Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles
26.05.2016
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Winterkamp

Domkapitular Klaus Winterkamp, Beauftragter des Bistums Münster für den Katholikentag 2018.

Bistums-Beauftragter zu Münsters Katholikentags-Entscheidung

Winterkamp: Rats-Nein ist "Spiegel der Säkularisierung"

Bistum. Die Stadt Münster wird keinen Zuschuss zum dortigen Katholikentag im Jahr 2018 geben. Der Stadtrat lehnte am Mittwochabend (25.03.2015) eine Vorlage von Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) ab, die einen Zuschuss von 1,2 Millionen Euro vorsah. Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei wurde beschlossen, den Katholikentag nur durch Sachleistungen zu unterstützen. Über die Ratsentscheidung sprach kirchensite.de mit Münsters Domkapitular Klaus Winterkamp, Katholikentagsbeauftragter des Bistums Münster.

kirchensite.de: Wie bewerten Sie den Beschluss des Rats der Stadt Münster?

Domkapitular Klaus Winterkamp: Ich begrüße jede Form der Unterstützung für den Katholikentag. Es wäre für alle am einfachsten gewesen, einen pauschalen Zuschuss zu geben. Die Abrechnungsmodalitäten, die nun auf den Weg gebracht worden sind, machen für den Veranstalter vieles komplizierter. Nicht immer war die Debatte von Sachkenntnis geprägt, einiges wurde ideologisch verbrämt.

kirchensite.de: Wie erklären Sie sich den Gegenwind, mit dem die Veranstalter des Katholikentags zurechtkommen müssen?

Winterkamp: Die Diskussionen zeigen mir, wie um ein neues Verhältnis von Religion und Gesellschaft, von Kirche und Staat gerungen wird. In den Debatten spiegeln sich die Säkularisierungsschübe der letzten Jahre wider. Die Säkularisierungsschübe sind nicht zuletzt im Kontext des Skandals des sexuellen Missbrauchs und des verantwortungslosen Umgang mit Kirchenvermögen in Limburg zu sehen.

kirchensite.de: In den letzten Wochen und Monaten ist heftig über einen finanziellen Zuschuss für den Katholikentag gestritten worden. Wie haben Sie die Debatten in Münsters Kommunalpolitik empfunden?

Winterkamp: Die Diskussionen, die der Antrag des Zentralkomitees der deutschen Katholiken bei der Stadt Münster um eine finanzielle Unterstützung des Katholikentags ausgelöst hat, haben deutlich gezeigt, dass das Verhältnis zwischen Kirche und Gesellschaft auch in Münster schon lange nicht mehr dem Bild entspricht, das in manchen Köpfen immer noch präsent zu sein scheint oder wie die Skyline der Stadt mit ihren vielen Kirchtürmen vermuten lässt. Münster ist eine durch und durch säkularisierte Stadt, deren gesellschaftliches und in Teilen auch institutionelles Gesamtgefüge sich dennoch maßgeblich aus christlichen Wurzeln speist.

Das Bistum Münster hat sich mit Stellungnahmen zurückgehalten, weil nicht das Bistum Veranstalter des Katholikentags ist, sondern das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Es ist ein von den katholischen Laien organisiertes Großtreffen, dessen Ursprünge in das Jahr 1848 zurückreichen. Damals begannen sich die Katholiken demokratisch zu organisieren. Das Jahr 1848, das deutsche Revolutionsjahr, markierte den bürgerlich-demokratischen Aufbruch, an dem Katholiken beteiligt waren. Der Katholikentag wurzelt in diesem demokratischen Aufbruch. Von daher richtet sich die Bitte des ZdK an Bund, Land und Kommune, einen finanziellen Zuschuss zu gewähren.

kirchensite.de: Wie gehen Sie auf die Kritiker der Kirche zu?

Winterkamp: In der Vorbereitung des Katholikentag werden wir eine offene und transparente Kommunikation pflegen und über die Kosten informieren. Traditionell sind auf den Katholikentagen kritische Stimmen vertreten. Das wird in Münster nicht anders sein.

