
Das Licht eines Leuchtturms gibt Orientierung.
Geistlicher Impuls
Ihr seid das Licht
"Ihr seid das Licht der Welt!" Ich glaube, wer dieses Wort aus dem Markus-Evangelium richtig begreifen will, der muss zu einer Jugendgruppe gehört haben oder mit Freunden oft gewandert sein. Ziel der Wanderung war vielleicht ein kleines Gasthaus mitten in der Pampa, wie man so sagt, oder eine Hütte in den Bergen, wo man sich ein Quartier suchen wollte. Aber da war gar nichts, keine Ortschaft, kein Wegweiser, keine Beleuchtung. Und plötzlich ruft einer aus der Gruppe: "Schau mal da vorne, da brennt doch ein Licht!" Das war das heiß ersehnte Ziel. Das Licht hatte Orientierung gegeben. Ich erinnere mich an einen Fahrradausflug während meiner Studienzeit, auf der Insel Sardinien. Es war spät geworden, von der Straße konnte man nicht mehr viel erkennen, Auf einmal sahen wir weit vor uns, ein Licht – verschwommen zunächst, dann sehr deutlich. Wir kamen an in einem kleinen, freundlichen Gasthaus, in dem wir übernachteten. Und es gab für uns einen wunderbaren sardischen Rotwein, den wir aus Freude über die glückliche Ankunft reichlich tranken.
Vorbild sein
Der christliche Grundauftrag an die Menschen lautet: Seid Licht für die anderen. Zum Beispiel als Eltern sollen sie gewissermaßen hineinleuchten in ihre Kinder als Vorbilder. Leider gelingt das nicht immer. Sie kommen zu Idolen und Idealen, die trügerisch sind. Wo liegt da die Schuld? Sie kann natürlich bei den Kindern liegen, die sozusagen uneinsichtig sind, häufig aber auch bei der älteren Generation. Kinder wachsen häufig in einer Familie auf, in der man erst einmal an gutes Geld denkt, das es zu verdienen gilt. Wenn es über Jahre hin kein glaubwürdiges Gespräch zwischen Eltern und Kindern über Grundfragen und Probleme des Lebens gibt, dann kann den Kindern auch kein Licht aufgehen, an dem sie sich orientieren können
Auf das Wort Jesu "Ihr seid das Licht der Welt", folgt der Satz: "Ihr seid das Salz der Erde!". Auch das ist ein Gleichnis-Wort. Was bedeutet das für mein Leben? Ich bin Hobby-Koch, habe aber in der Regel kein Kochbuch zur Hand, sondern koche gerade was die Gewürze angeht, meist nach meiner Phantasie. Das geht meist gut, gelegentlich allerdings schief. Dann habe ich etwas versalzen, oder ein falsches Gewürz eingesetzt. Ich stelle mir vor, Salz der Erde zu sein bedeutet, Phantasie zu entwickeln im eigenen Leben, im Umgang mit anderen. Wenn in der Schule oder in einer Gemeinde nicht immer wieder neue Wege gefunden werden, auf die Lehrer oder Pfarrer, Schüler oder Mitarbeiter durch ihre Phantasie kommen, wird es langweilig und steril. Wir brauchen Phantasie, um unser Leben und das anderer möglichst lebendig und farbig zu machen. Wir brauchen das Gewürz, das bewirkt, dass unser Leben nicht schal wird, sondern uns aufgetragen ist zur phantasievollen Gestaltung.
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Text: Harald Wagner | Foto: Michael Bönte
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