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29.06.2016
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Begegnung.

Herzliche Begegnung: Monika Heitmann mit Flüchtlingen in Selm-Bork. 14-tägig findet im dortigen Pfarrheim ein "Internationales Café" statt.

Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat im Interview

Pater Manfred Kollig: "Flüchtlinge sind Botschaft Gottes"

Bistum. Wie verändern die Asylsuchenden die Pfarreien und Gemeinden im Bistum Münster? Welche seelsorgliche Begleitung brauchen die Flüchtlinge? Zu diesem Thema hat Pater Manfred Kollig, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster, jüngst vor der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz gesprochen. Was hat er den Christen im Bistum Münster zu sagen?

Kirche+Leben: Warum ist Flüchtlingshilfe auch Aufgabe der christlichen Seelsorge?

Pater Manfred Kollig: Zunächst gibt es zwei pastorale Aufgaben: Mit Blick auf die Christen, die hier leben, muss uns bewusst werden, dass wir die christlichen Flüchtlinge nicht als Problem sehen dürfen, sondern als eine Botschaft Gottes. Sie kommen zu uns als unsere Schwestern und Brüder. Wir können zeigen, dass wir eine weltweit offene Gemeinschaft sind und diesen Menschen ein "Zuhause" geben wollen. Dazu gehört es auch, dass wir sie in ihrem Glauben unterstützen. Viele sind aus ihrer Heimat vor Krieg und Terror geflohen. Unser Teil der Erde ist Teil der Schöpfung wie die Heimat, die sie verlassen haben. Teilweise stoßen Flüchtlinge bei uns auf neue Bedrohung. Sie werden bedrängt, Flüchtlingsheime werden angezündet. Als "Boten Gottes" können wir ihnen zeigen, dass Gott auch in diesen Situationen bei ihnen ist. Wir sind die Hände, das Herz oder der Mund Gottes, um durch unsere Haltung, durch Worte und Taten deutlich zu machen: "Gott ist da, auch für Euch."

Kirche+Leben: Welche Herausforderungen sehen Sie für die Seelsorge?

Pater Manfred Kollig im Gespräch mit einer Vertreterin eines Pfarreirats.

Kollig: Gerade bei den syrischen Flüchtlingen sieht man, dass es christliche Kirchen gibt, mit denen wir bisher kaum etwas zu tun hatten. Teilweise leben sie mit uns in Einheit. Teilweise sind sie nicht mit uns uniert, so etwa die Christen der syrisch-orthodoxen oder koptischen Kirchen. Wir sind Schwestern und Brüder, und zugleich sind wir uns fremd. Die Flüchtlinge sind uns fremd. Und wir sind für die Flüchtlinge fremd. Diese Fremdheit können wir überwinden: eine Herausforderung die wir gemeinsam lösen müssen. Die vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, die beispielsweise in der Kinder- und Jugendpastoral, Senioren-und Krankenseelsorge, Ökumene und Bildung arbeiten, können hierzu ihre Möglichkeiten einbringen.

Kirche+Leben: Wie können wir diese Fremdheit überwinden?

Kollig: Es ist wichtig, Begegnungen zu schaffen. Wir müssen uns kennen lernen; Gesichter, Namen und Geschichten. Beispielsweise durch Sonntagscafés in den Gemeinden, zu denen wir in den Flüchtlingsheimen einladen können. Flüchtlinge können ein Gemeindefest mitgestalten und sich mit ihrer Kultur einbringen. Fremdheit überwinden wir, wo wir dafür sorgen, dass in der Liturgie auch die Sprache der christlichen Flüchtlinge vorkommt. So kann das Evangelium beispielsweise in Deutsch und Hocharabisch verkündigt werden; auch können Flüchtlinge sich im Rahmen der Kirchenmusik oder bei der Gestaltung einer Gabenprozession beteiligen.

Kirche+Leben: Wie wird denn Seelsorge in den Flüchtlingsheimen geleistet?

