
Heilige Tage
Heilige Tage
Leben mit einem, der lebt
Christen glauben nicht an Dogmen. Sie glauben an Gott und seinen "geliebten Sohn". "Sie leben mit einem, der lebt" (Klaus Hemmerle). Wo diese Beziehung infrage stand, musste sie ausdrücklich umschrieben werden (Dogmen - als historisch bedingte, notwendige Sprachregelung!).
Das lebendige Verhältnis zum himmlischen Vater und auferweckten Christus ist der Kern unseres Glaubens. Er bindet und befreit, erfüllt und verpflichtet. Niemand ist "im Besitz der absoluten Wahrheit". Christen leben jedoch im Bewusstsein absoluter Verbindlichkeit durch den, "der alle zu sich ziehen wird, wenn er von der Erde erhöht ist" (s. Joh 12,32). Paulus betont: "Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und unser Glaube sinnlos." (1 Kor 15,14).
Die Anziehungskraft des Himmels
Die "Kraft aus der Höhe" macht uns diesseits- und himmelstauglich, wenn wir uns ihr öffnen und sie zulassen. Unsere intime Glaubensbeziehung kann jedoch versanden wie jede andere persönliche Bindung, die nicht kultiviert wird.
Wir können auf eine lange Geschichte Gottes mit uns bauen. Israel ist ausersehen, "den Arm Gottes" an seiner Seite als erster zu bezeugen. Jahwe zog nicht nur einzelne "aus der Tiefe" (Ps 30,2). Dem Volke, das sich ihm ständig entziehen wollte, erwies er sich als der stärkere "Liebhaber", der "seiner Braut" in der Wüste nachging, oder auch als "Erzieher" des " Sohnes" (Israel).
"Mit menschlichen Fesseln zog ich sie an mich, mit den Ketten der Liebe. Ich war zu ihnen wie Eltern ..." (Hos 11,4). Sein Versprechen: "Ich verlasse dich nicht!" (Jes 41,17).
Die immer wiederkehrende Grundgebärde Gottes: "An sich ziehen mit den Ketten der Liebe!" Es ist derselbe Vater, der - im Gleichnis Jesu - dem "verlorenen Sohn" entgegenläuft, ihm um den Hals fällt und ihn küsst, der aber auch für den älteren Sohn "herauskommt und ihm gut zuredet." (Lk15,20 f.)
Der verlängerte Arm Gottes
Die Jesusleute empfanden es trotz der Missverständnisse und der Fremdheit "des Heiligen" als ein außerordentliches Glück, seine Vertrauten zu sein. Hier war "mehr als Jona" und "mehr als Salomo" (s. Mt 12,41.42 ).
Sehr früh mussten sie erfahren: Wer mit Jesus ging und sich von ihm ziehen ließ, teilte auch sein Schicksal. Ernsthafte Jüngerschaft hat Folgen. Es gab kein bloßes Mitläufertum. Die sich erfassen ließen, richteten ihr Leben nach ihm aus. "Alle, die Jesus an sich zieht, zieht er auf sein Kreuz hinauf" (Heinz Schürmann).
Das langsame Erfasst- und Gezogenwerden, Berührt- und Ergriffensein festigt die intime Beziehung. Ein allmähliches Begreifen wächst, das noch ohne Begriffe auskommt. Später wird es zum Credo. Edith Stein bekennt: "Ergreife ich die Hand, die mich anrührt, dann finde ich den absoluten Halt und die absolute Geborgenheit."
In der Gnade stehen
Christen leben in einer Christusbeziehung "mit ihm und untereinander" (Kanon). Er hat "eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann" (Offb 3,8). Feierlich und etwas umständlich auch bei Paulus: "Durch ihn haben wir den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen" (Röm 5,2). Wer darin steht, "gehört Christus" (1 Kor 3,23, u.a.).Gott selbst hat den Zugang geschaffen.
"In der Gnade stehen heißt, gerecht gesprochen sein, Frieden mit Gott haben, mit Gott versöhnt sein." (Otto Kuss) - "Gnadenstand" - Verstehen kann das nur, wer die Christusbeziehung lebt und sich vom himmlischen Christus "ziehen lässt".
Buddha, Mohammed oder Marx sind Männer der Vergangenheit, Gestalten der Geschichte. Man kann sie schätzen und verehren, von ihren Lehren fasziniert sein und sich ihnen geistig verbunden fühlen. Bei Jesus ist es anders. Er lebt "zur Rechten des Vaters". Das Bildwort betont seine "Hoheit". Er ist für Glaubende "der Erste und der Letzte und der Lebendige" (Offb 3,17), nicht nur eine Zuflucht historischer Erinnerung. Mit ihm verbindet sich eine begründete Hoffnung: die gläubige Erwartung einer ewigen Gemeinschaft mit ihm.
Deshalb hat Gott ihn "hingegeben" (Joh 3,16) - "für uns" und "zu unseren Gunsten". Er ist Tor und Weg zu einem neuen Leben mit Gott. Dorthin will er uns ziehen und deshalb bittet er den Vater,"damit wir dort sind, wo er ist" (s. Joh 17) - er, der "Erhöhte und Verherrlichte".
Unser Glaube ist kein vages Meinen. Wir glauben auch nicht an alles Mögliche. Wir glauben an ihn, den vom Tode und vom Leben Gottes Gezeichneten. Der Auferweckte spricht zu uns: "Ich lebe und auch ihr werdet leben" (Joh 14, 19). "Wir leben mit einem, der lebt !"
Dankt dem Vater mit Freude!
Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Lichte sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes (Kol 1,12.13).
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