
Gerhard Hirschfelder wurde am 19. September 2010 in Münster selig gesprochen.
02. August
Seliger Gerhard Hirschfelder
Lebensdaten
Geboren am 17. Februar 1907 in Glatz (Schlesien), gestorben am 1. August 1942 im KZ Dachau.
Vita
Gerhard Hirschfelder kommt am 17. Februar 1907 als unehelicher Sohn der Schneiderin Maria Hirschfelder im schlesischen Glatz zur Welt. Seine Mutter kümmert sich rührend um ihn und erzieht ihn im katholischen Glauben, hat aber alle Hände voll zu tun, den Unterhalt für sich und ihren Sohn zu bestreiten. Trotz mancher Sorge um das Auskommen der Familie entwickelt Gerhard ein unbekümmertes und freundliches Wesen und ist als Spielkamerad beliebt. Später findet er Kameradschaft in der Quickborn-Gemeinschaft und in Theaterspielgruppen.
Durch ihr unermüdliches Schaffen ermöglicht ihm seine Mutter die höhere Schulbildung, Gerhard besteht 1927 sein Abitur. Sein nächster Weg soll ihn zum Theologiestudium ins Konvikt nach Breslau führen. Doch die Finanzierung erscheint zunächst ungewiss. Hier kommt ihm ein glücklicher Umstand zur Hilfe: Ebenso wie seinem Studienkollegen Ernst Heinze ermöglicht es ihm seine Heimatgemeinde in Glatz durch ein Stipendium, das Studium aufzunehmen.
Bevor Gerhard Hirschfelder schlussendlich die Priesterweihe empfangen kann, hat er noch weitere Hürden zu überstehen: Als unehelich geborenes Kind kann er nicht ohne eine besondere Erlaubnis aus Rom geweiht werden. Doch die päpstliche Dispens kommt zu spät in Breslau an. Während seine Mitbrüder aus dem Konvikt die Weihen zu Subdiakonen und Diakonen geschlossen empfangen, muss Hirschfelder am Rande zusehen. Erst einige Wochen später, im November 1931, wird auch er geweiht. Zur Priesterweihe durch den Breslauer Erzbischof Kardinal Bertram am 31. Januar 1932 kann er sich in die Riege seiner Studienkollegen einreihen. Allerdings wird es ihm wegen seiner Abkunft nicht erlaubt, den Primizgottesdienst in seiner Heimatpfarrkirche in Glatz zu feiern. Hirschfelder muss mit der Kapelle des Herz-Jesu-Klosters in Bad Langenau vorlieb nehmen.
Als erste Kaplansstelle wird ihm die Gemeinde in Grenzeck (Tscherbeney) zugewiesen. Hirschfelder, der aus der Jugendbewegung kommt und gerne zur Gitarre greift, entwickelt sich schnell zu einem beliebten Seelsorger, besonders bei den Jugendlichen des Ortes. Ein Jahr nach seiner Priesterweihe ergreifen die Nationalsozialisten die Macht. Schnell wird deutlich, dass sich Hirschfelders christliche Jugendarbeit und die NS-Ideologie diametral gegenüberstehen. Auch in Predigten scheut der junge Kaplan nicht das offene Wort, was ihm Warnungen durch Freunde wie versuchte Einschüchterungen durch Gegner gleichermaßen einbringt.
1939 wird Gerhard Hirschfelder auf seine zweite Kaplansstelle nach Habelschwerdt versetzt. Zusätzlich wird er zum Diözesanjugendseelsorger ernannt. Schon bald nach seiner Ankunft beginnt auch hier die Verfolgung durch die Nazis. Nach einem ersten Verhör lässt ihn die Gestapo zwar zwei Jahre lang in Ruhe, sammelt aber anhand seiner Predigten heimlich weiter Beweise und Anklagepunkte gegen Hirschfelder.
Am 27. Juli 1941 predigt er: "Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher." Der zuständige NS-Landrat, dem diese Worte tags darauf von Spitzeln vorgelegt werden, bezieht den Text der Predigt auf sich selbst, denn er ist kurz zuvor aus der Kirche ausgetreten. Ein sofortiger Haftbefehl gegen Hirschfelder ist die Folge. Ohne dass er verhört würde, bleibt der Geistliche viereinhalb Monate in der Glatzer Haftanstalt. Am 15. Dezember 1941 wird er von dort ins Konzentrationslager Dachau überstellt, wo er zwölf Tage später ankommt.
Im KZ werden die Priester zum Schneeräumen herangezogen – bekleidet nur mit dem dünnen Häftlingsanzug und mit Holzpantinen, anfangs sogar ohne Strümpfe. Eine weitere Aufgabe ist das Schleppen der 100 Kilo schweren Essensbottiche. Hirschfelder versieht diese Tätigkeiten ohne Murren, auch wenn sie ihm schwer fallen, weil er nicht besonders kräftig ist. Er sieht sein Leben im Lager als Dienst an der Kirche und setzt sich in Demut und Gebet weiterhin für die Christen ein. Im März 1942 wird er in den Priesterblock verlegt. Es ist ihm eine innere Freude, nunmehr im Kreise der Mitbrüder die Heilige Messe mitfeiern zu können.
Sein gesundheitlicher Zustand jedoch leidet zusehends. Hirschfelder ist bereits durch die Monate in der Haft in Glatz körperlich geschwächt, nun kommen die schwere Arbeit und die mangelnde Ernährung im Lager hinzu. Schließlich zieht er sich durch eine Salmonelleninfektion eine Paratyphus-Erkrankung zu. Wie Mithäftlinge später erzählen, lässt ihn wegen dieser Krankheit ein Aufseher zwei Stunden lang unter einer kalten Dusche stehen. Von der daraus resultierenden Lungenentzündung kann sich der geschwächte Körper Hirschfelders nicht mehr erholen. Er stirbt am 1. August 1942 im Konzentrationslager Dachau.
Im September 1998 wurde das Seligsprechungsverfahren für Gerhard Hirschfelder eingeleitet. Am 19. September 2010 sprach der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, im Auftrag Papst Benedikts XVI., den Glaubenszeugen im münsterschen St.-Paulus-Dom selig.
Namensbedeutung
"Gerhard" ist althochdeutsch und bedeutet "der mit dem Speer Kühne".
Namensableitungen
Gerd, Gert, Garrit, Gerrit, Geert, Gerell, Gerke.
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Text: Thomas Mollen | Foto: Archiv
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