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10.02.2012
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Schwester Marlene Schmidt
Schwester Marlene in ihrem Büro in der Gemeinde St. Katharina von Siena in Recklinghausen. Neben der Gemeindearbeit ist die Krankenhauspastoralreferentin in zwei Altenheimen tätig.

Internetseelsorgerin Schwester Marlene Schmidt

Lobby für Alte und Kranke

Recklinghausen. Das Leben des heiligen Franziskus fasziniert sie: "Er hat sich konsequent auf die Seite der Menschen gestellt, die keine Lobby haben", sagt Schwester Marlene Schmidt. Dies ist auch eine Motivation der Ordensfrau bei ihrer Arbeit als Krankenhaus-Pastoralreferentin in der Gemeinde St. Katharina von Siena in Recklinghausen: "Mein Anliegen ist, bei den Menschen zu sein. Ich möchte wie Franziskus mit Menschen unterwegs sein, die keine Lobby haben."

1987 ist sie in die Gemeinschaft der Mauritzer Franziskanerinnen eingetreten. In ihrer Heimatgemeinde St. Ludger in Friesoythe-Neuscharrel hat die gelernte Bürokauffrau Kontakt zu dem Orden bekommen, der seinen Sitz in Münster hat. Die Schwestern waren in einem Krankenhaus tätig, in dem Marlene Schmidt zwölf Jahre lang einen Sonntagsdienst übernommen hatte. Zu ihren Aufgaben gehörte damals, den kranken Menschen zum Beispiel Essen zu bringen und in der Pflege mitzuhelfen.

Seelsorge ist Luxus

"Wenn ich in einen Orden eintrete, gehe ich in eine franziskanische Gemeinschaft", hatte sie sich damals vorgenommen. Denn Franziskus war ein Vorbild: nicht nur durch seinen Einsatz für Menschen am Rand der Gesellschaft. "Er hat radikal und konsequent sein Leben umgestellt. Ich war und bin begeistert davon." Auch mit seiner Beziehung zu Christus hat sich die Ordensfrau viel beschäftigt und versucht, diese in ihrem Leben umzusetzen.

Ihr Postulat und Noviziat verbrachte sie im Mutterhaus in Münster. Spätere Stationen waren Seppenrade, Telgte, Brake und Horstmar. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenhaus-Pastoralreferentin im Bistum Münster und ihrem praktischen Einsatz in der Uni-Klinik in Münster lebt und arbeitet sie seit 2003 in Recklinghausen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Alten- und Krankenseelsorge in zwei Altenheimen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und in der Gemeinde St. Katharina von Siena.

Morgens setzt sie sich ins Auto und fährt zu den beiden Altenheimen, in denen 200 alte und kranke Menschen leben. "Seelsorge im Altenheim ist oft Luxus", weiß Schwester Marlene. Vom Pflegepersonal lässt sie sich sagen, wo sie besonders gebraucht wird. Der Kontakt zur Hausleitung und zu den Mitarbeitern sei "die halbe Miete", sagt Schwester Marlene. "Gute Beziehungen sind von großem Wert, weil ich da hingehen kann, wo Hilfe Not tut."

Beziehung trotz Pflegenotstand

Altenheime dürften nicht als Ghetto betrachtet werden, sagt die Ordensfrau. "Der alte Mensch gehört dazu, und er gehört zur Gemeinde." Gerade für diese Gruppe möchte sie ein Sprachrohr und eine Anwältin sein. "Das sind Menschen, die es verdient haben, dass man sich um sie kümmert", sagt die 57-Jährige. Viele seien froh, wenn jemand einfach Zeit für sie habe und ihnen zuhöre.

Besonders Menschen mit Demenz lebten in ihrer Vergangenheit, erzählten ihr vom Krieg, vom Einmarsch der fremden Truppen. Vor allem aber berichteten sie vom täglichen Leben: wie sie sich gegenseitig geholfen oder ihr Brot miteinander geteilt hätten - Dinge, die in keinem Geschichtsbuch stehen. "Ich bekomme ganz viel aus ihrem Leben mit", sagt Schwester Marlene. Den Ausspruch "Wenn ein alter Mensch stirbt, stirbt eine Bibliothek" könne sie aus ihrer Erfahrung nur bestätigen.

