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Seite: Fragen + Glauben
24.03.2017
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Maria bei Elisabeth

Im Lobgesang des Magnifikat preist Maria Gott für das, was ihr widerfahren ist, und für das, was Israel an Heil geschenkt werden soll.

Bibelarbeit:

"Halleluja – alt- und neutestamentlich"

"Nichts ist schwieriger als loben" – diese Notiz findet sich in Max Frisch´ Tagebuchaufzeichnungen. Ist hier auch streng und absolut formuliert, so zeigt ein kritischer Blick auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und den gelebten Alltag, dass der Kern der Aussage zutreffen dürfte. Allzu kritisch schaut unser Auge und auch unser Herz. Wir neigen zum Perfektionismus. Erst wenn es eine runde Sache ist, wenn es vollkommen und im Ganzen gut ist, kann ein Lob ausgesprochen werden. Kritik geht uns schneller von der Zunge. Hier und da muss ausgebessert werden, Noten wollen verbessert werden, der Mensch will verbessert werden, zumindest äußerlich. Das Gegebene reicht nicht, ist nicht des Lobes wert. Es ist nicht gut genug.

Wir tun uns schwer mit dem Loben. Loben ist eine Anerkennung und eine Wertschätzung, die nicht leicht fällt. Loben setzt stets ein Beziehungsgeschehen voraus. Wer ein Lob ausspricht verhält sich zu demjenigen, der gelobt wird und tritt hinter ihm zurück. Wer hingegen gelobt wird, betritt eine Bühne, erscheint im Licht. Das Wechselverhältnis zwischen Lobendem und zu Lobendem ist asymmetrisch. Loben kann aber nur, wer sensibel ist, wer genau hinhört und hinsieht. Denn ein Lob, das allgemein bleibt und nichts mehr als eine Schmeichelei ist, kränkt. Loben setzt ein feines Gespür voraus, das Gute und Lobenswerte zu erkennen und es auch dann stark zu machen, wenn es nicht perfekt ist oder wenn es neben dem Lobenswerten auch Kritisierenswertes gibt.

Hochkonjunktur hat das Lob, wo es einen institutionellen Rahmen bekommt, in der Feierstunde, bei der Laudatio, aber auch am Ende des Lebens: ein Toter wird schon fast zum Übermenschen, nichts Schlechtes wird über ihn gesagt. Aber mitten im Leben, in den zwischenmenschlichen Beziehungen, da fällt das Lob nicht leicht. Dabei tut es dem Menschen doch ungeheuer gut! Lob spornt an und motiviert. Lob kann Ideen und Leistung fördern. Lob ist eine Form der menschlichen Anerkennung, ohne die der Mensch in seinen Aufgaben, die ihm aufgetragen sind, verkümmert. Vieles wird zu selbstverständlich genommen. Es wird erwartet, dass man die Aufgaben, für die man Verantwortung trägt, gut und zuverlässig erledigt. Dass der Schrankenwärter den Balken rechtzeitig schließt und so einen Unfall verhindert, ist selbstverständlich, aber nicht erwähnenswert. Vergisst er aber ein einziges Mal seine Pflicht, muss er mit Strafe rechnen.

Vielleicht brauchen wir wieder mehr Sensibilität für das Nicht-Selbstverständliche? Vielleicht erkennen wir dann wieder stärker den tiefen Sinn des Lobes? Inflationär darf das Lob freilich nicht ausgesprochen werden, doch diese Gefahr scheint nicht gegeben. Lob richtet auf, stärkt und befreit, macht die Sicht und den Weg klar. Auf ein ehrliches, aufrichtiges Lob ist der Mensch angewiesen. Und ein Mensch, der Lob erfährt, kann es auch weitergeben, an andere Menschen, aber auch an Gott. "Gelobt sei Gott", sagt der Kerkermeister im Fidelio beim Trompetensignal für die Befreiung des Häftlings. "Gelobt sei Gott im höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, der für uns hat genug getan. Halleluja", singen wir in der Osterliturgie. Das Gotteslob fällt leichter. Wer wollte auf das große Halleluja aus Händels Messias verzichten? Wem geht es nicht unter die Haut? In der Liturgie hat das Gotteslob im Halleluja einen festen Platz. Seit dem 3. Jh. n. Chr. ist es bezeugt, im Anfang vor allem für die Osterzeit. Meist war es die Antwort der Gemeinde auf einen Psalm, aber auch auf andere Texte der Liturgie, denen so ein österlicher Charakter verliehen wurde. Später erhielt das Halleluja seinen bis heute bedeutsamen Ort vor der Evangelienlesung. Zum Halleluja, zum Lobpreis Gottes (Hallelu-ja), erhebt sich die Gemeinde, um den Herrn, der im Evangelium spricht, zu grüßen. Im Laufe der Zeit hat das Halleluja nicht nur seinen Platz in der Liturgie gefestigt, sondern ist auch zu einem Kennwort der Christen geworden. Das Halleluja ist der Lobpreis der Christen für die ihnen widerfahrene Rettung, für Erlösung und Heil, das in Tod und Auferstehung begründet ist und im Glauben erhofft wird.

Dieser Lobpreis kennt eine Quelle: In unterschiedlicher Akzentsetzung durchzieht das Loben Gottes das Alte und Neue Testament. Diese Bibelarbeit möchte Schlüsseltexte vorstellen, die das Lob Gottes in den Mittelpunkt stellen.

