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18.01.2018
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Geistlicher Impuls

Beten

Es gibt eine Sprechweise von der viele lieber nicht sprechen: Beten. Ist davon die Rede, sind viele verlegen, als ginge es um etwas Unangenehmes. Man sagt, es sei etwas ganz Persönliches, und jeder müsse "seine Sache" ganz unvertretbar mit "seinem Herrgott" ausmachen. Das höre ich häufig.

Zugleich erlebe ich etwas anderes. In der kleinen Dorfkirche, in der ich mit der Gemeinde Gottesdienste feiere, sind immer wieder Menschen da, die in der Stille sitzen und beten. Da die Kirche tagsüber geöffnet ist, kommen Frauen und Männer und Kinder. Manche zünden eine Kerze an, andere verweilen einfach so, kommen zur Ruhe oder zum stillen Gebet, einige schreiben etwas in ein ausgelegtes Buch, nicht wenige nehmen Texte von bereit liegenden Gebeten mit.

Der Grundton in all dem, was von außen erkennbar ist, ist das Vertrauen. In schweren Situationen drücken manche ihr Vertrauen aus, dass es einen Weg geben wird, oder sie geben zu erkennen, wie sie darum ringen. Sie stellen Fragen, horchen auf Antworten, einzelne singen laut in der Kirche, oder sie erzählen, indem sie aufschreiben, was sie bewegt und umtreibt. Immer wieder auch knien Menschen – sie beten mit dem Körper. Wer es versucht, wird es bestätigen: Das Vertrauen ist der Angelpunkt des Betens, – das Vertrauen in ein Gegenüber, das von sich Kunde gibt und doch nicht zu sehen ist.

Aus der Entwicklung des Menschenlebens wissen wir, dass das Vertrauen des Kindes in seine Eltern die Voraussetzung dafür ist, dass das Kind sich entfalten kann, dass es auch seinen Verstand, sein Herz, seine geistigen Kräfte ausbilden kann. Im Schutz des Vertrauens wächst ein Kind mit all seinen Fähigkeiten. Darin nimmt auch der Mut zu, sich den negativen Erfahrungen im Leben zu stellen.

Im Schutz des Vertrauens! Das ist das entscheidende Stichwort. Wer betet, begibt sich in die Atmosphäre von Gottes Dasein und atmet Vertrauen ein. Das wollen die Psalmen im Alten Testament wie den Grundton zum Klingen bringen. Gottes Dasein – daraus kann sich das Vertrauen bilden, bei ihm geborgen zu sein.

In solchem Aufgehobensein, das Halt gewährt, wird der Mensch in seinem gesamten Leben angeregt. Weil er Halt erfährt, muss er sich nicht etwa in allem anpassen an die Trends der Zeit und Gesellschaft. Er kann selbständig, originell die Welt anschauen. Vieles kann einem im Gebet aufgehen. Das Vertrauen in das göttliche Gegenüber ermöglicht auch, Korrekturen zur eigenen Lebenssicht zuzulassen, andere Sichtweisen lebenspraktisch auszuprobieren. Das Hören auf Gott im Wort der Bibel als Ausdruck des Vertrauens ist die Grundweise des Betens. Das eigene Sprechen zu Gott ist die Antwort.

Gebet ist also Ausdruck des Vertrauens, dass wir nicht allein sind in der Welt, dass jemand da ist, der alles trägt. Gebet ist auch ein Tun. Es besteht im Anvertrauen. Wer etwa in der Kirche eine Kerze anzündet, vertraut Gott vielleicht das eigene Leben, die Lieben, die Nächsten, auch die schwierigen, die großen Fragen des Lebens an, gibt sie Gott in die Hand, - mit Vertrauen im Symbol des Lichtes, das das Dunkel erhellt.

Was könnte es Tieferes im Leben geben, als so aus dem Herzen sprechen zu können? Womit finden wir denn mehr an den Grund des Lebens und an unsere eigenen Möglichkeiten! Dass das Gebet nicht folgenlos ist, liegt im Vertrauen begründet. Es vollzieht eine Erfahrung, die ein Theologe aus dem Mittelalter (Duns Scotus 1265 - 1308) so verdichtet hat: "Gott sucht Mitliebende!"

Beten ist die Einstimmung auf das große, nahe und immer wieder unbekannte Du Gottes, das wir Menschen im Vollzug unseres Lebens immer mehr und immer tiefer anzusprechen beginnen. Eine große Hilfe sind dabei Kurzgebete. Oft berühren sie das Herz. Wir finden nämlich Gott am ehesten und können am leichtesten zu ihm Du-Sagen auf der Spur, auf die unser Herz uns zieht.

Solche Worte finden sich in den Psalmen in großer Vielzahl. Da heißen sie dann: "Du leihst uns stets dein Ohr" (vgl. Ps 66,19). Oder: "Vertrauen will ich dir, denn du bist meine Rettung" (vgl. Ps 13,6). Oder: "Mach weit die Enge meines Herzens" (vgl. Ps 25,17). "Lass mich dir zur Hand gehen" (vgl. Ps 140,13) und schließlich: "Leg Freude mir ins Herz, damit ich dich lobpreise" (vgl. Ps 69, 33f). Mit diesem Sonntagswunsch verabschiede ich mich von Ihnen.

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterGeistliche Impulse von Paul Deselaers

Text: Paul Deselaers
02.04.2011

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