Bei dem großen Treffen geht es in erster Linie darum, das vielfältige gesellschaftliche Engagement der Katholiken von der Arbeit in der Kindertageseinrichtungen bis hin im Hospiz darzustellen und gesellschaftliche Fragen im Diskurs zu erörtern. Nun gibt es organisierte Gegner der Kirchen, die man mit Sachargumenten nicht erreichen kann. Das empfinde ich als schade. Mir ist deutlich geworden, dass sich das Verständnis vom gesellschaftlichen Zusammenleben verändert hat: Gemeinwohl und städtisches Wohl sind nicht mehr Werte und Ideale, die von allen akzeptiert werden. Eigeninteressen nehmen zu nach dem Motto: mein Steuergeld für meine Interessen. So funktioniert das System aber nicht. Als begeisterter Fahrradfahrer wäre ich natürlich für den Ausbau von Fahrradwegen, Fußball interessiert mich weniger, warum sollte ich dann für den Ausbau des Preußen-Stadions in Münster sein? Aber eine solche Sicht wäre falsch: Es sollte niemals um Einzelinteressen gehen.

kirchensite.de: Orientiert sich die Politik immer weniger am Gemeinwohl?

Winterkamp: Es ist leider nicht mehr allen Politikern klar, dass wir ein subsidiär verfasstes System haben. Deutschland hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine Verfassung gegeben, in der das Subsidiaritätsprinzip verankert wurde. Für dieses Prinzip leistet die Kirche viel, etwa in den Bereichen Bildung, Kultur, beim Gemeinwohl und nicht zuletzt bei der Ausgestaltung des Wohlfahrtssystems. Es erschreckt mich, wenn diese Prinzipien offensichtlich einem Teil der Politiker nicht mehr bekannt sind.

kirchensite.de: Sie haben drei Jahren Zeit, das große Treffen vorzubereiten. Wie werden Sie diese Zeit nutzen?

Winterkamp: In der Vorbereitung auf Bistumsebene bin ich nicht allein. Um eine Breitenwirkung zu entfalten, werden viele Mitarbeiter einbezogen. Zunächst wird eine Koordinierungsgruppe aus 25 Mitgliedern eingerichtet. Darunter sind Vertreter aus dem Bischöflichen Generalvikariat Münster, aus dem Bischöflichen Offizialat Vechta, aus dem Priesterrat, dem Ordensrat, dem evangelischen Kirchenkreis, aus der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, dem Diözesankomitee der Katholiken und andere. Eingerichtet werden Workshops zu den Themen Medien und Kommunikation, Kunst und Kultur, Bildung, Frömmigkeit und Spiritualität. Vom Bistum Münster vorbereitet wird der Abend der Begegnung.

kirchensite.de: Welchen Charakter sollte der Katholikentag 2018 haben?

Winterkamp: Über die brennenden Fragen sollte kontrovers diskutiert werden. Die Veranstaltungen sollten Meinungsvielfalt und Bandbreite zeigen. Wir benötigen neue Formate, um Interesse zu wecken. Wir sollten Mut haben, Neues auszuprobieren. Das ZdK hat diesen Mut, da bin ich mir sicher.

kirchensite.de: An welche Kirchentage erinnern Sie sich selbst gern?

Winterkamp: Der Katholikentag 1990 in Berlin war für mich als damaliger Student etwas Besonderes. Die Atmosphäre in Berlin wenige Monate vor der Deutschen Einheit war noch geprägt vom Ost-West-Gedanken, der Fall der Mauer noch in den Köpfen. Es war eine historische Zeit. Doch dies wurde mir erst später bewusst.

kirchensite.de: Vor einigen Tagen hat der Diözesancaritasverband Münster Sie offiziell als dessen Vorsitzender verabschiedet. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Winterkamp: Dass er einen realistischen und liebevollen Blick auf die verbandlichen Strukturen der Caritas bekommt, ein Auge und ein Herz für die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich haupt- und ehrenamtlich im Caritasverband engagieren. Der Caritasverband lebt nicht vom Vorsitzenden, sondern vom Engagement an der Basis. Ich wünsche meinem Nachfolger, dass er eine eigene Position behält oder gewinnt. Es kann nicht schaden, etwas Distanz zu haben zur Selbstbeschäftigung, mit der jeder Verband zu kämpfen hat. Mein Nachfolger sollte einen liebevoll-distanzierten Blick auf solche Vorgänge behalten.

kirchensite.de: Was ist auf Ihrem Schreibtisch als Caritas-Chef liegen geblieben, was Sie selbst noch gern angepackt hätten?