Hintergrund

Der Aufruf zum Gotteslob hat seinen vornehmlichen Platz im Hymnus des Psalters. Seine Mitte ist der Mythos vom Königsgott Jahwe, der als Herr der ganzen Erde gepriesen wird, der als Sieger über die Mächte des Chaos, des Meeres und des Todes besungen wird. Er ist es, der der Erde Stabilität gibt (Ps 29). Ihm gilt nicht nur an dieser Stelle Lob und Ehre des Menschen.

Psalm 29
1 Ein Psalm Davids.
Gebt dem Herrn, ihr Götter, gebt dem Herrn Ehre und Macht.
2 Gebt dem Herrn die Ehre seines Namens, werft euch nieder vor dem Herrn in heiliger Pracht.
3 Die Stimme des Herrn über den Wassern, der Gott der Herrlichkeit donnert,
der Herr über gewaltigen Wassern.
4 Die Stimme des Herrn mit Macht, die Stimme des Herrn mit Majestät.
5 Die Stimme des Herrn zerbricht Zedern,
der Herr zerschmettert die Zedern des Libanon.
6 Wie ein Kalb lässt er hüpfen den Libanon,
den Sirjon wie einen jungen Stier.
7 Die Stimme des Herrn sprüht Feuerflammen.
8 Die Stimme des Herrn lässt die Wüste beben,
beben lässt der Herr die Wüste von Kadesch.
9 Die Stimme des Herrn bringt die Hirschkuh zum Kreissen,
macht Wälder kahl.
Und in seinem Palast ruft alles: Ehre!
10 Der Herr thront über der Flut,
der Herr thront als König in Ewigkeit.
11 Der Herr gebe Macht seinem Volk,
der Herr segne sein Volk mit Frieden.
(Zürcher Übersetzung)

Der Psalm lässt sich in vier Teile gliedern, die die wesentlichen Themen des Gotteslobes angeben: 1. V.1f. ruft die Göttersöhne zum Hymnus auf Jahwe auf. 2. V.3-9 singen der Stimme Jahwes 3. V.10 preist das ewige Königtum Jahwes 4. V.11 beschließt den Psalm mit einer Fürbitte für das Volk Israel.

Das Lob Gottes beginnt im Himmel. Die Götter, der himmlische Hofstaat, sollen Jahwe die Ehre geben. Am Himmel entfaltet sich die göttliche Macht und Pracht. Die Erde wird zum Schauplatz der Gottesoffenbarung, die das Gotteslob, den hymnischen Lobpreis der Göttersöhne zur Antwort hat. Wer die Göttersöhne zum Lob Jahwes aufruft, wird weder am Anfang noch im Verlauf des Psalms gesagt. Bedeutsamer ist die Gruppe, die zum Gotteslob aufgefordert wird: die Göttersöhne. Aus ugaritischen Texten ist bekannt, dass dies die Götter selbst sind. In ihrer Gemeinschaft sind sie die göttliche Ratsversammlung. Dem Höchsten unter ihnen erweisen sie Ehre und Lob. Sie geben Jahwe Ehre und Herrlichkeit, Macht und Kraft und die Ehre seines Namens. Dies sind Gaben, derer Jahwe nicht eigens bedarf, da sie ihm eigen sind. Ehre, Macht und Herrlichkeit sind aber auch die Gaben, an denen Gottessöhne wie Menschen Anteil gewinnen.

Im Gotteslob geben die Beschenkten dieses Geschenk zurück, ohne es letztlich zu verlieren. Ob die Beschenkten hier ausschließlich die Göttersöhne sind, muss offen bleiben. Denkbar sind auch Engel oder Menschen, die als Gottesverehrer das Lob Gottes singen, und besondere Qualitäten haben wie z.B. Abraham oder auch David. V.9 nimmt den Gedanken der Ehrerbietung Jahwes auf und betont die Universalität: alles ruft "Ehre"! Himmlischer und irdischer Lobpreis Jahwes fließen hier ineinander. Zum angemessenen Lobpreis gehört auch die feierliche Kleidung: in heiliger Pracht sollen sich die Göttersöhne niederwerfen. Das Halleluja erschallt aber nicht ohne die Bitte um Segnung mit Frieden. Shalom ist das letzte Wort des Psalms. So korreliert die Bitte mit dem Lobruf. Der Lobruf der Göttersöhne/des Beters offenbart die Herrlichkeit Jahwes, er vergegenwärtigt die Macht Jahwes, die in seiner Stimme besungen wird und er gibt dem Beter Anteil an der Kraft und Herrlichkeit Gottes, die schließlich im Shalom, dem umfassenden Begriff dessen, was der Mensch für das Gelingen seines Lebens braucht, gipfelt.

