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10.12.2018
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Gerleve

Pater Thaddäus Vos ist Cellerar der Benediktinerabtei Gerleve.

Tagung zur Finanzsituation von Ordensgemeinschaften

"Ein Kloster muss reich sein – aber nicht materiell"

Münster. Am Dienstag und Mittwoch (10. / 11.03.2015) tagen in Münster mehr als 300 Ordensmitglieder aus 200 Gemeinschaften in Deutschland zur Lage und Zukunft der Orden. Dabei nehmen sie auch die Finanzsituation der Gemeinschaften in den Blick. Zu diesem Thema äußert sich im Interview Pater Thaddäus Vos, Cellerar – also Ökonom – der Benediktinerabtei Gerleve in Billerbeck (Kreisdekanat Coesfeld).

kirchensite.de: Vor welchen wirtschaftlichen Herausforderungen steht ein Kloster?

Pater Thaddäus: Das hängt davon ab, wie es ausgestattet ist. Eine große, alte Abtei – zum Beispiel in Österreich – mit in Jahrhunderten erworbenem großem Landbesitz verfügt über eine sichere Ressource zur Deckung anfallender Kosten. Liegen solche oft historisch gewachsene Vermögenswerte nicht vor oder sind sie zum Beispiel durch Enteignung seitens staatlicher Stellen verlorengegangen, ist das Kloster darauf angewiesen, dass die Mitglieder durch ihre Tätigkeiten die notwendigen Mittel erwirtschaften. Oder dass es Unterstützer wie private Spender oder die Diözese gibt.

Anders als die bischöflich verfasste Kirche haben wir keine Ansprüche auf Kirchensteuern oder Ähnliches. Die konkrete Herausforderung für viele Gemeinschaften besteht aktuell darin, dass aufgrund der geringeren Mitgliederzahlen und der vielfach älteren Mitglieder die Mittelerwirtschaftung durch eigene Leistungen zunehmend schwierig wird. Auch Spender oder kirchliche Institutionen sind selbst bei bestem Willen nicht immer in der Lage, die notwendige Unterstützung zu leisten. Deswegen geraten Gemeinschaften in die Situation, dass sie Einrichtungen, die sie bisher vorhielten, personell, aber auch finanziell nicht mehr tragen können. In manchen Fällen geraten Klöster auch in echte Existenznot und sind auf Unterstützung zum Beispiel durch andere Gemeinschaften angewiesen. Oder – auch das hat es bereits gegeben – sie müssen sich schlicht auflösen.

kirchensite.de: Wie kann ein Kloster Vermögen gut verwalten?

Pater Thaddäus: Wenn es hinreichend professionelle Kräfte und seriöse Beratung zur Verfügung hat, die diese Verwaltung leisten. Ansonsten gelten – wie überall sonst – die Regeln und Maßgaben einer verantwortungsbewussten Vermögensverwaltung, die jedoch bei einer geistlichen Gemeinschaft sicher noch mehr als bei einem "normalen" Vermögensverwalter ethische Prinzipien wie absolute Ehrlichkeit sowie Nachhaltigkeit und eine vernünftige Transparenz einschließen.

kirchensite.de: Wie "reich" darf, wie "arm" muss ein Kloster sein?

Pater Thaddäus: Die Antwort auf diese Frage hängt stark von der Definition des Reichtums und der Armut ab. Ein Kloster darf nicht nur, sondern muss reich sein – an geistlichen Gütern, an Inspiration, Frömmigkeit, Eifer für die Sache Jesu und anderen Werten. Ein Kloster muss aber materiell nicht reich sein und ist es auch per se in den allermeisten Fällen nicht. Notwendig ist meiner Ansicht nach eine vernünftige Existenzsicherung auch auf absehbare Zukunft hin. Eine ungeordnete Anhäufung oder "Verteidigung" von bestehenden Reichtümern hingegen widerspricht dem Ideal des christlichen Ordenslebens.

Aktuell geht es für viele Ordensgemeinschaften darum, die Alterssicherung der Mitglieder auf eine solide Basis auch für den Fall zu stellen, dass die Gemeinschaft in der Zukunft mangels Mitgliedern "stirbt". Einen Anspruch wie den des heiligen Franziskus auf radikale Armut bis hin zur völligen Besitzlosigkeit nicht nur des Einzelnen, sondern der ganzen Gemeinschaft würde ich weder in praktischer noch in theologischer Hinsicht unterstützen.

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