
- 1962 wurde Joseph Höffner zum Bischof von Münster geweiht und setzte die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils um.
Die münsterschen Bischöfe im 20. Jahrhundert
1962 bis 1969: Bischof Joseph Höffner
"Joseph Kardinal Höffner wurde nicht müde, für eine wirksame Entwicklungspolitik zu werben und für eine gerechte Verteilung der Güter bis hin zu notwendigen Landreformen einzutreten", würdigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, seinen Vorgänger in diesem Amt im November 2006. Anlass war die Herausgabe einer Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag Höffners. Auch über seine Ernennung als Bischof hinaus habe sich Höffner besonders für das Lebensrecht des ungeborenen Kindes und des sterbenden Menschen sowie die Reform des Strafrechts engagiert, sagte Lehmann. Lehmann würdigte Höffner nicht nur als politisch denkenden und handelnden Bischof, sondern vor allem als einen Kirchenmann, der während seiner vielfältigen Tätigkeit gerade im Bistum Münster in die Zukunft dachte.
Bevor das Domkapitel Joseph Höffner am 9. Juli 1962 zum Bischof von Münster wählte, war der vierfach promovierte Wissenschaftler durch seine langjährige Tätigkeit als Professor für christliche Sozialwissenschaften an der katholisch-theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster vielen Priestern und Laien im Bistum bekannt. Als Gründer und Direktor des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften entfaltete Höffner auch eine umfangreiche publizistische Tätigkeit. Seine "Christliche Gesellschaftslehre" erreichte zahlreiche Auflagen und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Als 56-Jähriger zum Bischof von Münster geweiht, wurde Höffner Mitglied der Konzilskommission für Erziehung und Bildung. Seine Beiträge zum Dekret über das Laienapostolat, über die sozialen Kommunikationsmittel sowie zur Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute fanden weite Beachtung. Eine große Sprachenbegabung ermöglichte es Höffner, gute Kontakte zu vielen Bischöfen aus aller Welt zu knüpfen. Während des Konzils wurde Höffner zum Moderator und Custos des Schönstattwerks ernannt.
Obwohl das Konzil einen großen Teil der Arbeitskraft Höffners beanspruchte, besuchte er als Bischof von Münster bereits im ersten Jahr alle Pastoralkonferenzen in den Dekanaten seines Bistums und erörterte mit den Seelsorgern die anstehenden pastoralen Fragen. Höffner bemühte sich, die Anregungen und Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils im kirchlichen Leben des Bistums umzusetzen: Dem Diözesankomitee der Verbände gab er neue Impulse und erweiterte die Verantwortung des Kirchensteuerrats. Die bereits bestehenden Pfarrkomitees, die zur Koordinierung der freien Laieninitiativen gegründet worden waren, wurden zu Pfarrgemeinderäten umgebildet, in denen die Mitverantwortung der Laien für das Leben in den Gemeinden zum Ausdruck kam. Höffner war es ein Anliegen, über die Schaffung dieser neuen Strukturen hinaus die Christen aus der Mitte des Glaubens heraus für die Mitarbeit und Mitverantwortung in der Kirche geistlich zu motivieren.
Nachdrücklich förderte der Bischof die Verbände, insbesondere die großen katholischen Sozialverbände, die er als freie Zusammenschlüsse im Bistum schätzte. Höffner ermunterte sie zum Engagement in Kirche, Staat und Gesellschaft. Er förderte die Einrichtung der Erwachsenenbildung und im Bereich der freien katholischen Schulen. In der intensiven Erwachsenenbildung sah Höffner eine Antwort der Kirche auf die Herausforderungen durch die pluralistische Gesellschaft.
1969 wurde Joseph Höffner zum Erzbischof von Köln ernannt, im selben Jahr erfolgte die Ernennung zum Kardinal. Höffner starb am 16. Oktober 1987.
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Archiv
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