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25.05.2012
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Eine Wandlung ist mehr als eine Verkleidung zu Karneval.

Eine Wandlung ist mehr als eine Verkleidung zu Karneval.

Impulse von P. Kollig: Gottes Sehnsucht nach den Menschen (3)

"Von Gott geeint."

Heute beginnt die Gebetswoche um die Einheit der Christen. Sie steht in Anlehnung an ein Wort des heiligen Paulus unter dem Thema: "Wir werden alle verwandelt durch den Glauben an Jesus Christus." Wir, Christinnen und Christen aller Konfessionen, werden verwandelt. Dies ist ein starker und vielleicht vermessen klingender Anspruch: Für Christen wie Andersgläubige und noch mehr für Menschen die sich als religionslos bezeichnen.

Was bedeutet es, verwandelt zu werden? Durch Wandlung entsteht etwas radikal Neues. Menschen, die mit ihrem Geschlecht nicht einverstanden sind und sich mit ihrer Männlichkeit oder Weiblichkeit nicht im Einklang erfahren, lassen ihr Geschlecht umwandeln. Wandlung meint mehr als Verkleidung zu Karneval, mehr als das Anlegen von Berufsbekleidung und sogar mehr als das Anlegen von liturgischen Gewändern. Sprechen wir von Wandlung, dann ist von Wesentlichem die Rede. Dann treten zum Beispiel Menschen in unser Leben ein, die dieses Leben wesentlich verändern. Wenn Christinnen und Christen von Wandlung reden, so bekennen sie: Jesus Christus hat in unserem Leben einen Platz bekommen. Er verändert und prägt unser Sehen, Urteilen und Handeln. Er gibt den Takt in unserer Beziehung zu anderen Menschen an. Der Apostel Paulus formulierte es radikal: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir." Und ich kenne Menschen, die würden das auch heute unterschreiben.

Die damit verbundene Sehnsucht eint die Christinnen und Christen aller Konfessionen weltweit. Es ist der Glaube, dass Jesus Christus unser Leben verwandelt und aus seinem Geist die Welt gestaltet. Die Gebetswoche um die Einheit ist eine gute Gelegenheit, sich dieser seit dem Ursprung bestehenden Einheit dankbar zu erinnern. Wir sollten danken, dass der gemeinsame Wunsch, sich durch den Geist Jesu Christi wandeln zu lassen, stärker ist als alles, was im Laufe von Jahrhunderten Grund für die Bildung neuer christlicher Gemeinden und für die Spaltung innerhalb der Ursprungskirche geworden ist.

Eine Ökumene unter dem Vorzeichen der Wandlung durch Christus wirkt sich auch auf die Art aus, wie die Christen mit den Eigentümlichkeiten der anderen Konfessionen umgehen. Zwei Haltungen stehen unserem gemeinsamen Suchen nach noch größerer Einheit im Weg. Zum Einen ist dies die Intoleranz. Zum Anderen ist dies ein Harmoniebedürfnis, welches vorschnell die Verschiedenheit übersieht und Unterschiede als unbedeutsam glatt bügeln will. Im Extrem führt dies dazu, so zu tun als ob es die Unterschiede nicht gäbe. So wünschenswert es beispielsweise wäre, die Erinnerung an das Abendmahl Jesu gemeinsam zu feiern, ist dies Augenwischerei, solange wir zwar äußerlich dasselbe tun, es aber bezüglich des Inhalts wesentliche Unterschiede gibt. Der Theologe Fulbert Steffensky, einer der besten Kenner sowohl der katholischen als auch der evangelischen Theologie, hat als Katholik später seine Liebe zum Protestantismus entdeckt und in der evangelischen Kirche seine Heimat gefunden. In seinem Buch "Der Schatz im Acker" schreibt er: "Ökumene heißt nicht die geglückte Selbstliquidation in ein Allgemeines. Wir sollen nicht in ein blasses Allgemeines von Besinnung, Lebensauffassung und Expression verschwinden. Der Dialog soll jedem zu seiner geläuterten Eigentümlichkeit verhelfen."

Die diesjährige Woche für die Einheit der Christen ist einmal mehr die Chance, sich der fortdauernden Einheit zu vergewissern. Diese Einheit ist unvollkommen und endlich - wie die christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften. Wenn wir Christen unsere Verbundenheit als Geschwister wahr haben, dann gehört Streit zu unseren Begegnungen, wie in jeder Familie. Oder, wie es Fulbert Steffensky sagt: "Der Streit verträgt das Licht der Öffentlichkeit, wo auf Gewalt verzichtet wird und wo nicht Schmähung, sondern Verständigung Ziel ist."

Einen gesegneten Tag wünscht Pater Manfred Kollig aus Münster.

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