
Fotoglück.
Bindung
Heiraten solange, bis es klappt?
Etwas klappte nicht. Die Trauung fiel aus, wurde kurzfristig abgesagt. Gedanken zur Ansprache waren bereits notiert. Das Paar hatte schon einen langen gemeinsamen Weg hinter sich und jeder für sich einige andere Bindungsversuche.
Einander die Welt zeigen
Über ein Jahrzehnt hatten sie einander die Welt gezeigt, sie miteinander geteilt und schon viel Beziehungsarbeit geleistet. Jetzt suchten sie die rechtliche und sakramentale Stütze. In einer Talkshow fiel die lässige Bemerkung eines bekannten Schriftstellers: "Ich heirate solange, bis es klappt!" Es war sein vierter Versuch.
Das Paar meinte, dieser Zeitpunkt sei jetzt gekommen. Bei vielen Bekannten hatte sich das Wort Liebe längst in Luft aufgelöst. Für sie aber hatte es noch Gewicht. Lange genug hatten sie das Experiment Freiheit gelebt.
Vor Jahren bemerkte eine alte Frau neben mir halblaut vor sich hin murmelnd, als eine Braut mit ihrem Ja-Wort am Altare zögerte: "Die weiß, was ihr blüht!" – Wie eine Stimme aus patriarchalischer Zeit.
Nach einem Jahrzehnt bei Tag und bei Nacht zusammen und inmitten einer " Kultur der unglücklichen Ehen" (Richard Ford), wissen heute die Beteiligten ziemlich genau, "was ihnen blüht" – so und so!
Ford meint jedoch auch, "dass die Ehe die einzige Institution sei, die dem Menschen die Möglichkeit bietet, einen anderen Menschen im Innersten kennen zu lernen". Zusammen, bis der Tod sie scheidet! Erkannt und durchschaut und trotzdem geliebt!
Oder gerade deshalb?
In der orthodoxen Kirche werden Braut und Bräutigam goldene Kronen aufgesetzt – wie die Kuppeln ihrer Kirchen. Der Traum vom wirklichen und gelingenden Leben soll nicht nur fernsehgesteuert sein, sondern auch himmlisch überhöht und sakramental verwurzelt. Mit dem Gott verbunden sein, dem immer schon das Lied von Liebe und Tod gesungen wurde.
Gläubige zeigen einander auch "die Welt Gottes". Stadien des Glaubens gleichen den Stadien von Verliebtheit. Auch hier nach Jahrzehnten: "Vergiss dein Anfangsherz nicht!"
Generationen, die seit frühester Jugend pornoerfahren sind, verstehen diese Sprache nicht mehr, nicht mehr die Bildworte, Schwingungen und Zwischentöne von Liebeslyrik.
Reines Privatvergnügen?
Sich "Kinder zuzulegen, zu leisten oder nicht leisten zu können", gilt heute als reine Privatangelegenheit. Niemand zeugt Kinder, um seinen Stamm zu erhalten oder seine Rente zu sichern.
Geistliche können da nicht mitreden und nicht hineinreden. Gefragt sind Flexibilität am Arbeitsplatz, bei eventuellem Berufswechsel und in der Bewältigung von Arbeit, Haushalt und Kindererziehung.
Eltern spüren heute mehr als früher, wie ihre Kinder in den Bann von Medien geraten, die sie selbst nicht mehr überblicken oder durchschauen. Geistliche können auch diese Not nicht teilen. Wo aber wird von uns erwartet, dass wir mitreden und hineinreden?
Im Schutz der Liebe
Das erwähnte heiratswillige Paar hatte ein Gespür dafür bewahrt, was die innere wie äußere Absicherung ihrer Beziehung bedeuten könnte. Der kirchliche Segen sagte ihnen noch etwas, wenn auch die rechtlichen Fragen sehr kompliziert wurden. Sie hatten vieles gemeinsam erlebt und schön gefunden, aber das gespeicherte Fotoglück konnte nicht festmachen, was in ihrer Seelentiefe wie ein unbeschreibbarer Restbestand lagerte: Alles geglückte und geschenkte Leben war ein "Leben vor und mit Gott". Sie waren nicht bloße Sympathisanten von Religion, sondern durchaus "im Kern Berührte" geblieben. Daher der Wunsch, das Gemeinsame vor IHM zu besiegeln.