Das Halleluja für den Königsgott Jahwe, der in Ewigkeit herrschen wird, der den Erdkreis gegründet hat und der über alle Gewalten erhaben ist, setzt sich in den Psalmen weiter fort. Ein treffendes Beispiel ist Psalm 93:

1 Der Herr ist König. Mit Hoheit ist bekleidet, ist bekleidet der Herr, er hat sich gegürtet mit Macht. Fest steht der Erdkreis, er wankt nicht.
2 Fest steht dein Thron von Anbeginn, von Ewigkeit her bist du.
3 Strömen erhoben, Herr, Ströme erhoben ihre Stimme, Ströme erheben ihr Tosen.
4 Mächtiger als das Donnern gewaltiger Wasser, mächtiger als die Brandungen des Meeres ist mächtig der Herr in der Höhe.
5 Wahrhaft verlässlich sind deine Zeugnisse, Heiligkeit gebührt deinem Haus, Herr, für alle Zeit.
(Zürcher Übersetzung)

Endet Psalm 29 mit dem Lob auf die ewige Königsherrschaft Jahwes, so setzt Psalm 93 mit ihr ein. "Jahwe ist König!", so setzt der Psalm ein. Es ist gleichsam die Überschrift und das Leitthema des Psalms. In ungewöhnlicher Form wird das Ornat Jahwes beschrieben: mit Hoheit bekleidet, mit Macht umgürtet. Der Ausdruck "umgürten" ruft Kampfesassoziationen wach. Der Kontext jedoch zerstreut sie. Jahwe muss sein Königtum nicht erstreiten, vielmehr ist er König. Dies ist eine Gegenwartsaussage mit futurischem Ausblick: er ist und bleibt König.

Der königlichen Erscheinung Jahwes gilt das Lob. Auf dem Königtum Jahwes beruht die Festigkeit der Erde (V.1b). Sie ist hier nicht Schöpfung, sondern vielmehr Fundament des Gottesthrones. Die Herrschaft Gottes rührt von Ewigkeit her, ohne Anfang und ohne Ende. Nun wendet sich der Beter direkt an Jahwe. Er ist der Bändiger der Ur- und Chaosfluten: die Wasser können ihn nicht bedrohen. Bedrohen sie auch die Welt, die Mächtigkeit des Königs Jahwes können sie nicht ins Wanken bringen. Es ist der "Jahwe in der Höhe", der hier besungen wird. "Gewaltig, furchtbar und herrlich" – dies sind die Attribute, die Jahwe zukommen. Nicht mehr die Ewigkeit seiner Herrschaft wird hier gepriesen, sondern seine Überlegenheit über alle Drohmächte. Allein seine Existenz in der Höhe hält die Gefahr in Schach. V. 5 schließlich lobpreist die göttliche Manifestation auf Erden: die Gesetze und den Tempel. Beide konkretisieren die Herrlichkeit Jahwes auf ihre Weise. Die Gesetze sind Gottes Wort, der Tempel ist Gottes Ort. Wird zuvor der himmlische Thron Jahwes besungen, so gewinnt dieser nun Sprache und Raum auf Erden. Der "Jahwe in der Höhe", das ist der Gott, der für den Menschen im Gesetz und im Gottesdienst erfahrbar wird und dem das Halleluja als Bändiger der Fluten, als Beschützer und königlicher Herrscher gilt.

Jahwes Gegenwart als Herrscher wird auch im Halleluja von Psalm 48 aufgenommen:
1 Ein Lied. Ein Psalm der Korachiter.
2 Gross ist der Herr und hoch zu preisen in der Stadt unseres Gottes. Sein heiliger Berg,
3 schönster Gipfel, der ganzen Welt Wonne, der Berg Zion, äußerster Norden, ist die Stadt eines großen Königs.
4 Gott ist in ihren Palästen, als Schutzburg hat er sich kundgetan.
5 Denn sieh, Könige taten sich zusammen, zogen gemeinsam heran.
6 Sie sahen es und erstarrten, flohen entsetzt davon.
7 Zittern ergriff sie dort, Wehen wie eine Gebärende.
8 Mit dem Oststurm zerschmetterst du die Schiffe von Tarschisch.
9 Wie wir es gehört, so haben wir es gesehen in der Stadt des Herrn der Heerschafen, in der Stadt unseres Gottes: Auf ewig lässt Gott sie bestehen.
10 Wir bedenken, Gott, deine Güte, mitten in deinem Tempel.
11 Wie dein Name, Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Enden der Erde, voller Gerechtigkeit ist deine Rechte.
12 Es freue sich der Berg Zion, die Töchter Judas sollen frohlocken über deine Gerichte.
13 Umkreist den Zion, umschreitet ihn, zählt seine Türme.
14 Bewundert sein Bollwerk, erkundet seine Paläste, damit ihr erzählen könnt einer künftigen Generation:
15 Dies ist Gott, unser Gott immer und ewig, er wird uns leiten.
(Zürcher Übersetzung)

In Form des Hymnus wird Jahwe als Schutzgott der Stadt Jerusalem gepriesen. Alle Bedrohungen, alles Chaos, das Jerusalem bedrängt, wird durch ihn bekämpft und ferngehalten. Der Blick auf die Schönheit und Sicherheit Jerusalems soll auch andere Völker davon überzeugen, Jahwe als ihren Schutzgott anzunehmen. Das Halleluja erschallt bereits von V.2-4 Die Größe und der Schutz Jahwe stehen im Fokus. Jerusalem wird in seiner ganzen Schönheit und Einzigartigkeit geschildert. Hier ist Jahwes Wohnsitz als König. In V.5-8 konkretisiert sich Jahwes Schutz für seine Stadt: Durch seinen Schutz ist der Ansturm von Königen gegen die Stadt zum Scheitern verurteilt. Jahwe wird als Gründer der Stadt gepriesen, die auf ewig bestehen wird (V.9). Nun wechselt der Beter in die direkte Anrede. Das Halleluja wird in direkter Rede fortgeführt. Jerusalem verdankt sich einzig der Güte und Gerechtigkeit Jahwes. Im Lobpreis erklingt sein Name, den der Mose in Ex 3,14 offenbart hat: Ich bin da für euch.

