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28.09.2016
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Winterkamp

Domkapitular Klaus Winterkamp, Beauftragter des Bistums Münster für den Katholikentag 2018.

Bistums-Beauftragter zu Münsters Katholikentags-Entscheidung

Winterkamp: Rats-Nein ist "Spiegel der Säkularisierung"

Bistum. Die Stadt Münster wird keinen Zuschuss zum dortigen Katholikentag im Jahr 2018 geben. Der Stadtrat lehnte am Mittwochabend (25.03.2015) eine Vorlage von Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) ab, die einen Zuschuss von 1,2 Millionen Euro vorsah. Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei wurde beschlossen, den Katholikentag nur durch Sachleistungen zu unterstützen. Über die Ratsentscheidung sprach kirchensite.de mit Münsters Domkapitular Klaus Winterkamp, Katholikentagsbeauftragter des Bistums Münster.

kirchensite.de: Wie bewerten Sie den Beschluss des Rats der Stadt Münster?

Domkapitular Klaus Winterkamp: Ich begrüße jede Form der Unterstützung für den Katholikentag. Es wäre für alle am einfachsten gewesen, einen pauschalen Zuschuss zu geben. Die Abrechnungsmodalitäten, die nun auf den Weg gebracht worden sind, machen für den Veranstalter vieles komplizierter. Nicht immer war die Debatte von Sachkenntnis geprägt, einiges wurde ideologisch verbrämt.

kirchensite.de: Wie erklären Sie sich den Gegenwind, mit dem die Veranstalter des Katholikentags zurechtkommen müssen?

Winterkamp: Die Diskussionen zeigen mir, wie um ein neues Verhältnis von Religion und Gesellschaft, von Kirche und Staat gerungen wird. In den Debatten spiegeln sich die Säkularisierungsschübe der letzten Jahre wider. Die Säkularisierungsschübe sind nicht zuletzt im Kontext des Skandals des sexuellen Missbrauchs und des verantwortungslosen Umgang mit Kirchenvermögen in Limburg zu sehen.

kirchensite.de: In den letzten Wochen und Monaten ist heftig über einen finanziellen Zuschuss für den Katholikentag gestritten worden. Wie haben Sie die Debatten in Münsters Kommunalpolitik empfunden?

Winterkamp: Die Diskussionen, die der Antrag des Zentralkomitees der deutschen Katholiken bei der Stadt Münster um eine finanzielle Unterstützung des Katholikentags ausgelöst hat, haben deutlich gezeigt, dass das Verhältnis zwischen Kirche und Gesellschaft auch in Münster schon lange nicht mehr dem Bild entspricht, das in manchen Köpfen immer noch präsent zu sein scheint oder wie die Skyline der Stadt mit ihren vielen Kirchtürmen vermuten lässt. Münster ist eine durch und durch säkularisierte Stadt, deren gesellschaftliches und in Teilen auch institutionelles Gesamtgefüge sich dennoch maßgeblich aus christlichen Wurzeln speist.

Das Bistum Münster hat sich mit Stellungnahmen zurückgehalten, weil nicht das Bistum Veranstalter des Katholikentags ist, sondern das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Es ist ein von den katholischen Laien organisiertes Großtreffen, dessen Ursprünge in das Jahr 1848 zurückreichen. Damals begannen sich die Katholiken demokratisch zu organisieren. Das Jahr 1848, das deutsche Revolutionsjahr, markierte den bürgerlich-demokratischen Aufbruch, an dem Katholiken beteiligt waren. Der Katholikentag wurzelt in diesem demokratischen Aufbruch. Von daher richtet sich die Bitte des ZdK an Bund, Land und Kommune, einen finanziellen Zuschuss zu gewähren.

kirchensite.de: Wie gehen Sie auf die Kritiker der Kirche zu?

Winterkamp: In der Vorbereitung des Katholikentag werden wir eine offene und transparente Kommunikation pflegen und über die Kosten informieren. Traditionell sind auf den Katholikentagen kritische Stimmen vertreten. Das wird in Münster nicht anders sein.

Bei dem großen Treffen geht es in erster Linie darum, das vielfältige gesellschaftliche Engagement der Katholiken von der Arbeit in der Kindertageseinrichtungen bis hin im Hospiz darzustellen und gesellschaftliche Fragen im Diskurs zu erörtern. Nun gibt es organisierte Gegner der Kirchen, die man mit Sachargumenten nicht erreichen kann. Das empfinde ich als schade. Mir ist deutlich geworden, dass sich das Verständnis vom gesellschaftlichen Zusammenleben verändert hat: Gemeinwohl und städtisches Wohl sind nicht mehr Werte und Ideale, die von allen akzeptiert werden. Eigeninteressen nehmen zu nach dem Motto: mein Steuergeld für meine Interessen. So funktioniert das System aber nicht. Als begeisterter Fahrradfahrer wäre ich natürlich für den Ausbau von Fahrradwegen, Fußball interessiert mich weniger, warum sollte ich dann für den Ausbau des Preußen-Stadions in Münster sein? Aber eine solche Sicht wäre falsch: Es sollte niemals um Einzelinteressen gehen.

kirchensite.de: Orientiert sich die Politik immer weniger am Gemeinwohl?

