
"Auge Gottes": See Gennesareth.
Aufbruch (4)
Auf den Spuren – in den Spuren
Wissenschaftler und Pilger sind begeistert: Mit der Bibel in der Hand auf den Spuren Jesu. In Israel geht Gläubigen das Herz auf. Jesus rückt näher: Am See, auf dem Tabor, an Golgota. - Ein wunderbarer Erkenntnisweg: "Jetzt weiß ich, wie ...!"
Wissenschaftler bleiben sachgemäß auf mehr Distanz: Sie haben "nur" die Texte, Kontexte und ihr Geschichtswissen. Texte, d. h. das vermittelte Glaubenszeugnis anderer. Paulus kennt noch "einen anderen Weg, der alles übersteigt" (1 Kor 12,31).
Der andere Weg
Er führt "in" die Spuren Jesu. Auch die intensivste Führung zu den Stätten des Wirkens und Sterbens Jesu bleibt ein Gang "auf" seinen Spuren. Ein "Christus will ich erkennen" (Phil 3,10f.) erfordert einen anderen Weg, "der alles übersteigt" (1 Kor 12,31) und "alles übertrifft" (Phil 3,8). Paulus wagt den Satz: "Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinem Leiden. Sein Tod soll mich prägen“ (s. o.).
Nach Damaskus ist für ihn alles anders. Die radikale Lebenswende hat ihn in die Spuren Jesu geführt. Seitdem lernt er ihn mehr und mehr von innen kennen. Ihm fehlt ja die historische Begegnung mit dem irdischen Jesus. Dieser hatte von "alles geben" gesprochen, von "Leben verlieren um seinet- und des Evangeliums willen." Paulus geht diesen Weg der "Ganzhingabe" (s. 1 Kor 13). In immer neuen Wendungen spricht er von einem "Leben in Christus". Seine Christuskenntnis stammt aus einem ständigen "Sterben und Auferstehen" mit ihm, einem "Schwach- und Starksein" durch ihn und einem "Tod- und Lebendigsein" in ihm.
Solche Sätze nehmen uns Normalchristen den Atem, wenn wir den Anspruch an uns heranlassen. Will ich das, kann ich es leben? Ist das mein Weg? Mein Erkenntnisweg?
Sicher nichts für Getaufte ohne Gotteshunger: Nachfolgewissen - in den Spuren Hiob, Jesu oder des Apostels Paulus und anderer Glaubenszeugen. Sie sind weiter auf dem Weg und wissen mehr als wir.
Ohne den Gang durchs Feuer - keine wahre Erkenntnis Jesu Christi! Das macht uns bescheidener und zurückhaltender im "Wort vom Kreuz ".
Der göttliche Glanz des Bauhandwerkers aus N.
Neutestamentliche Zeugen bekennen Jesus als den Christus, den Gesalbten des Herrn, den "Herrn der Herrlichkeit" (1 Kor 2,8). Je mehr sie von ihm erfasst wurden, umso mehr erkannten sie in ihm und durch ihn auch den himmlischen Vater. Nach dem Johannesevangelium sah er sich selbst als Weg, als den alles entscheidenden wahren Weg zum Gott des Himmels und der Erde.
Joseph Ratzinger meint: Alle Gottsucher dieser Welt treffen sich "letzten Endes" auf diesem Weg" oder stoßen auf "irgendeine Weise auf den Weg Jesu Christi".
Wenn es denn ehrliche Gottsucher sind. Vielleicht.
Für uns hängt die wachsende Erkenntnis Gottes davon ab, ob wir "in den Spuren Jesu" leben wollen und "mit dem Übermaß der Kraft Christi" (2 Kor 4,7) auch können. "Gemeinschaft mit seinem Leiden!" - "Seinem Tode gleich gestaltet werden" (Phil 3,10: symmorphitzomenos ), christusförmig, christusähnlich werden. Als Christen versuchen wir, daraufhin zu leben - je nach der Erkenntnis Jesu Christi und dem Grad unserer inneren Beziehung zu ihm.
- Was wir aus Schule und Universität, aus Internet und Büchern wissen, ist nur ein erster Schritt zu ihm hin.
- Was sich uns betend und feiernd im Gottesdienst erschließt, verankert Gelerntes oder sammelt das Einzelwissen zur Schau der Gestalt Jesu.
- Was uns in kontemplativer Schriftbetrachtung einleuchtet, übersteigt den rationalen Zugriff, vor allem aber:
- "Die Erkenntnis Jesu Christi, die alles übertrifft" (s. o.) ist nicht ohne "die Gemeinschaft mit seinem Leiden" zu haben. So bezeugen es alle, denen auf diesem Wege das Auge ihres Glaubens geöffnet wurde. Ihr Credo lautet: Durch das Wirken, Leben und Sterben Jesu scheint Gott hindurch!
Leuchtet Jesus ein?
Der Jahrhunderttheologe Hans Urs von Balthasar (gestorben 1988) stellte die Frage: "Leuchtet Jesus ein?" - Seine Antwort: "Das Wort selbst trägt ein Licht in sich, das in uns hineinleuchtet, und wenn das Wort, dann vor allem auch der, der es gesprochen hat " (in: Klarstellungen, 1979, S.11).
Die Fragen der literarischen Vermittlung dieses Wortes werden bei von Balthasar allerdings ausgeblendet. Er geht davon aus, dass wir Jesus wie einer geliebten Person begegnen. Denn Liebende erkennen einander anders als Außenstehende.
Wahrhaft Gläubige schauen nicht aus neutraler Distanz auf Jesus. Sie sind - wie Paulus - " von ihm ergriffen." Aus zunächst ehrfürchtigem Abstand wird eine besondere Form von Nähe, in der "der göttliche Glanz auf dem Antlitz Jesu Christi" ( 2 Kor 4,6) immer wieder aufscheint.
Das ganze Johannesevangelium ist von dieser "Offenbarung seiner Herrlichkeit " (Joh 2,11) beseelt. Die Verfasser bekennen: "Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit" (Joh 1,18).
Auch Paulus wusste: "Das Evangelium ist verhüllt für das Denken der Ungläubigen... der Glanz der Heilsbotschaft strahlt ihnen nicht auf" (2 Kor 4,3f.).
Vielleicht gehören wir selbst dazu. Vielen ist die Botschaft von der Herrlichkeit Christi fremd geworden. Sie folgen lieber der aktuellen Tendenz, in ihm nur den "Großen Bruder" mit seinem ethischen Programm zu sehen, ein eindringliches Vorbild für Sozial- und Friedensarbeit: "Weltethos!" Für alle einsichtig und machbar?
Paulus bekennt: "Gott sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten! Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Ganzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6).
Die von Christus Ergriffenen wurden in seine doppelte Lebensspur hineingezogen. Sie führt zum Vater im Himmel und zu den "Brüdern und Schwestern". Zwei Weisen von "Hingabe, seine Art, sich Gott zu überlassen und mit Menschen umzugehen. Nicht so wie wir, sondern Bruder und Freund "nach Gottes Art".
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