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28.05.2016
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Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation.

Lehre vor Lebenswirklichkeit / "Keine Kompetenz" im ZdK

Glaubenspräfekt Müller: Scharfe Kritik an Homo-Ehe

Vatikanstadt / Würzburg. Mit scharfen Worten hat sich der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, in die Debatte um die "Homo-Ehe" eingeschaltet. Das Ja der Iren zur gleichgeschlechtlichen Ehe bedeute eine "Diskriminierung des Ehebundes von Mann und Frau und somit eben auch der Familie", sagt Müller der Würzburger Zeitung "Die Tagespost" vom Samstag (06.06.2015). Der Präfekt der Glaubenskongregation ist nach dem Papst der oberste Wächter über die katholische Lehre.

Der Kardinal beglückwünschte all jene, "die ihre Knie nicht gebeugt haben vor den Götzen der Selbsterschaffung und Selbsterlösung, die uns zielsicher in die Selbstzerstörung führen werden – wie andere politischen Ideologien auch". Die Mehrheit sage zudem nichts über die Wahrheit aus. "Die Wahrheit wird sich durchsetzen, wenn auch unter großen Opfern", zeigte sich Müller überzeugt.

"Niederlage für die Menschheit"

Es gehe bei der "Homo-Ehe" nicht darum, dass Homosexuelle nicht diskriminiert würden, erklärte der Kardinal. Dies sei eine Selbstverständlichkeit. "Nichtdiskriminierung war nur die Schalmei, mit der sich die Naiven in den Schlaf des Gewissens wiegen ließen", sagte Müller. Er betonte, Familie sei eine Lebensgemeinschaft von Vater und Mutter mit ihren Kindern, die Gott ihnen geschenkt und anvertraut habe.

"Kinder sind nicht Eigentum der Gesellschaft und des Staates, der sie bei Leuten, die sich einen Wunsch erfüllen wollen, zur Pflege gibt, sondern sie sind Eigentum Gottes, der die Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat", erklärte Müller weiter. Ausdrücklich stellte sich Müller hinter Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der das irische Referendum als eine "Niederlage für die Menschheit" gewertet hatte. Damit habe Parolin den richtigen Ausdruck gefunden, betonte Müller.

"Gott am Ende belehren"

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) kritisierte Müller deutlich. "Man hat dort keine Kompetenz, anstelle des Lehramts wesentliche Inhalte der Offenbarung zu interpretieren oder ihres Inhalts zu entleeren", sagte er. Die ZdK-Vollversammlung hatte ohne Gegenstimme ein Papier zur Bischofssynode im Herbst verabschiedet. Darin sprach sie sich für Formen der Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sowie von Partnerschaften Geschiedener aus. Entsprechende liturgische Formen müssten weiterentwickelt werden.

Müller verwies darauf, das ZdK könne sich nicht auf demokratische Legitimation berufen, wenn es darum gehe, die Vollmacht und die Mission der ganzen Kirche, die Offenbarung in Jesus Christus zu bewahren und zu vergegenwärtigen. Sie sei von Gott gegeben und nicht ausgedacht wie ein Parteiprogramm von einer Gruppe, die sich organisiere. Diese wolle die Offenbarung in die eigene Regie nehmen und "Gott am Ende belehren", was er eigentlich gemeint haben sollte, als vor 2.000 Jahren in Jesus Christus die geschichtliche Offenbarung abgeschlossen worden sei.

Nichts segnen, was Gott nicht gut nennt

Die Forderung, etwas zu segnen, was Gott selbst nicht gut nenne und was einen Verstoß gegen das sechste Gebot darstelle, sei ein "schreiender Widerspruch zum Wort Gottes", so der Präfekt. Die Ehe könne nur aus dem Ja-Wort zwischen Mann und Frau entstehen und müsse offen für Kinder sein, betonte der Kardinal. Ehebruch sei eine schwere Sünde, die vom Gottesreich ausschließe, solange der Sünder nicht durch Reue, Bekenntnis, Wiedergutmachung und die Absolution die Wiederversöhnung mit Gott und der Kirche erlangt habe.

Müller wandte sich dagegen, aus dem Wort Ehe "nur noch eine Hülse" zu machen. Diese könne man sonst "mit beliebigen Inhalten" füllen. Die Ehe als Bund von Mann und Frau sei aber schon in der Schöpfung selbst grundgelegt, argumentierte er. Deshalb werde der Papst dies auch in seiner kommenden Enzyklika klar ansprechen.

Kirche lehrt, sie wird nicht belehrt

Müller warnte davor, die Glaubenswahrheit der Kirche an "irgendwelche Lebenswirklichkeiten" anzupassen. "Wenn man diese so genannte Lebenswirklichkeit jetzt auf dieselbe Stufe stellen will wie Schrift und Tradition, dann ist das nichts anderes als die Einführung des Subjektivismus und der Beliebigkeit, die sich sentimental und selbstgefällig in fromme Worte hüllen", sagte der Präfekt der Glaubenskongregation.

Im Vorfeld der Synode hatten unter anderem der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und mehrere Theologie-Professoren gefordert, auch die Lebenswirklichkeit der Menschen als eine Erkenntnisquelle für dogmatische und moralische Wahrheiten zu sehen.

Die römische Kirche, unterstrich Müller, sei Mutter und Lehrmeisterin aller Kirchen, sie lehre und werde nicht belehrt. "Sie braucht von niemanden, so überlegen und zeitgemäß er sich auch vorkommen mag, erst auf den Begriff des rechten Glaubens gebracht werden, weil in ihr die apostolische Tradition treu bewahrt worden ist und immer bewahrt wird.

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Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, mn | Foto: Markus Nolte
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