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25.05.2012
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Geistlicher Impuls von Dr. Silberberg: Elternbefragung

Spuren geglückten Lebens?

So leben, so sein – wie die Eltern? Eine uralte Frage und viele Antworten in der Schwebe. Vor Augen ein paar Alltagswahrheiten:

- Längst erwachsene "Kinder" haben manchmal Mühe, den gut gemeinten Lebensratschlägen ihrer Väter und der fürsorglichen Umklammerung durch ihre Mütter zu entkommen. Diese meinen oft noch im späten Alter, sie wüssten über das Leben ihrer "Kinder", über deren Berufs- und Bindungsprobleme noch am besten Bescheid und müssten "weiter erziehen". Überfürsorgliche Eltern hindern ihre Kinder nicht selten daran, erwachsen zu werden und ihr Leben selbst zu verantworten. Sie wollen sie nicht loslassen und versuchen, durch kleine (große) Geschenke sich ihre Gunst zu erhalten oder sie an sich zu binden.

- Je weniger Eltern ein "eigenes" Leben führen, um so mehr klammern sie sich an die Erfolge ihrer Kinder, auch wenn diese gegen den Elternwillen eigene Wege gegangen sind.

- Einige "Kinder" bleiben bis ins hohe Alter auch innerlich die Gefangenen ihrer Eltern. Erst deren Tod ist dann für sie das Ende ihrer Kindheit, das Ende einer Entmündigung unter dem Deckmantel "liebevoller" Hilfen.

- Die Psychotherapeutin Eva Jaeggi bemerkt: "'Gute' Söhne oder Töchter riefen täglich bei ihren Eltern an, um sich nach deren Wohlergehen zu erkundigen, waren dankbar für die harmonische Atmosphäre und die 'glückliche Kindheit', die man ihnen geschaffen hatte und dachten nicht im Traum daran, diese Harmonie als 'Konfliktscheu der Mutter' zu thematisieren und sich bitter darüber zu beklagen, dass man selbst es auch nicht gelernt habe, 'Konflikte auszutragen'" (in: "Zu heilen die zerstoßenen Herzen").

Ein Bündel von Ängsten wird sichtbar: Angst vor Eigenständigkeit und der notwendigen seelischen Abnabelung, vor dem Erwachsenwerden, der neuen Bindung und dem vorübergehenden Mangel an sozialer Geborgenheit.

Das Vater- und Muttererleben prägt unser Denken und Verhalten auch noch im Widerständigen. Auch der Glaube an den "Vater im Himmel" ist unterströmt von der eigenen Erfahrung von "Väterlichkeit" in den frühen prägenden Lebensjahren – ein Vaterbild: so oder so.

Marienbilder und Marienverehrung maßgebender Päpste und Bischöfe sind ohne deren persönliche Mutterbindung und ohne ihr eigenes Mutterbild nicht zu verstehen.

"Wir haben doch alles getan…"

Das werden die meisten Eltern sagen. Aber sie haben es nicht in der Hand, welche Spuren geglückten oder missglückten Lebens in den Seelengründen ihrer Kinder haften bleiben. Diese werden später nachdenklich:

- Haben nicht "die Umstände" die Eltern dazu geführt, ein Leben "anzunehmen", das sie eigentlich gar nicht wollten? Träumten sie nicht jahrelang noch von etwas "ganz Anderem"?

- Oder – nach wenigen Jahren – die bestürzende Erkenntnis: Es ist der "falsche Mann – die falsche Frau!" Aber "man arrangiert sich" wie so viele. Zyniker bezeichnen heute den Satz "Bis dass der Tod euch scheidet" als eine Drohung.

- Warum durchzog eine leise schwelende Unzufriedenheit und verhaltene Aggressivität das Leben der Eltern? Waren sie mit sich und der Welt nicht "ausgesöhnt"? Trotz aller Beteuerungen mit sich nicht im Reinen?

