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27.05.2016
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Einer Zahlungsaufforderung sofort nachzukommen verhindert Komplikationen.

Einer Zahlungsaufforderung sofort nachzukommen verhindert Komplikationen.

Die kleinen Sünden des Alltags

Folge 5: Rechnungen stets zu spät bezahlen

Bistum. Ein Handwerker auf der Nordseeinsel Sylt, der aus nachvollziehbaren Gründen anonym bleiben möchte, schildert seine Berufs-Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte: Je reicher die (oft vom Festland stammenden) Auftraggeber gewesen seien, desto mehr Schwierigkeiten habe er in der Regel gehabt, nach Ableistung der vereinbarten Dienste an seinen Arbeitslohn und das ihm zustehende Geld zu kommen, klagt er.

Vor allem in den letzten Jahren seines Berufslebens hätten Kunden immer dreister versucht, die Zeche zu prellen: indem sie alle Energie aufwandten, um ein Haar in der Suppe – also einen Fehler bei der Ausführung der handwerklichen Arbeiten – und somit einen Minderungsgrund zu finden oder gar nicht zahlen zu müssen. Über Monate habe er hinter seinem Verdienst herlaufen, manchmal sogar unverschämte und völlig unbegründete Gegenklagen abwehren müssen, wenn er (nachdem alles andere nicht half) schließlich mit einem Anwalt seine Ansprüche durchzusetzen suchte.

Pikantes Detail am Rand: Manche Rechtsanwälte der neureichen Zechpreller mussten ähnliche Erfahrungen anschließend selbst machen – und ihrerseits immer neue Honorarforderungen stellen. Besonders dann, wenn der Prozess nicht zugunsten ihrer Mandanten ausgegangen war, erkannten sie deren Geiz und wahres Gesicht vielfach erst im Nachhinein. "Die haben nicht richtig gearbeitet" oder "Denen geht's sowieso viel zu gut": Mit solchen Ausreden versuchten die Auftraggeber sich und andere – in ihrem selbstgemachten "Rechtssystem" – zu betrügen.

Auch Ärzte können ein Lied von solch schlechtem Stil singen. Es gibt Privatpatienten, die sich vom Chefarzt operieren lassen und anschließend von ihrer Krankenkasse Tausende für die erbrachte Leistung kassieren. Doch statt das Geld prompt an den Operateur zu überweisen, finanzieren sie damit irgendwelche Neuanschaffungen oder eine kostspielige Lebensweise – gern wieder mit der Rechtfertigung, Ärzten gehe es doch auch ohne ihre konkrete Geldforderung schon überdurchschnittlich gut.

Leider ist solches Verhalten längst keine Ausnahme mehr. Und nach dem Motto: "Wehret den Anfängen" sollte sich auch jeder, der immer erst die Zahlungserinnerung oder gar Mahnung abwartet, bevor er sich bequemt, ausstehende Rechnungen zu begleichen, fragen lassen, ob sein Tun korrekt ist.

Arbeit hat ihren Preis – und der muss nun mal bezahlt werden. Ist es nicht Entgegenkommen genug, wenn Fristen von bis zu sechs Wochen gewährt werden, um "das Zahlungsziel zu erreichen"? Vielfach muss ein Handwerker in Vorleistung gehen, sich also selbst verschulden, um benötigtes Material zu besorgen. Was bei einer Ratenzahlung (gegen entsprechende Zinsen!) funktionieren mag, ist bei den meisten Dienstleistungen und im zwischenmenschlichen Miteinander eigentlich nicht vorgesehen: ein stetiges "Leben auf Pump".

Für den Tag und die Woche

Keine Frage: Jeder muss haus- und sein Geld zusammenhalten. Gerade durch die Finanzkrise sind viele ehrliche Sparer oder Kleinanleger zu Opfern einer unglaublichen Wirtschafts-Gier geworden, sodass sie auf den Gedanken kommen könnten: "Warum soll ich ehrlich, pflichtbewusst und dem Gemeinwohl zugetan leben, wenn Letzteres von anderen mit Füßen getreten wird?" Doch wie heißt es andererseits in der jahrtausendealten "Goldenen Regel": "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem and'ren zu!"

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Text: Jan Magunski | Foto: Michael Bönte
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