Jahwe ist nicht mehr allein der Schutzgott, sondern hier insbesondere der barmherzige, gütige, gerechte Gott. Seine Wohnung hat er im Tempel. Das Bild des Hauses, in dem der Beter Schutz erfährt und in dem Jahwe verehrt wird, ist ein starkes in Psalm 48. Dieses Haus erfährt eine explizite Zuspitzung im Haus des Herrn. V.10 spricht vom heiligen Tempel. Auch hier versammeln sich die Menschen, sie verehren Jahwe nicht nur in ihren Privathäusern, sondern gerade auch im öffentlichen Gebäude, im Tempel. Dort singen sie dem Herrn das Halleluja. Dort meditieren sie und denken über Jahwes Huld nach, über seine Gerechtigkeit und sein Wort. Der Blick des Beters richtet sich nach innen: Wofür preisen wir Gott? Wofür sind wir dankbar? Was ist nicht selbstverständlich? In welcher inneren und äußeren Situation befinden wir uns? Gottes Name hat Bestand: Ich bin da für euch. Für immer und bis an die Enden der Erde. Der Bund wird von göttlicher Seite nicht aufgehoben. Groß ist der Herr und hoch zu preisen (V.2). In ihm vereint sich alles, was über den Höchsten Gott gesagt werden kann: Sein heiliger Berg ragt unter allen Bergen empor, Zion, Jerusalem ist die Freude der ganzen Welt (V.3). Die Berge waren stets Ort der Gottesbegegnung (vgl. Sinai, Nebo, Tabor u.a.), in herausgehobener Weise aber der Zion, in der realen Höhe eher einer der kleineren Berge, in der theologischen Bedeutung als Wohnsitz Gottes der höchste. Als Weltberg stabilisiert er die Erde (vgl. Ps 78,68f). Diese darf sich für Zion glücklich schätzen. Wenn der Psalm sagt, Zion liege weit im Norden, so ist das eine übertragene Bedeutung. Geographisch ist die Aussage unzutreffend. Theologisch aber liegt er im Norden, da der Nordberg Zafon der Götterberg des Gottes Baal ist, der für die kanaanäische Tradition von entscheidender Bedeutung ist.

Der Psalmist verlagert so den Zion in den Norden, um den Nordberg Zafon in seiner Bedeutung zu schmälern und all das, was in der kanaanäischen Tradition mit dem Zafon verbunden wird, dem Zion zuzuschreiben: Jahwe ist der König der Götter, er ist der Bezwinger des Chaos und schenkt der Erde Fruchtbarkeit und Segen. Die Chaosmächte unterliegen chancenlos, weil Jahwe der Stadt und den Häusern Schutz bietet (V.4). Auch die feindlichen Könige und selbst das als unzerstörbar geltende Tarschisch-Schiff werden zurückgedrängt bzw. zerstört. Das große Halleluja, der Lobpreis Gottes, gilt dem Gott, der den Menschen sicheren Schutz gibt, der die heilige Stadt vor Angreiferen und Zerstörung bewahrt und der sie durch die Zeiten treu und verlässlich begleitet. Güte und Gerechtigkeit gehen von Jahwe aus, gerechte Urteile und Gerechtigkeitsordnung nehmen von Zion ihren Ausgang für die Völkerwelt.

Explizit wird das Halleluja aber über Jahwe, den Schöpfer und Erhalter der Schöpfung gesungen: Ps 104 gibt dem Lob Jahwes schon in der Überschrift deutlichen Ausdruck: Preist den Herrn, lobt ihn. Mit einem alles beschließenden Halleluja endet der Psalm:

1 Lobe den Herrn, meine Seele. Herr, mein Gott, du bist so groß. In Hoheit und Pracht bist du gekleidet,
2 der du dich hüllst in Licht wie in einen Mantel, der den Himmel ausspannt wie ein Zelt,
3 der im Wasser seine Gemächer baut, der Wolken zu seinem Wagen macht, auf Flügeln des Sturms dahinfährt,
4 der Winde zu seinen Boten bestellt, zu seinen Dienern lohendes Feuer.
5 Der die Erde auf ihre Pfeiler gegründet hat, dass sie niemals mehr wankt.
6 Mit der Urflut bedecktest du sie wie mit einem Kleid, hoch über den Bergen standen die Wasser.
7 Vor deinem Schelten flohen sie, vor deiner Donnerstimme wichen sie zurück.
8 Sie stiegen an Bergen hinan und sanken in Täler hinab, an den Ort, den du ihnen bestimmt hast.
9 Du hast eine Grenze gesetzt, die sie nicht überschreiten, nie dürfen sie wieder die Erde bedecken.
10 Quellen schickt er in die Täler, zwischen den Bergen fließen sie dahin.
11 Sie tränken alle Tiere des Feldes, Wildesel stillen ihren Durst.
12 An ihren Ufern wohnen die Vögel des Himmels, aus dem Gezweig erschallt ihre Stimme.
13 Von seinen Gemächern aus tränkt er die Berge, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.
14 Gras lässt er sprossen für das Vieh und Kraut dem Menschen zunutze, damit er Brot hervorbringe aus der Erde
15 und Wein, der des Menschen Herz erfreut, damit er das Angesicht erglänzen lasse von Öl und Brot das Herz des Menschen stärke.
16 Die Bäume des Herrn trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat;
17 dort nisten die Vögel, der Storch hat in den Zypressen sein Haus.
18 Die Gebirge gehören den Steinböcken, die Felsen bieten den Klippdachsen Zuflucht.
19 Er hat den Mond gemacht zur Bestimmung der Zeiten, die Sonne, die ihren Untergang weiß.
20 Du bringst Finsternis, und es wird Nacht, in ihr regen sich alle Tiere des Waldes.
21 Die Löwen brüllen nach Beute und fordern von Gott ihren Frass.
22 Strahlt die Sonne auf, ziehen sie sich zurück und lagern in ihren Verstecken.
23 Der Mensch geht hinaus an sein Werk, an seine Arbeit bis zum Abend.
24 Wie zahlreich sind deine Werke, Herr. Du hast sie alle in Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
25 Da ist das Meer, so groß und so weit, darin ein Gewimmel ohne Zahl, Tiere groß und klein.
26 Schiffe ziehen dahin, der Leviathan, den du gebildet hast, um mit ihm zu spielen.
27 Sie alle warten auf dich, dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.
28 Gibst du ihnen, so sammeln sie ein, tust du deine Hand auf, so werden sie satt von Gutem.
29 Verbirgst du dein Angesicht, erschrecken sie, nimmst du ihren Atem weg, kommen sie um und werden wieder zu Staub.
30 Sendest du deinen Atem aus, werden sie erschaffen, und du erneuerst das Angesicht der Erde.
31 Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn, der Herr freue sich seiner Werke.
32 Er blickt die Erde an, und sie erbebt, er rührt die Berge an, und sie rauchen.
33 Ich will dem Herrn singen mein Leben lang, will meinem Gott spielen, solange ich bin.
34 Möge mein Dichten ihm gefallen, ich freue mich des Herrn.
35 Mögen die Sünder verschwinden von der Erde und die Frevler nicht mehr sein.
Lobe den Herrn, meine Seele.
Hallelujah.
(Zürcher Übersetzung)

Im letzten Drittel des Psalters wird das Halleluja zur Über- und/oder Unterschrift von Psalmgruppen (104-106; 111-112; 113-117.118; 135-136; 146-150). Häufig begegnet eine Rahmung in Kombination von Lobpreis und Lobruf. Am Anfang des Psalms steht die Theophanieschilderung. Jahwes Größe wird in einzigartigen Bildern besungen. In Bildern der Investitur wird seine Präsenz dargestellt. Dies sind Bilder, die aus der Sphäre des königlichen Hofes genommen wurden, eine explizite Königstitulatur fehlt hier allerdings im Unterschied zu den vorhergehenden Psalmen. Implizit wird Jahwe jedoch als König gepriesen und als Schöpfer (V.3). Hier verbinden sich geschickt Schöpfer- und Königsmetapher. In lichtvoll-königlicher Pracht gründet Jahwe seinen himmlischen Palast. Das Ausspannen des Himmels und die Grundlegung der Himmelsgemächer ist ein bedeutendes schöpfungstheologisches Motiv, das Jahwe als Schöpfer in den Blick nimmt und für sein Werk preist. Dem Herrscher des Himmels gilt das Lob, Diener und Boten tun seine Gegenwart kund.

Steht am Anfang des Psalms ein direktes Lob des Schöpfers, so wiederholt sich dieses Lob indirekt durch die preisende Schöpfung: Alle Wesen haben ihren Platz, alle werden satt und leiden keinen Durst, alle bekommen, was sie zum Leben benötigen (V.10ff). Der Platz, an dem die Geschöpfe leben, ist ein Ort der Sicherheit und des Schutzes, an dem sie alle zum Leben notwendigen Möglichkeiten haben. Dies wird ihnen vom Schöpfer gewährt. So ist für den Lebensraum weniger der Standort von Bedeutung als vielmehr die Gottesbeziehung, derer sich die Geschöpfe verdanken. Dem Menschen wird als Geschöpf Gottes besondere Beachtung geschenkt. Als einzige Kreatur wird er mehrmals erwähnt: Er ist von Gott beschenktes und umsorgtes Geschöpf. Das verbindet ihn mit der Tierwelt. Er ist darüber hinaus aber tätiges Geschöpf. Er verrichtet seine Arbeit, sein Tagwerk. Die Arbeit erhält eine positive Konnotation. Sie gilt dem Menschen als Lebensaufgabe. Der Lobpreis gilt der Ordnung, die wohlgestaltet ist, bis in die gefährlichen, finsteren Winkel hinein. So wird auch der Bereich der Nacht bewusst nicht aus der Gottessorge entlassen. Die Geschöpfe der Nacht werden in die Gottesbeziehung mit hineingenommen. Die Finsternis wird so von den Dämonen befreit. Auch sie steht unter der Herrschaft Gottes. Der Übergang von der Nacht zum Tag ist fließend. Wenn der Tag beginnt, ziehen sich die Raubtiere zurück. Der Tag gehört dem Menschen und seiner Arbeit.

