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27.05.2017
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Auferweckung des Lazarus
Auferweckung des Lazarus.

Offenbarwerden der Menschenfreundlichkeit Gottes

Wunder

"Wunder gibt es immer wieder!" Dieser alte Schlagertext scheint sich zu bestätigen, wenn außerordentliche Dinge passieren; man denke etwa an das "Wunder von Lengede" vor Jahrzehnten, als wider Erwarten Bergleute aus der Tiefe eines verschütteten Schachtes gerettet werden konnten. Ein Auto überschlägt sich mehrmals, und die Insassen werden nur leicht oder gar nicht verletzt. Ein Skifahrer wirbelt durch die Luft und schlägt so hart auf, dass die Zuschauer um sein Leben bangen müssen, und wenige Tage später wird er zweifacher Olympia-Sieger!

Ein kleiner Junge fällt in eiskaltes Wasser, wird völlig unterkühlt und ist klinisch tot – und überlebt ohne jeden Schaden, was sonst praktisch nie vorkommt. Ein Wunder ist für viele Zeitgenossen, wenn etwas Unerklärliches passiert, das den Regeln der Naturgesetze oder einfach der menschlichen Erfahrung und Erwartung widerspricht.

Die Gesetze der Naturwissenschaft sind dann der Maßstab für das "Wunderbare". Auch gläubige Menschen haben oft ein solches Wunderverständnis und erkennen in dem Verursacher des Außergewöhnlichen den Gott, der ja "allmächtig" ist und sich souverän über die Naturgesetze hinwegsetzt, wenn er will. Heute kommen wir immer wieder auf das Wunderverständnis der Bibel zurück.

In der Bibel ist das Wichtigste beim Wunder nicht die Unnatürlichkeit des Geschehenen, sondern das Offenbarwerden der Menschenfreundlichkeit Gottes. Ohne Gottes fürsorgliche Liebe kein Wunder! In der Bibel ist die ganze Schöpfung ein großes Wunder, das den Menschen zur Dankbarkeit geradezu zwingt: Man lese etwa den herrlichen Schöpfungspsalm 136: "Er allein hat große Wunder getan!" Denn die Schöpfung ist nach dem Verständnis des biblischen Menschen weder in ihrer Herkunft noch in ihrem Bestand abhängig von Natur- und Fruchtbarkeitsgottheiten, sondern von dem großen Gott Jahwe.

Und dass der Mensch einen guten und zielgerichteten Weg durchs Leben geht: Das sind Wundertaten Gottes, wie wir aus dem Psalm 107 wissen. Menschen erfahren durch göttliche Hilfe Rettung und Überleben. Dass andere Menschen diese Erfahrung göttlicher Rettung nicht machen, wird in der Bibel nicht diskutiert. Das ist eher ein Problem heutiger Menschen.

Das Neue Testament berichtet von Zeichenhandlungen Jesu: Jesus will beispielhaft deutlich machen, dass die Herrschaft des liebevollen Gottes bereits im Kommen ist, an einigen Stellen der Geschichte schon erfahrbar für den, der "glaubt"; gemeint sind damit Menschen, die sensibel sind für Gottes Spuren und die Gottes Wirken für sicherer und verlässlicher halten als eigene Sicherungsversuche. Der Führung Gottes kann und darf der Mensch sich anvertrauen. Das ist der Sinn der Wundererzählungen, die zu solch gläubiger Gottesnähe Mut machen wollen. Mit Zauberei hat das nichts zu tun, auch wenn Menschen immer wieder "Wunder-Wirken" und "Zaubern" miteinander verwechseln.

In einem sehr hilfreichen Buch mit den Titel "Was die Bibel Wunder nennt" wird das Wunderverständnis der Bibel so definiert: "Wunder sind auffallende Ereignisse, die von glaubenden Menschen als Zeichen des Heilshandelns Gottes verstanden werden." Die Wundererzählung der Evangelien verkündigen den auferstandenen Christus, der in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft das Heil schafft. Menschen erfahren diese Heilszuwendung Jesu im Wort der Schrift, in der eucharistischen Mahlgemeinschaft und im fürsorglichen Dienst füreinander, besonders für Menschen in Not.

Die Wundererzählungen der Bibel geben also nicht protokollartig vergangene Ereignisse wieder, sondern erzählen von dem gegenwärtigen Wirken Jesu. Nicht etwa, dass Brot im Überfluss da ist, ist das Wunder, sondern dass Menschen, die sonst gewöhnlich auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, miteinander das Wenige teilen, das sie haben, ist das größere Wunder. Nicht, dass einer wieder sehen kann, ist das große Wunder, sondern dass einer Jesus als den Sinn seines Lebens erkennt und radikal diesem Jesus nachfolgt ohne Wenn und Aber.

Viele Menschen damals haben aber die wunderbare Zeichen Jesu nicht als Offenbarungen eines liebevollen Gottes erkannt, und auch heute ist bei vielen das Spektakuläre und Unnatürliche eines "wunderbaren" Ereignisses wichtiger als die Dimension des sich auf einen liebevollen Gott berufenden Glaubens. Ob dabei Naturgesetze durchbrochen werden, ist dann letztlich unwichtig. Wichtig ist, dass sowohl in den alltäglichen Wundern des Lebens als auch in den Stunden besonderer Erfahrung der göttlichen Führung erkannt wird, dass Gott unser Heil will und uns Menschen zur endgültigen Gemeinschaft mit ihm führt. Das Leben ist, wenn es mit den Augen des Glaubens betrachtet wird, geradezu voll von Zeichen eines sich uns menschenfreundlich zuwendenden guten Gottes.

Zitat:

Das Wunder bringt dem Menschen zum Bewusstsein, dass er nicht weiß, was in ihm selbst und in der Welt alles geschehen kann. Der Mensch wundert sich, wenn die Welt etwas von ihren eigentlichen Zielen erkennen lässt. Im Wunder spürt der Gläubige die beginnende Wirkung der neuen Schöpfung, in die der Auferstandene bereits eingegangen ist.
(Glaubensverkündigung für Erwachsene S. 121)

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Medientipp:

Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Michael Bönte
Februar 2009

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