
- Als Stellvertreter des Bischofs und Chef der Bischöflichen Verwaltung lenkt Norbert Kleyboldt die Geschicke des Bistums.
Generalvikar Norbert Kleyboldt
"Zuständig für alles"
"Der Generalvikar ist zuständig für alles - ausgenommen die bischöflichen Amtshandlungen." So hatte es Bischof Reinhard Lettmann Prälat Norbert Kleyboldt bei seiner Ernennung zum Generalvikar ins Stammbuch geschrieben. Nunmehr "zuständig für alles" ist der Domkapitular seit Mai 1999. Als Stellvertreter des Bischofs und Chef der Bischöflichen Verwaltung lenkt er die Geschicke des Bistums.
Seine Behörde hat viele Aufgaben: Das Seelsorgeamt ist Impulsgeber für die vielen verschiedenen Felder der pastoralen Arbeit. In der Verwaltung prüft und genehmigt man Vorhaben der Gemeinden - etwa wenn es um Kirchenrenovierungen, Kindergärten oder den Neubau von Pfarrheimen geht. Überdies beaufsichtigt man die vielen Stiftungen, die es im Bistum gibt, und organisiert das kirchliche Personal. Den Gemeinden, Einrichtungen und Verbänden der Diözese steht das Bischöfliche Generalvikariat mit seinen fast 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Rat und Hilfe zur Verfügung.
An der Spitze der Bischöflichen Verwaltung steht Kleyboldt - und er kennt sie seit mehr als 20 Jahren. 1980 wurde er als 37-Jähriger Leiter der Hauptabteilung Verwaltung. Zuvor war er Polizeiseelsorger und gleichzeitig Vorsitzender des Stadtcaritasverbandes Münster.
"Leben besteht zu 90 Prozent aus Pflichterfüllung"
Pflichterfüllung ist für ihn ein großer Wert. "Das Leben besteht zu 90 Prozent aus Pflichterfüllung, erst dann kommt die Kür", betont er. Und so arbeitete sich der Priester als Finanzchef der Diözese in eine für ihn neue Materie ein. In seiner Hauptabteilung im Generalvikariat hatte es der studierte Theologe mit Juristen, Architekten und Verwaltungsfachleuten zu tun. Diesen Sachverstand musste er abfragen, zusammenführen und gemeinsam mit den Fachleuten die nötigen Entscheidungen vorbereiten.
Noch heute ist dies ein Kennzeichen seines Führungsstils, den er - übrigens ebenso wie seine Mitarbeiter - als "kooperativ" bezeichnet. "Gute Zusammenarbeit macht mir Spaß", betont Kleyboldt. Ihm ist es ein Anliegen, "menschlich vernünftig miteinander umzugehen". Autoritäres Auftreten ist seine Sache nicht. Er hat es nicht nötig, denn er will durch die Kraft der Argumente gewinnen.
Intensive und kontroverse Diskussionen
Kleyboldt diskutiert gern, ringt mit anderen um die Sicht der Dinge und den besten Weg zum Erreichen von Zielen. Schon im Elternhaus hat er dies gelernt, gemeinsam mit seinen vier Brüdern. Ein offenes Haus sei es gewesen; jeder habe seine Freunde mitgebracht, erzählt er. Sein Vater war Küster an der St.-Mariä-Himmelfahrts-Kirche in Ahaus im westlichen Münsterland. Kleyboldt lernte so als Kind bereits die Anliegen und Sorgen von Kirchenangestellten kennen, deren Chef er heute ist. Seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen hat er nicht vergessen. Er setzt sich noch heute für die "kleinen Leute" ein. Aber - und auch das ist typisch für Kleyboldt - er differenziert sorgfältig: "Jede Mark, die ausgegeben wird, muss zunächst verdient werden."
Auch über Politik wurde bei Kleyboldts intensiv und kontrovers diskutiert. Politiker wäre er selber gern. "In der gegenwärtigen Lage ist eine ordentliche Wirtschaftspolitik die beste Beschäftigungspolitik - damit tut man am meisten für die Menschen", stellt er seine Position heraus. Es wird deutlich: Kleyboldt ist nicht binnenkirchlich fixiert, sondern hat seine Antennen auf Empfang gestellt. Und nicht nur was politische Fragen angeht: Als Anhänger von Borussia Dortmund und Preußen Münster kennt er ganz profane Leidenschaften und scheut sich nicht, dazu zu stehen.
Seelsorger geblieben
Bei alldem ist Kleyboldt Seelsorger geblieben. Als "vermutlich dienstältester Subsidiar des Bistums" hilft er so oft es geht in der Gemeinde St. Michael im münsterischen Ortsteil Gievenbeck aus. Besondere Freude bereitet ihm die Vorbereitung und Feier der Gottesdienste. Aus Gebet und Liturgie holt er sich die Kraft, die er für sein Amt braucht.
Zitat:"Wusstet Ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?" (Jesus im Lukasevangelium, Kapitel 2,49) - Generalvikar Norbert Kleyboldt auf die Frage von Freunden, warum er Priester geworden ist. - Hintergrund: Kleyboldts Vater war Küster an der Marienkirche in Ahaus.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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