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Seite: Bistumshandbuch  >  G  >  Bistumshandbuch: Weihbischof Geerlings im Porträt
25.05.2012
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Dieter Geerlings wurde am 31. Mai 2010 von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof ernannt.

Weihbischof Dieter Geerlings

Leidenschaftlich und entschieden

"Josef Voß hat die Caritas mitgeprägt, das ist bis heute spürbar. Ich habe ihn immer geschätzt. Er ist für mich ein uneinholbares Vorbild." Als Dieter Geerlings den verstorbenen Josef Voß mit diesen Worten im Dezember 2009 in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Caritasverbandes für das Bistum Münster würdigte, konnte er nicht ahnen, dass er als Weihbischof so schnell in seine Fußstapfen treten sollte.

Darüber hinaus ehrt Geerlings die Bescheidenheit, die in diesen Worten zum Ausdruck kommt, täuscht sie auch über die tatsächliche Situation hinweg. Denn der Geistliche vom Niederrhein prägt das karitative Gesicht im Bistum seit 22 Jahren. Seit 1988 steht Geerlings an der Spitze des Diözesancaritasverbandes. Eine Tätigkeit, die er mit Leidenschaft als Anwalt für die Armen und Ausgegrenzten in der Gesellschaft versieht.

Hinter die Kulissen schauen

Geerlings besitzt ein ausgesprochen umgängliches Naturell.

Geerlings besitzt ein ausgesprochen umgängliches Naturell. Doch wenn ihm ein Thema unter die Haut geht, redet er Tacheles. Zum Beispiel, als er das Jahresthema der Caritas "Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft" vorstellt. Da fordert er Respekt zunächst von denen, die sich schnell über Menschen ereifern, die als Obdachlose "die Platte putzen" oder von Hartz IV leben. Ein Lächeln müsse wohl drin sein. Wenn der Diözesancaritasverband zu jährlichen Thementouren einlädt, ist Geerlings selbstverständlich dabei. Weil er sich den Menschen, für die sich die Caritas einsetzt, verschrieben hat.

Auf der Thementour sitzt Geerlings im Bulli neben Heinz-Josef Kessmann, dem Direktor des Diözesancaritasverbandes, und fährt die Einrichtungen ab. Zum Beispiel das St. Petrusheim in Weeze. Er lässt sich nicht nur die Arbeitsweise der Einrichtung erklären, sondern schaut hinter die Kulissen. In Weeze erfragt er etwa umfassend die Ursachen und Hintergründe von Wohnungslosigkeit.

Geerlings ist kein Sozialromantiker

Seit 1988 steht Geerlings an der Spitze des Diözesancaritasverbandes.

Ebensowenig scheut Geerlings die Debatte mit den Politikern. Wenn diese immer wieder Eigenverantwortung forderten, dann habe das auch den Zweck, zu disziplinieren, sagt Geerlings während der nächsten Station in Kleve. Geerlings ist kein Sozialromantiker. Natürlich weiß er, dass jeder zunächst für sein Leben verantwortlich ist. Aber es stellt sich für Geerlings eben auch die Frage, welche Lebensrisiken tatsächlich selbst verursacht seien. Verworrene Familienverhältnisse und der unverschuldete Verlust des Arbeitsplatzes sind seiner Erkenntnis nach oft die Ursache dafür, dass Leben scheitern. Dafür will er das Bewusstsein der Menschen schärfen und ihre Solidarität gewinnen.

"Wichtig ist immer: Wir müssen als Ehrenamtliche dafür sorgen, dass Solidarität nachwächst. Solidarität ist dem Menschen nicht gerade angeboren. Sie ist da, wo man anwaltschaftlich für andere tätig ist." Geerlings kennt das Leben und die Menschen. Am 15. Juni 1947 wird er in Emmerich am Niederrhein geboren. Die Städte und Gemeinden sind damals erst recht überschaubar. Man kennt sich in den Vierteln der Städte.

Am 20. Mai 1973 wird der 26-jährige Mann zum Priester geweiht. Nach seinen Kaplansjahren in Bocholt (St. Georg) und Kleve-Kellen (St. Willibrord) wird er 1979 Geistlicher Leiter und Diözesanpräses der KJG im Bistum und Subsidiar in Münster (St. Konrad). 1980 wird er Vikar in Herten (St. Martinus) und vier Jahre später Regionalvikar für die Region Niederrhein und Rektor der Kapelle des St.-Norbert-Hauses in Xanten.

Seit 1995 residierender Domkapitular

Auch wenn er stets freundlich im Ton ist: An seinen Forderungen in der Sache lässt Geerlings nicht rütteln.

An die Spitze des Diözesancaritasverbandes steigt er im Jahr 1988 auf. Außerdem wird er im gleichen Jahr Mitglied im Priesterrat des Bistums und ein Jahr später auch Seelsorger des Malteser Hilfsdienstes in der Diözese. 1995 wird Geerlings zudem Residierender Domkapitular am St.-Paulus-Dom in Münster.

An der Spitze der Caritas setzt sich Dieter Geerlings seit Jahren für die Interessen kirchlicher Krankenhäuser ein. Scherzhaft vergleicht er die Verhandlungs-Atmosphäre gern mit einem Haifischbecken. Auch auf diesem Arbeitsfeld kämpft Geerlings für die Rechte der Schwächeren – die der Patienten. Als Vorsitzender des katholischen Krankenhausverbandes stemmt er sich dagegen, dass die erdrückende Priorität der Wirtschaftlichkeit allein zu Lasten der Patienten geht. Die Politik warnt er in solchen Diskussionen unverhohlen vor unüberlegten Schnellschüssen. Seine Worte lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Man darf sich nicht täuschen. Auch wenn er stets freundlich im Ton ist: An seinen Forderungen in der Sache lässt Geerlings nicht rütteln.

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Text: Jürgen Kappel | Fotos: Michael Bönte
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