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17.08.2017
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Stefan Sühling
Stefan Sühling sieht ein Fundament der Kirche, auf dem sich "Enormes" aufbauen lasse.

Domvikar Sühling leitet das Seelsorgeamt

"Abriss war nie mein Ding"

Bistum. Die Giebel und Dachpfannen rücken zu einer Fläche zusammen, so dass der Blick über das rote Meer der münsterschen Dächer nur hin und wieder an jenen Bauwerken halt macht, welche die unruhige Ebene markant durchbrechen – zumeist Kirchtürme, aber auch Bürogebäude oder Funktürme. Die Aussicht aus dem obersten Stock des Seelsorgeamtes des Bistums Münster hat für Domvikar Stefan Sühling Symbolkraft: "Ein Bild dafür, wie Kirche in Zukunft sein wird." Sühling übernimmt zum Juli 2004 die Leitung der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster von seinem Vorgänger Domkapitular Walter Böcker.

"Wir werden nicht mehr die Fläche haben", übersetzt der 39-Jährige das Bild. "Aber wir werden wie diese Kirchtürme Schwerpunkte haben – dort, wo alle wissen: Hier lebt Kirche." Auch wenn mittlerweile einige Bauwerke die Kirchturmspitzen überragen, "kann die Kirche gar nicht von anderen Dingen überholt werden", ist seine tiefe Überzeugung. Wenn Sühling das sagt, spricht nicht nur der Seelsorger, sondern auch der Baufachmann. Als gelernter Bauzeichner kennt er das Bild von beiden Seiten. Seine Diplomarbeit schrieb er über die Architektur einer Kirche in Karlsruhe. Substanz, Baustoff, Statik sind keine Fremdworte für ihn.

Blick nach oben

Ein Hintergrund, der ihm beim Blick auf die Situation der Kirche hilft: "Die Kirche meiner Diplomarbeit war in einer Häuserzeile kaum zu erkennen, nur der Giebel ragte etwas höher und das Dach war aus Glas." Der Blick nach oben erst habe dem Betrachter das Signal gegeben: "Hier ist etwas Besonderes!" Die Aktion des Menschen mache die Kirche zu dem, was sie ist: Kein Baudenkmal, keine historisches Gebäude, das immer weiter in die Isolation gedrängt werde, sondern ein Raum, der mit Inhalt, mit Kommunikation, mit Leben gefüllt werden müsse. "Und genau das ist die Aufgabe der Seelsorge."

Wenn im Augenblick über die Strukturen dieser Seelsorge diskutiert werde, müsse man das bedenken. "Denn wir meinen eigentlich zwei Dinge – die rechnerische Größe der Gemeinde und die Beheimatung für die Menschen, die aktiv Glauben leben wollen." Zwei Werte, die nicht immer passgenau sind, das weiß Sühling, der deshalb die Pflicht zur Sorgfalt sieht, "in den neuen territorialen Grenzen Heimat zu erhalten". Gremien, Gruppen, Haupt- und Ehrenamtliche müssten sich mit ihrer Aktion in der neuen Struktur zuhause fühlen können. "Es muss möglich sein, dass die Messdiener auch am neuen Altar ihre Heimat finden."

Ganz ohne Auseinandersetzungen und Schmerzen sei das wohl nicht möglich. "Wir müssen uns bewusst sein, dass es hier um den Glauben der Menschen geht, um religiöse Gefühle, da reagiert jeder sensibel." Aber auch hier melde sich bei ihm das Grundvertrauen: "Das kann nicht nur negativ sein, was wir in den nächsten Jahren erleben werden." Vielleicht sogar festigend, neuen Halt gebend: "Denn mit den neuen Strukturen brechen ja nicht unsere Inhalte zusammen."

Solide Substanz

Die blieben fest stehen, wie das Fundament eines alten Kirchturmes. "Ein massiver, alter Sandstein ist so stabil, dass man mit dieser soliden Substanz Enormes anfangen kann." Sühling weiß das, auch weil er vor Beginn seines Theologiestudiums 1989 vier Jahre in einem Architekturbüro arbeitet. "Abriss alter Gebäude fand ich immer schrecklich, ich wollte lieber alte Grundsubstanz umgestalten." Auch wenn nicht alle Kirchtürme erhalten werden könnten, so greife das heute auch in der Seelsorge noch für ihn: "Die Frage ist, wie man die Geschichte eines Bauwerks für heute nutzbar machen kann."

Viel erhalten und trotzdem Neues schaffen. "Alte Bauten haben eine Würde, die durch Neubauten kaum erreicht werden kann." Mit der Botschaft der Kirche müsse man wie beim Umbau eines alten Gemäuers verantwortungsvoll umgehen. Zusätze und Überlagerungen dürften dabei durchaus weichen, um wieder an die Grundsubstanz zu gelangen. "Das alte Fundament für die Menschen heute nutzbar gestalten", beschreibt Sühling das.