Winterkamp: Es ist leider nicht mehr allen Politikern klar, dass wir ein subsidiär verfasstes System haben. Deutschland hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine Verfassung gegeben, in der das Subsidiaritätsprinzip verankert wurde. Für dieses Prinzip leistet die Kirche viel, etwa in den Bereichen Bildung, Kultur, beim Gemeinwohl und nicht zuletzt bei der Ausgestaltung des Wohlfahrtssystems. Es erschreckt mich, wenn diese Prinzipien offensichtlich einem Teil der Politiker nicht mehr bekannt sind.

kirchensite.de: Sie haben drei Jahren Zeit, das große Treffen vorzubereiten. Wie werden Sie diese Zeit nutzen?

Winterkamp: In der Vorbereitung auf Bistumsebene bin ich nicht allein. Um eine Breitenwirkung zu entfalten, werden viele Mitarbeiter einbezogen. Zunächst wird eine Koordinierungsgruppe aus 25 Mitgliedern eingerichtet. Darunter sind Vertreter aus dem Bischöflichen Generalvikariat Münster, aus dem Bischöflichen Offizialat Vechta, aus dem Priesterrat, dem Ordensrat, dem evangelischen Kirchenkreis, aus der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, dem Diözesankomitee der Katholiken und andere. Eingerichtet werden Workshops zu den Themen Medien und Kommunikation, Kunst und Kultur, Bildung, Frömmigkeit und Spiritualität. Vom Bistum Münster vorbereitet wird der Abend der Begegnung.

kirchensite.de: Welchen Charakter sollte der Katholikentag 2018 haben?

Winterkamp: Über die brennenden Fragen sollte kontrovers diskutiert werden. Die Veranstaltungen sollten Meinungsvielfalt und Bandbreite zeigen. Wir benötigen neue Formate, um Interesse zu wecken. Wir sollten Mut haben, Neues auszuprobieren. Das ZdK hat diesen Mut, da bin ich mir sicher.

kirchensite.de: An welche Kirchentage erinnern Sie sich selbst gern?

Winterkamp: Der Katholikentag 1990 in Berlin war für mich als damaliger Student etwas Besonderes. Die Atmosphäre in Berlin wenige Monate vor der Deutschen Einheit war noch geprägt vom Ost-West-Gedanken, der Fall der Mauer noch in den Köpfen. Es war eine historische Zeit. Doch dies wurde mir erst später bewusst.

kirchensite.de: Vor einigen Tagen hat der Diözesancaritasverband Münster Sie offiziell als dessen Vorsitzender verabschiedet. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Winterkamp: Dass er einen realistischen und liebevollen Blick auf die verbandlichen Strukturen der Caritas bekommt, ein Auge und ein Herz für die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich haupt- und ehrenamtlich im Caritasverband engagieren. Der Caritasverband lebt nicht vom Vorsitzenden, sondern vom Engagement an der Basis. Ich wünsche meinem Nachfolger, dass er eine eigene Position behält oder gewinnt. Es kann nicht schaden, etwas Distanz zu haben zur Selbstbeschäftigung, mit der jeder Verband zu kämpfen hat. Mein Nachfolger sollte einen liebevoll-distanzierten Blick auf solche Vorgänge behalten.

kirchensite.de: Was ist auf Ihrem Schreibtisch als Caritas-Chef liegen geblieben, was Sie selbst noch gern angepackt hätten?

Winterkamp: Den Caritasverband der Diözese verlasse ich in der Hoffnung, dass die Frage nach der christlichen Identität der karitativen Dienste, Leistungen und Angebote als eine auf allen Ebenen herausfordernde, gerade für die Glaubwürdigkeit kirchlicher Angebote zukunftsrelevante Thematik erkannt worden ist. Mich hat die Frage nach der christlichen Identität des Caritasverbands angesichts der ökonomischen Herausforderungen beschäftigt. Wir wollten dazu einen Kursus für Führungskräfte im Caritasverband etablieren. Das ist nun liegen geblieben. Ich hätte einen solchen Kurs gern noch initiiert.

kirchensite.de: Über welchen Erfolg in der Caritas-Arbeit freuen Sie sich am meisten?

Winterkamp: Die Caritas in der Diözese Münster ist zu einem Vorreiter bei der Entwicklung eines neues Systems zur Messung der Ergebnisqualität in der Pflege geworden. Die Erfahrungen aus dem Projekt „EQMS-Ergebnisqualität“ sind mittlerweile in das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz eingeflossen und haben gute Chancen, die ungeliebten Pflegenoten abzulösen. EQMS steht für „Ergebnisorientiertes Qualitätsmodell Münster“. Das Modell kommt den zu Pflegenden zugute. In mehr als 100 Einrichtungen der Altenhilfe hat der Caritasverband dies umgesetzt. Das Niveau in der Pflege hat sich dadurch erhöht.

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