
In der Bibel ist es die List der Schlange, die mit der Schönheit der Frucht und dem Versprechen lockt, wie Gott zu sein.
Von der alltäglichen Schönheit des christlichen Glaubens (5)
Eigentum verpflichtet
Ein Film von den Parteitagen der Nazis in Nürnberg zeigt den Aufmarsch der Massen in Reih und Glied, die Inszenierung Hitlers als Erlöser und bei anbrechender Dunkelheit Lichtstrahlen, die sich hoch oben am Himmel über der Menge vereinen und den Eindruck einer gewaltigen Kathedrale erwecken. Ein faszinierendes Schauspiel, das zugleich erschrecken kann, wenn wir uns an die fürchterlichen Folgen der Naziherrschaft erinnern. Schönheit kann blenden, fanatisch machen und mörderische Kräfte freisetzen.
Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass es nicht die Schönheit ist, die lügt, sondern der Mensch, der sie missbraucht, weil er von einem Gewinn fasziniert ist, der allein ihm dient, aber auf Unrecht beruht und Leid zur Folge hat. Bei Hitler war es der skrupellose Machtwille, bei seinen Anhängern der Traum von einem großen Deutschland. Andere verlockt das Geld, koste es, was es wolle. Wieder andere haben keine Bedenken, den Alltag ihrer Ehe mit Seitensprüngen aufzupeppen. Immer geht es um etwas Verlockendes, das vordergründig Prickelndes verspricht und in Wirklichkeit Leid und Tränen mit sich bringt. Das Schöne und Verlockende lügt, wenn es in Widerspruch zum Guten eingesetzt wird. In der Bibel ist es die List der Schlange, die mit der Schönheit der Frucht und dem Versprechen lockt, wie Gott zu sein.
Folgt daraus, Macht, Besitz und Genuss unter allen Umständen zu meiden? Sind Menschen moralisch zu verurteilen, die gerne Geld verdienen, Macht und Einfluss haben oder ihr Leben genießen? Sind Macht, Besitz und Genuss also von vorneherein böse? Keineswegs. Sie sind für sich genommen ebenso unschuldig wie das Schöne. Wir Menschen sind es, die in der Gefahr sind, sie zu missbrauchen. Daran lässt die Bibel keinen Zweifel. Es gibt in uns einen Hang, die Lebensordnung Gottes aus Selbstgefälligkeit und Egoismus beiseite zu schieben oder uns aus Bequemlichkeit oder Angst vor der Verwirklichung des Guten zu drücken. Es gibt in uns eine Tendenz, in unserem Lebenshunger den Glanz und die Schönheit des Irdischen zu verabsolutieren und diesen mit Gott zu verwechseln. Das Schöne ist dann in der Gefahr missbraucht zu werden, wenn es vom Guten getrennt wird, wenn es in Diensten der Lüge, der Gier und der Propaganda steht.
Gebote und Gewissen
Hilfen, gut und böse zu unterscheiden, sind die Gebote Gottes und unser Gewissen. Wir haben die Fähigkeit, unser Verhalten kritisch zu reflektieren, das Blendwerk von Illusionen zu durchschauen. Das Gebot "Eigentum verpflichtet" gilt für Besitzer kleiner Vermögen und für die Chefs großer Weltkonzerne. Kennedys Wort, "Überlege nicht nur, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst", gilt für den Hartz-IV-Empfänger ebenso so wie für den Millionär. Das Gewissen zeigt uns den Weg, nicht nur Ja-Sager zu sein, sondern zu widersprechen, wo Unrecht geschieht, nicht nur fehlerfrei unsere Aufgaben zu erledigen, sondern darüber hinaus die Trägheit zu überwinden und dem Verletzten am Wegesrand zu helfen. Wir sollten in der Wahl unserer Lebensziele nicht allzu bescheiden sein. Das Gewissen hilft uns dabei, Lust an Dingen zu finden, die es wirklich wert sind.
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