Auch beim Blick auf eine immer unüberschaubar werdende Gesellschaft werde ihm deshalb nicht bange. Das Vertrauen in diese Grundsubstanz könne ihm nicht geraubt werden: "Dafür bin ich in der Wolle viel zu katholisch gefärbt." Die Färbung holte er sich in seiner Jugend: "Eine klassische Karriere in der Jugendarbeit eines katholischen Ortes." Messdiener war er in St. Laurentius in Coesfeld und auch das Familienleben legte Grundsteine. "Richtig klassisch, mit Vater und Mutter in die Kirche, Tischgebete – überhaupt nicht in Frage gestellt."

Ohne Schnörkel

Wohl hinterfragt, später, als er auf dem Overberg-Kolleg in Münster das Abitur nachholte oder während des Theologiestudiums. "Den Schritt von der Herkunft zur Entscheidung macht jeder." Sühling machte ihn und warf die Tradition dabei nicht über Bord. "Ein Beispiel: Ich bin in einem schlichten Nachkriegs-Kirchengebäude groß geworden – eine nüchterne Grundfärbung, die mich geprägt hat." Weiß, ohne viel Schnörkel, wenig bunt – er erinnert sich an eine Zitat von Rudolf Schwarz, einem berühmten Kirchenarchitekten des vergangenen Jahrhunderts: "Die Mystik der leeren Wand."

Und wie soll das "Bauwerk Kirche" künftig lebendig bleiben? "Zwei Dinge sind zu tun", sagt er. Ohne große Aufregung, weil er das beschreibt, was Jahrtausende die Mauern füllte: "Das Reich Gottes unter den Menschen verkünden und ihre Sorgen und Nöte, ihre Freude und Hoffnung mit ihnen teilen."

Eine große Aufgabe für die Seelsorger vor Ort, keine Frage. Sühling nickt: "Einen uniformen Typ gibt es da nicht, jeder wird seine Situation anders bewerten – der eine als Turm in der Schlacht, der andere eher taktisch, wie der Turm beim Schachspiel." Er selbst habe in den vier Jahren als Kaplan in Stadtlohn St. Otger und den folgenden vier Jahren als Diözesanjugendseelsorger auch seinen eigenen Stil entwickelt: "Nicht als Wächter, sondern als Begleiter, der hilft, den eigenen Glauben zu entwickeln und zu festigen."

Nerv der Zeit

Eine Zeit, in der er auch die Erfahrung machen musste, nicht immer gehört zu werden. Aber auch das Erlebnis, dass plötzlich die Türen eingerannt wurden, weil er "den Nerv der Zeit" getroffen habe. Die Kar- und Ostertage auf der Jugendburg in Gemen oder Großereignisse wie das Weltjugendtreffen nennt er und erkennt darin eine Ermutigung für alle Kräfte in der Seelsorge: "Plötzlich passt etwas und die Menschen springen drauf an." Und wieder: "Da habe ich ein unerschütterliches Vertrauen: Das wird immer wieder passieren."

Die Begegnungen mit den Menschen seien es gewesen, die für ihn bei aller Verwaltung die "Highlights" ausgemacht haben. Und jetzt? Geht es für ihn allein um die Organisation dieser Begegnungen? "Ich hoffe nicht." Das Seelsorgeamt habe zwar die Aufgabe, den Seelsorgern vor Ort Hilfe und Unterstützung anzubieten. Auf den direkten Kontakt mit den Menschen möchte er aber nicht verzichten. "Ich setze dabei auch auf die Feiern des Bistumsjubiläums und das Weltjugendtreffen im Jahr 2005."

Denn nur aus seinen direkten Kontakten könnte er neue Ideen für den direkten Kontakt der Seelsorger im Bistum kennen lernen. "Ich kann nicht alles und weiß nicht alles – aber es gibt viele erfahrene und kreative Köpfe im Bistum, die Schätze für die Seelsorge schaffen." Diese gelte es zu heben und für andere nutzbar zu machen. "Eine Form der Serviceleistung, die den Seelsorgern den Rücken freihält."

Neue Grundstimmung

Rückendeckung für eine Arbeit, die nicht einfacher werde, sagt Sühling. "Das hat mir die Zeit in der Jugendseelsorge gezeigt – eine Trendschau für das, was kommen wird." Die Jugendlichen hätten in der pluralen Gesellschaft nur noch durch "wirkliche gute Angebote" erreicht werden können. "Den Menschen etwas zutrauen, ihnen den Raum geben, Ziele auch selbst kreativ definieren zu können" – das seien Formen, die eine Chance hätten.

Und sein persönliches Ziel? Ein neue Grundstimmung wünscht er sich: "Ich hoffe, dass in ein paar Jahren kein gedrücktes, lähmendes Gefühl mehr herrscht, sondern ein unbeschwertes Christsein möglich ist." Die Türen unten am Turm müssten dafür geöffnet werden, denn "den Menschen begegnet man auf dem Boden der Tatsachen, nicht in luftiger Höhe". Ihnen am Fundament der Kirche zu signalisieren, dass es Antworten gibt, das sei sein Ding: "Wo sich dieser Ansatz zeigt, werde ich mithelfen."

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  1. Öffnet externen Link im aktuellen FensterVisitenkarte von Stefan Sühling
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Text: Michael Bönte | Fotos: Michael Bönte
25.06.2004

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