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Seite: Fragen + Glauben
19.07.2018
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Im April beten für Sie: Bruder Gustav (links), Schwester Judith (2.v.l.), Bruder Thomas (2.v.r.) und Schwester Helenata (rechts).

Im April beten für Sie: Bruder Gustav (links), Schwester Judith (2.v.l.), Bruder Thomas (2.v.r.) und Schwester Helenata (rechts).

Gasthaus und Gastkirche

Bunte Gemeinschaft mit offener Tür für die Armen

Recklinghausen. Die Menschen in Recklinghausen kennen diesen einladenden Ort im Herzen ihrer Stadt: Mitten in der Fußgängerzone gibt es seit sechs Jahrhunderten die Gastkirche und das Gasthaus. Mit offenen Türen für Suchende, Pilger und Arme.  

Dort lebt heute eine bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft: Vier Männer und Frauen aus drei verschiedenen Ordensgemeinschaften und ein Pfarrer wohnen gemeinsam mit bis zu fünf Gästen unter einem Dach. Im April wird noch eine Redemptoristin hinzukommen. Es ist immer etwas los: Ein Gerüst steht zurzeit vor dem Haus, die obere Etage wird renoviert und das Dach neu gedeckt. Bruder Thomas kocht in der Küche, während Bruder Gustav am Telefon einen Termin vereinbart und Schwester Judith im Erdgeschoss die Leiterin eines Gesprächskurses empfängt.

An eine Pinnwand in der Gastkirche können Menschen ihre Fürbitten heften.

Gasthaus und Gastkirche haben eine lange Tradition: Bereits im Mittelalter boten sie Einkehr für Durchreisende und Arme. Darauf baut die jetzige Gemeinschaft nun seit mehr als 35 Jahren auf. Was im 15. Jahrhundert als Bürgerinitiative für die Armen begann, ist zu einem geistlichen Zentrum geworden, einem Ort, der sich nicht nur dem Gebet widmet, sondern dem täglichen Dienst für die Menschen am Rand der Gesellschaft. Es soll keine medizinische Notaufnahme sein, aber Anlaufstelle für Menschen in Not: Etwa 220 Ehrenamtliche helfen mit. Sie leiten einen Gesprächskreis, organisieren eine Knastgruppe oder teilen Essen aus. Daneben gibt es hauptamtliche Sozialarbeiter, Köche und  einen FSJ-ler. Viele Recklinghäuser engagieren sich in der Gastkirche. Sie bringen zum Beispiel Lebensmittel ins Gasthaus, auch wenn einige von ihnen ansonsten mit Kirche nicht viel am Hut haben.

Gemeinsame Arbeit verbindet

Für die Gemeinschaft beginnt der Tag um 7.30 Uhr mit einem gemeinsamen Morgengebet. Zum Mittagessen sind alle eingeladen. Auch Obdachlose, Drogensüchtige, Verzweifelte finden sich unter ihnen ein. "Wir wollen einfach da sein und die Tür offen halten", sagt Schwester Judith – für Menschen auf der Suche nach Trost, einem Teller Suppe oder einem offenen Ohr. Die Gemeinschaft möchte ihnen auf Augenhöhe begegnen und bietet ein niederschwelliges Angebot: eine warme Mahlzeit etwa oder Hilfe beim Gang zum Amt, ein Bett für die Nacht oder geistliche Begleitung.

Jeder in der Gemeinschaft hat seine Aufgabe: Bruder Thomas von den Canisianern kümmert sich besonders um die sozial Benachteiligten. Er betreut die Tages- und Übernachtungsgäste. Für letztere gibt es vier Gästezimmer. Hinzu kommt ein Zimmer für Menschen in akuten Krisen. Bruder Gustav ist auch Canisianer und arbeitet in der Altenseelsorge. Schwester Helenata von den Hiltruper Missionsschwestern betreut die Finanzen und leitet den Eine-Welt-Laden nicht weit entfernt von der Gastkirche. Schwester Judith von den Lüdinghausener Franziskanerinnen ist Pastoralreferentin und in der Frauenarbeit aktiv. Pfarrer Ludger Ernsting leitet die Gemeinschaft, ist Seelsorger und begleitet Ehrenamtliche. "Wir sind schon verschieden", sagt Schwester Judith, "aber die gemeinsame Arbeit verbindet." Mit dem Küchendienst und der Gestaltung der Liturgie wechseln sie sich ab. Auch mit den Nachtdiensten am Telefon, falls es einen Hilferuf gibt.

Bruder Thomas beim Küchendienst.

Ein offenes Ohr und eine warme Mahlzeit

Manchmal vermitteln die Behörden ihnen Menschen in Not, die kurzfristig einen Schlafplatz brauchen. Einmal kam ein Anruf von der Bahnhofsmission: Ob die Gastkirche einen älteren Herrn für ein paar Tage aufnehmen könne. "Vor der Tür stand dann ein 95-jähriger Algerier, der aus Marseille angereist war", erzählt Bruder Thomas. Er hatte in Kriegszeiten als Jockey auf der Pferderennbahn in Recklinghausen gearbeitet, war nun erkrankt und erinnerte sich an die gute medizinische Betreuung in Deutschland. Der Mann blieb mehrere Wochen bevor er, "unser Monsieur", wie die Gemeinschaft ihn nennt, wieder nach Frankreich ging. "Dann stand er Heiligabend plötzlich wieder auf der Matte", sagt Bruder Thomas – und verbrachte die Feiertage in Recklinghausen. Die Gemeinschaft hält Kontakt zu den Gästen, wenn sie ins Krankenhaus oder Gefängnis kommen. Und auch, wenn sie ihren letzten Schritt gehen: Stirbt jemand, kümmern sie sich um ein angemessenes Begräbnis. 

Damit, dass sie zu den Armen, zu den Menschen am Rand gehen, fühlen sie sich dem Papst verbunden. In der Sakristei hängt ein Foto von Papst Franziskus – auf dem er jemandem die Füße wäscht. Gebet und Arbeit, Dienst und Geistliches sind in der Gastkirche eng verwoben. Zum einen sind da ganz konkrete Hilfen: Die Vergabe einer Melde-Adresse, eine warme Dusche oder eine Winterjacke. "Praktischer geht es nicht mehr", sagt Schwester Helenata. Daneben gibt es Angebote für den seelischen Durst: Trauerkreise, Pilgerreisen oder das anonyme Gesprächsangebot im Nebenraum der Gastkirche. Dort hören ausgebildete Ehrenamtliche denen zu, die sich ihre Not von der Seele reden wollen. In der Kirche können Menschen ihre Fürbitten aufschreiben und die Zettel an einer Pinnwand befestigen. Die werden jeden Tag im Gebet vorgelesen.

Im Monat April nimmt die Gemeinschaft in der Recklinghäuser Gastkirche die Bitten der Nutzer von kirchensite.de in ihr Gebet auf.

Kontakt:

Gastkirche und Gasthaus mit Sitz in Recklinghausen
Heilige-Geist-Str. 7
45657 Recklinghausen
Telefon: 02361 / 23273

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedListe der Gemeinschaften, die bisher die Klosterfürbitte übernommen haben
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Orden

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.gastkirche.de

Text: Claudia Schwarz | Fotos: Claudia Schwarz
01.04.2014

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