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30.03.2017
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Weg
Franziskus von Assisi besingt den Tod als einen Bruder, der uns zum Vater nach Hause geleitet.

Gedanken zum Thema Tod

Nicht allein gelassen

Was auch immer man vom Tod denkt, was immer man in ihm oder hinter ihm sieht: Er ist etwas Undurchdringbares, etwas Zwiespältiges, das bleibende Rätsel. Er ist das Schlimmste, was uns passieren kann, weil er das Leben nimmt, sagen die einen. Andere sehen in ihm das Tor zum ewigen Leben, oder die Grenze zum Land der Freiheit, wo es keine Tränen, keine Angst und keine Schmerzen mehr gibt. Die Gestalten, in denen uns der Tod begegnet, sind so vielfältig, wie es Schicksale und Charaktere des Menschen gibt.

Franziskus von Assisi besingt den Tod als einen Bruder, der uns zum Vater nach Hause geleitet. Andere sehen im Tod die einzige Gerechtigkeit, weil keiner ihm entkommt. Aber diese Gerechtigkeit ist tödlich und auf solche Gerechtigkeit könnte man wohl verzichten. Vor allem möchten wir dem Tod gerne auf die Schliche kommen, seinen Sinn sehen, ihn gerne verstehen.

Die Bedrohung im Tod, die Dunkelheit, der Untergang – das Nichtwissen um das Danach führt zu verschiedenen Haltungen gegenüber dem Tod und dem Jenseits. Der antike Philosoph Epikur sagte: „Der Tod geht uns nichts an, denn solange wir sind, ist der Tod nicht da; und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr. Er geht also weder die Lebenden an noch die Toten“.

Da diese Logik aber nicht hilft, um mit dem Tod fertig zu werden, meinen die einen, man solle über ihn besser einfach nur Gutes sagen, und die anderen empfehlen als die richtige Einstellung regelrechten Hass. Die Dritten versuchen ihn zu verdrängen, in dem sie gar nicht über ihn reden oder es sich sogar versagen, über ihn nachzudenken.

Es sind einige tausend Bücher allein in deutscher Sprache geschrieben worden über den Tod. In den Medien, in Film, Funk, Theater wird das Thema häufig behandelt. Die ausführlichen Berichte von und über den Tod und das Sterben berühmter Männer und Frauen sorgen dafür, dass der Tod Thema bleibt.

Der Versuch, die Schranken zu durchbrechen, die er uns setzt, will und muss alle Blicke auf sich lenken. Aber die Schranken zum Jenseits bleiben eben zu. Sie verstellen uns den Blick nach „drüben“. Dagegen helfen auch die Berichte moderner Todesforscher nicht, über Erfahrungen von Reanimierten, über Nah-Tod-Erleben, über ein Jenseits, in dem es unbeschreiblich schön ist, weil man dort nur Licht und Wärme erfährt. Und eine Liebe, von der die Menschen im Diesseits nicht mal die geringste Ahnung haben.

Der Tod bleibt das eigentlich Böse, was uns in der Welt begegnet. Vor allem der Tod des Nächsten. Der eigene Tod kann vielleicht mit weniger Angst erwartet werden; wer sich aber hinter ihn zurückzieht, handelt egoistisch. Denn wir erleben vor allem den Tod des geliebten Menschen als etwas Fürchterliches.

Zwei Sterbemodelle sind im Abendland von hervorragender Bedeutung: Das Sterben des griechischen Philosophen Sokrates (399 v.Chr.) und das des Jesus von Nazareth. Beider Sterben ist oft verglichen worden, weil beide aus ähnlichen Gründen verurteilt wurden und beide den Tod willig annahmen. Sokrates wurde der Gottlosigkeit und der Verführung der Jugend angeklagt und zum Tod durch den Giftbecher verurteilt. Wer wie er das Sterben und den Tod beherrscht, weil er weiß, was nach dem Tod ist und das auch beweisen kann, der kann nicht nur gelassen und ruhig sterben, sondern sogar heiter und mit einem Scherz.