Winterkamp: Den Caritasverband der Diözese verlasse ich in der Hoffnung, dass die Frage nach der christlichen Identität der karitativen Dienste, Leistungen und Angebote als eine auf allen Ebenen herausfordernde, gerade für die Glaubwürdigkeit kirchlicher Angebote zukunftsrelevante Thematik erkannt worden ist. Mich hat die Frage nach der christlichen Identität des Caritasverbands angesichts der ökonomischen Herausforderungen beschäftigt. Wir wollten dazu einen Kursus für Führungskräfte im Caritasverband etablieren. Das ist nun liegen geblieben. Ich hätte einen solchen Kurs gern noch initiiert.

kirchensite.de: Über welchen Erfolg in der Caritas-Arbeit freuen Sie sich am meisten?

Winterkamp: Die Caritas in der Diözese Münster ist zu einem Vorreiter bei der Entwicklung eines neues Systems zur Messung der Ergebnisqualität in der Pflege geworden. Die Erfahrungen aus dem Projekt „EQMS-Ergebnisqualität“ sind mittlerweile in das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz eingeflossen und haben gute Chancen, die ungeliebten Pflegenoten abzulösen. EQMS steht für „Ergebnisorientiertes Qualitätsmodell Münster“. Das Modell kommt den zu Pflegenden zugute. In mehr als 100 Einrichtungen der Altenhilfe hat der Caritasverband dies umgesetzt. Das Niveau in der Pflege hat sich dadurch erhöht.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedZdK nach Rats-Nein: Katholikentag in Münster "offene Frage" (26.03.2015)

Interview: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard
26.03.2015

Übersicht: Katholikentag

Vom 25. bis 29. Mai findet in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag statt.

Haus der Seelsorge

Die Klosterfürbitte, der Gruppen-Chat und die E-Mail-Seelsorge haben seit dem 1. Mai 2016 eine eigene Internetseite: www.haus-der-seelsorge.de.

Heilige und Selige

Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.

Dossier Wallfahrt

Seit Jahrhunderten machen sich Christen auf den Weg, um unterwegs Gott ein Stück näher zu kommen.

Jahr der Barmherzigkeit

Am 8. Dezember hat Papst Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit eröffnet.

Dossier: Maria - Mutter Jesu

Dieses kirchensite.de-Dossier stellt Informationen über die Muttergottes zusammen.

Glaubenswissen

Katholikentage: Impulse für Kirche und Gesellschaft.

Fronleichnam

"Demo" des Glaubens und typisch katholisch.

VIDEO-Tipp ...

kirchensite.de-Serie begleitet Neupriester.

Moderne Sklaverei

Papst Franziskus hat Lohndumping und Schwarzarbeit als "Todsünden" verurteilt.

Der Leib Christi

Gedanken zum Empfang der Eucharistie.

Beratung – Hilfe - Unterstützung

Die Kirche hält eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote bereit, Menschen in individueller Notsituation zu unterstützen und ihnen zu helfen.

Abschied vom "Breul"

Das Bistum Münster plant den Bau eines neuen Wohnheims für 200 Studierende in Münster.

Bibelarbeiten

Die Bibelarbeiten befassen sich mit Schriftstellen aus dem Alten und Neuen Testament und eignen sich für die Gemeindearbeit und für die persönliche Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.

Bischöfliches Offizialat Vechta

Weltweit einzigartig.

Wallfahrtsorte

Heek: Heiliges Kreuz.

Verbände

Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands.

Familienkreise

Austausch mit Gleichgesinnten.

Ausländerseelsorge

Der Glaube spricht viele Sprachen im Bistum Münster.

Regionen

Niederrhein.

Kirche von A bis Z

Wallfahrt: Gott besonders nahe.

Durch das Jahr

Maiandachten zum Herunterladen.

Geistlicher Impuls

Geistliche Musik: Ave Maria – Gegrüßet seist du, Maria.

Mit der Bibel leben

Der Glaube Marias.

Heiligenlexikon

30. Mai: Heilige Reinhild von Westerkappeln.

Glaubens-ABC

Beten: Sein vor Gott.

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand