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30.07.2016
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Lichtspuren.

Lichtspuren.

Geistlicher Impuls von Dr. Silberberg: Lebenskunst

Aus der Not eine Tugend machen?

In den USA ist es verpönt zu sagen: "Es geht mir schlecht." Du hast glücklich und optimistisch zu sein, Stärke und  Erfolg zu demonstrieren! Kein Jammern und Klagen! Das zieht nur herunter, ermutigt nicht zum Leben, will vielleicht nur Bedauern wecken. Lieber positiv denken und Machermentalität zeigen: "Yes, we can!" Es sich immer wieder einreden, auch wenn es nicht stimmt?

Wo Schattenseiten verdrängt und Verhältnisse schön gefärbt werden, ist der Therapeut nicht weit, - angeblich bei jedem zweiten Amerikaner.

Ein alter Überlebenstrick

Auch ohne fremde Hilfen entwickeln wir selbst Lebenstechniken, die uns gut dastehen und uns mit unseren Verhältnissen leben lassen: Tricks, mit denen wir uns selbst aufwerten oder kleine Illusionen, die uns einiges erträglicher machen. Mangel an Gelegenheit ist noch keine Tugend. Wir interpretieren unsere Art und unser Verhalten zu unseren Gunsten, machen aus der Schwäche eine Stärke und schnell aus der Not eine Tugend:

- aus Antriebsarmut und Trägheit, Lethargie und "Sich-hängen-lassen" wird dann leicht die Tugend der Gelassenheit (Spruch: In der Ruhe liegt die Kraft!), der Geduld oder Zurückhaltung. (Phlegmatisches Sich-Gehenlassen und die Fähigkeit zur Hingabe sind zwei Seiten der gleichen seelischen Grundverfassung);
- nervöse Energie und Umtriebigkeit, Gehetztsein und Zerfahrenheit sollen ein Ausweis geistiger Unruhe und kreativer Suchbewegung sein.
- Aktivismus, Macher- und Zugreifmentalität, aufdringliche Fürsorglichkeit und engagiertes Eiferertum gelten oft als Zeichen praktischer Nächstenliebe oder pastoraler Zuwendung ("Die tun was!")
- Unbeständigkeit und Mangel an Festigkeit werden als Flexibilität und Offenheit für Neues und Veränderungen ausgegeben.

Wahrheit jenseits des schönen Scheins

"Berufsoptimisten" sind professionelle "Mutmacher", die sich bemühen, positive Stimmung zu verbreiten. Auch dort, wo sie durchschaut werden, helfen sie scheinbar einigen, aus momentanen Tiefs herauszukommen. Anderen gehen sie auf die Nerven, weil ihr "Getue" so offenkundig ist: aufgesetzte Fröhlichkeit, allzeit munter, künstlich überdreht, keine echte Lebensfreude (vgl. TV -Unterhaltung an Samstagen).

Auch bestimmte Berufsrollen zwingen uns nicht selten dazu, so zu tun als ob - um des anderen willen. Sie brauchen nicht zu merken, wie sehr wir selbst verwundet, verletzt oder belastet sind oder, dass uns im Innern ganz anders zumute ist. Beruf ist Beruf, privat ist privat.

Wenn sich das "Vorgespielte" zu einem zwanghaft-neurotischen Verhalten verfestigt, dessen man sich nicht mehr bewusst ist, stoßen wir auf die "Überlebenstechnik" psychisch Kranker: Sie "müssen" in ihren Lebensängsten die Welt "so" sehen und sich "so" darin verhalten, um sie aushalten zu können. Aufklärung, positive Einrede, Appelle an Vernunft und guten Willen können sie nicht mehr erreichen.

Nicht immer nur das Negative!

"Berufskritiker" erscheinen als professionelle Störenfriede, Neinsager und Außenseiter, die sich selbst in Szene setzen wollen und keineswegs nur an der jeweiligen Sache interessiert sind. Sie sind vor allem dort unerwünscht, wo sie "Verhältnisse entlarven" und vorgetäuschte Harmonien aufdecken, Alltagslügen, mit denen man bisher ganz gut leben konnte: "Wahrheiten, die im Grunde doch jeder kennt" , - in unsrer Familie, Schule, Gemeinde, in Kirche oder Firma, im Club oder Kardinalskollegium.Trotzdem wird so getan - als ob - und ein Bild formaler Einheit gepflegt, die alle gut dastehen lässt, bis Risse und Krisen zeigen, dass es "so" nicht mehr geht.

Kritiker, die ja das Gute angeblich nicht sehen wollen, immer nur das Negative hervorzuheben und das Positive kleinzureden scheinen, brauchen sich nicht mehr zu äußern, wenn das Ungesunde und Kranke, die Konflikte und die Risse im System ihre eigene Sprache sprechen. Bezeichnend ist, dass auch Jesus als Störenfried empfunden wurde, weil er in seiner Heimatstadt nicht die erhofften positiven Signale setzte und sich weigerte, in ihrem Sinne Wunder zu wirken.

"Arzt, heile dich selbst"(Lk 4,23) - Nach diesem alten Motto sollte Jesus auch in Nazaret wie in Kafarnaum heilsam wirken. Er lehnte es ab, weil er die wahren Absichten hinter ihren Forderungen aufdeckte und ihren Unglauben sah. Wütend trieben sie ihn an den Abhang der Stadt. Sie konnten die Wahrheit nicht ertragen. Schon vor ihm setzten kritische Propheten keine Zeichen, wenn die "Blinden" sich nicht die Augen öffnen ließen. Auch ein Arzt, der im Namen Gottes kommt, muss manches Gewebe aufschneiden, um es zu heilen. Der schmerzhafteste Schnitt heißt "Umkehr". Dazu zählt auch ein Verhalten, das der Prophet aus Nazaret ständig einforderte: "Richtet nicht!"  und "Seid barmherzig!" Nur so helft ihr auch anderen, ihr Leben zu bewältigen.

Er selbst hat erfahren, wie schwer es ist, auf unangenehme Wahrheiten hinzuweisen, um Menschen im Namen Gottes zu wahrem Leben zu verhelfen. Wieviel Wahrheit können wir aushalten, wieviel Konfrontation mit dem "Nichts" oder der "Leere" in uns? Bei Jesus ist deutlich geworden: Auch das kritische Wort muss ein heilendes Wort sein, ehrlich und wahrhaftig, warmherzig und barmherzig.

Alles wird gut

"Gott sah, dass alles, was er gemacht hatte, sehr gut war" (Gen 1,31). Und "den Menschen hat er mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt" (Ps 8,6) - Sätze wie geschaffen für "wahre Optimisten" mit ihrem Selbst- und Seinsvertrauen, ihrem Wertgefühl, ihrer Lust am Leben und ihrer Daseinsfreude. Mit "ein bisschen Kritik" werden sie schon fertig. Tiefgreifende Infragestellungen prallen bei ihnen einfach ab. Von Schwarzmalerei lassen sie sich nicht beunruhigen, auch nicht von dem ewigen "Sündengerede". "Wir sind die Krone der Schöpfung". Jeder ist als Ebenbild Gottes ein kleiner König, zwar früh entthront, aber keineswegs so "verderbt", wie Martin Luther das meinte. Schuldverfallenheit, Selbstverblendung, Egomanie und Gebrochenheit "der Kinder Gottes" - alles etwas übertrieben? Luthers persönliches Problem? Einseitige Sicht der Bibel? Lieber das bleibend Gute in uns sehen, nicht die Kernstörung oder "die Verderbtheit"? Das transzendentale Potenzial in uns entdecken, das darauf wartet, freigesetzt zu werden?

Vor allem "der moderne Christ" sieht alles etwas "positiver". Auf seinem inneren "Schirm" ist kein Haftpunkt für tiefgreifende oder umfassende Erlösungsbedürftigkeit zu entdecken. Eine Art Wohlfühlreligiosität hat alles "Negative" gelöscht. Der Grundtenor dieser "Gläubigkeit" lautet: "Es wird alles irgendwie gut". Im Kern fühlt man sich positiv. Zumindest scheinen viele mit dieser Lebenskunst bisher gut zurechtzukommen: Nur kein Gejammer, keine Katastrophenstimmung, in der "totalen Jetztzeit" leben. Die "Spuren der neuen Schöpfung" sehen und nicht immer nur ihr "Seufzen" (s. Röm 8), heißt die christliche Version dieses Grundoptimismus. Rezepte zur Krisenbewältigung: "Etwas rettet immer", einen "Möglichkeitssinn" entwickeln und sein Bewusstsein positiv aufladen!

