
Detail des Johannes-Altars im münsterschen St.-Paulus-Dom. - Christus wird umrahmt von einem Spruchband: "Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahegekommen. Kehret um und glaubt an die Heilsbotschaft." Johannes der Täufer weist zur Linken auf Christus hin: "Alles Fleisch soll schauen Gottes Heil." Mit dem Kelch des Neuen Bundes erinnert Johannes der Evangelist an den Opfertod des Erlösers: "Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingegeben hat...".
Geistlicher Impuls im Advent von Dompropst Alfers
Hoffnung suchen, die nicht auf der Straße liegt
Es sah doch alles so gut aus bei uns. Die Arbeitslosigkeit ging stetig zurück, die Steuerquellen sprudelten für Staat und Kirche, sogar öffentliche Schulden sollten abgebaut werden. Wenn sich auch viele fragten: Wann kommt denn etwas davon in unseren Geldbörsen an? Die Grundstimmung wies bergauf.
Schlagartig innerhalb weniger Monate verdüsterte sich der Himmel. Scheinbar allgewaltige Finanzinstitute straucheln; Rettung muss her. Die Rezession bedroht Erfolg verwöhnte Unternehmen. Die Sorge um die Sicherheit der Existenz hat wieder viele erfasst.
Hoffnung auf Pump zerplatzt wie eine Blase, Spekulationsblasen weltweit, wohin man schaut. Worauf soll man denn setzen, wenn der Traum von der schönen Welt so schnell auf dem Müllhaufen der sich immer schneller drehenden Entwicklung unserer Welt landet? Gibt es in allem Wandel überhaupt eine Gewissheit außer der, dass alles einmal dem Untergang und Tod anheim fällt?
Wie zu allen Zeiten, so waren auch vor 2000 Jahren die Menschen in Israel von Sorgen und Nöten gequält. Das Land lebte unter römischer Fremdherrschaft. Waren sie, die Glieder des Volkes Israel, nicht von Gott erwählt? Hatte er ihnen nicht eine große Zukunft versprochen im eigenen Land? Hatten nicht von Gott gesandte Propheten wie Jesaja den Menschen ein heiles Leben, ja Erlösung, versprochen? All diese Sehnsüchte wurden verkörpert in der Erwartung eines Messias. Gott wird diesen Messias schicken, sein Volk aus allem Elend zu befreien.
Zeugnis für das Licht
In dieser Situation predigt Johannes in der Wüste: Das Reich Gottes ist nahe. Da wurden Priester und Leviten zu Johannes geschickt mit der Frage: "Wer bist du?" Er selbst beschreibt seine Sendung so: "Ich bin nicht der Messias. Ich rufe in der Wüste. Ebnet den Weg für den Herrn, wie der Prophet Jesaja gesagt hat."
Zu Beginn seines Evangeliums schreibt der Evangelist Johannes über den Täufer Johannes: Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Was sollen wir heute in unserer komplizierten und globalisierten Welt mit diesem Mann in der Wüste und seiner Botschaft anfangen? Der Täufer gibt den entscheidenden Hinweis: "Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt." Und Johannes will sagen: "Er allein kann Euch und die ganze Welt heilen und zur Erfüllung führen. In ihm ist uns die ersehnte Nähe des unbegreiflichen Gottes geschenkt, der alleine Leben sein kann, weil er selbst Ursprung und Ziel allen Lebens ist."
Unser Leben und unsere Welt stecken voller Sorgen und schier unlösbarer Probleme. Wir können versuchen, sie zu ignorieren, sie wegzukonsumieren oder sie lautstark zu übertönen. Kommen wir damit zurecht, mit uns selbst und erst recht mit allen anderen? Ist das wirklich Leben, das dieses Wort verdient? Sehen wir die Armen, die Menschen mit gebrochenem Herzen, sehen wir die Zerrissenheit bei uns selbst.
Man kann jede Sehnsucht nach dem ganz anderen verdrängen. Man kann aber auch das Gefühl zaghaft zulassen. Ich spüre viel Dunkel in mir, in meiner Umgebung, in unserer Welt. Vielleicht beginne ich mich zu sehnen nach Licht, nach Heilung. Ich spüre, das ist etwas, das kann ich nicht organisieren, kaufen oder machen. Es ist wie die Liebe, die ich nur empfangen kann; soll sie mich ganz ergreifen und verwandeln.
Das ist die alte Botschaft des Täufers Johannes aus der Wüste, die die Christen bis heute weitersagen. Verschließe nicht die Augen vor tausenden von Enttäuschungen und zerbrochenen Hoffnungen der Menschen. In allen Sorgen des Alltags richtet euren Blick auf den, der allein das Leben ist.
Johannes spricht von dem, den dieser Gott sendet, weil er unser Leben und unsere Heilung will. Das gilt auch heute. Er sagt sogar: Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt.
Krisenfeste Botschaft
In deinem Leben, in jedes Menschen Leben, an jedem Ort der Welt, sei es im hellen Licht dieses vorweihnachtlichen Trubels oder in der Armseligkeit und dem Dunkel so vieler Menschen. Die Botschaft ist krisenfest, Johannes hat seinen Kopf dafür hingehalten.
Unzählig viele Menschen haben in der Geschichte durch die Jahrhunderte ihre Hoffnung darauf gesetzt, dass Gott uns nahe ist in seinem Sohn, unserem Bruder Jesus Christus. Er ist unter uns, ganz still, verborgen, aber wirksam für jeden, der ihn mit aller Sehnsucht seines Herzens sucht. In einem solchen Glauben haben viele Menschen das Leben gefunden, auch wenn sie es aus der Sicht mancher verloren haben.
So feiert die Kirche den Advent auch heute als Vorbereitung auf das Fest der Geburt des Erlösers Jesus Christus. Darin kann die große Chance liegen für jeden, nach einer Hoffnung zu suchen, die nicht auf der Straße liegt.
Ebnet dem Herrn den Weg, sagt Johannes eindringlich. Es liegt an jedem selbst, ob er in diesen Tagen dem Herrn den Weg bereiten will. Denn: Mitten unter uns steht der, den ihr nicht kennt.
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Text: Dompropst Josef Alfers | Foto: Michael Bönte
16.12.2009
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