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Seite: Fragen + Glauben
21.02.2018
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Trude Schneider.

Engagierte Ehrenamtliche aus Horstmar-Leer, wie Trude Schneider (links), bereiten den Schwestern regelmäßig schöne Stunden bei Plauderei und Kaffeetrinken.

Vorsehungsschwestern in Horstmar-Leer

"Es ist wie in einer großen Familie"

Horstmar-Leer. Vorbei an Feldern und durch Alleen führt der Weg zum Haus Loreto in Horstmar-Leer. In dem idyllisch gelegenen Anwesen mit großzügigem Klinker-Bau sowie Landhaus und Wohnheim verbringen 65 Schwestern des Ordens der Göttlichen Vorsehung im Alter von 72 bis 94 Jahren ihren Lebensabend. Das parkähnliche Gelände lädt dazu ein, hier zu relaxen und die Seele baumeln zu lassen. Doch Müßiggang ist "auf Loreto", wie alle ihr Zuhause nennen, eher die Ausnahme. Denn jede Ordensfrau bringt sich gern für die Gemeinschaft ein, solange es ihre Gesundheit noch irgendwie zulässt.

Das geht schon direkt an der Rezeption los. "Den Empfang und Telefondienst leisten unsere Schwestern im Wechsel komplett eigenständig", erklärt Irmgard Willers, Leiterin des Seniorenwohnheims. Andere übernehmen freiwillige Dienste in der Näherei, der Cafeteria, Küche und Wäscherei, begleiten weniger rüstige Mitschwestern auf Spaziergängen und zur Kapelle oder kümmern sich um die Beete und Grünanlagen. Selbst in schweren Stunden, wenn eine Mitschwester im Sterben liegt, wacht eine andere an ihrem Bett. "Das funktioniert selbstverständlich, und der Abschied gestaltet sich sehr würdig und inniglich.", sagt Willers.

Uneigennützigkeit, Nächstenliebe und Gastfreundschaft

Uneigennützigkeit, Nächstenliebe und Gastfreundschaft prägen die spirituelle Haltung der Gemeinschaft. Mitschwestern aus anderen Konventen sind als Urlauber willkommen, genauso wie kirchliche Vereine und Verbände, die hier ihre Tagungen ausrichten können. Selbst die Jüngsten aus dem Kindergarten in der Nähe feiern gern auf den Wiesen in der Nähe des Teichs ausgelassen Lambertus. Schwester Andrea, die heute für zwei Stunden an der Rezeption sitzt, fügt lächelnd hinzu: "Wir könnten es nicht besser haben und sind rundum gut versorgt. Ich bin froh, dass ich noch etwas tun kann, und liebe die Landschaft ringsherum."

Sie hat den Satz kaum ausgesprochen, da kommt Mitschwester Armgard herein. "Ich muss gleich los", sagt sie, greift sich zwei Taschen und zum Strauß gebundene Blumen, die sie zuvor dort abgelegt hatte. Die 72-Jährige ist das Nesthäkchen in der Kommunität und wie sie es ausdrückt, "für den Ruhestand eigentlich noch zu jung". Die Krankenschwester, die viele Jahre in Brasilien ein Altenheim leitete, steht den angestellten Pflegekräften in allen Notfällen zur Seite – selbst nachts, wenn es einer Mitschwester nicht so gut geht. Dann packt sie ihre Sachen, fährt mit zum Krankenhaus, spricht mit der Station und den Ärzten, besucht sie täglich und bringt alles mit, was sie braucht. Inzwischen sitzt sie bereits in ihrem Auto und will gerade starten, als Schwester Lamberta zu ihr ans Fenster kommt und bittet: "Richte herzliche Genesungswünsche aus. Wir beten für sie."

Niemand bleibt allein: Schwester Gertraud (links) besucht Mitschwester Fidelis täglich auf der Krankenstation und nimmt sie mit zu Spaziergängen.

"Es ist schön, unter Bekannten alt zu werden."

Obwohl die Schwestern aus unterschiedlichen Konventen kommen, kennen sie sich untereinander. Manche lebten bereits zusammen, andere trafen sich bei Exerzitien, Fortbildungen oder Provinztagen. Die meisten erlernten im Orden ihren Beruf, nicht wenige arbeiteten als Führungskraft etwa in Kindergärten oder in der Pflege. Und auch nach dem Ausscheiden engagierten sich viele weiter und tun dies noch heute. Aus der christlichen Verpflichtung heraus, für andere und nun vor allem für die Mitschwester da zu sein. "Es ist schön, unter Bekannten alt zu werden. Das Charisma der Ordensgemeinschaft verbindet uns", sagt bei der Führung durch das Haus Schwester Gertraud. Die heute 79-Jährige arbeitete als Lehrerin und war unter anderem Mitglied im Generalat der Vorsehungsschwestern. Das gemeinsame Feiern, Beten und Danken stärke das Wir-Gefühl. "Es ist wie in einer großen Familie."

Überall  stehen die Türen offen. Doch oft sind die Räume verwaist, weil die Bewohnerinnen ihren selbst gewählten Pflichten nachgehen. Die erst vor drei Wochen operierte Schwester Fidelis sitzt in einem Sessel in der Krankenstation mit Nähzeug auf dem Schoß und bessert Weihnachtsschmuck aus. "Ich muss einfach wieder was tun, das macht gesund", meint die 88-Jährige mit Augenzwinkern und freut sich über den Besuch von Mitschwester Gertraud.

"Ein Ort mit besonderem Flair"

Seit 2010 verfügt Haus Loreto auch über eine Demenzstation. "Das Konzept hat sich bewährt, weil hier eine andere Qualität und Intensität der Betreuung nötig ist", betont Heimleiterin Irmgard Willers. Die Betroffenen würden liebevoll in das Gemeinschaftsleben integriert. Das wichtigste sei ihnen jedoch die Teilnahme an der Messe und den Gebetszeiten. "Da spürt man direkt, wie gut das den Schwestern tut. Sie werden dann ganz ruhig und gelassen." Und wer ans Bett gefesselt ist, könne den Gottesdienst in seinem Zimmer über den vernetzten Fernseher verfolgen. Die Kapelle ist freundlich und seniorengerecht ausgestattet. Mit weichen Stühlen und Mikrophonen an einzelnen Sitzen. So können auch Schwestern, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, von ihrem Platz aus Fürbitten und Gebete vorsprechen.

Zweimal in der Woche richten vier Frauen aus Horstmar-Leer für die Schwestern aus dieser Gruppe ein Kaffeetrinken aus. Es wird dann Platt gekürt, das Neueste aus dem Ort erzählt oder gesungen. "Das ist für uns eine Bereicherung ", versichert Trude Schneider aus dem Team der Ehrenamtlichen. "Wir bekommen mehr zurück, als wir geben." Es sei die offene  Atmosphäre und Herzensgüte der Schwestern, die Haus Loreto einmalig machten – "zu einem Ort mit besonderem Flair, der weithin ausstrahlt".

Kontakt:

Vorsehungsschwestern
Haus Loreto
Haltern 72a
48612 Horstmar-Leer

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Text: Heike Sieg-Hövelmann | Fotos: Heike Sieg-Hövelmann
01.10.2013

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