Anders als die Tierwelt erfährt der Mensch seine Bestimmung nicht über einen zugewiesenen Lebensraum, sondern durch die ihm mit der Arbeit gestellte Lebensaufgabe. Hierin erfährt der Mensch zugleich eine Auszeichnung vor allen anderen Geschöpfen. Geschildert und gepriesen wird die gute Schöpfung, fast paradiesisch. Auch hier gilt der Lobpreis Gott, dem Schöpfer und dem Bezwinger des Chaos. Der Meereschaosdrache Leviathan ist gebändigt, nichts kann die Schöpfung mehr bedrängen. Kosmos und Kreatur sehen sich in Abhängigkeit vom Gotteswillen. Das gilt in besonderer Weise für den Menschen. Er erfährt seine Gottesbeziehung in der uneingeschränkten Abhängigkeit seiner Lebenszeit vom Gotteswillen. So ist das ausgezeichnet Geschöpf zugleich das ganz und gar bedürftige. Auch der Kosmos und die Kreatur sind zurück- und angewiesen auf Gott, es bleibt jedoch der Mensch allein, bei dem sich Auszeichnung und Abhängigkeit in existentieller Weise zeigen. Die Abhängigkeit des Menschen zu Gott bleib positiv konnotiert. Die Folge ist keine Beeinträchtigung, sondern ein starkes Vertrauen: Ein Leben lang gebührt Gott der Lobpreis. Das Vertrauensverhältnis des Menschen zu Gott findet im Anruf: Jahwe, mein Gott, seinen höchsten Ausdruck.

Dieses Halleluja wiederholt sich zahlreichen Psalmen. Seinen Höhepunkt aber findet es im Halleluja-Finale des Psalmbuches, in den Psalmen 146-150. Alle 5 Psalmen sind am Anfang und am Schluss mit dem Halleluja gerahmt. Dieses zehnmalige Halleluja spiegelt sich im 10x Imperativ hallelu (lobt) von Psalm 150:

1 Hallelujah.
Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner starken Feste.
2 Lobt ihn um seiner machtvollen Taten willen, lobt ihn in seiner gewaltigen Größe.
3 Lobt ihn mit Hörnerschall, lobt ihn mit Harfe und Leier.
4 Lobt ihn mit Trommel und Reigentanz, lobt ihn mit Saiten und Flöte.
5 Lobt ihn mit klingenden Zimbeln, lobt ihn mit schallenden Zimbeln.
6 Alles, was Atem habt, lobe den Herrn.
Hallelujah.
(Zürcher Übersetzung)

Psalm 81,2-4 erzählt uns, dass die Hymnen und der Lobpreis Gottes mit Musik vorgetragen wurden: 2 Jubelt Gott zu, unserer Stärke, jauchzt dem Gott Jakobs zu.3 Stimmt an den Gesang und schlagt die Trommel, die liebliche Leier samt der Harfe. 4 Stoßt ins Horn am Neumond, am Vollmond zum Tag unseres Festes. Ihren Fest angestammten Platz hatten die Psalmen im Kult. Über genaue kultische Vollzüge erfahren wir aus den Texten selbst jedoch nichts. Der aus Ps 96 und 105f rekonstruierte Gottesdienst in 1 Chr 16 dürfte ein literarische Fiktion sein.

Im Laufe der Zeit erfährt das Gotteslob Modifikationen. Der anfängliche Mythos vom Köngisgott, der in den Psalmen 29; 93; 48 und 104 besungen wird, erfährt eine Transformation: Der König und Herr der Erde wird nun gepriesen als Herrscher und Richter über alle Völker. Der Gott, dessen Wohnstätte auf Zion gepriesen wird, wird zum Lenker der Geschichte Israels, der Bezwinger des Chaos wird der Gott, der für seine Frommen gegen die Gottlosen kämpft (vgl. hierfür Pss 29; 47; 95-99; 118). Lob und Dank Gottes erfuhren eine Universalisierung und Kollektivierung, zum Teil auch wiederum eine Individualisierung. An Bedeutung verlor das Gotteslob dabei nicht, im Gegenteil, es nahm in bedeutender Weise zu: In den Psalmen markiert es Höhepunkte, Einschnitte und Abschlüsse und setzt im Psalter Gliederungszeichen (vgl. Fünfbuch des Psalters).

Bis heute spielt das Hallel in der jüdischen Liturgie eine große Rolle. Es ist ein jüdischer Gesang, der aus ausgewählten Passagen der Psalmen besteht und als Teil der Liturgie an hohen Feiertagen gesungen wird. Das so genannte ägyptische Hallel umfasst die Psalmen 113-118. Er wird in den Synagogen an den ersten beiden Tagen des Passahfestes gesungen, aber auch an Schawuot, beim Laubhüttenfest und am Chanukkafest. Darüber hinaus gibt es ein weiteres Hallel, das so genannte Große Hallel, das nur aus Psalm 136 besteht und beim Passahfest und Laubhüttenfest gesungen und an jedem Sabbat gesprochen wird.

Aus den Psalmen schöpft auch das Neue Testament für seine Hymnen und Gebete. Zu dem bekanntesten und bedeutendsten zählt sicher das Magnifikat in der Kindheitsgeschichte des Lukas:

1, 46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn,
47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter,
48 denn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter,
49 denn Großes hat der Herr an mir getan. Und heilig ist sein Name,
50 und seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht,
denen, die ihn fürchten.
51 Gewaltiges hat er vollbracht mit seinem Arm,
zerstreut hat er, die hochmütig sind in ihrem Herzen,
52 Mächtige hat er vom Thron gestürzt und Niedrige erhöht,
53 Hungrige hat er gesättigt mit Gutem
und Reiche leer ausgehen lassen.
54 Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen,
und seiner Barmherzigkeit gedacht,
55 wie er es unseren Vätern versprochen hat,
Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.

