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Seite: Bistumshandbuch  >  B  >  Bistumshandbuch: Bischof Clemens August Graf von Galen
01.03.2017
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Bischof Clemens August Graf von Galen.
Bischof Clemens August Graf von Galen erhob 1941 nachdrücklichen Protest gegen die Euthanasie-Morde der Nazis.

Die münsterschen Bischöfe im 20. Jahrhundert

1933 bis 1946: Bischof Clemens August Graf von Galen

Über keinen anderen Bischof von Münster ist so viel geschrieben worden, über keinen anderen diskutieren bis heute Historiker so kontrovers wie über Clemens August Graf von Galen, dessen Amtszeit als Bischof in die Zeit der Nazi-Diktatur fiel. An seiner Person und seinem Handeln urteilen die Wissenschaftler über Anpassung und Widerstand der katholischen Kirche im Nationalsozialismus.

Clemens August Graf von Galen versteht sich in seinem Amt als Bischof  zunächst als Seelsorger. Große Auftritte sind seine Sache nicht, und doch tritt er die "Flucht in die Öffentlichkeit" an, als viele andere resignieren, wegsehen und in Ruhe gelassen werden wollen. Seine 1941 gehaltenen Predigten gegen Hitler und dessen Regime gehen von der Kanzel der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti zu Münster um die ganze Welt. Wie auch der Ruf seines beispielhaften Muts. Die US-amerikanische Zeitung New York Times bezeichnet Bischof  Graf von Galen am 8. Juni 1942 sogar als "erbittertsten Gegner des antichristlichen nationalsozialistischen Programms". Papst Pius XII. betont in Briefen seine Dankbarkeit über die Galen-Predigten.

Von Galen gelingt es mit seinen Predigten, das Euthanasie-Programm der Nazis und die Ermordung von Behinderten weitgehend zu stoppen. Von Galen weiß um die Macht seiner Worte, um die Gefahr, in die er sich begibt. Er ist bereit, für Gott und die Kirche alles auf sich zu nehmen, auch wenn es ihn sein Leben kosten kann.

Joseph Goebbels notiert am 22. November 1941 nach einem Gespräch mit Hitler: "Den Bischof Galen hat er auf dem Kieker, und er lässt jede einzelne Handlung dieses Landesverräters beobachten. Er will in einem günstigen Moment zuschlagen. Und dann gibt es für den katholischen Klerus nichts zu lachen." Von Galen, der nationalkonservativ denkt und vom Staat die Einhaltung von Recht und Gesetz einfordert, wird zum Symbol des Widerstands, auch wenn von ihm der Ausspruch stammt: "Wir Katholiken machen keine Revolution."

Der Reichsjustizminister vermerkt am 26. Juni 1942 in einer Führerinformation: "Die Fälle mehren sich, in denen oppositionell eingestellte Volksgenossen heimtückische Äußerungen machen, bei denen sie sich auf Hirtenbriefe des Bischofs Graf Galen berufen, um so ihrer strafgerichtlichen Verfolgung zu entgehen." Nur aus Gründen politischer Opportunität kommt es nicht zu einer Inhaftierung von Galens. Das Regime will ihn nicht zum Märtyrer machen, es weiß um seine Verehrung nicht nur unter den Katholiken im Bistum Münster. Das Urteil gegen von Galen, daran lassen die Nationalsozialisten keinen Zweifel, steht allerdings fest: Todesstrafe nach dem "Endsieg". Von Gestapo-Leuten, Spitzeln und NS-Funktionären wird von Galen aber nicht erst nach seinen berühmten Predigten verfolgt. Schon unmittelbar nach seinem Amtsantritt als Bischof im November 1933 sammeln sie "Material" gegen ihn und schäumen vor Wut, als er gegen das Werk des NS-Ideologen Alfred Rosenberg "Mythus des 20. Jahrhunderts" unmissverständlich Stellung bezieht. Von Galen verurteilt 1934 scharf die totalitäre Lehre der Nazis, die die Rasse über die Moral stellt und das Blut gegen das Gesetz. Die Ablehnung der NS-Rassenlehre durch den Bischof verstehen die Katholiken sofort. Ihre Solidarität mit dem Bischof bezeugen sie durch machtvolle Kundgebungen.

1946 wird von Galen in den Kardinalsstand erhoben – eine Anerkennung für seine herausragende Haltung in der Auseinandersetzung mit der Nazi-Diktatur. Am 9. Oktober 2005 erfolgt in Rom die Seligsprechung Galens durch Papst Benedikt XVI..

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Text: Johannes Bernard | Foto: Archiv
März 2009

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