Als er am Außentor klopfte, kam eine Magd namens Rhode, um zu öffnen. 14 Sie erkannte die Stimme des Petrus, doch vor Freude machte sie das Tor nicht auf, sondern lief hinein und berichtete: Petrus steht vor dem Tor. 15 Da sagten sie zu ihr: Du bist nicht bei Sinnen. Doch sie bestand darauf, es sei so. Da sagten sie: Es ist sein Engel. 16 Petrus aber klopfte noch immer. Als sie öffneten und ihn sahen, staunten sie. 17 Er gab ihnen mit der Hand ein Zeichen zu schweigen und erzählte ihnen, wie der Herr ihn aus dem Gefängnis herausgeführt hatte. Er sagte: Berichtet das dem Jakobus und den Brüdern! Dann verließ er sie und ging an einen anderen Ort.

2. Zum Hintergrund

König Herodes Agrippa I war alles andere als ein gerechter Herrscher. Willkürliches Vorgehen prägt seine Regierungszeit. Aus billigem Machtinstinkt heraus lässt er führende Repräsentanten der Frühen Kirche exekutieren (Apg 12,2). Auch Petrus wird verhaftet (Apg 12,3). Ihm droht dasselbe Schicksal. Gleich nach dem Paschafest soll er in einem öffentlichen Schauprozess vorgeführt und abgeurteilt werden (Apg 12,4). Bis dahin wird er rund um die Uhr streng bewacht. Als Ort dieses Hoch-Sicherheitsgefängnisses kommt am ehesten der königliche Palast in der Jerusalemer Altstadt in Frage. Es ist alles andere als eine Randnotiz, wenn die Apostelgeschichte in diesem Zusammenhang festhält, dass die Christen der Jerusalemer Urgemeinde - um den Ernst der Lage wohl wissend – zusammenkamen, um für Petrus zu beten (Apg 12,5). Hier zeigt sich, was Hoffnung gegen jede Hoffnung ist. Hier zeigt sich auch, wie Gottvertrauen geht.

Der Plan des Königs scheitert kläglich. Obwohl Petrus "in jener Nacht" in Ketten lag und ordnungsgemäß scharf bewacht wurde (Apg 12,6), kommt er frei – nicht durch das Wirken von Freunden oder die Nachlässigkeit von Feinden, sondern durch das Wirken Gottes. Der Auftritt eines Engels zeigt dies an: Mauern und Wächter sind für ihn kein Hindernis. Er löst die Fesseln und öffnet das Verließ (Apg 12,7ff.). Sein helles Licht, das das Dunkel des Gefängnisses erstrahlen lässt (Apg 12,7), verweist auf eine Rettungsaktion, die in der Wirklichkeit des Himmels beschlossen wurde.

Petrus gehorcht dem Engel. Das Befreiungsgeschehen nimmt seinen Lauf. Der Apostel weiß nicht, ob es Wirklichkeit ist, was geschieht, oder nur ein Traum (Apg 12,9). "Meisterhaft wird hier der Übergang aus dem Schlaf in die Erfahrung des Wunders und aus diesem Erleben in den Alltag gezeichnet. Dass auf die Paschanacht angespielt wird, ist möglich" (R. Pesch). Die beiden verlassen das Gefängnis und "eine Gasse weiter" (Apg 12,10) – gewissermaßen hinter der nächsten Ecke – ist Petrus wieder allein. Jetzt kommt er zur Besinnung, er begreift, was geschehen ist (Apg 12,11f.). Vor allem weiß er, dass der Herr selbst ihn durch seinen Engel befreien ließ (Apg 12,11). Die Leserinnen und Leser der Apostelgeschichte wissen zudem, wie sehr Gott sich vom vertrauensvollen Gebet der Christen anrühren lässt und zugleich die Geschicke der Kirche lenkt und leitet.

