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25.05.2012
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Geistlicher Impuls von Dr. Silberberg: Kultdiener

Was macht ihr denn da?

"Wir waren die letzte Künstlergruppe am Theater, die unbeirrt an Überlieferung glaubte... Aufschauen und Lernen von Größerem, das sich immer findet. Wo ist der Glanz? Wo bleibt das Herzklopfen? Wo die Feier?" – Der Theaterfachmann und -kritiker Botho Strauß fragt seine jungen Kollegen: "Was macht ihr denn da?"

Scheinbar auch Wasser auf die Mühlen kirchlicher Traditionalisten und ihrer Forderungen nach der "alten Liturgie" (Das "Tantum ergo" singen, ohne die Worte zu verstehen!).

Als ob das klar wäre

Unbeirrbarer Glaube an Überlieferung übersieht das "Vermittlungsproblem". Formen und Inhalte werden ohne stets neue Verlebendigung leer, anspruchslos und unwahrhaftig: "Theater", das weder für Göttliches noch für Menschliches transparent wird, was ebenso für manche Formen der Selbstformulierung und -inszenierung von Liturgie gilt.

Der klassische Kirchgänger hat sich an vieles gewöhnt und nimmt es hin. Aber er stirbt aus. Für die Kindeskinder meiner Generation ist Kirche oft nur noch eine "Zufallsbekanntschaft" aus den Anfangsjahren. Sie haben das Sonntagsgebot nie kennen gelernt und hängen an keinen liebgewonnenen Riten. Kirche ist für sie kein Glücks- oder Zufluchtsort und ohne nostalgischen Erinnerungswert. Sie sind aufgewachsen, ohne täglich zu Gott aufzuschauen oder in Not ihr Herz vor ihm auszuschütten. Hin und wieder aber fragen sie uns: Was macht ihr denn da? Ihr, die ihr von Gott redet, als ob das klar wäre: das mit Gott, Heil und Erlösung.

Als Tourist in eine Firmung geraten

Norddeutsche Großstadt. Diaspora. Katholiken aus dem weiteren Umkreis versammeln sich zur Firmfeier. Die meisten können nicht mitbeten oder mitsingen. Aber: Firmung muss sein! Wer weiß, wofür das gut ist? Das gehört sich so.

Rein zufällig nehme ich teil. Ein Tourist am Rande. Mit dem Glockenschlag feierlicher Einzug. Milieukatholiken kennen das. Hier aber erscheint alles anders: Ein seltsam gekleideter Mann – ein Bischof – mit seinem "Hofstaat", Restbestände einer alten frommen Tradition. Dazu ganz unfromme Gedanken. Der altehrwürdige Mann – wie ein Nikolaus oder Weihnachtsmann, kleiner Pharao, Schützenkönig oder Karnevalsprinz – eine fatale Nähe.

Im katholischen Umfeld – früher – kein Problem, aber hier in der "Fremde" – der Bischof, ein Fremder unter Fremden: Deutschland – Diasporaland! Missionsland!

Vielleicht empfindet er es ja auch selbst schmerzlich. Eine realistische Bestandsaufnahme vieler Gemeinden: Vorwiegend Schmerzprotokolle, Kirche als Randgruppe, deprimierend auch für Augen, die "das Gute" sehen.

Abholen, wo sie sind?

Und die Firmlinge? Wo und wie leben sie, was denken und glauben sie? Sind sie von uns noch zu erreichen? Sind sie je "zum Glauben gekommen"? Können sie Zeugen sein? Und was haben sie im Firmunterricht gelernt? (Ich könnte ihn nicht mehr adressatenbezogen "erteilen".)

Der Heilige Geist als göttliche Energie, Lebenshauch und Kraftfeld innergöttlicher Liebe? Der Geist des Herrn, der den Erdkreis erfüllt, am Anfang über den Wassern schwebte und die innerste Kernkraft des Glaubens ausmacht? Der Geist im Pfingstgebraus und in meinem Gebet? Als dritte göttliche Person? Geist ausgießen, Gnade eingießen?

Nicht nur für 15- oder 16-Jährige fremde Worte und jenseits ihres Denk- und Erlebnisrahmens. Wo kein Glaube gewachsen ist, ist auch kein Glaube zu "festigen" (firmare).

Die Anwesenden überstehen etwas das Firmritual etwas linkisch. Vor der Kommunion wird ihnen feierlich gesagt, dass sie "zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind". Wir dürfen realistisch und ganz ohne Ironie feststellen: Dieser Gottesdienst ist für Jugendliche unter 18 nicht geeignet!