Was ihnen fehlte: Die Kraft zur Entschiedenheit, zum Bekenntnis und zur bewussten rechtlichen Bindung. So war die Verschiebung der Trauung durchaus symptomatisch. In ihren Bekanntenkreisen erlebten sie viel Einsamkeit zu zweit. Davor hatten sie keine Angst. Aber eine fast biblische Formulierung ließ sie nicht los: "Weh dem, der nicht im Schutz der Liebe altert" (Ralf Rothmann).
Und dieser Schutz sollte dann "auch im Himmel gebunden sein!" (Mt 16,19). – Im Schutz der Liebe Gottes altern! – Metaphysisch abgesichert.
Ein Lebens- und Überlebenswunsch vieler Menschen, auch wenn man es ihnen nicht gleich ansieht. Selbst im Glauben Versehrte können ihre seelische Grundausstattung nur selten ganz vergessen.
Einzigartig sein
Die Kirche erinnert an die Treue Gottes zu seinem Volk, an die Einzigartigkeit jedes Menschen vor IHM, an den ewigen Bund und seine Zusage: "Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben" (Jer 29, 11)!
Es ist unser Gott, der uns versichert: "Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet, bis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan, und ich werde euch weiterhin tragen" (Jes 46,4)!
Mit vielen Dingen können Menschen nur umgehen, weil sie Liebende sind. Und sie wissen, dass auch dieser Halt wegbrechen kann. Sie kennen ihre Anfälligkeiten und ihr elendes Mittelmaß, aber auch ihre Einzigartigkeit für einander, die sie bindet und trägt: "Er hatte etwas an ihr wahrgenommen, was sich hinter den Eigenschaften verbarg, die die anderen gewöhnlich an ihr wahrnahmen" (D. Wellershoff: Das normale Leben). Mit vielen Dingen können wir nur umgehen, weil wir Glaubende sind. Und wir wissen, dass dieser Halt nicht wegbrechen kann, soweit es Gott betrifft. Er ist treu. Seine Liebe bleibt.
Deshalb schließen Gläubige ausdrücklich im Namen Jesu den Bund fürs Leben. Mit der Taufe wurden sie bereits an ihn gebunden. Sie verstehen sich als seine "geliebten Söhne und Töchter". Er hat ein für allemal "die Welt Gottes" erschlossen, den größeren Lebensraum, in den er alle hineinziehen will. Dieser "Neue Bund" wird im Sakrament der Ehe noch einmal "himmlisch" besiegelt.
Verstehen können es wohl nur die, die versuchen, "in Seiner Liebe zu bleiben " (Joh 15,9 f.) und die Spur zu halten.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Übersicht: Impulse von Hermann-Josef Silberberg
Übersicht: Impulse zum Kirchenjahr
Ausgewählte Impulse von Hermann-Josef Silberberg in Buchform
Text:
Hermann-Josef Silberberg | Foto: Hermann-Josef Silberberg
30.04.2010
Impulse verschiedener Autoren
In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.
Gebete und Bibeltexte
Die Übersicht über Gebete und Bibelstellen lädt ein, die Seele atmen zu lassen.
Impulse zum Kirchenjahr
Die Geistlichen Impulse, die Sie in dieser Übersicht finden, führen Sie durch das Kirchenjahr.
Marienmonat
Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.
Wohnungsnotfallhilfe
In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.
Dossier: Maria
Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
Landvolkshochschule
Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.
Kommunionempfang
Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Heilige und Selige
Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de














Newsticker für Ihr Web