Es ist schwer, die wahren Motive und das innerste Verlangen von Menschen jenseits aller Selbsttäuschungen freizulegen. Vielleicht erst dann, wenn das Lebensgebäude stärkere Risse bekommt und nichts mehr überspielt oder verklärt werden kann, nicht erst, wenn gestorben wird.

Der lebensfrohe Jesus

Haben sie Jesus auf ihrer Seite? Ein lebensfroher Mensch, der gern mit anderen zusammensaß und essend und trinkend seine Daseinsfreude mit ihnen teilte? Ein Mann, der im Namen Gottes zum Leben ermutigte und eine wunderbare Zukunft - das Reich Gottes - versprach? Reicher Fischfang, Brot im Überfluss und jede Menge Wein als Markenzeichen seiner Sendung? Vor allem das Kanawunder! Als ob er auf allen Hochzeiten getanzt hätte.

Solche Hinweise übersehen, dass die Evangelien keine Chronik der laufenden Ereignisse des Lebens Jesu sein wollen, sondern Glaubenszeugnisse in Darstellung und Deutung. Jesu Geschichte ist mit dem heiligen Ernst seiner endzeitlichen Sendung beladen, der Botschaft, was Gott für uns ist und sein wird. Geschichten von großen Geschenkwundern (Brot, Wein, Fisch) verweisen auf die Hirtensorge Jahwes - wie beim Manna in der Wüste; sie zeigen in der Person Jesu die Güte und das Gutsein Gottes. Die endzeitliche Lebensfülle soll in den Gaben aufleuchten: Umfassendes Wohl und Heil durch ein Leben in Gottesnähe.

"Er hat seinen eigenen Sohn in die Welt gesandt, damit wir durch ihn leben." (1 Jo 4,9), behaupten die ersten Christen. Die großen Wunder sind Zeichen dieses Glücks und "seiner Herrlichkeit" (s. Joh 2). Zeichen, dass alles gut wird, wenn wir am Leben des Auferstandenen teilhaben. Das klingt heute wenig alltagstauglich. Es liegt auch nicht auf der Linie der erwähnten Daseinsoptimisten und Lebenskünstler, die auf ihr eigenes Sein und Können stolz sind und den nicht zu brauchen scheinen, der "gekommen ist, zu suchen und zu retten , was verloren war."

Gläubige Lebenskunst?

Jesus hat zwar manche Kreise gestört, aber er war kein "Spielverderber" und auch kein "Schattenfotograf", kein Mann mit Röntgenblick, der überall das Negative aufspürte. Jedoch nicht jeder fühlte sich sofort in seiner Gegenwart wohl. Denn alle wurden aufgefordert, eine Brücke zu betreten, die zu einer neuen Form von Gottes- und Menschennähe führen sollte. Nach dem vielschichtigen Zeugnis der Evangelien, sah er sich selbst als Brücke und Weg zum himmlischen Vater, dem sein Jubel galt (s. Mt 11).

Jesus war nicht der nette Nachbar (oder "Kumpel"), der auf gesellig oder kommunikativ "machte" und gern einmal mitfeierte, auch kein "fröhlicher Christ", wie wir ihn manchmal beanspruchen. Er begegnete den Menschen "hoheitlich" als die rettende und heilende Macht Gottes, dem Geheimnisgrund der Welt. Die Quelle seiner eigenen gläubigen Lebenskunst ist in seinem innigen Verhältnis zum himmlischen Vater zu suchen. Sein Sendungsauftrag: Die Menschwerdung des Menschen "nach Gottes Art" - so wie er selbst lebte und wirkte:

Ich sinne Gedanken des Friedens und nicht der Bedrängnis.
(Eingangslied)

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