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27.03.2017
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Weihbischof Josef Voß
Weihbischof Josef Voß starb am 16. Dezember 2009 in Münster.

Nachruf:

Weihbischof Josef Voß - Er lebte die Menschenliebe Gottes

Bistum. Die Menschen sind das Wichtigste. – Nie hat Weihbischof Josef Voß einen Zweifel daran gelassen, für wen sein Herz schlug. Mit aller Leidenschaft und einem Engagement bis an die Belastungsgrenze setzte er sich für die Menschen seiner Region, für Menschen in Not, für Ausländer, Schwangere und Ungeborene ein – aus einem tiefen Glauben an den Menschen liebenden Gott.

"Wer hätte das gedacht, dass Caritas Weihbischöfe macht ..." Mit einem Ständchen feierten Caritas-Mitarbeiter im April 1988 "ihren" gerade geweihten Bischof Josef Voß. Zuvor war er Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes gewesen. "Ich habe mein Herz in den letzten 15 Jahren an die Caritas verloren", gestand er nach dem festlichen Domgottesdienst mit rund 3000 Gläubigen. "Anwalt der Armen und Verlorenen", war Josef Voß zeitlebens, wie Kirche+Leben über die Weihezeremonie schrieb.

Am 9. März 1937 geboren, wuchs Josef Voß – "in der letzten Gemeinde im südöstlichen Teil des Bistums", wie er selbst sagte, – auf einem kleinen Bauernhof in Langenberg-Benteler (Kreis Gütersloh) auf. "Das religiöse Leben gehörte zum Alltag", beschrieb er seinen Zugang zum Glauben. Zum Alltag mit drei Brüdern und vier Schwestern, zu denen die Eltern nicht viele Worte über den Glauben machten, sondern diesen vorlebten. "Ohne Zwang und Druck, es ebenso zu machen. Mehr als Einladung – das hat uns geprägt."

Voß
"Beeindruckt hat mich seine Nähe zu den Menschen, die Distanz schnell überwand, stets ungekünstelt war, frei von Launenhaftigkeit", erinnert sich Pfarrer Heinrich Plaßmann aus Ahaus im kirchensite.de-Kondolenzbuch.

Beliebt und verständnisvoll

Nach der Priesterweihe 1964 in Rom und Studien, die er mit dem Doktor der Theologie abschloss, kam Voß 1968 zunächst als Kaplan nach St. Marien in Steinfurt-Borghorst. Schnell wurde er in verantwortliche Positionen des Bistums berufen: 1970 ging er als Direktor ins Borromaeum nach Münster,  1973 wurde er Geistlicher Direktor und ein Jahr später dann Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes. Voß war angekommen, wo er hinpasste: Er wollte die "umfassende Liebe Gottes" weitertragen zu allen Menschen. Auch zu denen, die krank, fremd, alt – eben besonders auf Hilfe angewiesen seien, wie er es einmal ausdrückte. Und er tat es mit aller Leidenschaft. Voß hatte ein Gespür für die Nöte und Sorgen der Menschen – und diese hatten in ihm einen glaubwürdigen Fürsprecher. "Ich übersetze 'Caritas' gern mit: Gottes Sorge um die Menschen weitertragen", erklärte Voß sein Engagement.

"Josef Voß ist ein beliebter, verständnisvoller Priester und unkompliziert im Umgang mit den Menschen. Er bemüht sich, auf seinen Gesprächspartner einzugehen und dessen Standpunkt in die eigenen Überlegungen einzubeziehen. Bei aller Kompromissbereitschaft sagt er jedoch ohne Wenn und Aber seine Meinung", so wurde er 1988 anlässlich seiner Ernennung zum Weihbischof charakterisiert. Der damalige Caritas-Präsident Georg Hüssler meinte: "Als Caritas-Priester war Voß ein Volltreffer. Als Weihbischof wird er es sein."

Sorge für die Kleinen und Geringen

Sein neues Amt gab ihm noch mehr Möglichkeiten, für die Menschen am Rand der Gesellschaft einzutreten und für sie seine Stimme zu erheben. Der damalige Bischof Reinhard Lettmann hatte bei der Weihe darauf abgehoben, als er vom Guten Hirten sprach: "Ein besonderer Akzent liegt im Hirtenbild auf der Sorge für die Kleinen und Geringen, für die Armen und Verlorenen. Sie bedürfen in besonderer Weise der Sorge und Zuwendung. Unser neuer Weihbischof weiß das. Er hat es in den 15 Jahren als Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes erfahren: Wir freuen uns, dass er diese Erfahrungen in seinen bischöflichen Dienst mit einbringen wird."

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) nutzte das Talent des münsterschen Weihbischofs. Im September ‘96 wurde er Vorsitzender der neugeschaffenen Migrations-Kommission. Er war zu dieser Zeit der einzige Weihbischof, der einer DBK-Kommission vorstand – auch dies kann als Beleg für seine Anerkennung im Kreis der deutschen Bischöfe gelten. Als Vorsitzender der Migrations-Kommission zeigte er, was er unter "Gottes Sorge um die Menschen" verstand.