Petrus ist frei. Aber die Geschichte ist längst nicht zu Ende. Der Apostel sucht die Gemeinschaft der Glaubenden. Lukas erzählt alles ausführlich und notiert viele Details. Sogar den Namen einer Pförtnerin verrät er uns: Sie heißt Rhode (Apg 12,13). Das ist bemerkenswert, weil in den Schriften und Berichten der Antike Hausangestellte, Diener und Sklaven zumeist keine Rolle spielen und namenlos bleiben. Rhode ist ein griechischer Name. In seiner lateinischen Übersetzung ist er uns geläufiger: Rosa, das bedeutet "Rose", "Rosenstock", "Rosenstrauß".

Rhode arbeitet in einem großen und vornehmen Haushalt. Die Erwähnung des Außentores und die Tatsache, dass es dort Hausangestellte gibt, weisen in diese Richtung. Lukas sagt nicht ausdrücklich, ob Rhode Christin war oder ob nicht. Aber alles deutet darauf hin, dass sie sich zum Glauben an den Auferstandenen bekennt: Sie kennt die Stimme des Petrus und freut sich, als er vor der Tür steht, so ungemein, dass sie darüber vergisst, die Tür zu öffnen (Apg 12,14). Mit großer Wahrscheinlichkeit war auch die Dienstgeberin Rhodes, eine Frau namens Maria, Mutter des Johannes Markus (Apg 12,12), Christin: In ihrem Haus versammelt sich die junge christliche Gemeinde, nicht zuletzt, um für den in Todesgefahr gewähnten Petrus zu beten. Und Petrus würde sich nach seiner wundersamen Entlassung nicht als erstes auf den Weg in ihr Haus machen, wenn er nicht Schwestern und Brüder im Glauben dort anzutreffen meinte. Rhode ist Dienerin in einem christlichen Haus, vielleicht sogar Sklavin. Das Christentum des Anfangs hatte weder Macht noch Möglichkeit, gesellschaftliche Realitäten zu verändern. Aber der Glaube an den Auferstandenen veränderte das Zusammenleben: Im Namen Jesu gab es keine Unterschiede mehr zwischen Freien und Sklaven, Herrschaft und Dienerschaft (vgl. Kol 3,11).

Was sich ereignet, wird ausgesprochen plastisch und lebensnah erzählt. Alle Protagonisten reagieren sehr menschlich: Die Dienerin Rhode hört jemanden an der Türe klopfen. Als sie hingeht, um nachzuschauen, wer vor der Tür steht, erkennt sie Petrus. Überraschung und Freude sind jedoch so groß, dass Rhode darüber den Kopf verliert und den Ersten der Apostel erst einmal unvermittelt draußen stehen lässt. Atemlos stürzt sie in die Versammlung der Christen und weiß das Unglaubliche zu berichten: "Petrus steht vor dem Tor" (Apg 12,14), der Apostel ist frei. – Kein Mensch will ihr glauben, das kann doch nicht sein! Entweder ist diese Magd verrückt geworden, denkt man sich wohl, oder – weniger wahrscheinlich – ein Engel steht vor der Tür (Apg 12,15). Vorausgesetzt ist hier die biblische Vorstellung, dass jeder Mensch einen Schutzengel hat, der ihm als sein himmlischer Doppelgänger äußerlich sehr ähnelt (vgl. Ps 91,11; Tob 5,22; Mt 18,10; vgl. auch das nichtbiblische, aber zeitgenössische Buch des Hirten des Hermas (Herm vis V, 4,7)). Soviel steht jetzt jedenfalls fest: Die Befreiung des Apostels ist nicht das Werk der christlichen Gemeinde.

Petrus muss weiterklopfen. Aber Rhode kann sich auf ihre Sinne und ihr Herz verlassen. Sie ist weder verrückt noch einfältig. Sie weiß, wen sie gesehen hat – also eilt sie zusammen mit den anderen zur Tür zurück und öffnet Petrus. Der Jubel kennt keine Grenzen. Alle geraten außer sich (vgl. Apg 2,7). Nun ist klar: Kein Mensch konnte Petrus befreien. Es war der Herr, der ihn aus der Gefangenschaft herausgeführt hatte (Apg 12,17). Gott selbst, das ist jetzt überdeutlich, steht an der Seite der Christen.

