
Unsere größte Kostbarkeit darf nicht in falsche Hände kommen.
Gedanken zum Empfang der Eucharistie
"Der Leib Christi." - "Amen."
Was bedeutet das eigentlich, was wir da sagen? Jedes Mal, wenn Sie zur Kommunion kommen, sagen Sie ein hebräisches Wort, das wir mit allen Juden aller Zeiten und den Christen aller Sprachen gemeinsam haben. Amen heißt: "Ja, so ist es." Wer "Amen" sagt, gibt seine Unterschrift. Deshalb ist es schön, wenn es zu einem kurzen, eindeutigen Bekenntnis des Glaubens gerät.
Eigentlich dürfte Ihnen das heilige Brot nicht gereicht werden, wenn Ihre Beglaubigung nicht überzeugt. Deshalb schauen manche Spender und Spenderinnen Ihnen auch kurz in die Augen. Unsere größte Kostbarkeit darf nicht in falsche Hände kommen, in die Hände und den Mund von Menschen, die den Wert dieser Speise nicht zu schätzen wissen.
"Du" sagen
Aber was bedeutet das Glaubensbekenntnis "Der Leib Christi"? In der großen "Brotrede" des vierten Evangeliums (Joh 6) ist nicht nur vom Leib Christi, sondern sogar vom "Fleisch" die Rede. "Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts" (Joh 6,63). Die drastische Formulierung "Fleisch" hält gegen alle Vernebelungen die wirkliche Menschwerdung Gottes in Jesus fest. Wenn ich dieses Stückchen Brot auf meiner Zunge fühle, darf ich "Du" sagen! Wenn ich seinen Geschmack genieße, kann ich Seine nährende Zuneigung schmecken.
Mit dem Wort "Leib" ist hier nicht dasselbe gemeint wie mit "Körper". Die ersten Freunde Jesu erfahren ihn nach seinem Tod leibhaftig, obwohl er bei verschlossenen Türen "erscheint" und "ihren Blicken entschwindet". Sie erleben Ihn aber doch ganz anders als vor der Kreuzigung. Fachleute übersetzen die Worte "Das ist mein Leib" aus dem Griechischen auch ganz einfach mit: "Das (bin) ich". Da in der aramäischen Sprache Jesu wie im Hebräischen, der liturgischen Sprache, das "bin" oder "ist" nicht nötig ist, dürfen wir davon ausgehen, dass Jesus einfach einen Brotfladen geteilt und beim Austeilen sich selbst damit identifiziert hat. So können wir mit ihm ganz eins werden, uns Ihn und Ihm uns einverleiben.
Gemeinschaft
Aber unser "Amen" unterschreibt noch mehr: Das lateinische Wort communio heißt Gemeinschaft, nicht nur mit Ihm, sondern auch miteinander. Die Kirche nennen wir spätestens seit dem hl. Paulus (Röm 12,4-5, 1 Kor 12,12-27) den Leib Christi, dem wir durch die Taufe eingegliedert sind! Leider hat das Wort Kirche heutzutage bei Vielen keinen guten Klang, obwohl das Wort (aus dem Griechischen entlehnt) "die dem Kyrios, also dem Herrn gehörende Gemeinschaft" bedeutet. Sie denken an ihre Fehler und Schwächen in Vergangenheit und Gegenwart, weniger an die eigene Beteiligung daran als an das Verhalten anderer, vor allem der leitenden Leute. Das ist sicher ein großes und wichtiges Thema, und die chronischen und akuten Krankheiten der Kirche zu vertuschen wäre unehrlich und lieblos.
Die Kirche muss sich immer wieder ihrem Leibarzt stellen und neue Therapien akzeptieren, manchmal auch zu schmerzhaften Eingriffen bereit sein. Sie ist aber auch im kranken Zustand schon und immer noch der Leib Christi. Er ist das Haupt des Leibes, wir sind also "noch ganz klar im Kopf". Wo unter uns Christen diese Überzeugung zurücktritt, wird die Kirche kopflos hin und her rennen und gott-los reden.
Wer kommuniziert, sagt also "Ja und Amen" auch zu der real existierenden Kirche. Nicht zu ihren Fehlern, aber zu ihrem Wesen. Es ist wie bei dem Brot in der Messfeier. Es kommt nicht auf den Wohlgeschmack an! Würden Sie eine Hostie zurückweisen, weil sie etwas länger gelagert war? Sie empfangen sie in der Überzeugung, dass Sie in dem Stückchen Brot Ihn empfangen, ganz. Und auch unsere Kirche ist und bleibt der Leib Christi. Wir haben durch sie Berührung und Gemeinschaft mit Ihm. Amen. So ist es, ich vertraue fest darauf.
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Text: Gerhard Dane in Gottesdienst. Information und Handreichung der Liturgischen Institute Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, 20/2010, S. 166 | Foto: Michael Bönte
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