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27.07.2016
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Hochzeit

Wie frei kann ein Brautpaar eine Trauungsliturgie gestalten?

Interview mit Professor Martin Stuflesser

"Liturgie ist zuallererst Dienstleistung"

Bistum / Würzburg. Im Englischen heißt der Gottesdienst tatsächlich "service". Aber wie weit kann der Service-Gedanke in der Liturgie gehen? Wieviel Flexibilität ist möglich? Einschätzungen des Liturgiewissenschaftlers Professor Martin Stuflesser. Er lehrt an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg. Promotion und Habilitation verfasste er an der Universität Münster.

kirchensite.de: Immer wieder beklagen Priester, dass etwa für Trauungen oder Beisetzungen Lieder gewünscht werden, die eigentlich nicht für den Gottesdienst gedacht sind. Wie kommt das bei Ihnen an? Wie kann man damit umgehen?

Professor Martin Stuflesser: Ich würde gern zurückfragen: Geht es um Lieder, die nicht für den Gottesdienst "gedacht" oder "nicht geeignet" sind? Dass Melodien – etwa von populären Volksliedern – mit einem neuen Text versehen wurden und es so in unsere Gesangbücher geschafft haben, ist ja kein neues Phänomen. So arbeiteten schon Lieddichter und Komponisten von Luther über Bach, Mozart und Schubert.

Geht es um liturgische Eignung, stellt sich die Frage nach Kriterien. Ich denke, solche Kriterien sind durchaus erklärbar: Das Brautpaar, das sich "Highway to hell" bei der Trauung wünscht, wird man freundlich zurückfragen dürfen, ob das wirklich zur biblischen Botschaft der Feier der Trauung und zum christlichen Eheverständnis passt. Umgekehrt findet sich in den aktuellen Charts der Song "Stimme" von EFF oder "Leichtes Gepäck" von "Silbermond", die beide in Form eines Pop-Songs mithilfe biblischer Bilder dezidiert christliche Glaubensinhalte thematisieren.

Kurzum: Gerade in diesem Bereich müsste es um ein sorgsames Abwägen gehen und um einen Klärungsprozess über die Kriterien. Das setzt natürlich einen Verständigungsprozess über die Inhalte, um die es in der Feier geht, voraus.

kirchensite.de: Kirchliche Rituale scheinen durchaus gefragt, etwa an verschiedenen Lebenswenden. Und doch wird immer beklagt, dass nicht zuletzt die Sprache der Liturgie schwer oder gar nicht verständlich ist, wenn man etwa an die Hochgebete denkt. Was sagen Sie? Und was sagen Sie denen, die alles so behalten wollen, wie es immer war?

Stuflesser: Zunächst ist die Kirche mit ihrer Liturgie eben eine zweitausendjährige Institution mit einer ehrwürdigen Tradition. Mit liturgischen Texten, über die sich kluge Leute viele Gedanken gemacht haben, und die man nicht einfach aus Geschmacksgründen über Bord werfen kann. Das gilt besonders auch im Hinblick auf die Präsidial- und Hochgebete, denen als zentrale Gebetstexte noch einmal eine besondere Wertigkeit zukommt. Das, was Kirche hier an Traditionsgut zu bieten hat, ist immer auch ein Qualitätsangebot.

Professor Martin Stuflesser.

Dies vorausgesetzt ist aber wichtig zu beachten, welche Funktion Sprache in der Liturgie hat. Sie dient auch dort der Kommunikation, denn Liturgie ist ein Dialog zwischen Gott und den Menschen. Dem Zweiten Vatikanischen Konzil war es sehr wichtig, dass diejenigen, die die Liturgie mitfeiern, nicht "Außenstehende und stumme Zuschauer" sind (vgl. SC 48), sondern dass sie tätig und bewusst mitfeiern können. Daher auch der breite Raum, der nach dem Konzil der Volkssprache eingeräumt wurde, um eben die tätige Teilnahme – ein wichtiges Programmwort des Konzils ("actuosa participatio", SC 14) – zu befördern.

