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25.05.2012
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Geistlicher Impuls

Fragen

"Wie hast du geschlafen?" "Wie geht es Ihnen?" Fragen wie diese begleiten uns den ganzen Tag über, ohne dass wir uns dessen vielleicht bewusst sind. Es sind Fragen, die sich an uns richten, und Fragen, die wir selbst stellen. Fragen an andere Menschen sind wie eine Brücke zum Anderen. Sie wird vollständig, wenn es auf die Frage eine Antwort gibt. Dann kann man über die Brücke gehen, in beide Richtungen.

Es gibt jedoch auch Fragen, die keine schnelle Antwort vertragen. Sie verbinden sich mit Suchen, mit Hoffen, mit Warten. Sie können sich auf das ganze Leben beziehen und brauchen Zeit für eine Antwort. Dann gilt, was jemand einmal so beschrieben hat:

"Fragen ist schwerer als antworten. Die meisten lernen es nie, wissen nicht einmal, dass man überhaupt fragen kann. Antworten umstellen ihr Leben, aber nicht Antworten auf eigene Fragen, sondern Scheinantworten, die den eigenen Fragen zuvorkommen, damit sie nur ja nicht gefragt werden. Willst du fragen lernen, schnür die amtlich verpackten Bündel auf. Stürz den Inhalt der geordneten Kisten um und erprobe selbst, womit du leben kannst. Wag dich auch an die schweren Pakete mit den Etiketten "Gott", "Erlösung", "Gebet" heran. Lass dich nicht irritieren durch die Warnung, es würde dir wie mit der Uhr ergehen, die du, auseinander genommen, nicht wieder zusammenfügen kannst. Vertrau auf dich und wage zu fragen. Das führt dich ins Weite. Religion ist eine Straße zu Gott. Eine Straße ist kein Haus." (aus: Hubertus Halfbas, Der Sprung in den Brunnen. Eine Gebetsschule, Düsseldorf 1981, 74)

Viele Menschen treffe ich in meinem Beruf auf dieser Straße des Fragens. Sie fragen mit allen Sinnen. Sie fragen mit den Händen, indem sie andere Hände suchen. Sie fragen mit den Füßen, indem sie weite Wege laufen, auch zu Menschen, deren Leben so anders als das eigene ist. Sie fragen mit den Ohren, die das Hintergründige und Leise hinter allem Lärm und falschen Tönen heraushören. Sie fragen mit den Augen, die sich nicht nur auf das Eigene ausrichten, sondern Anlässe zum Lachen, zur Freude, zum Nachdenken suchen. Sie fragen mit dem Herzen, indem es bei anderen anklopft und sich bedürftig zeigt und sich öffnet. Sie fragen auch mit dem Verstand, der vieles zusammenbringt, zusammenhält und weiterdenkt. Sie fragen mit ihrer ganzen Persönlichkeit nach dem Leben, das diesen Namen verdient.

In dieser Weise des Fragens wird vieles lebendig, was sonst ohne Frage unfruchtbar liegenbleibt. Diese Weise des Fragens öffnet allerdings auch die Augen dafür, wie die Bibel voller Fragen steckt: Bohrende, notvolle Fragen von uns Menschen an Gott gibt es da. Etwa in den Psalmen mit den Fragen: Wie lange noch? Warum? Wozu? Genauso gibt es da Fragen, die Gott an uns Menschen richtet: Mensch, wo bist du? Wo ist dein Bruder? Gott wird gefragt, und er fragt selbst unbeirrt.

Jesus ist im Neuen Testament der große Fragesteller. Viele Fragen richten sich an ihn. Nicht selten fragt er dann zurück. Etwa: Was soll ich dir tun? Das fragt er jemanden, der ihn ganz allgemein um die Heilung fragt. Da baut er mit Hilfe seiner Frage die Brücke zu dem Menschen, und sie wird von beiden Seiten begehbar. Er ist nicht einfach der, der immer Antwort gibt. Er fragt die Menschen "hinüber" in das, was er will und kann. Seine Fragen münden allesamt nicht ohne Grund in die Frage nach Gott ein. Denn ER allein weiß die Antwort. Jesu Fragen wollen die, die er fragt, auf einen Weg bringen, den er selber mitwandert. So kann er sie einweisen in sein Geheimnis. Und es zeigt sich, dass er Frage und Antwort ist in einer Person.

Vielleicht geht Ihnen heute auf, wie gut es ist, auf der Straße des Fragens zu sein. Die Straße hat ein Ziel: Gott selbst. Auf diesem Weg ist niemand allein. Viele Fragende sind zu diesem Ziel unterwegs und bestärken sich gegenseitig auf diesem Weg. Mögen Sie das an diesem Tag erfahren!

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