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23.07.2014
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Weihbischof Timmerevers.
Weihbischof Timmerevers kennt die Mentalität der Menschen im Oldenburger Land - ist er doch einer von ihnen.

Weihbischof Heinrich Timmerevers

Nachfolge: Ich wollte es einfach versuchen

Der Satz überrascht: "Wir leben in der Diaspora." Der das sagt ist zuständig für die "katholischte" Ecke des Bistums Münster. Weihbischof Heinrich Timmerevers gibt sich keiner Illusion hin. Für ihn bedeutet kirchliche Arbeit auch im gut katholischen Oldenburger Münsterland: Missionieren - den Menschen immer wieder aufs Neue das Evangelium und den Glauben nahe bringen.

Die Region ist seine Heimat. In Nikolausdorf im Kreis Cloppenburg 1952 geboren, ältester Sohn einer Landwirtsfamilie; der Bauernhof ein Familienbetrieb. "Selbstverständlich katholisch" war sein Zuhause und das ganze Dorf. Der Sonntag war etwas Besonderes: Gottesdienst, Zeit zum Erholen, Gelegenheit mit anderen etwas zu unternehmen, später der Frühschoppen mit den Freunden aus der Landjugend.

Dennoch: Als er 1972 in Cloppenburg sein Abitur bestanden hatte und seinen Mitschülern eröffnete, dass er Theologie studieren und Priester werden wolle, stieß sein für die Gruppe der Gleichaltrigen außergewöhnlicher Berufswunsch auf Erstaunen. "Dabei war die Orientierung hin zum Dienst als Priester damals noch längst kein Ergebnis endgültig abgeschlossener Überlegungen, sondern der erste Schritt auf einem Weg mit noch offenem Ziel", erinnert sich der Weihbischof. "Ich wollte es einfach versuchen."

Zweite Heimat Münster

So ging Timmerevers nach Münster; die Stadt wurde ihm zur zweiten Heimat. Er kommt im Theologenkonvikt Collegium Borromaeum in Kontakt mit der Fokoloarbewegung, einer neuen geistlichen Gemeinschaft. Sie wurde ihm zur "geistlichen Quelle", half ihm den Glauben in Gemeinschaft mit anderen zu leben, übernahm deren Weltoffenheit, wie er erzählt.

Nach der Priesterweihe 1980 erlebte er seine "erste Liebe": Im südoldenburgischen Visbek wurde er Vikar. Die Kaplanszeit wurde für ihn Erfüllung und Bestätigung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. 1984 kam er zurück nach Münster. Bischof Dr. Reinhard Lettmann war auf ihn aufmerksam geworden und machte ihn zum stellvertretenden Leiter (Subdirektor) des Borromaeums.

Weihbischof Timmerevers auf dem Katholikentag 2008 in Osnabrück.

Timmerevers ging 1989 wieder zurück nach Visbek; er wurde dort Pfarrer. Mit Glanz in den Augen erzählt er davon: Eine Pfarrei zu begleiten, mit den Gläubigen das Kirchenjahr zu feiern, unmittelbar Teil zu haben an den schönen und traurigen Stunden im Leben von Gemeindemitgliedern. "Pastor sein" - das wollte er und das war er in Visbek.

Doppelfunktion

Von dieser Zeit zehrt er jetzt als Weihbischof und Offizial in Vechta. Sie hilft ihm, das "Bischöfliche Offizialat" mit seinen rund 100 Mitarbeitern zu leiten. Seine Doppelfunktion fordert von ihm Qualitäten als Chef der Bischöflichen Verwaltung für den nördlichen Teil des Bistums. Gleichzeitig ist im bischöflichen Dienst sein seelsorgliches Geschick gefragt.

Die Oldenburger sind stolz, dass einer von ihnen Weihbischof in Vechta ist. Timmerevers kennt ihre Mentalität - ist sie doch seine eigene. Für den Außenstehenden mag erstaunen wie er die Menschen seiner Region zwischen Damme und Wangerooge charakterisiert: nicht reserviert, sondern offen, aber bodenständig.

Seine Region - das ist auch ein Gegensatz: Im Süden das katholische Oldenburger Münsterland. Im Norden die Katholiken in der Minderheit. In Wilhelmshaven ist gar nur jeder Zweite überhaupt getauft.

Ehrlich, geradlinig, verlässlich

Ökumenische Zusammenarbeit wird praktiziert. "Ich habe im ersten Halbjahr meiner Amtszeit als Bischof sogar öfter in der evangelischen Bischofskirche in Oldenburg gepredigt als im Dom zu Münster", sagt Timmerevers mit einem Schmunzeln. Ökumene ist nicht neu für ihn. Als Visbeker Pastor hat er sie praktiziert. Ein Andenken daran steht auf seinem Schreibtisch: Das Abschiedsgeschenk des evangelischen Kollegen - eine Nachbildung des Kreuzes aus der evangelischen Kirche in Visbek.

Was charakterisiert diesen Bischof? Ehrlich, geradlinig, verlässlich, zuverlässig, bodenständig. So möchte er sein - so kommt er rüber. Im Gespräch, im Umgang mit Menschen. Er drängt sich nicht auf, aber schnell spürt sein Gegenüber: Der Mann lebt, wozu er sich entschlossen hat - die Nachfolge Jesu.

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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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