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25.05.2012
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Was wollen Sie Ihrem Kind mitgeben?

Was wollen Sie Ihrem Kind mitgeben?

Begegnungen im Gemeindealltag (2)

Glauben dank, mit und trotz der Kirche

Martin war aus der Kirche ausgetreten. Er war zwar katholisch aufgewachsen, hatte die ganze kirchliche Laufbahn mitgemacht: Taufe, Erstkommunion, Firmung. Sogar Messdiener war er einige Jahre lang gewesen. Doch damit sollte jetzt Schluss sein. Ihn störte das ganze Gehabe und, wie er sagte, die Eitelkeit der Kirchenleitungen, das sei doch alles nicht mehr zeitgemäß. Und schon gar nicht glaubwürdig. Geradezu wütend war er gewesen – über die so genannte Amtskirche. Mit der Kirche vor Ort war er eigentlich ganz zufrieden. Von seinem alten Heimatpfarrer erzählte er mit großem Respekt; konservativ, aber liebenswürdig sei er gewesen. An ihn mochte sich Martin gerne erinnern.

Zwischenzeitlich hatte er geheiratet. Wie hatte er sich zusammen mit seiner Frau gefreut, als sich Nachwuchs ankündigte! Ein Ehepaar, das sein erstes Kind mit offenen Armen erwartete. Als der kleine Sohn dann auf der Welt war, waren sie voller Stolz und Staunen über das kleine Wesen, das ihnen da anvertraut worden war. Sie lieben ihr Kind und wollen alles dafür tun, dass aus ihm ein aufrechter Mensch wird. Doch woran sollen sie sich orientieren? Was wollen sie ihrem Kind mitgeben? Woran solle es sich halten, wenn es einmal erwachsen ist?

Martin dachte an seine eigene Kinder- und Jugendzeit. Wie ihm das alles geholfen hatte, der Gottesdienst am Sonntag, das Gebet mit den Eltern, die kirchliche Jugendarbeit. Und der alte Pfarrer, an dem man sich reiben, mit dem man sich aber auch identifizieren konnte. Sollte das alles für seinen Sohn nicht gelten? Martin ging behutsam vor, gab im Internet ein paar Suchwörter und seine Postleitzahl an: www.katholisch-werden.de und stieß dabei auf meinen Namen. Es hat noch ein paar Wochen gedauert, bis er den Mut hatte, sich zu melden.

Kirche

Ich habe Martin eingeladen, wir haben lange miteinander gesprochen, er wunderte sich über den freundlichen Empfang. Kirche – das ist für mich als Pfarrer ja auch kein einfaches Thema. Ich selbst glaube dank der Kirche, weil ich ohne sie nichts von Jesus wüsste. Ich glaube mit der Kirche, weil ich allein nicht glauben kann und nicht glauben mag. Ich brauche Menschen, die für mich glauben, wenn ich zweifle; Menschen, die beten, wenn ich es gerade nicht kann. Und ich glaube eben auch trotz der Kirche – ja, trotz der Kirche! – weil auch ich mich bisweilen über sie ärgere. Obwohl ich ein Teil von ihr bin, obwohl ich selbst dazu gehöre: Glauben dank, mit und trotz der Kirche!

Das fand Martin sehr ehrlich, und es war ja auch so gemeint. Er könne auch nicht an die Kirche glauben. "Müssen wir auch nicht", gab ich zu bedenken. "Im Glaubensbekenntnis steht, dass wir an Gott-Vater, an Jesus Christus und an den Heiligen Geist glauben. An die Kirche jedoch glauben wir nicht." – Im Bild gesprochen: Wenn die Kirche so etwas wäre wie eine Theatergruppe, dann gäbe es in ihr auch schlechte Schauspieler. Und alle zusammen, gute und weniger gute, würden unentwegt versuchen, ein großartiges Stück aufzuführen. Nämlich das Evangelium vom Reich Gottes.

Nicht perfekt

Wer einmal gespürt hat, wie gut dieses Stück ist, der will mitspielen. Auch wenn es ihm nicht immer gelingt. Das ist Kirche: Sie ist nicht perfekt, aber sie steht für das Evangelium.

Martin hat den Wiedereintritt in die Kirche noch nicht gewagt. Er braucht wohl noch ein bisschen Zeit. Dass man mit der Kirche besser glauben kann als ohne, das ist ihm klar. Und dass man dazu alle Freiheit braucht.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: "Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott sowie für die Einheit der ganzen Menschheit." Ich finde, das ist eine prima Definition von Kirche. Einfacher gesagt bedeutet sie: Die Kirche soll Einheit stiften – unter den Menschen und zwischen Mensch und Gott. Sie ist ein Zeichen für Gottes Liebe; ein oftmals mickriges und erschreckend vieldeutiges Zeichen. Sie ist ein Werkzeug der Liebe Gottes, auch wenn sie hinter diesem Anspruch ständig zurückbleibt. Ich bleibe in der Kirche – um Gottes willen.

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