Der Apostel muss im allgemeinen Freudentaumel zunächst für Ruhe sorgen, um der Reihe nach erzählen zu können, wie er auf wundersame Weise aus dem Gefängnis befreit wurde. Und er möchte, dass dem Apostel Jakobus, dem Leiter der Jerusalemer Urgemeinde, Bericht erstattet wird. Danach verlässt Petrus langsam, aber sicher die Bühne der Apostelgeschichte. Nur von einer großen Vereinbarung mit Paulus wird noch die Rede sein (Apg 15). Der Bischof und Kirchenvater Eusebius von Caesarea (264-339 n.Chr.) bewahrt in seiner Chronik eine alte Überlieferung auf, nach der sich Petrus auf den Weg nach Rom gemacht habe.

Rhode hat Petrus vielleicht zur Tür begleitet. Nach dem Bericht über die Ereignisse jener Nacht wird sie im Neuen Testament an keiner weiteren Stelle mehr erwähnt. So bleibt sie ein kleiner Mosaikstein im Bild der Geschichte Gottes mit den Menschen. Die Erinnerung an sie bringt das Wort des Propheten Joel zum Klingen, das Petrus in seiner Pfingstpredigt ganz zu Beginn zitiert hatte (Apg 2,18) - Gott sagt: "Über Knechte und Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen, und sie werden Propheten sein" (vgl. Joel 3,2).

3. Vorschlag für eine Bibelarbeit

Bibel-Teilen in 7 Schritten

Einladen: Wir werden uns bewusst, dass der Herr in unserer Mitte ist (vgl. Mt 18,20). Dies soll in einem freien Gebet zum Ausdruck gebracht werden.

Lesen: Wer möchte Apg 12, 1-17 vorlesen?

Verweilen: Wir suchen nun Verse oder Gedanken aus dem Text heraus und sprechen sie laut und betrachtend aus. Dazwischen wird jeweils eine Zeit der Stille gehalten. Danach wird der Text noch einmal im Zusammenhang gelesen.

Schweigen: Wir werden still und lassen in der Stille Gott zu uns sprechen.

Austauschen: Wir tauschen uns darüber aus, was uns angesprochen und berührt hat. Was klingt nach? Was kann mein eigenes Denken, meinen Glauben bestimmen?

  • Ein Mosaik besteht aus vielen kleinen Mosaiksteinen. Welche Bedeutung hat der einzelne Stein für das Ganze? Inwiefern ist Rhode ein Mosaikstein in der Geschichte Gottes mit den Menschen? Inwiefern ist jeder Glaubende ein solcher Mosaikstein?
  • Hoffnung gegen jede Hoffnung. Welche Kraft hat das Gebet und was traue ich ihm zu?
  • Gott lenkt die Geschichte der Kirche und beschützt sie. Was bedeutet das für mein Christsein? Was bedeutet das für mein Erleben von Kirche?

Beten: Alle sind eingeladen eine Bitte oder einen Dank an Gott zu richten.

Lobpreisen: Wir singen ein gemeinsames Lied (z.B. GL 505 "Du hast uns, Herr, gerufen"; GL 644 "Sonne der Gerechtigkeit").

Buchhinweise

R. Pesch, Die Apostelgeschichte (Apg 1-12), EKK V/1, Neukirchen-Vluyn (3)2005

E. Läufer, Kleine Leute im Neuen Testament, Kevelaer 2000

Zum Herunterladen:

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Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Pfarrer Dr. Robert Vorholt, Privatdozent am Lehrstuhl Neues Testament der Ruhr-Universität Bochum, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite - online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterkirchensite.de) | Foto: Norbert Göckener, Februar 2012

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