In dem berühmten Lobgesang des Magnifikat preist Maria Gott für das, was ihr widerfahren ist, und für das, was Israel an Heil geschenkt werden soll, so dass sich die Verheißungen, die Abraham und den Vätern gegeben wurden, erfüllen. Schon der Name "Magnifikat" sagt es: "es rühmt, erhebt, schätzt hoch". In der Vesper wird es gebetet. Aber auch in den liturgischen Gesängen der Sonntagsmesse kommt es vor ("Den Herren will ich loben, GL 261 u.a.). Dem Magnifikat voran geht die Verkündigung der Geburt Jesu an Maria durch den Engel Gabriel. Ohne einen Mann zu erkennen, wird sie einen Sohn empfangen und ihm den Namen Jesus ("Heilbringer") geben. Gabriel bedeutet im Übrigen "Mein Mann ist Gott" – das Hebräische kennt eine Vielzahl von programmatischen Namen. In der Antwort: "Ich bin die Magd des Herrn", gibt Maria entschieden und selbstbewusst ihr JA und stellt sich so in die Heilsgeschichte. Maria, eine Frau, von deren Herkunft und Vergangenheit wir nichts erfahren. Unvermittelt wird sie herausgerufen – berufen. Nach ihrem JA macht sich Maria auf den Weg zu Elisabeth, die ebenfalls ein Kind erwartet.

Auch dieser Schwangerschaft geht ein Engelwort voraus. Elisabeth wird die Mutter Johannes des Täufers werden. Nur knapp begrüßen sich die beiden Frauen, schon gewinnt das Gespräch an theologischer Bedeutung: Elisabeth erkennt in Maria die Mutter ihres Herrn. Daraufhin hebt Maria zum großen Magnifikat an. Zehn Verse sind es, ein Hymnus, es ist ein sehr dichter Text, der zunächst den Lobpreis Gottes auf sein Handeln an Maria lenkt. Am Ende wird das Erbarmen Gottes für die ihn Fürchtenden gepriesen. In der zweiten Strophe (V.51-55) steht der Lobpreis Gottes für konkrete Großtaten Gottes an einzelnen Gruppen im Zentrum. Genannt werden die Überheblichen, die Machthaber, die Niedrigen, die Hungernden, die Reichen. Gott wird gepriesen als ein Gott des Erbarmens von allem Anfang an.

Vieles von dem, was im Magnifikat zum Ausdruck kommt, ist nicht neu. Eine Vielzahl alttestamentlicher Texte findet sich hier kombiniert. Als Zitate oder Anspielungen werden sie hier eingespielt. Zu nennen ist insbesondere das Lied der Hanna (1 Sam 2,1-10). In beiden Gebeten werden die Großtaten Gottes besungen, beide Male von einer Frau, die unter besonderen Umständen ein Kind erwartet bzw. schon geboren hat. Von Umkehrungen ist die Rede, von Umstürzen der Verhältnisse: Die Großen und Mächtigen werden entmachtet, die Schwachen werden gestärkt. Das Lied der Hanna ist sicher das stärkste Vorbild für das Magnifikat. Aber auch eine Reihe anderer Parallelen lässt sich ausmachen, so aus den Psalmen, den Samuelbüchern, der Genesis, Jesaja, Ezechiel, Micha und Habakuk. Die Jesusgeschichte lässt sich also nicht losgelöst von der bisherigen Geschichte Gottes mit seinem Volk lesen. Sie ist ein Neuanfang, aber sie bleibt in Kontinuität zu den Verheißungen des Alten Bundes. Das Magnifikat geht noch einen Schritt weiter: Es liest die Jesusgeschichte aus der Sicht der alttestamentlichen Heilstaten Gottes.

Das Halleluja für das Heil in Jesus Christus prägt das Selbstverständnis der frühen Christen von Anfang an. Der 1. Thessalonicherbrief gibt davon Zeugnis: "Freut euch allezeit, 17 betet ohne Unterlass, 18 in allem sagt Dank; das ist der Wille Gottes, in Christus Jesus, für euch." (1 Thess 5,16-18) Auch die Apostelgeschichte berichtet von stetigem Lobpreis Gottes für das Heilsgeschehen in Jesus Christus: "46 Einträchtig hielten sie sich Tag für Tag im Tempel auf und brachen das Brot in ihren Häusern; sie aßen und tranken in ungetrübter Freude und mit lauterem Herzen, 47 priesen Gott und standen in der Gunst des ganzen Volkes." (Apg 2,46f) Zeugnis von diesem tiefen Dank und Lobpreis geben auch die Briefanfänge der paulinischen Briefe: "Als Erstes danke ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle; von eurem Glauben nämlich wird in der ganzen Welt gesprochen." (Röm 1,8) Explizit Erwähnung findet das "Halleluja" aber nur in den Siegeshymnen der Offenbarung des Johannes (Apk 19,1.3.4.6): "1 Danach hörte ich etwas, das klang wie ein vielstimmiger Chor im Himmel: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht sin der Hand unseres Gottes…3 Und ein zweites Mal riefen sie: Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf in alle Ewigkeit. 4 Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier Wesen fielen nieder und beugten ihre Knie vor Gott, der auf dem Thron sitzt, und sprachen: Amen. Halleluja!...6 Da hörte ich etwas, das klang wie ein vielstimmiger Chor und wie das Rauschen vieler Wasser und wie das Dröhnen eines gewaltigen Donnerschlags: Halleluja! König geworden ist der Herr, unser Gott, der Herrscher über das All." Die Loblieder der himmlischen Chöre, die nach dem Fall Babels angestimmt werden, werden hier mit Halleluja eingeleitet. Mit dem Halleluja preisen sie das gerechte Gericht über die Feinde Gottes und das künftige Heil des Gottesvolkes. Die gottlose Stadt hat ihr Gericht erfahren. So ist dem Kommen Christi und der Vollendung der Weg gebahnt. Das 19. Kapitel der Johannesoffenbarung bildet eines der letzten Kapitel der kanonisch gewordenen Bibel. Nach dem Jubel im Himmel folgt die Tausendjährige Herrschaft und die Vision des neuen Jerusalem – paradiesische Bilder, die mit dem himmlischen Jubelruf eingeleitet werden: Hallelu-ja, hochgepriesen sei Gott!