- Bewundernswert doch, wie sie in Zeiten der Not die Familie durchbrachten und großzügig blieben.

- Erstaunlich ihr Sinn für Gerechtigkeit im Kleinen: Bei Tisch die leckeren Stücke gleichmäßig verteilen!

- Ihr Drängen auf "Ehrlichkeit": Kein falsches Getue, nichts Großsprecherisches, keine Lügen!

- Die Nachbarn grüßen, auch wenn man sie nicht mag!

- Auch die anderen sehen, die mit ihrem Einkommen nicht auskommen, vor allem Kinder, denen es nicht so gut geht, diejenigen, die schon sehr früh im Schatten einer Krankheit leben müssen.

Der magische Dreiklang

Ob pädagogische Grundregeln oder "magischer Dreiklang der Erziehung" (Wärme, Regeln, Selbstständigkeit): die meisten Eltern reagieren "instinktiv" auf ihre Kinder, allerdings verschieben sich die Gewichte je nach eigenem Reifegrad und kulturellem Umfeld:

Mut zur Erziehung oder Erziehung zum Mut? Mehr Regeln, Disziplin, Einordnung und Gehorsam oder mehr Drang zu Eigenständigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung schon in frühen Jahren?

Erziehung: Ein altersgemäßes Training in einem Raum wohlwollender Zuwendung, klarer Regeln und eigener Entscheidungsbereiche. Soweit die Theorie.

Erwachsene fragen rückblickend: Welche Akzente haben meine Eltern gesetzt? Was war ihnen wichtig? Aber auch: Welche Räume ihres eigenen Lebens waren unbesetzt, welche Kräfte lagen brach, was hätten sie auch gut gekonnt? Vielleicht das Künstlerische in ihnen, ihre handwerklichen Fähigkeiten, ihre soziale Kompetenz und Neigung, ihr religiöses Potenzial? Hatten sie "im Grunde" den falschen Beruf?

Wie hat sich ihr innerer Leerstand, ihre seelische Brache, ihr nicht entfaltetes Potenzial auf ihre Art zu leben ausgewirkt? Auf die Kinder? Die Erziehung?

Fragen, die zu weit gehen

Die klassische Frage "Wie hältst du es mit der Religion?" ist heute nicht mehr so drängend, wenn auch nicht ganz belanglos. Auch Christen fragen bewusster nach ihrem religiösen Erbe, wenn sie sich dazu entschließen, "nicht zu gehen" (Joh 6,67) und trotz allem zu bleiben:

- Was haben Religion, Glaube und Kirche den Eltern bedeutet?

- Haben sie sich je bewusst entschieden zu bleiben, oder waren sie nur traditionelle Mitläufer? Gewohnheitschristen im guten wie schlechten Sinn?

- Haben sie miteinander über ihren Glauben gesprochen? Was hieß für sie: Jesus ist der Herr, der Offenbarer, der Erlöser?

- Sind ihre Hoffnungsbilder für ein geglücktes Leben religiös-biblisch geprägt oder folgen sie nur den gesellschaftlichen Klischees oder ihren aktuellen Wünschen?

- Wurden ihnen jemals durch persönliche Lebenserschütterungen alle inneren Gewissheiten entzogen? Hat sie ein seelischer Basisvorrat an Selbstvertrauen oder Selbstachtung gerettet?

- Ist ihr Wertbewusstsein unabhängig von persönlicher Leistung und sozialer Anerkennung biblisch verankert?

- Wie hat ihnen der Glaube geholfen, mit den Schmerzpunkten ihres Lebens fertig zu werden? Glaube: eine Herzenssache, die ihnen zu denken gab?

- War Kirche für sie der letzte Freiraum oder nur eine "Ritualbehörde" für einschneidende Lebenswenden? Religionsanbieter wie Stromanbieter?

- Gab es bei aller Diesseitsfürsorge auch ernsthafte Jenseitsvorsorge?

- Hatten sie die feste Hoffnung, im Tode mit Liebe empfangen zu werden?

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