Kollig: In den Flüchtlingsheimen können Beratung und seelsorgliche Gespräche angeboten werden. Wir können dafür sorgen, dass Flüchtlinge in ihrem Wohnheim jeden Sonntag das Sonntags-Evangelium, eine kurze Auslegung und ein Gebet in ihrer Muttersprache erhalten. Wir dürfen dabei nicht übersehen, dass die politischen und religiösen Konflikte der Heimatländer in den Heimen unterschwellig weiter wirken. Damit müssen wir zunächst leben. Deswegen ist es wichtig, dass wir in den Wohnheimen für alle Flüchtlinge – egal welcher Religion sie angehören – da sind. Wenn wir nur die Christen unterstützten, würde das die bestehenden Konflikte verstärken. Wenn wir die Grundbedürfnisse gleichermaßen für alle gedeckt haben, können wir uns speziell um die christlichen Flüchtlinge kümmern, mit ihnen Gottesdienste feiern, die Bibel lesen oder gemeinsam beten, Kontakte zu deutschen Christen herstellen und sie in das karitative Wirken der Kirche einbeziehen.

Kirche+Leben: Zwischen Solidarität mit anderen Christen und interreligiösem Dialog – wo stehen wir als Christen?

Kollig: Wir müssen beides offensiv und transparent tun. Wenn bei den Leuten angekommen ist, dass wir alle Flüchtlinge und nicht nur die christlichen unterstützen, dann können wir fragen: Was brauchen speziell die Christen? Ich kenne Beispiele, da wurden in einer Pfarrei alle Flüchtlinge zum Beten eingeladen, woanders bewusst Christen. Eine andere Pfarrei hat mit 500 Menschen die Christmette im syro-malabarischen Ritus gefeiert. Andere fördern bewusst das Gespräch zwischen Christen und Muslimen. Solidarität unter den Christen widerspricht nicht dem interreligiösen Dialog. Beide Elemente sind wichtig für ein gutes Miteinander.

Kirche+Leben: Braucht es denn mehr Engagement der Kirchen?

Kollig: Wir Christen sind flächendeckend sehr aktiv auf karitative und pastorale Weise. Gleichzeitig mahnen viele Katholiken, die Armut in Deutschland nicht zu vergessen. Sie behalten im Blick, dass wir die einen Armen nicht gegen die anderen ausspielen dürfen. Auch Obdachlosen oder Migranten mit Bleiberecht müssen wir weiterhin engagiert helfen. Das dient der Einheit der Gesellschaft. Wir erleben zurzeit täglich, dass Menschen sich aus Angst, sie würden verlieren, gegen die Flüchtlinge stellen. Viele Katholiken sehen diese Spannung und versuchen, die Bedürftigen, für die sich Christen einsetzen, nicht wegen der Flüchtlinge zu vernachlässigen. Anwalt aller Bedürftigen zu sein, das bedarf natürlich aufgrund der Flüchtlinge eines noch stärkeren Engagements der Christen.

Kirche+Leben: Was hat sich durch die Flüchtlingshilfe in den Pfarreien verändert?

Kollig: Ich glaube, es gibt eine neue Weite auf die Welt hin. Wir konnten uns vor der Flüchtlingskrise ja sehr stark mit uns selbst beschäftigen. Vielleicht öffnet uns Gott durch die Flüchtlinge die Augen und sagt uns: "Beschäftigt Euch nicht zu sehr mit Euch selbst! Klammert euch nicht zu sehr an das, was ihr meint, was Kirche ist! Lasst Euch mal irritieren, aufrütteln! Weitet den Horizont und guckt, wo die wirklichen Nöte und Herausforderungen sind!" Ich finde gut, dass uns so gezeigt wird, dass wir Weltkirche sind. Außerdem sind viele deutsche Christen von dem Glaubensleben der christlichen Flüchtlinge überrascht. Der Glaube dieser Menschen kann uns ermutigen, selbst zu glauben. Zudem erleben wir, dass sich Katholiken, die sonntags nicht in der Kirche sind oder sich nicht in kirchlichen Verbänden engagieren, in der Flüchtlingshilfe ihre Talente einbringen. Ich glaube, dass die Flüchtlinge uns helfen, Volk Gottes zu werden. Ein "Volk Gottes unterwegs" zu sein. Das lehren uns die Flüchtlinge auch: unterwegs zu sein, beweglich und nicht statisch. Denn Christen haben nirgendwo auf der Erde ihre endgültige Heimat.

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