Der Leib, mit dem wir zutiefst in das Vergängliche verflochten sind, lässt im Tod die Seele frei. Ihr kann der Tod also nichts anhaben. Sie ist nicht antastbar von Glück oder Schmerz. Der Tod wird zum Freund der Seele. Mit deutlichem ironischem Unterton sagt Sokrates seinen Schülern, dass der wahre Sokrates schon entwischt sein werde ins Reich der Ideen, wenn man sich um seine Leiche bemühe. Heiter und gelassen trinkt der Meister des Sterbens den Schierlingsbecher. Dieses Sterben ist so einfach.

Jesu stirbt nicht so heroisch. Er stirbt wie Menschen in Krankenhäusern, auf Intensivstationen, auf Autobahnen, auf Schlachtfeldern… Er nimmt den Leidenskelch nicht klaglos hin, sondern beginnt zu zittern und betet, dass er an ihm vorübergehe. Er fühlt sich sogar von Gott verlassen. Diese Verlassenheit von jeder Sicherheit und innerem Halt macht den Tod auch für Jesus schrecklich, obwohl im Hintergrund für ihn ein letztes Vertrauen steht, das ihn letztlich vor dem Tod auffängt. Er betet: „Vater, in deine Hände gebe ich mein Leben“ (Lukas 23,46)

Die Unterscheidung der modernen Philosophie zwischen Körper und Leib kann Hilfe sein, annährend zu verstehen, was Unsterblichkeit meint. Der Körper stirbt im Tod endgültig. Körper, das ist alles, was am Menschen physikalisch, biologisch, chemisch messbar ist. Das ist vergänglich und geht im Tod unter wie Paulus das im Korinter-Brief deutlich sagt: „Das Verwesliche erbt nicht das Unverwesliche“ (1 Kor 15).

Alles, was der Mensch im Leben  „begriffen“ hat, geistig in den Griff genommen hat, ist ihm nur auf dem Weg über die Sinne zugekommen. Der Geist, die Seele, kann also im Tod nicht einfach leiblos werden. Was bleibt ist das Unverwesliche. Aber Unsterblichkeit kommt dem Menschen nicht von Natur aus zu, sondern als Geschenk der Gnade Gottes.

Diese Gedanken, beantworteten nicht alles. Es bleibt immer die Dunkelheit des Todes und es bleibt das Geheimnis des unbegreiflichen Gottes. Christen sollten sich vor Augen halten, dass es einen Tod gibt, “der unerlässlich produktives Vorbild unseres Todes ist“, weil er „den Tod zur Tat gemacht hat“, wie der Theologe Karl Rahner formulierte: der Tod des Jesus von Nazareth.

Man sollte sich die Symbolik vor Augen halten, die im Bericht über die zwei Mitgekreuzigten zum Ausdruck kommt. Beide lästern über Jesu Tod, weil sie nicht verstehen, wie man so sterben kann. Der eine der beiden ist sich seiner Schuld im Leben bewusst und bittet Jesus, ihn nachher nicht zu vergessen, wenn er in sein Reich kommt. Ihm sagt der gekreuzigte Jesus:  „Heute wirst Du mit mir im Paradies sein.“( Lukas 23. 43)

Zum Lästerer auf der andern Seite am Kreuz sagt Jesus nichts. Das ist das Schlimmste, was uns im Tod passieren kann: das Schweigen Gottes, wenn wir die absolute Selbstbestimmung wählen, die allein mit allem fertig werden will. Das selbstgewählte oder auferlegte Alleinbleiben im Sterben muss die Hölle sein. Sich in die barmherzigen Hände Gottes fallen lassen können, wird der Himmel sein.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Übersicht: Sterben und Tod
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche von A bis Z: Krankensalbung
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterGlaubens-ABC: Krankensalbung

Buchhinweis:

Edilbert Schülli:
Wie gelebt – so gestorben.
Erfahrungen eines Krankenseelsorgers.
Aschendorff Münster. 2002.

Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterEdilbert Schülli | Foto: Michael Bönte
Juni 2002

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