Außenperspektive

Was dem Touristen drastisch bewusst wird, kann dem greisen Weihbischof nicht ganz fern sein. Warum firmt er weiter? Tröstet er sich mit dem Hinweis auf andere Feiern, wo mit schwungvollen Taizéliedern noch ein Hauch von Glaubenslebendigkeit suggeriert wird? (Ein Bischof: "Wo ich bin ist die Kirche immer voll, auch mit Jugendlichen.")

Oder leidet er selbst unter seiner "Nikolausrolle"? Weiß er, dass diese Außenwahrnehmung heute ganz leicht und ohne antikirchliche Aggressionen, also nicht böswillig daherkommt? Vielen Zeitgenossen ist die Kirche kein Gelächter mehr wert!

Stammt er vielleicht selbst aus einem Milieu, in dem Geistliche (Bischöfe und Pfarrer) noch fraglos anerkannte und beifallsgewohnte Autoritäten waren und auch in diesem Bewusstsein lebten? Meine Eltern – autoritäts- und traditionsgläubig erzogen und ständisch-hierarchisch denkend – schauten noch auf zu den "geistlichen Herren". Sachkritik galt als eine Art Majestätsbeleidigung, als Mangel an Loyalität und als Angriff auf die Mutter Kirche – wie heute noch in verbissen fundamentalistischen Kreisen und sektenhaften kirchlichen Gruppen.

Können wir in einer Welt, die mit katholischer Folklore nicht vertraut ist, noch Zeuge der Botschaft sein, wenn wir uns der Fremdwahrnehmung nicht ernsthaft stellen? Lässt sich unser Firmbischof in seiner Rollensicherheit (nicht zu verwechseln mit Glaubensfestigkeit) noch erschüttern? Ist ihm bewusst, dass wir Geistlichen auch als Diener eines Systems erscheinen, das durch Machtgebaren und rigorose Gesetzgebung Glauben erschwert, Glaubenskrisen mitverantwortet und Menschen leiden lässt? Kann er die neue Teilnahmslosigkeit an seinem Amte innerlich annehmen?

Wir neigen dazu, uns an die zu halten, die uns bestätigen. Leitende scharen gern Menschen um sich, die sich bereitwillig entmündigen lassen und sich ihrer Führung anvertrauen. Aber Untertanengeist und Autoritätshörigkeit sind kein Zeichen von Glaubensgehorsam. Einheit meint nicht blinden Konsens, sondern inneren Einklang mit begründeter Zustimmung.

Die selbst bestimmten und sensiblen Christen der Gegenwart signalisieren uns Geistlichen: Nur nicht dieses Autoritäre oder "Papahafte von oben" bitte, wohl große Brüder und Schwestern auf Augenhöhe neben und vor uns, die uns mitnehmen können, weil sie "auf dem Wege voraus sind", Fortgeschrittene, die sich den Zumutungen der Aufklärung, der Freiheit und des eigenen Glaubensweges stellen. Stehen wir der Botschaft durch unsere Art aufzutreten vielleicht selbst im Wege? Als kleine oder große Machthaber "im Namen des Herrn", "Kirchenfürsten", die repräsentativ wohnen und vorfahren?

Das Erscheinungsbild von Kirche und ihren amtlichen Repräsentanten ist in einer totalen Medienwelt nicht nebensächlich. Auch Kleidung ist beredt.

Gestrige Erscheinungen

Außerhalb liturgischer Handlungen – Geistliche in Toga, Soutane und Birett – wird es besonders deutlich: Der Weg vom Erhabenen zum Lächerlichen ist heute sehr kurz, der Schritt von der Würde des "Kultdieners" zu einer betulichen Unbeholfenheit mancher Würdenträger in der Öffentlichkeit. Die Fremdheit ihrer Erscheinung, ihre Altersaura, dem ehemaligen patriarchalischen Zeitgeist verhaftet, ist nicht zu verwechseln mit der Fremdheit des Christlichen in dieser Gesellschaft. Selbst gutwillige Außenstehende finden kaum "Anschluss unter dieser Nummer".

Wer die weltliche Bühne im geistlichen Gewand betritt, verstärkt eher die Distanz als die Zeugenschaft. Immerhin: bei festlichen Anlässen ein dekorativer bunter Tupfer oder in Talkshows Repräsentant einer Welt von gestern, schwarz, rot und violett kostümiert, Fossilien einer vergangenen römischen Kultur. In diesen Formen wenig zeugnishaft für das, was Jesus wollte. Der römische Kragen wirkt nicht als Bekenntnis, sondern eher als Barriere, hinter der sich jemand versteckt.