Bis zuletzt setzte Voß sich für eine Altfallregelung für langjährig geduldete Flüchtlinge ein und kritisierte die gesetzlichen Regelungen. Insbesondere kranken, traumatisierten und alten Menschen sollte auch ohne eigenständige Lebensunterhaltssicherung ein Aufenthaltsrecht gewährt werden, appellierte er an die Politik. Dabei kritisierte er vor allem die Kopplung des Bleiberechts an ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis. Diese Bedingung könnten nicht einmal alle deutschen Bürger erfüllen, klagte er an.

Voß warnte vor einem Ausländerrecht, "das grundsätzlich auf Abwehr eingerichtet ist". Dieses würde in der Bevölkerung Unsicherheit, Abwehr und Abgrenzung fördern. "Bei allem Verständnis für das Sicherheitsbedürfnis der Bürger dürfen Ausländer nicht unter Generalverdacht gestellt werden", mahnte der münstersche Weihbischof 2004 beim Jahresempfang des Deutschen Caritasverbands. Als in den Neunzigerjahren Asylbewerber-Unterkünfte in Flammen aufgingen, warnte der Bischof eindringlich die Politiker: "Wer bei der Gruppe der Migranten bewusst oder unbewusst zündelt, legt Feuer an die ganze Gesellschaft."

Klare Worte gegen Ungerechtigkeit und Benachteiligung.

Eindringliche Mahnung

Doch seine Appelle richteten sich nicht nur an die Politik. Von den Bürgern der Bundesrepublik verlangte er einen Mentalitätswandel. Auf dem Katholikentag in Saarbrücken 2006 sagte er: "Wir dürfen Zuwanderung nicht immer als Bedrohung, sondern müssen sie als Chance sehen." Integrationspolitik sei auch immer Perspektivpolitik. "Ich habe in meiner Region Schulen, die könnten schließen, wenn dort keine Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund die Schule besuchen würden", sagte der Regionalbischof für die Region Coesfeld-Recklinghausen. Es gehe darum, die Tatsache der Zuwanderung "innerlich zu akzeptieren".

Die Maxime von Voß lautete: "Die Menschen sind das Wichtigste …" – Sie wurde auch deutlich in einem anderen Feld, in dem sich der Bischof stark engagierte: dem Schutz des ungeborenen Lebens und der Hilfe für in Notgeratene Schwangere. Nach seiner Meinung hätten die katholischen Beratungsstellen in der staatlichen Schwangeren-Konfliktberatung bleiben sollen. Für viele Frauen seien die katholischen Beratungsdienste in  einem Konflikt die erste und einzige Stelle, "an der sie Hilfe und Ermutigung für das Leben erfahren", so Voß. "Jedes Kind, das geboren wird, ist für mich ein wichtiges Argument, in diesem Bereich tätig zu bleiben."

In Wort und Tat

Die Entscheidung, aus dem staatlichen System der Schwangeren-Konfliktberatung auszusteigen, trug Weihbhischof Josef Voß loyal mit – und setzte sich unvermindert für die Betroffenen ein.

Als Vorstandsmitglied der Bischof-Tenhumberg-Stiftung sagte er einmal: Sich für das Lebensrecht und die Würde des Menschen vom ersten Augenblick seines Daseins an bis zu seinem letzten Atemzug "in Wort und Tat" zu engagieren, gehöre für ihn zum Auftrag der Kirche.

Voß war aber nicht nur auf der Bundes- oder Diözesanebene präsent. Voß war durch und durch Regionalbischof für die Menschen in den Kreisdekanaten Coesfeld und Recklinghausen.

Rastlos

Eine Region mit ganz unterschiedlichen Traditionen, Mentalitäten und Ursprüngen. Das Ruhrgebiet im Süden und das Münsterland treffen sich in "seiner" Region. Voß machte neben dem Trennenden viel aus, was eint: "In der pluralen, sich schnell weiter entwickelnden Gesellschaft kämpft der ländliche wie auch der industrielle Bereich mit Strukturproblemen."

Rastlos war er unterwegs. Er schonte sich nicht. Davon konnte ihn niemand abhalten – auch keine Krankheit. Und auch hier: Sein Einsatz für die Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Der Coesfelder Landrat Konrad Püning würdigte bei der Feier seines 70. Geburtstages im März 2007 die Sensibilität von Josef Voß für Problemgruppen in der Gesellschaft. Gegenüber den politischen Verantwortlichen habe sich der Regionalbischof "mit Nachdruck zu Wort gemeldet". Gewicht habe sein Wort auch dadurch gewonnen, dass er sich persönlich um Einzelfälle gekümmert habe.

Zuletzt im Februar 2007 anlässlich des so genannten Kohle-Kompromiss appellierte der Regionalbischof, die Schließung der Zechen sozialverträglich zu gestalten. Für Voß war der Bergbau nach dem Zweiten Weltkrieg wie die Landwirtschaft ein entscheidender Motor für den Wiederaufbau und den wirtschaftlichen Aufschwung in unserem Land. Deshalb müssten die enormen Folgebelastungen auch solidarisch von dem ganzen Land mitgetragen werden, mahnte er.