Bibelarbeit

Sich einfinden
GL 831 Laudate omnes gentes

Im Alter von 77 starb 1975 in Zürich der Arzt Dr. Curt Emmerich. Unter dem Namen Peter Bamm wurde er als Schriftsteller bekannt. In seinen Büchern spiegelten sich seine Kriegserlebnisse wider. In seinem Werk "Die unsichtbare Flagge" erzählt er von einem Erlebnis, das er als Arzt während des Rußlandkrieges auf einem Hauptverbandsplatz hatte. In jenen Jahren gingen Tausende von Verwundeten durch seine Hände. Nur wenige von ihnen blieben ihm in den späteren Jahren in Erinnerung. Einen aber konnte er bis an sein Lebensende nicht vergessen. Es war ein junger Mann, der ihm mit einem vollständig zerfetzten Gesicht gebracht wurde. Der Chirurg machte sich daran, das Gesicht wiederherzustellen. Allmählich entstand unter den Händen des Arztes das zerstörte Gesicht wieder. Dann kam die letzte Phase der Operation. Dem Patienten wurde der zweite Mundwinkel zusammengenäht. Am Ende richteten die Helfer den Verwundeten auf. Da er infolge der örtlichen Betäubung noch keine Schmerzen hatte, bat ihn der Arzt: "Versuchen Sie einmal zu sprechen." Der junge Mann bewegte vorsichtig seine Lippen und artikulierte dann mit einem kleinen Lächeln: "Danke schön!"

Zu Beginn mit dem "Halleluja" aus Händels "Messias" das Thema des großen Halleluja einleiten.

Die vorgeschlagenen Bibeltexte lesen: am besten in verschiedenen Übersetzungen.

Über die Bibeltexte sprechen:
Zugänge zu den Texten
I) Die Psalmen sind Gebetstexte, die ihren Sitz im Leben in der Liturgie, in öffentlichem und privatem Gebet haben: Welche Gebetsformen kennen wir heute? Welche praktizieren wir? An welchen üben wir Kritik?
II) Gebete sind eine Form, unsere Beziehung zu Gott zu leben und zum Ausdruck zu bringen: Welche anderen Formen nutzen wir gern? Wie unterscheidet sich dazu das Gebet? Was ist das Spezifische des Gebets? Womit haben wir vielleicht auch Schwierigkeiten?
III) In den Psalmen begegnet uns explizit das Gotteslob. Finden wir uns in der Sprache der Psalmen und ihrer Bildwelt wieder? Wie und wo finden wir unsere Sprache des Gotteslobes? Möglicherweise gibt es Parallelen zu den Psalmen, z.B. in der Darbietung? Wofür sprechen die Psalmen das "Halleluja"? Wie erfährt der Pslambeter Gott? In welcher Welt befindet er sich? Wovon fühlt er sich bedroht? Wie verändert sich das Halleluja neutestamentlich?
IV) Die alt- und neutestamentlichen Texte haben konkrete Anlässe für das Lob Gottes. Uns ist heute vieles selbstverständlich geworden. Lob und Dank haben in der zwischenmenschlichen wie in der Gottesbeziehung stark an Bedeutung verloren. Und doch gibt es Momente tiefer Dankbarkeit Gott gegenüber: Woran erinnern wir uns? Welche Situationen sind hier vorstellbar? Wo wäre ggfs. eine höhere
Sensibilität nötig? Welche Auswirkungen hat das Gotteslob auf unser Leben? Verändert sich etwas?

Die Bibelarbeit lässt sich mit dem "Gloria" aus der "Missa solemnis" von L.v.Beethoven beenden.

Buchhinweise:

Crüsemann, F., Studien zur Formgeschichte von Hymnus und Danklied in Israel, Neukirchen-Vluyn 1968

Spiekermann, H., Heilsgegenwart, Göttingen 1989

Stuhlmacher, P., Klage und Dank, JBTh 6 (2001) 55-72

Zum Herunterladen:

  1. Leitet Herunterladen der Datei einBibelarbeit: "Halleluja – alt- und neutestamentlich"

Mehr Informationen im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Dr. Esther Brünenberg, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite.de (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de) | Foto: Michael Bönte
April 2009

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