
Das Leben ist ein Geschenk.
Geistlicher Impuls zum Fest der Darstellung des Herrn (3)
Das Leben ist ein Geschenk
Am 2. Februar feiern viele christliche Kirchen das Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess). Es geht auf die biblische Geschichte zurück, in der Maria und Josef acht Tage nach der Geburt Jesus in den Tempel bringen und dort auf die Propheten Simeon und Hannah treffen. Diese stimmungsvolle Erzählung lädt ein, das Leben mit anderen Augen zu sehen. Im Licht Gottes wird mein Leben hell und zu einem stimmigen Geschenk. Gottes rettende Tat schenkt Frieden und stärkt das Vertrauen.
Das neue Testament erzählt von Josef und Maria, dass sie acht Tage nach der Geburt Jesus zum Tempel bringen. Sie wollen dort etwas tun, was nach dem jüdischen Gesetz vorgeschrieben ist: nach der Geburt des Kindes ein Reinigungsopfer darzubringen. Und noch etwas mussten sie nach dem Gesetz tun: Jede männliche Erstgeburt war Gott geweiht, dass heißt, sie gehörte Gott und musste durch ein Opfer ausgelöst werden.
Die Vorstellungen von Reinigung und Auslösung durch ein Opfer sind uns heute fremd. Dahinter steckt aber ein einfacher Gedanke: Maria und Josef bringen ihr Kind zum Tempel weil sie es als Geschenk Gottes sehen. Gott hat ihnen das Kind anvertraut. Sie hüten einen kostbaren Schatz, von dem sie nicht wissen, was einmal aus ihm wird. Mich berührt es immer, wenn ich diesen Gedanken auch heute noch in Geburtsanzeigen lese: "Wir sind dankbar und glücklich über die Geburt unseres Kindes."
Ich bin aber nicht nur ein Geschenk für meine Eltern. Es gehört zutiefst zum biblischen Menschenbild, dass ich mir selbst geschenkt bin. Mein eigenes Leben ist Geschenk.
Es kann sein, dass ich das zuweilen ganz anders erlebe. Wie oft ist das Leben mühselig und beschwerlich. An manchen Tagen würde ich morgens lieber nicht aufstehen, wenn ich daran denke, was ich an dem Tag alles tun muss. Und wie schnell kann das Gefühl aufkommen, das eigene Leben sei wenig gelungen und unglücklich. Dann kann es wie ein Hohn klingen, das Leben als Geschenk zu bezeichnen.
Darin steckt aber auch ein tröstlicher Gedanke. Gott hat dieses Leben in meine Hände gelegt, weil er mir zutraut, dass dieses Leben in meinen Händen gut aufgehoben ist. Und da, wo ich mich schwer tue mit diesem Leben, da will er mit mir dieses Geschenk bewahren und behüten. Er hat etwas mit mir vor, auch wenn ich es oft erst einmal nicht sehen kann.
Maria und Josef geht es im Tempel ähnlich. Die Umstände der Geburt Jesu waren alles andere als einfach. Doch dass Gott mit diesem Kind großes vorhat, Größeres, als sie sich vorstellen konnten, das wird ihnen im Tempel deutlich, als sie für ihr Kind danken und Gott um seinen Segen bitten.
Mich lädt die Geschichte dazu ein, mein eigens Leben immer wieder vor Gott zu tragen. Ihm zu sagen, dass ich mich manchmal schwer mit seinem Geschenk tue. Ich erfahre dann Trost und Zuversicht. Mir wird neu bewusst: Gott traut mir mein Leben zu und er hat etwas Gutes mit mir vor.
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