Nun gibt es in der Liturgie unterschiedliche Kommunikationssituationen. Ein Gebet, das der Vorsteher im Namen der Gemeinde spricht und dessen erster Adressat Gott ist, hat eine andere Funktion als ein biblischer Text, der laut inmitten der Versammlung vorgetragen und damit verkündet wird. Die Predigt ist eine andere Kommunikationssituation als etwa die Fürbitten, in denen die Getauften ihren vornehmsten Dienst ausüben: ihre Gebete und Anliegen vor Gottes Angesicht tragen zu dürfen.

Weil die Kirche im Hören auf das Wort Gottes eine stets zu reformierende bleibt, ist auch die Liturgie stets am Maßstab von Schrift und Tradition neu auszurichten ("liturgia semper reformanda"). Wenn dieser alte Grundsatz gilt, dann auch für die liturgische Sprache.

Wenn eine lebendige Sprache wie das Deutsche sich alle sieben bis zehn Jahre ganz grundlegend weiterentwickelt, hat das naturgemäß Auswirkungen auf die Sprache, in der wir in der Liturgie zu Gott beten. Das Ziel muss in der liturgischen Feier ein lebendiger Dialog zwischen Gott und Mensch sein, bei dem die Sprache die Mitfeiernden zumindest nicht von vornherein ausschließt.

Daraus folgt, dass man mit Menschen, die kirchliche Rituale "nachfragen", in angemessener Weise auch die Texte durchgeht, die vorgesehen oder möglich sind. Man sollte mit ihnen darauf schauen, was wie zu verstehen ist und was mitgestaltet werden kann.

kirchensite.de: Ein Pfarrer sagte mir: "Eine kirchliche Trauung wird auch deshalb gern genommen, weil sie billiger ist als die von einem Hochzeitsplaner." Ein anderer meint: "Immerhin kommen Paare zu uns! Ob sie es wissen oder nicht, aber sie selber spenden sich schließlich das Sakrament der Ehe. Das kann ich doch nicht verweigern, nur weil sie Helene Fischer in der Kirche hören wollen." Ist auch Liturgie Dienstleistung?

Stuflesser: Ich muss gestehen, dass mich beide Aussagen doch eher verwundern. Bei der ersten würde ich gern zurückfragen, woher der Pfarrer das so genau weiß, und ob eine solche – in meinen Augen etwas despektierlich klingende – Aussage wirklich die Realität trifft. Ich mache durchaus gegenläufige Erfahrungen: Dass die wenigen jungen Paare, die überhaupt noch kirchlich heiraten wollen, durchaus mit klaren Vorstellungen und ihren Glaubensaussagen in ein Traugespräch kommen, warum ihnen die kirchliche Feier sehr wichtig ist.

Bei der zweiten Aussage stört mich der Halbsatz "ob sie es wissen oder nicht". Hier wäre zurückzufragen: Woher sollen sie es denn wissen, wenn es ihnen anscheinend noch nicht einmal im Traugespräch gesagt worden ist?

Was Helene Fischer angeht, verweise ich – wie schon gesagt – gern auf die Inhalte. Man müsste genau wissen: Welches Lied? Welcher Text? Welche Aussage wird damit getroffen?

Zur Verdeutlichung: Vor einiger Zeit wurde das Video ein viraler Hit, in dem ein irischer Priester bei einer Trauung Leonard Cohens "Halleluja" sang. Sofort bildeten sich auf Facebook heftige Pro- und Contra-Debatten. Was mich wunderte, war, dass an keiner Stelle die Frage gestellt wurde, ob der Text passend ist für eine christliche Trauung. Es geht in dem Song um die alttestamentliche Geschichte von David und Batseba, also um einen Ehebruch. Und um Samson und Delila, die auch nicht gerade ein Vorbild für ein harmonisches Eheleben darstellen. Deshalb hatte der Priester den Original-Text auch abgeändert – um den Song für eine christliche Feier der Trauung passend zu machen.

Natürlich ist Liturgie zuallererst Dienstleistung: Gottes Dienst an seinem Volk, das bedeutet "leiturgia" ja ganz wörtlich übersetzt. Wenn aber Gott in der Liturgie zuallererst zu uns spricht, erwartet er auf der Seite des Menschen auch eine Antwort. Das K.O.-Kriterium wäre also: Ist das gewünschte Lied der Antwort der Menschen in der Liturgie förderlich oder nicht?

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