Wer den Dienstcharakter des Amtes betont, sollte auch innerliturgisch nicht mit Symbolen der Macht in Erscheinung treten (Ein Bischof: "Das ganze Brimborium!"). Die Vielen, die unerkannt im Verborgenen ihre geistliche Arbeit tun, erscheinen nicht auf dem Bildschirm. Sie sind wenig medienwirksam.

In meiner frühen Jugend Don Camillo als Witzfigur, auch heute in TV-Serien ein klerikales Erscheinungsbild nach Publikumsgeschmack: "So sehen die eben aus!". Ein Junge nennt diese Soutanenträger "Nonnenmänner", etwas tantenhafte Erscheinungen in keineswegs immer "fließendem" Gewand…

Das exotische Outfit wird uns zugestanden, denn als katholische Geistliche nehmen wir ja nicht am normalen "Familien- und Berufsleben" der meisten Mitbürger oder Zuschauer teil. Bestenfalls scheint durch alle Verkleidung ein spirituelles Alltagsleben des Geistlichen hindurch, das früher einmal mit der Formel umschrieben war: Seine täglichen Gebete verrichten!

Unsere Chance liegt heute jenseits von Verteidiger - und Festungsmentalität, wenn wir jesusnah und selbstkritisch, dienstbereit und demütig zu unserer Glaubensüberzeugung stehen – und das auch mit guten Gründen. Nur als Gesandte Jesu haben wir etwas zu sagen: "Wer euch hört, hört mich" (Lk 10,16). Gemeint sind 72 Jünger(innen?) als Repräsentanten des neuen Gottesvolkes.

Struktur- und Gestaltwandel

Immer mehr Zehnjährige wissen nicht, ob sie evangelisch oder katholisch sind. Und die Firmlinge von morgen werden noch weniger verstehen, wenn alles so bleibt, wie es immer war. Wir könnten erwidern: Liturgie ist nicht nur von heute. Sie hat ihre Gestalt und Tradition und ihre altehrwürdigen Riten. Aber das letzte Konzil hat darauf verwiesen, dass vieles auch wandelbar ist und verändert werden muss, wenn es lebendig sein soll. Was ist Asche, was ist Glut? Und wer bestimmt das?

Wenn uns Geistliche nicht persönlich eine brennende Sorge treibt, wird keine umfassende Wende eintreten, keine "Neuerung" und Erneuerung stattfinden. Denn Struktur- und Gestaltwandel waren immer Ausdruck einer inneren Not, einer Umkehr "der Herzen" und neuen " Einstellung". Strukturdebatten beginnen vor Gott und enden im Sachverstand von Experten. Bei allen Forderungen an Amtsträger steht immer auch die eigene Glaubensüberzeugung auf dem Spiel.

Die sich noch zugehörig fühlen und bereit sind, an einem Gestaltwandel der Kirche mitzuarbeiten, wollen sich nicht schämen müssen, katholisch zu sein (z. B. angesichts einiger Formen von hysterischer Wundersucht und Heiligenverehrung, die durch Heiligsprechungen dann amtlich bestätigt werden!), und/oder sich nicht immer wieder über einige Repräsentanten ärgern.

Wer aber sagt "Würden-Trägern", wie sie öffentlich wirken? Und wer lässt sich etwas sagen? Wir können als Geistliche nicht selbstkritisch genug sein. Es ist ein Zeichen von Freiheit und Glaubensstärke und mindert klerikale Eitelkeit und geistlichen Hochmut. Gefragt ist aufrichtige Kritik aus Liebe zur Kirche und aus Sorge um ihre Glaubwürdigkeit.

Nach 400 Jahren machte das Konzil 1965 einen Anfang mit der "Erneuerung": Gemeinsam die "Nähe Gottes" suchen und sich seinem Wort unterwerfen! Pilgernde Kirche sein, transparent und gesprächsbereit – "in einer Haltung gemeinsamen Fragens nach dem Willen Gottes für uns heute, in einer Gesinnung, die Einmütigkeit anstrebt und von der Liebe zur Kirche gespeist wird" (Bischof Joachim Wanke).

Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen,
den du gehen sollst.
Ich will dich mit meinen Augen leiten.
(Psalm 32,8)

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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterHermann-Josef Silberberg | Foto: Hermann-Josef Silberberg
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Bischof Felix Genn

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Grüße vom Katholikentag (1): Aufbruch gelingt ...

Glaubenswissen

Frömmigkeit - Gesamthaltung des gläubigen Menschen vor Gott.

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Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.

Wohnungsnotfallhilfe

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