
Subsidiarität: Die Gemeinschaft soll helfen, wo der Einzelne nicht mehr weiter kann.
Weihbischof Overbeck zur Wirtschaftskrise
Subsidiarität
Die wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Krise, die wir durchleben, hat viele Gründe. Dazu gehört es auch, dass sie das Prinzip der Subsidiarität nicht genügend beachtet hat. Es gehört zum Kernbestand der Katholischen Soziallehre. Das Wort Subsidiarität geht auf das lateinische "subsidium" zurück, das wörtlich übersetzt heißt "Hilfe aus der Reservestellung". Auf unsere Gesellschaft angewandt, bezeichnet Subsidiarität das ergänzende, hilfsweise Eingreifen der größeren Sozialgebilde zugunsten der einzelnen Menschen und der kleineren Lebenskreise. Dass die Gesellschaft nämlich Einzelnen helfen muss, ist eine klare Aussage des Prinzips der Solidarität aus wechselseitiger Verbundenheit und Verpflichtung. Darum ist Subsidiarität nötig, wenn es um die Aufteilung und Abgrenzung der zu beachtenden Zuständigkeiten geht.
Dies bedeutet konkret: Was der Einzelne aus eigener Initiative und mit seinen eigenen Kräften leisten kann, das darf ihm nicht entzogen und anderen Akteuren innerhalb von Politik und Gesellschaft zugewiesen werden. Es verstößt gegen die Gerechtigkeit, das, was von der kleineren Einheit geleistet wird, einer übergeordneten Größe zuzuschreiben. Hier wird deutlich, dass Tätigkeiten und Leistungen von Seiten der Politik und der Gesamtgesellschaft eine unterstützende Bedeutung haben, die die Tätigkeit des Einzelnen, der Familie, von Gruppen oder Organisationen unterstützen und ergänzen sollen.
Die Kirche wird nicht müde, in den heutigen Diskussionen auf dieses Prinzip hinzuweisen. Subsidiär zu handeln, bedeutet nämlich, einzelne Menschen und Gruppen vor einer gefährlichen Übernahme durch größere Einheiten zu schützen. Da zugleich jedoch Einzelne und kleine Gruppen niemals sich selbst genügen, sondern in ein größeres Gefüge eingeordnet sind, darum müssen sie nicht nur Gemeinschaftsaufgaben wahrnehmen, sondern auch zu gegebener Zeit die Hilfe der größeren Gemeinschaft in Anspruch nehmen können. Wie sich das ausgestaltet und was dies bedeuten kann, haben wir in den vergangenen Monaten an den vielfachen Diskussionen um das politische Eingreifen in die wirtschaftlichen und finanziellen Krisen deutlich sehen können.
Was das Subsidiaritätsprinzip bedeutet, beschreibt auf eindringliche Weise eine Szene aus dem Alten Testament. Im Buch Exodus wird Moses nämlich der Rat gegeben: "Allein kannst Du es nicht bewältigen … Gib dem Volk Vorsteher für je 1000, 100, 50 und 10! … Entlaste Dich und lass auch andere Verantwortung tragen!" (Ex 18,18-22).
Das können wir im heutigen Europa genau sehen, ist doch Europa als politische und gesellschaftliche Kraft von unüberschätzbarer Bedeutung. Im Alltag der EU erfahren nämlich viele die europäischen Gesetzgebungsmaßnahmen als schwierig und kaum plausibel. Oftmals werden Gesetze und Ausführungsbestimmungen erlassen, die lokal vor Ort nur schwer verständlich sind. Subsidiarität ist nötig, denn was vor Ort in den einzelnen Ländern geregelt werden kann und verantwortbar ist, muss auch dort geschehen. Hier werden Verantwortung und Freiheit konkret.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Geistlicher Impuls: Wirtschaftskrise und Katholische Soziallehre – Freiheit (17.08.2009)
Geistlicher Impuls: Wirtschaftskrise und Katholische Soziallehre – Verantwortung (18.08.2009)
Geistlicher Impuls: Wirtschaftskrise und Katholische Soziallehre – Solidarität (19.08.2009)
Übersicht: Geistliche Impulse von Weihbischof Overbeck
Text: Weihbischof Franz-Josef Overbeck | Foto: Albrecht E. Arnold,
pixelio.de
20.09.2009
Impulse verschiedener Autoren
In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.
Gebete und Bibeltexte
Die Übersicht über Gebete und Bibelstellen lädt ein, die Seele atmen zu lassen.
Impulse zum Kirchenjahr
Die Geistlichen Impulse, die Sie in dieser Übersicht finden, führen Sie durch das Kirchenjahr.
Marienmonat
Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.
Wohnungsnotfallhilfe
In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.
Landvolkshochschule
Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
Dossier: Maria
Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.
Kommunionempfang
Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de















Newsticker für Ihr Web