Arbeit mit Herz

Viele Menschen begleitet die Ordensfrau über eine längere Zeit. "Trotz Pflegenotstand kann ich eine Beziehung aufbauen." Und dabei ihr Anliegen und ihren Auftrag verwirklichen, nah bei den Menschen zu sein. Nicht nur bei den Bewohnern, auch bei deren Angehörigen. "Bei meiner Arbeit brauche ich das Herz", sagt Schwester Marlene. "Gerade Demenzerkrankte merken ganz schnell, ob man mit Herz dabei ist."

Distanz und Nähe seien sehr wichtig. Durch ihr Ordenskleid gelinge es ihr jedoch schnell, eine Beziehung zu den Menschen aufzubauen. "Das gibt mir ganz viel Vertrauensvorschub, selbst bei Leuten, die der Kirche fern stehen." Die Menschen merkten, dass jemand für sie da sei, dem sie ihr Herz ausschütten können. Und sie merkten, dass die Ordensschwester dabei Diskretion bewahre.

Glaube ist Fundament

Bei einer persönlichen "Tagesschau" hält sie am Abend Rückblick über den Tag. "Ich überlege, was war, was ich getan habe und wie ich es getan habe, und gebe das ab", sagt Schwester Marlene. "Gott ist mein gesprächspartner." Die Eucharistiefeier und das Stundengebet, Meditationen und das Beschäftigen mit der Heiligen Schrift seien ihre Kraftquellen. "Mein Fundament ist mein Glaube, und Gott ist die Mitte meines Lebens."

Bis Januar 2008 hat sie in einem kleinen Konvent gelebt. Als die alten Mitschwestern das Krankenhaus verließen, blieb sie allein in Recklinghausen. Guten Kontakt hält sie zu ihren Mitschwestern in Münster. Der Kontakt per Telefon und E-Mail ist ihr wichtig. Sie arbeitet in der Weggemeinschaft mit, einer Laiengemeinschaft ihres Ordens. Dort kommen Menschen zusammen, die versuchen möchten, den franziskanischen Geist in ihrem Alltag zu leben, die ihren Glauben vertiefen und über Zweifel reden möchten.

Außerdem besucht Schwester Marlene die Gottesdienste der Gemeinden, bei den Clemensschwestern im Prosper-Hospital und kann das Recklinghäuser Gasthaus als "geistliche Oase" nutzen. Manchmal jedoch vermisse sie den direkten Austausch mit den Mitschwestern. "Manchmal ist es schwer, manchmal tut es aber auch gut, allein zu sein."

Blick über den Tellerrand

Neben der Arbeit in den beiden Altenheimen betreut die Ordensfrau auch ältere Menschen in der Gemeinde. Man dürfe nicht nur den ganzen Tag in einer Einrichtung verbringen, sondern müsse die Augen über den Tellerrand richten. "Die Menschen im Altenheim sind versorgt", sagt Schwester Marlene. "Draußen verwahrlosen viele." In der Gemeinde gebe es viele alte und allein stehende Menschen. So macht sie Hausbesuche und Geburtstagsbesuche, bringt die Krankenkommunion und betreut  Seniorengruppen. Außerdem leitet sie Trauergesprächskreise, arbeitet im Beerdigungsdienst mit und übernimmt katechetische Aufgaben bei der Firmung.

Neben ihrem Beruf ist ihr auch das ehrenamtliche Engagement wichtig: Wie es ihre Zeit erlaubt, setzt sie sich beim ambulanten Kinderhospizdienst in Recklinghausen ein. "Es ist wichtig, dass ich als Hauptamtliche einen Punkt habe, wo ich mich ehrenamtlich einbringe", sagt Schwester Marlene. In den Altenheimen könne sie auf zahlreiche ehrenamtliche Helfer zurückgreifen, die die Bewohner zum Beispiel zu Gottesdiensten bringen oder mit zu Beerdigungen gehen, wenn keine Angehörigen da sind. Da sei es selbstverständlich, sich auch selbst unentgeltlich einzubringen. "Ich kann nicht nur von anderen etwas erwarten. Reden und Tun sollten eigentlich übereinstimmen." Das sei auch dem heiligen Franziskus wichtig gewesen: "Das umzusetzen, was ich unter Evangelium verstehe, ist auch mein Anliegen."

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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
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