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23.01.2017
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Fegefeuer
Von Engeln aus dem Fegefeuer gerettet.

Befreiende und vollendende Reinigung

Fegefeuer

Die spätmittelalterliche Malerei hat mit den Darstellungen von Menschen, die im Feuer leiden, aber von Engeln aus dem Feuer gerettet werden, die Vorstellung der Christen vom "Fegefeuer" stark mitgeprägt. Dahinter steckt die von der Kirchen sehr behutsam verkündete Lehre, dass es nach dem Tod ein Übergangsstadium zur endgültigen Vollendung gibt. Bevor die Menschen zur ewigen Vollendung bei Gott kommen, müssen sie eine Phase der befreienden und vollendeten Reinigung durchmachen; das ewige Leben wird also als ein Prozess der Vollendung verstanden.

Im Alten Testament (2 Makk 12, 42-45) gibt es einen klaren Hinweis darauf, dass es gut und heilsam ist, "für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden"; von einem Reinigungs-"Ort" ist allerdings weder hier noch in späteren Glaubensdokumenten die Rede. Was das Feuer betrifft: Im ersten Korintherbrief (3. Kapitel, 15. Vers) spricht Paulus vom Menschen, der gerettet wird "wie durch Feuer hindurch" – eine schwierige Stelle.

Jedenfalls wird das Feuer in dieser Bibelstelle unmissverständlich als Bildwort und Vergleich, nicht als Zustandsbeschreibung gebraucht: Wie durch Feuer! Dahinter steht die Vorstellung von der reinigenden Kraft des Feuers, das etwa aus einem Klumpen Erz das kostbare Metall von den Reststoffen trennt.

Es ist ja gut verständlich, dass der Übergang vom bisweilen recht chaotischen irdischen Menschleben zur endgültigen Gemeinschaft mit Gott nicht "nahtlos" geschieht, sondern dass dies ein Wachstumsprozess ist, bei dem auch die Solidarität der noch auf Erden Lebenden eine wichtige Rolle spielt, und zwar durch die Verbundenheit des Gebetes.

Die Bilder von einem buchstäblichen brennenden Feuer sind recht problematisch; denn sie könnten bei manchen Menschen die Vorstellung verstärken, Gott wolle die Menschen durch schreckliche Folter quälen, bevor er sie in seine endgültige Gemeinschaft nimmt. So ist es ja auch in manchen alten Lied- und Gebets-Texten formuliert worden, aber das ist natürlich weit entfernt von Jesu Bild von Gott als dem "Barmherzigen Vater", der es nicht abwarten kann, sein weggelaufenes Kind wieder in die Arme zu schließen.

Der Jesuiten-Theologe Ladislaus Boros hat schon vor Jahrzehnten von einer anderen Art des heilenden, reinigenden Feuers gesprochen. Er meint, dass im Augenblick des Todes die unverstellte, durch nichts behinderte Liebe Gottes den Menschen so direkt treffe, dass diese Liebe für den, der sich ihr bisher zwar nicht ganz, aber doch weitgehend verweigert habe, "schmerzlich brennend" treffe.

Bei vielen Menschen ist die Erfahrung von Gottes unendlicher Liebe tatsächlich lebenslang verschüttet durch innere oder äußere negative Gegenkräfte, mögen sie nun durch Erziehung, schlechte Vorbilder, negative Erfahrungen oder einfach durch das Nichtwissen von einem liebenden Gott bedingt sein.

Man kann diesen Gedanken mit der Elternliebe vergleichen, die einen Sohn, eine Tochter treffen kann und bis ins Innerste den Menschen "brennend" trifft, weil er diese Liebe bisher nicht angenommen hatte. Umkehr kann tatsächlich schmerzhaft sein "wie durch Feuer hindurch". So wird Gottes Liebe denjenigen im Tod besonders "brennend" treffen, der ihr bisher ziemlich distanziert gegenüberstand, während sie für den, der sich von Gottes Liebe schon immer angerührt wusste, weniger schmerzhaft, sondern vielmehr befreiend ist. Dann ist die Rettung des Menschen "wie durch Feuer hindurch" seine Vollendung durch Gottes endgültige Liebe.

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Medientipp:

Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Archiv
Februar 2009

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