Voß mit Weltjugendtagskreuz
Im Vorfeld des Weltjugendtags 2005 nahm Weihbischof Voß mit Jugendlichen das Weltjugendtagskreuz im Bistum in Empfang.

Einsatz für die Region

Voß war geschätzt – auch außerhalb kirchlicher Kreise. Als ersten Vertreter der Kirche lud ihn der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zur Festrede anlässlich der Maikundgebung 1995 in Ahlen. Der Weihbischof enttäuschte die Gewerkschaftler nicht: Armut sei kein Randproblem, sondern gehe die ganze Gesellschaft an. Und: "Es gibt ein ethisch begründetes und verpflichtendes Menschenrecht auf Arbeit." Vor allem Langzeitarbeitslosigkeit sei eine ernste Bedrohung der Humanität in der modernen Industriegesellschaft und sei eine Verletzung des Sozialstaatsgebotes. Aber er hatte auch andere Wahrheiten für den DGB: Er sprach sich für Arbeitszeitverkürzung auch ohne vollen Lohnausgleich aus, weil dies ein Beitrag zur Minderung der Arbeitslosigkeit sei.

Wer Weihbischof Voß predigen hörte, verstand schnell, woraus dieser Mann lebte und wie tief seine Frömmigkeit war. Vor allem seine Karfreitagspredigten zeigen, woraus er Kraft schöpfte.  In der Karfreitagsliturgie 2007 sagte er: Auf die Frage nach dem Leid gebe Gott "nicht eine Antwort, die wir intellektuell wissen können und die alles erklärt. Er ist die Antwort, indem er in seinem ewigen Sohn selbst Mensch wird und in unsere Welt, in unser menschliches Leid hinabsteigt und es durchleidet. Er ist der Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut." In Jesus habe Gott das Gesicht der geschundenen und leidenden Menschen selbst angenommen. Und Voß sah in den Menschen am Rande das Angesicht dieses Gottes. Im Alltag die Liebe zu leben – dies erschien ihm als die angemessene Reaktion gläubiger Christen auf den Kreuzestod Jesu. Das Sterben Christi zeige, dass er aus Liebe zu Gott und den Menschen bis in das letzte Dunkel des menschlichen Lebens eingedrungen sei, sagte der Bischof am Karfreitag 2004 im Dom.

Warum er so unermüdlich hoffnungsvoll für die Schwachen kämpfte, darauf kann vielleicht seine Osterpredigt 2006 Antwort geben: "In Jesus Christus haben die Guten schon gesiegt", sagte Voß. In ihm hätten die Sanftmütigen, die keine Gewalt anwendeten, schon triumphiert, Trauernde fänden schon jetzt einen Trost, und in ihm hätten die Friedensstifter schon jetzt eine Zukunft. "Jesus Christus steht dafür ein, dass nicht endgültig der Täter über das Opfer triumphiert." – Diese Überzeugung ließ ihn selbst nie aufgeben.

Er schöpfte Kraft aus dem Gebet. So oft es ging, machte er Halt an den Wallfahrtsorten seiner Region. Bei einer Fußwallfahrt von Werne nach Werl konnte sich Voß in seiner für ihn typisch bescheidenen Art zurücknehmen: "Ich genieße die Gemeinschaft, das gemeinsame Beten und Singen. Manchmal ist es einfach schön, nur zuzuhören", sagte er 2002. Aber er konnte – wenn nötig – auch anders: "Sie haben heute die entscheidenden Aussagen der Kirche so kämpferisch und leidenschaftlich vorgetragen, wie es an jedem Sonntag in der Predigt geschehen sollte, Herr Weihbischof", meinte ZDF-Moderator Michael Steinbrecher bei einem Diskussionsabend.

Wahrhaftigkeit als Kennzeichen

Dennoch: Einfach, still, bescheiden und glaubwürdig – so begegnete Voß anderen. Stets bereit zur Hilfe – auch in geistlichen Dingen. Generalvikar Norbert Kleyboldt wies bei der Feier zum 70. Geburtstag darauf hin, dass Voß mehr als jeder andere aus dem Domkapitel "den Dienst im Beichtstuhl" versehen habe. Bischof Lettmann hob hervor, dass Voß seinen Dienst mit Hingabe und dem Schwung des Herzens tue. "Wahrhaftigkeit kennzeichnet die Persönlichkeit unseres Weihbischofs." Als Kraftquelle seines Dienstes nannte Lettmann das Evangelium. Und: "Deus caritas est – Gott ist die Liebe: Dieses Wort hat Bischof Voß zu seinem Leitwort gemacht. Es ist ein Wort, das seine Verkündigung in Wort und Tat zusammenfasst."

Am Mittwoch, dem 16. Dezember, starb Weihbischof Josef Voß in Münster. In seiner Predigt am Ostersonntag 2006 sagte er: "Ich bin auferstanden und bin jetzt immer bei Dir! So leise und behutsam, aber auch so sicher und ermutigend spricht er Dir und mir ins Herz."

Text: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte
26.01.2010

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